VARum nur?

Von am 13. Juni 2019 – 13.20 Uhr 57 Kommentare

Im März 2018 genehmigte der International Football Association Board (IFAB) die Einführung des Videobeweises. Doch was zu größerer Fairness im Sport führen soll, verkommt bei der Frauenfußball-WM in Frankreich zu einem ärgerlichen Akt der Willkür.

Kontrovers und willkürlich: VAR bei der WM in Frankreich war bisher keine Erfolgsgeschichte © imago / PanoramiC

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Als „historischen Schritt für größere Fairness im Fußball“ bezeichnete der IFAB die Einführung des Videoschiedsrichter-Assistenten (VAR) im vergangenen Jahr.

Ziel des Videobeweises soll sein, irreguläre Tore zu identifizieren, die Verwechslung von Spielerinnen zu vermeiden, rotwürdige Tätlichkeiten zu entlarven und korrekte Elfmeterentscheidungen zu ermöglichen. Doch Problem des VAR ist in den bisherigen WM-Tagen von Frankreich vor allem seine willkürliche Anwendung.

Beim Spiel Frankreich gegen Norwegen traf die Norwegerin Ingrid Syrstad Engen, nachdem sie den Ball geklärt hatte, die Französin Marion Torrent unabsichtlich am rechten Knie. Nach Einschätzung von Videoschiedsrichter Felix Zwayer im Videoraum ein Fall für VAR, Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus zeigte auf den Elfmeterpunkt, nachdem sie zuvor die Situation nicht als elfmeterwürdig eingestuft hatte. Und sorgte damit maßgeblich für den Erfolg der Französinnen.

Das Handspiel der Nigerianerin Desire Oparanozie wurde nicht geahndet © Screenshot ZDF

Handspiel nicht geahndet

Nur wenige Stunden zuvor war Nigerias Führungstreffer gegen Südkorea trotz VAR-Checks anerkannt worden, obwohl Nigerias Spielerin Desire Oparanozie beim Eigentor der Südkoreanerin Kim Doyeon dem Ball zweifelsfrei mit der Hand den letzten Touch gegeben hatte.

Statt der einzig korrekten Entscheidung, den Treffer abzuerkennen und Operanozie mit der Gelben Karte zu verwarnen, zeigte Schiedsrichterin Anastasia Pustovoytova zur Überraschung aller auf den Anstoßkreis. „Dieses Tor dürfte nicht gegeben werden. Wer diesen Treffer gibt, hat im Videoraum nichts verloren“, meinte ZDF-Kommentator Béla Réthy süffisant.

Fragwürdige Szenen bleiben oft ungeprüft

Der Videobeweis soll laut IFAB die durch „klare und offensichtliche Fehler“ oder durch „ernsthafte verpasste Zwischenfälle“ verursachte Unfairness reduzieren, doch genau das will ihm in diesen Tagen bisher nicht so recht gelingen. Stattdessen wird VAR zum Emotionskiller, der den rasanten Spielen Frankreich gegen Norwegen und Spanien gegen Südafrika jeweils beim Stand von 1:1 den emotionalen Stecker zog. Das in Bezug auf Handspiel und Elfmeter absurde und wohl am Reißbrett entstandene praxisferne Regelwerk erhält durch VAR eine neue Dimension der Lächerlichkeit und führt zu nicht weniger kontroversen Diskussionen als in der Vergangenheit. Zahlreiche andere, oft fragwürdigere Spielszenen werden gar nicht erst überprüft.

Die Abseitsstellung der Italienerin Barbara Bonansea war nur mit Hilfe von Kalibrierungslinien zu erkennen © Screenshot ZDF

Millimeterentscheidung

Als „klarer und offensichtlicher Fehler“ wurde so auch eine Abseitsstellung der Italienerin Barbara Bonansea in der Anfangsphase des Spiels Italien gegen Australien eingestuft, die allerdings erst nach mehrminütiger Überprüfung und Einblendung von Kalibrierungslinien auf dem Spielfeld „offensichtlich“ wurde, sprich mit freiem Auge kaum zu erkennen war. Dem italienischen Treffer wurde die Anerkennung verweigert. Formell mag das eine richtige Entscheidung gewesen sein, dem Fußball erweist man mit derartigen Entscheidungen eher einen Bärendienst und solche Spielszenen dürfte auch der IFAB bei der Genehmigung des Videobeweises kaum gemeint haben.

VAR in jetziger Form unbrauchbar

Die Regelhüter des IFAB sollten sich für die Zukunft Gedanken über eine Modifizierung des VAR-Einsatzes machen: Nur auf Intervention der beteiligten Teams selbst und nicht auf Basis von Willkür und Gutdünken sollte er zum Einsatz kommen. Pro Spiel und Team sollte die Anzahl möglicher VAR-Interventionen beschränkt sein, um eine inflationäre Verwendung zu unterbinden und nur wirklich bei „klaren und offensichtlichen Fehlern“ oder bei „ernsthaften verpassten Zwischenfällen“ zum Einsatz zu kommen. Das funktioniert in anderen Sportarten, wie etwa Eishockey und Tennis, wesentlich besser, als im Fußball.

Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

57 Kommentare »

  • Volker sagt:

    historischen Schritt für größere Fairness im Fußball“ Natürlich ist dieser Satz völliger Unsinn. An der immer Subjektiven Wahrnehmung des Menschen ändert auch ein Video Beweis Nichts. Der Gesichtsausdruck von Ingrid Engen zeigt es deutlich. Sie wollte die Situation klären aus ihrer Sichtweise hat sie also die richtige Entscheidung getroffen. Sie klärt, nur landet ihr Fuß am Oberschenkel der heranstürmenden Französin die aus ihrer Sicht genau die selbe richtige Entscheidung trifft indem sie es verhindern will. Für die eine ein Unfall für die Andere schmerzhaft. Löst man nun diese Individuelle Betrachtung und reduziert man diese auf ein zweidimensionales Bild erscheint der Tritt gegen den Oberschenkel im Mittelpunkt was sich durch mehrfaches wiederholen auch noch verstärkt. Hinzu kommt das die Schiedsrichterin sich für oder gegen den visuellen Effekt und gegen eine 4 zu 1 Sichtweise entscheiden muss. Wobei der Eindruck der bessern Übersicht das nächste Problem in der Beurteilung ist. Ich möchte mit diesem Beispiel zeigen das ein Videobeweis sogar das Gegenteil von dem erzeugen kann was er eigentlich soll. Sicher habe ich die Meinung der „Experten“ über das für und wider der 11 Meter Entscheidung ignoriert. Ist auch nicht der Gegenstand meiner Betrachtung. Ich hoffe das zumindest einige verstanden haben was ich ausdrücken will.

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  • Fan2 sagt:

    @CarlyB: Erneut gefährliches Halbwissen! Der VAR greift auf bei rotwürdigem Foul ein.

    Insgesamt sehe ich es auch so, dass man alle diese Entscheidungen letztlich so vertreten kann. Bei Oparanozie lag mMn kein Handspiel vor, bei dem 3:2 der Matildas handelte es sich um ein Eigentor ohne aktives Eingreifen von Kerr (nur weil eine Spielerin durch die Anwesenheit einer anderen „irgendwie“ beeinflusst sein könnte, ist das noch lange kein Abseits), bei Spanien und Frankreich war es jeweils ein Foul, das einzige, was fehlte, mag die Gelbe Karte gegen die Norwegerin gewesen sein, weil sie mit offener Sohle in die Gegenspielerin reingeht.

    Alles also richtig gemacht soweit. Btw: Wer es meint besser zu können, der kann sich ja gerne bei der IFAB offiziell bewerben. Freue mich dann schon, wenn wir demnächst dann darüber sprechen, was die betreffende Person sich so alles für Fehlentscheidungen geleistet hat!

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  • Altfan sagt:

    Sehr geehrter Herr Juchem,

    ein prima Kommentar zum VAR, zu dem ich Sie nur beglückwünschen kann. Die Challenge, wie in anderen Sportarten bereits seit Jahren erprobt, ist das einzig richtige Mittel im Umgang mit dem VAR. Umso bedauerlicher, dass sich hier „Fachleute“ zu Wort melden, die absolut keine Kenntnis haben, wie dies in anderen Sportarten wunderbar klappt. Aber warum sollte der selbstherrliche Fußball mit den alten Männern der FIFA übernehmen, was woanders problemlos funktioniert. Zur Aufklärung: Jede Mannschaft hat in jeder Halbzeit maximal 2x die Möglichkeit, den Videobeweis in Anspruch zun nehmen. Liegt die Mannschaft mit ihrem „Einspruch“ richtig, verlängert sich der Anspruch für künftige Spielsituationen. Liegt man falsch, reduziert sich die Inanspruchnahme bis keine Möglichkeit mehr gegeben ist. Somit beschwert sich niemand über den Schiedsrichter bzw. den VAR, da mann/frau es selbst in der Hand hat, für korrekte Entscheidungen zu sorgen. Auch gut: Der Schiedsrichter erklärt per Mikrofon den Zuschauern seine Entscheidung, welche zusätzlich – so vorhanden – auf der Videowand zur Ansicht gegeben wird.Eine bessere Kommunikation mit den Zuschauern (und natürlich auch den Spielern) gibt es nicht!!! Dieses Beispiel aus dem Feldhockey zeigt, wie einfach es gehen könnte – wenn man denn nur wollte!!! Und um die Sache komplett zu machen: Ich würde im Fußball sofort die Zeit anhalten, sobald der Ball aus dem Spiel bzw. selbiges unterbrochen ist. Jegliches Zeitspiel wäre nutzlos und die lächerliche Nachspielzeit könnte frau/man sich schenken. Aktuell ist der Ball bei einer Spieldauer von 90 Minuten maximal 40 bis 50 Minuten im Spiel! Warum also nicht gleich mit einer reinen Spielzeit von z.B. 2 x 30 Minuten arbeiten?!?Alle Schauspielerei hätte endlich ein Ende, die Schnelligkeit von Ballkindern uninteressant!!!

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  • Rago sagt:

    Mag sein, dass das vielen nicht gefällt, was ich jetzt hier schreibe, aber ich möchte jetzt an dieser Stelle auch mal meine Meinung abgeben, da mir der Artikel deutlich zu viel Populismus enthält.

    Um mal auf die strittigsten Szenen des VARs bisher einzugehen:
    2. Elfmeter für Spanien gegen Südafrika, hier muss auch ich als Beführworter des VARs zugeben, dass hier wohl eine Fehlentscheidung getroffen worden ist.

    Elfmeter für Frankreich gegen Norwegen, ich habe mir die Szene jetzt mehrfach angeschaut und je öfter ich draufschaue desto eher sieht es für mich so aus, als wenn Torrent den Ball zuerst berührt und ihn mit der Innenseite ihres rechten Beins wegspielt, bevor Engen dann über den Ball drischt und die Französin trifft. So haben, dass ja auch Steinhaus, Zwayer und Collinas Erben VARgenommen (kleiner Wortwitz). Absicht von Engen? Sicher nicht, aber es ist ja nicht die Absicht sondern das Ergebnis entscheidend und das war ein Treffer am Bein der Französin. Daher meiner Meinung nach richtig entschieden (und das sag ich als jemand der in diesem Spiel eher mit den Norwegerinnen sympatisiert hat)

    Abseibtsentscheidung bei Australien – Italien: Vorweg die Entscheidung war natürlich richtig den Treffer nicht zu geben, da Bonansea im Abseits stand, zwar knapp aber bei Abseits gibt es (wie Collinas Erben auch jedes mal betonen) nur schwarz oder weiß. Darüber hinaus kann man diese Entscheidung wohl kaum dem VAR ankreiden, den auf dem Feld wurde von der Assistentin (ganz ohne VAR) auf Abseits entschieden, wer mir nicht glaubt kann sich das Ganze in der Videothek des ZDF nochmal anschauen. Zur Zeiten ohne VAR wäre die Italienerin also zurückgepfiffen worden, ehe sie den Treffer erzielen konnte.

    Handspiel von Nigeria beim Treffer gegen Südkorea: War sie wirklich mit der Hand am Ball? ja sie fährt den Arm aus und versucht ihn zu berühren, aber der Versuch allein ist halt noch nicht strafbar und ich gehe mal davon aus das die Leute im Videoraum keine Einstellung gefunden haben, die eine Berührung zweifelsfrei nachweist und so blieb halt die auf dem Feld getroffene Entscheidung stehen. Schließlich ändert der Ball ja weder seine Flugrichtung noch wird er anderweitig dadurch (zumindest wahrnehmbar) beeinflusst.

    Australiens 3:2 gegen Brasilien: Hier haben sich Collinas Erben ausführlichst geäußert, Kurz zusammengefasst: Nach derzeitiger Regelauslegung war diese Entscheidung richtig (mir persönlich gefällt das zwar auch nicht, und ich hätte es besser gefunden, wenn auf Abseits entschieden worden wäre, den Kerr beeinflusst ihre Gegnerin hier doch schon sehr, aber so ist nunmal die Regel)

    Abschließend möchte ich noch jeden der auf den VAR eindrischt daran erinnern, dass er sich doch nochmal die beiden Halbfinals der WM2015 anschauen soll und sich dabei die Augen reiben für was damals sowohl die USA als auch Japan einen Elfmeter bekommen haben (Fouls klar!!! vor dem Strafraum nur sprangen die Stürmerinnen weit genug nach vorne um im Strafraum aufzukommen). So viel zum Thema mehr Fairness !!!

    Und weil es gerade läuft zu Italien Jamaika: Die Elfmeterwiederholung hat nichts mit dem VAR zu tun, das entscheidet die Schiedsrichterin ganz alleine (zum Nachhören hat Collinas Erben das in einer der letzten Folgen erklärt, dass hier der VAR nicht eingreift).

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  • Bernd sagt:

    @ Altfan
    Du schreibst hier über die „Fachleute“ die absolut kene Kenntnis“ haben, aber Du weißt „das einzig richtige Mittel“.
    Dann vergleichst Du unterschiedliche Sportarten miteinander, übersiehst dabei aber die grundlegend anderen Voraussetzungen und Bedürfnisse.
    Um es vorweg zu sagen, ich kenne das einzig richtige Mittel nicht! Das ist auch grundsätzlich eher eine Frage der Prämissen jedes Einzelnen. Dem Traditionalisten geht es evtl. darum das Fussballspiel so einfach und ursprünglich wie möglich zu halten. Dem Gerechtigkeitsfanatiker geht es evtl. darum möglichst alle strittigen Szenen zu überprüfen. Dem Stadionbesucher geht es evtl. darum seine Emotionen ausleben zu können und nicht minutenlang warten zu müssen, ob er überhaupt jubeln und sich freuen darf. Evtl. erfährt er dann erst zuhause, warum ein Tor wieder aberkannt wurde. Es gibt noch mehr Perspektiven aus denen die Angelegenheit betrachtet werden kann. Daher empfinde ich es als etwas anmaßend von Dir zu meinen „das einzig richtige Mittel“ zu kennen. Dies kann es und wird es daher auch nicht geben. Es ist immer eine Abwägung der Vor- und Nachteile, bei der man natürlich zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen kann.
    Interpretationsspielraum und unterschiedliche Ansichten wird es immer geben.
    Es gibt für mich absolut sinnvolle Neuerungen wie das Hawk-eye um dem Schiedsrichter sofort zu signalisieren, ob ein Ball vollständig hinter der Torlinie war. Der Spielablauf wird dadurch praktisch nicht gestört. Diese Neuerung ist wohl auch weitgehend unumstritten, ausser evtl. bei Jenen die meinen in Deutschland würde alles kritisiert. Das Hawk-eye an den Linien im Tennis, ist für mich am ehesten mit der Torlinientechnologie im Fussball vergleichbar. Ansonsten halte ich den Vergleich des VAR mit Tennis allerdings für unzutreffed. Es gibt beim Tennis in der Regel keine Fouls und auch keine Abseits- oder Elfmeterentscheidungen. Kurzum die Punkte bei denen beim VAR gestritten wird spielen beim Tennis keine Rolle. Auch im Vergleich zum Eishockey gibt es viele Unterschiede, z.B. feste Abseitslinie, kein passives Abseits und vieles mehr, weshalb Vergleiche nicht so einfach sind. Auch im Feldhockey geht es zumeist um andere Dinge, hauptsächlich Strafecken. Mir gefällt es nicht, dass dauernd versucht wird des Gegners Füße zu treffen um Strafecken heraus zu holen und dies dann andauernd per Videobeweis überprüft wird, ob der Versuch erfolgreich war.
    Wenn es beim Fussball hauptsächlich darum gehen würde eine Hand des Gegners anzuschiessen und dies per VAR kontrollieren zu lassen, wäre es bestimmt auch mit meiner Fusbballliebe bald vorbei!

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  • Markus Juchem sagt:

    @Rago: Nur noch mal zur Klarstellung: Ich habe nichts gegen VAR grundsätzlich, ich finde nur die Art und Weise, wie er derzeit eingesetzt wird diskussions- und kritikwürdig.

    Wir hatten beispielsweise heute im Spiel Japan gegen Schottland gleich zwei zumindest überprüfenswerte Vorfälle, ein Foul an Erin Cuthbert und das Handspiel einer Japanerin. In beiden Fällen wurde nicht überprüft, VAR blieb stumm. Warum? Es bleibt einfach nangels Nachvollziehbarkeit und Willkür ein fader Beigeschmack.

    Zum Spiel Jamaika gegen Italien: Natürlich war die Elfmeterwiederholung eine VAR-Entscheidung, das war ja in der TV-Übertragung sogar eingeblendet. Die Regel ist und bleibt absurd, die VAR-Auslegung war hier jedoch korrekt.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Bernd: Als Trainer würde ich meinen Spielerinnen längst schon empfehlen, im Strafraum statt aufs Tor immer auf die gegnerische Spielerin zu schießen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Ball irgendwie an deren Hand springt und Elfmeter gepfiffen wird, ist erfolgversprechender, als direkt aufs Tor zu schießen.

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  • Bernd sagt:

    @ Markus Juchem Leider passiert das Hand abschiessen auch schon ab und zu, siehe Pokalfinale der Männer.
    Beim Feldhockey is das treffen der Füße allerdings der Hauptgrund für kurze Ecken, welche leider oft spielentscheidend sind.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Bernd: Diese weltfremden Regeln werden leider offenbar von Leuten gemacht, die nie selbst Fußball gespielt haben. Das ist bedauerlich. Wenn etwa Handspiele gepfiffen werden, bei denen eine Spielerin aus 30 Zentimeter im Vollspann angeschossen wird, und das dann als Regelverstoß gewertet wird. Das Anlegen einer Zwangsjacke würde womöglich Abhilfe schaffen.

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  • Bernd sagt:

    @ Markus Juchem
    Sehe ich auch so!

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  • Manuel sagt:

    Wer glaubt, dass die „kalibrierte Linie“ bei Abseitsentscheidungen genau ist, macht sich etwas vor. Laut einem Artikel der tz beträgt die Sprintgeschwindigkeit beim Frauenfußball ca. 20 km/h, also etwas mehr als 5,5 m/s. Die Aufnahmen, die vom VAR verwendet werden, haben laut diversen Artikel auch nur 25 Bilder pro Sekunden, d.h. zwischen zwei Bildern legt eine sprintende Spielerin ca. 22 cm zurück.

    Die Position der relevanten Linie ist von der Wahl des korrekten Bildes (Ballkontakt) abhängig, d.h. wenn ich ein Bild weitergehe, dann kann ich die Linie um 22 cm verschieben, d.h. man kann Abseitsentscheidungen nur mit einer sehr groben Auflösung untersuchen.

    Da von offizieller Seite und von Seite der Kommentatoren immer wieder das Gegenteil behauptet wird, bleibt nur die Möglichkeit, dass keiner Ahnung von Physik hat oder man versucht zu täu­schen.

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  • Fan2 sagt:

    @Altfan: Auch mal wieder ein Beispiel für einen Kommentar, der nur in der Theorie denkt. Wir sind hier nicht beim Feldhockey, was niemanden interessiert und nahezu keine Medienwirksamkeit hat. Wir sind hier beim Fußball.

    Konsequenzen aus deinem Vorschlag:
    1. Insgesamt ständen 8 (!!) Videobeweise zur Verfügung, unter Umständen noch mehr, die natürlich auch im Normalfall alle genommen werden. Aktuell ist es schon viel, wenn wir mal 3 haben. Allein damit würde man das Spiel schon zerrupfen.
    2. Für mehr Gerechtigkeit würde dieser Videobeweis vermutlich auch nicht sorgen. Denn natürlich werden auch da Spieler versuchen, Videobeweise zu schinden, Szenen so aussehen zu lassen, als wären sie ein Foul, bloß, um dem anderen Team einen Videobeweis zu klauen.
    3. Wenn du im Fußball einmal die Zeit anhältst, dann garantiere ich dir, wirst du dich vor Unterbrechungen kaum noch halten können. Dann wird es werden wie beim American Football oder Eishockey, wo du Werbung am laufenden Band hast. Selbst mit einer Spielzeit von 60 Minuten wird da so manches Spiel schnell mal 3 Stunden dauern, und damit deutlich länger als beim Fußball.
    4. Beim aktuellen VAR haben nicht bloß alte Männer von der FIFA entschieden. Was diese WM betrifft vielleicht. Aber insgesamt hat sich der VAR mittlerweile in vielen Ligen, in der CL und EL sowie in Pokalwettbewerben etabliert. Und überall kommt man mit ihm zurecht? Nur die Frauen haben mal wieder was zu nörgeln.

    5. Zum Fußball gehören die Nickligkeiten, die du beschreibst, nunmal dazu. Auch daraus entstehen Legenden (Andi-Möller-Schwalbe, Balljunge bei Alexander-Arnold).

    Fußball ist nunmal nicht Feldhockey. Fußball ist ein Volkssport, Feldhockey ein Nischensport, den vielleicht einmal alle 4 Jahre wen interessiert, dann war es das aber auch. Beim Feldhockey kann man solche Sachen vielleicht ausprobieren, beim Fußball aber nicht. Dort muss man sehr behutsam reformieren, um den Charakter des Spiels nicht zu zerstören. Denn es gibt nichts, was schädlicher für den Fußball wäre.

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  • Fan2 sagt:

    @Markus Juchem: Wenn hier einer der wenigen Artikel, der tatsächlich ein Kommentar ist und kein einfacher Bericht, sich schon der Thematik des VAR zuwendet, dann würde ich von ihnen deutlich mehr Recherche erwarten, denn ich sehe es genauso wie Rago: Dieser Artikel ist schlicht und ergreifend Populismus. Inzwischen ist klar geworden, dass man sich über alle Entscheidungen durchaus streiten kann.

    Wieso der VAR heute nicht eingegriffen hat, sollte klar sein, denn der VAR ist nicht dazu da, sich bei jeder subjektiv diskussionswürdige Entscheidung einzuschalten, sondern bei einer klaren Fehlentscheidung.

    Das einzige, was ich sehe, ist, dass man hier für jede Situation, die einem nicht passt, einen neuen Buhmann gefunden hat: Den VAR! Ich weiß nicht, ob es euch besser schlafen lässt, jetzt jede Entscheidung, die in euren Augen falsch war, auf den VAR zu schieben (vielleicht ist auch nur eure subjektive Meinung falsch, könnte ja sein, wie wir es bei den Beispielen im Artikel ja schon sehen konnten), wenn ja, dann tut es und belästigt nicht andere damit oder wiegelt sie auf.

    Vielleicht täte es dem ein oder anderen ganz gut, sich mal den Artikel von Deniz Aytekin durchzulesen, der sich nach einem Spiel (ich glaube Leverkusen gegen irgendwen anders) mit vielen kniffligen Aktionen, in denen er einige Fehlentscheidungen getroffen hätte, sehr dankbar für den VAR gezeigt hat. Dann ändert sich vielleicht der Blick mal.

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  • Fan2 sagt:

    @Markus Juchem: Noch einen Nachtrag: Dass die Handspielregel nicht schön ist, ist uns glaub ich allen klar, und sie wird ja auch geändert. Die Diskussionen werden vermutlich aber deswegen nicht weniger.

    Und dass es Personen gibt, die so unsportsmanlike sind, dass sie Regeln dahingehend bewusst ausnutzen, dazu braucht es gar keine Handregeln. Wir erinnern uns alle an das Schwalbentraining der Italiener. Solche Regeln wird es immer geben, ebenso wie die 6-Sekunden-Regel, die praktisch nie angewandt wird, dennoch den USA 2012 zum Olympia-Sieg verholfen hat. Ein solcher Kommentar wie ihrer sagt mehr über ihren Charakter als die Regel.

    Zudem: Wenn sie schon sagen, dass die Fußballregeln von Männern gemacht werden, die nie Fußball gespielt haben, dann würde ich mal die Rückfrage stellen, wieviel Fußballerfahrung sie bitteschön haben? Der Name Juchem ist mir als Spieler in der Fußballwelt jedenfalls noch nicht untergekommen. Soviel zum „Expertentum“.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Fan2: Dieser Artikel ist schlicht und einfach meine Meinung. Manchmal würde es schon reichen, die Artikel auf Womensoccer durchzulesen und nicht nach Belieben zu interpretieren. Ich hatte die Beispiele ja nicht per se als Fehlentscheidungen aufgeführt, sondern wollte die willkürliche Anwendung und Auslegung dokumentieren, die sich bisher wie ein roter Faden durch das Turnier zieht. Hier wird das jetzt thematisiert, in den großen Medien dann vermutlich erst, wenn das erste Mal die deutsche Mannschaft negativ betroffen sein wird.

    Eine klarere Fehlentscheidung als den nicht gegebenen Handelfmeter im Spiel Japan gegen Schottland habe ich lange nicht gesehen. Wenn eine solche Szene von VAR nicht erfasst wird, dann kann man es auch gleich bleiben lassen. Früher gab es Fehlentscheidungen ohne VAR, heute mit VAR. Was hat sich jetzt genau verbessert? Die Fairness?

    Es möge sich jeder selbst ein Bild von der Handspielszene machen:
    Zu bewundern ab ca. 0.55: https://www.youtube.com/watch?v=7d5lurx1hz8

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  • Fan2 sagt:

    @Markus Juchem: Mag sein, dass noch nicht alles läuft. Lief am Anfang beim VAR bei den Männern auch nicht. Mittlerweile ist das aber deutlich besser geworden.
    Von den großen Medien wird nichts kommen, einfach, weil es schon viel krassere Fehlentscheidungen beim VAR gab in viel wichtigeren Spielen. Die Empörung für den VAR ist aufgebraucht.

    Mir erscheint das hier eher so, als ob sich einige ewig Gestrige dem Fortschritt entgegenstellen wollen und dabei versuchen, ein bisschen Aufmerksamkeit zu erhaschen, indem sie sofort auf diesen Zug aufspringen. Ein müdes Lächeln gibt es dafür nur.
    Als ob die FIFA auch nur auf irgendeine Klage aus dem FF reagieren würde, noch dazu von einem Provinzjournalisten. Es ist schon so, als ob jetzt die Glühbirne zu einem weit entlegenen Volk gebracht würde, und diese nun erst einmal darüber diskutieren, ob die Glühbirne (oder von mir aus auch Energiesparlampe) wirklich so sinnvoll ist, nachdem andere Völker 200 Jahre schon Erfahrungen damit gemacht haben.

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  • FFFan sagt:

    @ Markus:
    „Wir hatten beispielsweise heute im Spiel Japan gegen Schottland gleich zwei zumindest überprüfenswerte Vorfälle, ein Foul an Erin Cuthbert und das Handspiel einer Japanerin. In beiden Fällen wurde nicht überprüft, VAR blieb stumm.“

    Woher willst du wissen, dass es „nicht überprüft“ wurde? Es wird viel mehr überprüft als der Fernsehzuschauer mitbekommt! Aber wenn der VAR zu dem Schluss kommt, dass die vom Schiedsrichter auf dem Feld getroffene Entscheidung jedenfalls keine klare(!) Fehlentscheidung ist, schaltet er sich nicht ein, sondern „bleibt stumm“. Das bedeutet nicht, dass die Szene nicht angeschaut und begutachtet wurde!

    Bei dem Handspiel der Japanerin kann man sicherlich diskutieren, ob der VAR hier nicht hätte eingreifen müssen. Einiges spricht für ein strafbares Handspiel (Bewegung der Hand zum Ball, Vergrößerung der Körperfläche), es lassen sich aber auch Argumente dagegen finden (sehr kurze Distanz, Hand nicht über Schulterhöhe, insgesamt kein unnatürlicher Bewegungsablauf). Keine leichte Aufgabe für die Schiedsrichter im Videoraum, die unter großem Zeitdruck entscheiden müssen!

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  • Markus Juchem sagt:

    @FFFan: Sehe ich anders, aber jeder darf ja seine eigene Meinung haben.

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  • Bernd sagt:

    @ Fan2
    „Ein solcher Kommentar wie ihrer sagt mehr über ihren Charakter als die Regel.“

    Jetzt lehnst Du Dich aber weit aus dem Fenster! Wie würdest Du denn Deinen Charakter gemäß Deinen Kommentaren beschreiben?

    Der VAR hilft dem Schiedsrichter in der Mehrzahl der Fälle zu richtigen Entscheidungen zu kommen, allerdings nicht immer!
    Die Kameras nehmen mehr Bilder pro Sekunde auf, als das menschliche Auge wahrnehmen kann, zudem kann man die Bilder anhalten, bzw. einzeln nacheinander abspielen. Meine Physikkenntnisse reichen völlig um zu wissen, dass durch die Bildabfolge eine Abseitsposition genügend klar zu erkennen ist.
    Die Zeitlupe verändert allerdings die menschliche Wahrnehmung. So sehen Foulspiele in Zeitlupe oft brutaler aus. Die Wirkung dieser Bilder auf den Schiri ist eine andere als im normalen Zeitablauf. Somit werden Fouls mit und ohne VAR oft unterschiedlich bewertet. Dies sorgt nicht unbedingt für mehr Gerechtigkeit.
    Mein Hauptkritikpunkt am VAR ist allerdings die große Veränderung für das Stadionerlebnis Fussball. Ich merke an mir selbst, dass ich einfach nicht mehr ausgelassen jubeln oder mich ärgern kann, da man in wichtigen Szenen teilweise mit einiger Verspätung damit rechnen muss, dass das Spiel unterbrochen wird!
    Dieser Eingriff in den Fussball ist für mich zu massiv! In Relation zu den teilweise verbesserten Entscheidungen geht mir dabei zuviel verloren. Ist es wirklich ein Gewinn für den Fussball, wenn Mannschaft A den Pokal nicht gewinnt, weil der VAR nach 2Minuten und 43Sekunden in der Nachspielzeit einen Treffer annuliert, weil bei einem Pass zuvor jemand zwei Zentimeter im Abseits stand? In vielen anderen Sportarten, wird die Zeit sowieso andauernd angehalten, oder ist wie beim Tennis nach einem Ballwechsel sowieso unterbrochen. Die Auswirkung bei einem Fussballspiel ist allein wegen den plötzlichen Spielunterbrechungen schon eine gravierendere als bei anderen Sportarten. Meine Meinung ist, dass man den Nutzen technischer Hilfsmittel je nach Sportart für sich betrachten muss. Die 1:1 Betrachtung und Übertragung von anderen Sportarten ist nicht hilfreich.

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  • Ritchie sagt:

    Das Problem beim VAR ist die (scheinbar) willkürliche Anwendung. Und die fehlende Transparenz, warum er hier eingegriffen hat und da nicht (bei vergleichbaren Szenen).
    D.h. die Szenen müssen kurz, aber deutlich via TV und im Stadion auf der Videoleinwand gezeigt werden. Aufgrund dieser Szene(n) ist die Entscheidung so gefallen. Geschieht wohl zum Teil auch so.
    Das Problem beim Handspiel ist schlicht: Es gibt keine unnatürliche Hand(Arm)bewegung. Es gibt nur beabsichtigtes Handspiel (wie bei der Hand Gottes (Diego Maradona) oder unbeabsichtigtes Handspiel. Letzteres sollte straffrei bleiben, Absicht oder nicht wird aber trotzdem weiter diskutiert werden, auch mit VAR.
    Zu der Szene im Video (23:43 Uhr) von Markus Juchem: Nach aktueller Regelauslegung ein klares Handspiel, dass der VAR hätte melden müssen. Und damit sind wir wieder bei der Willkür.
    Auch so werden Spiele und Wettkämpfe entschieden/beeinflusst.

    Dazu noch eines: Wir haben 1 Feldschiedsrichter, 2 Linienschiedsrichter, 2 Torschiedsrichter und 1 Schiedsrichter bei der Trainerbank (alles richtig?) dazu 3 oder 4 Schiedsrichter im Kölner VAR-Keller. Und es kommt immer noch zu Fehlentscheidungen…

    Zum Abschluss noch der Beitrag von @Manuel: Manuel hat recht: Es ist technisch einfach nicht möglich Abseits bis etwa 20 cm genau zu bestimmen. Daher sollte das auch gar nicht versucht werden. Gleiche Höhe oder im Zweifel für den Angreifer…

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