Der Frankfurter Bestand dieser Chronik endet 2019, der Verein nicht

Der größte Einzelbestand dieser Chronik steht unter einem Vereinsnamen, der in keiner Ansetzung der laufenden Saison mehr auftaucht. 972 Beiträge führen den 1. FFC Frankfurt, der erste vom 5. Februar 2007, der letzte aus dem Sommer 2019. Am dichtesten wurde 2014 geschrieben, 155 Beiträge in einem Jahr, gefolgt von 2013 und 2012 mit je über hundert. Das Jahr 2019 bringt 21 — und danach hört es auf.
Es ist kein Bestand, der zurückblickt. Er ist mitgeschrieben worden, Spieltag für Spieltag, Pressekonferenz für Pressekonferenz, und darum steht darin, was Rückschau üblicherweise wegräumt: die Vorverkaufszahlen zwei Tage vor einem Endspiel, der Trainerwechsel in der Woche vor einem Finale, die Frage, ob dieses Jahr etwas anders wird als die drei davor.
Zwei Titel, ein Rekord und ein Abschied mitten im Erfolg
Der Anfang der Akte fällt mit dem fünften Double zusammen. Am 3. Juni 2007 machte Frankfurt die Meisterschaft eine Woche vor Saisonende perfekt, mit einem 9:0 im Apollinaris-Stadion in Bad Neuenahr und sieben Punkten Vorsprung auf den ersten Verfolger; Birgit Prinz traf dreifach und übernahm mit 24 Treffern die Spitze der Torschützinnenliste, wie der Bericht dieses Tages festhält. Den Pokal hatte das Team eine Woche vorher geholt, nach drei Finalniederlagen in Folge — die Redaktion hatte vor dem Endspiel sogar zu Einsendungen aufgerufen, warum es diesmal reichen würde.
Ein Jahr später kam der Pokal wieder, und er kam auf eine Weise, die den Favoritenstatus kurz in Frage stellte: 5:1 gegen den Aufsteiger 1. FC Saarbrücken, der in der vierten Minute geführt hatte und dessen Torhüterin dazu einen Foulelfmeter hielt. Erst nach der Pause bog Frankfurt das Spiel um.
Das eigentliche Ereignis dieses Frühjahrs war aber das Rückspiel im UEFA-Pokal-Finale gegen Umeå IK. Zwei Tage vorher waren mehr als 20.000 Karten verkauft — der bisherige Wettbewerbsrekord von 13.200 stammte aus dem Finale 2006 am Bornheimer Hang gegen Turbine Potsdam und war damit deutlich überboten. Das Finale endete 3:2 für Frankfurt. Zwei Wochen vor dem Rückspiel hatte Hans-Jürgen Tritschoks, der Trainer des Doubles, seine Tätigkeit beendet.
Zwei Endspiele und die Jahre dazwischen
Zwischen 2009 und 2013 führt die Akte vor allem Trainerwechsel: Günter Wegmann im Oktober 2009 entlassen, Sven Kahlert im September 2012 getrennt, Philipp Dahm im April 2013 beurlaubt, Colin Bell im Juni 2013 vorgestellt. Vier Namen in vier Jahren, und dazwischen zweimal die Champions League.
Das erste dieser Endspiele fand im Mai 2012 im Münchner Olympiastadion statt, gegen Titelverteidiger Olympique Lyonnais, mit rund 40.000 erwarteten Zuschauern und damit einem neuen Rekord im europäischen Vereinsfußball. Frankfurt ging als Außenseiter in die Partie, ein Sieg hätte den vierten Titel und den Startplatz für die folgende Saison bedeutet. Es blieb bei 0:2, Eugénie Le Sommer per Strafstoß in der 15. Minute, Camille Abily aus der Distanz in der 28. Sieben Wochen vorher hatte Birgit Prinz ihr Abschiedsspiel bekommen.
Das zweite ging anders aus. Im Mai 2015 gewann Frankfurt die Champions League, 2:1 gegen Paris Saint-Germain: Célia Sasic in der 32. Minute, der Ausgleich von Marie-Laure Delie kurz vor der Pause, und in der Nachspielzeit der Treffer der eingewechselten Mandy Islacker. Es war der vierte Erfolg des Vereins in diesem Wettbewerb, die ersten drei noch zu Zeiten des UEFA Women’s Cup. Vier Tage vorher war Bayern München deutscher Meister geworden — Europa also, aber nicht die Liga.
Ein Jahr darauf endete der Weg in derselben Runde, in der er 2015 weitergegangen war: Im Halbfinale traf Frankfurt auf Wolfsburg, gewann das Rückspiel im eigenen Stadion — die erste Auswärtsniederlage des VfL in diesem Wettbewerb überhaupt — und schied wegen des Hinspiels doch aus. Die Reihe der Trainer lief weiter: Matt Ross im Februar 2016 vorgestellt, im September 2017 entlassen, und einen Tag später stand Niko Arnautis auf dem Platz, bis dahin Trainer des Zweitliga-Teams. Parallel dünnt die Akte aus, und zwar messbar: 52 Beiträge 2017, 46 im Jahr darauf, 21 im letzten. Ein Archiv, das den Verein zehn Jahre lang eng begleitet hat, verliert in den letzten drei Jahren vor der Fusion zwei Drittel seiner Dichte.
Die Lücke, und was danach messbar ist
Der letzte Frankfurter Eintrag der Chronik ist vom 27. Juni 2019 und meldet, dass die Fusion mit Eintracht Frankfurt beschlossen ist: ab Saisonbeginn 2020/21 unter der Flagge der Eintracht. Genau hier endet die zeitgenössische Überlieferung dieser Site, und die verfügbaren Ligadaten setzen erst mit der Saison 2023/24 ein. Über die Spielzeiten 2019/20 bis 2022/23 steht hier nichts, weil hier nichts darüber geschrieben wurde und der Feed sie nicht führt.
Ab 2023/24 wird der Verein wieder zählbar, und zwar mit auffallender Gleichförmigkeit: Dritter mit 44 Punkten hinter Bayern (56) und Wolfsburg (51), Dritter mit 50 Punkten in der Saison darauf, Dritter mit 51 Punkten in der vergangenen Spielzeit über 26 Spieltage. Dreimal derselbe Platz hinter denselben zwei Vereinen. Nach vier Spieltagen der laufenden Saison steht Frankfurt mit drei Siegen und einem Unentschieden erneut auf Rang drei, zwei Punkte hinter Wolfsburg und Bayern.
Getragen wird das von zwei Namen, die in den Torschützinnenlisten des Feeds beständig oben stehen: Nicole Anyomi mit elf Treffern 2023/24 und dreizehn in der vergangenen Saison, Laura Freigang mit neun und zwölf. Freigang führt die aktuelle Liste mit vier Toren nach vier Spieltagen an.
Eine Spielzeit fehlt in dieser Aufstellung, und zwar nicht, weil sie schlecht gewesen wäre. Für 2024/25 führt der Feed alle 132 Partien, die Tabelle ist vollständig, Frankfurt kommt auf 68 Tore — die Torschützinnenliste dieser Saison ist trotzdem leer. Wer wissen will, wer diese 68 Treffer erzielt hat, findet es in dieser Chronik nicht und in den Daten auch nicht.