Fusion zwischen Eintracht Frankfurt und 1. FFC Frankfurt perfekt

Von am 27. Juni 2019 – 12.47 Uhr 23 Kommentare

Eintracht Frankfurt und der 1. FFC Frankfurt planen, ab der Saison 2020/2021 unter der Flagge der Eintracht in der Frauenfußball-Bundesliga anzutreten.

Logo Eintracht Frankfurt/1. FFC Frankfurt

Ab 2020/2021 startet Eintracht Frankfurt in der Frauen-Bundesliga © Eintracht Frankfurt / 1. FFC Frankfurt

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In den vergangenen Monaten haben die Gremien der Eintracht Frankfurt Fußball AG einen möglichen Zusammenschluss mit dem 1. FFC Frankfurt intensiv geprüft und nunmehr in der zurückliegenden Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat
den Entschluss gefasst, einen Zusammenschluss mit Wirkung zum Saisonbeginn 2020/21 herbeizuführen.

Neustrukturierung als logischer Schritt

Bereits vor anderthalb Jahren war FFC-Manager Siegfried Dietrich im Auftrag des Vorstands an die Eintracht herangetreten, um die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auszuloten. Aufgrund der gestiegenen wirtschaftlichen und infrastrukturellen Anforderungen im Zuge der Professionalisierung der Frauenfußball-Bundesliga ist eine Neustrukturierung des Frauenfußball-Traditionsstandorts Frankfurt aus Sicht des FFC notwendig.

Bobic: „Tolles Zeichen“

Fredi Bobic, Sportvorstand der Eintracht Frankfurt AG, sagt: „Als eines der ersten Mitglieder des FFC freut mich diese Entscheidung ungemein. Es ist nicht zuletzt auch ein tolles Zeichen für den Frauenfußballstandort Frankfurt, den wir als Eintracht auf diese Weise gezielt weiterentwickeln möchten. Das rege Zuschauerinteresse und die sehr guten TV-Einschaltquoten für die aktuell laufende Weltmeisterschaft unterstreichen die gestiegene Bedeutung des Frauenfußballs in den vergangenen Jahren.“

Dietrich: „Außerordentlich glücklich“

Siegfried Dietrich, Manager und Vermarkter des 1. FFC Frankfurt sowie seit 2016 auch Lebenslanges Mitglied von Eintracht Frankfurt e.V. sagt: „Der 1. FFC Frankfurt ist außerordentlich glücklich, dass sich die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt mit ihren Gremien dafür entschieden haben, einen gemeinsamen Weg unter einem Dach realisieren zu wollen. Mit dem angedachten Zusammenschluss liegen beide Vereine nicht nur im Trend der Zeit, sondern sie nutzen konsequent den Standort FrankfurtRheinMain, an dem der deutsche und europäische Frauenfußball in den letzten 20 Jahren Geschichte geschrieben hat.“

Verantwortung für den Sportstandort Frankfurt

Axel Hellmann, Vorstandsmitglied von Eintracht Frankfurt, begrüßt das Vorhaben ausdrücklich: „Der 1.FFC Frankfurt ist ein großer Name im deutschen und europäischen Frauenfußball und dieser hat sich in den letzten Jahren sehr stark professionalisiert. Ich habe mich vor mehr als zehn Jahren für die Gründung eines Frauenfußballbereichs bei Eintracht Frankfurt e.V. stark eingesetzt und bin froh, dass wir nun einen weiteren großen Schritt in diesem Bereich machen können. Wir haben als größter und wirtschaftlich starker Klub der Region auch eine Verantwortung für den Sportstandort Frankfurt und wollen den Frauenfußball auf Topniveau erhalten. Insbesondere in der Internationalisierung der Eintracht wird uns dieser Schritt weiterhelfen. Unsere Partner begrüßen diesen Schritt ausdrücklich.“

Eintracht Frankfurt ab 2020/21 in der Frauenfußball-Bundesliga

Verläuft die Eingliederung planmäßig, könnte Eintracht Frankfurt mit der Lizenz des 1. FFC Frankfurt ab der Saison 2020/21 in der Frauenfußball-Bundesliga antreten. Der gesamte Profi-Bereich wäre dann dem Lizenzspielerbereich unter der Gesamtverantwortung von Sportvorstand Fredi Bobic zugeordnet. Für die genaue Eingliederung der weiteren Frauen- und Nachwuchsmannschaften des FFC wird gemeinsam mit den verantwortlichen Personen vom Eintracht Frankfurt e.V. und dem 1. FFC Frankfurt ein Konzept erarbeitet.

Sportdirektor Frauenfußball gesucht

Die operative sportliche Verantwortung soll nach einer Übergangsphase mittelfristig ein eigener für den Frauenfußball zuständiger Sportdirektor übernehmen, bis dahin übernimmt weiter Dietrich als Generalbevollmächtigter für den Frauenfußball der Eintracht Frankfurt Fußball AG auch für die sportlichen Belange im Profi-Frauenfußball die operative Verantwortung.

Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

23 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    @ ajki,
    Du hast die Dinge sehr richtig beschrieben!!!
    Deshalb ist es totaler Wahnsinn, was da gerade im FF geschieht!!
    Es könnten bei diesen Bedingungen niemals diese Summen erwirtschaftet werden, um solche Gehälter wie in Wolfsburg oder München (von Lyon oder Arsenal ganz zu schweigen) bezahlen zu können!!!

    Wie nennt man dann also so ein Konstrukt, wo die Kosten um ein Vielfaches höher liegen als die Einnahmen??? 🤔
    Wo also permanent durch externes Kapital, daß nicht durch die Verursacher selbst generiert werden kann, immer wieder die Verluste ausgeglichen werden müssen??? 🤔
    Nennt man so etwas dann etwa Professionalitat??? 🤔

    Für mich wächst da eine riesige Blase, die jederzeit platzen kann/muß!!!
    Die Frage lautet nur, ob danach noch ein paar Strukturen übrig bleiben, die auch ohne diese „Professionalitat“ überleben kann, oder ob dann alles den Bach runter geht??? 🙄

    (0) 4 Gesamt – 2 hoch – 2 runter
  • Fan2 sagt:

    Mit diesem Verkauf ist eindeutig klar: Der FF ist als eigenständige Sportart gescheitert. Fortan wird er, wie der Juniorenfußball nur noch eine Unterkategorie des „echten“ Fußballs sein, für den es maximal dann Aufmerksamkeit gibt, wenn der „echte“ Fußball mal wieder nix zu bieten hat.

    Der FF hatte mit der WM 2011 die einmalige Chance, seinen eigenen Weg zu gehen, seinen eigenen „deutschen“ Weg, den er zuvor schon über ein Jahrzehnt unglaublich erfolgreich gegangen war. Doch spätestens jetzt ist klar: Der FF hat diese Chance einwandfrei in den Sand gesetzt. Potsdam, Essen, Jena, Sand werden folgen. Der FF, der doch immer so stolz auf seine Eigenständigkeit war, macht sich zum absoluten Anhängsel der MF-Fußballs.

    Wie konnte es soweit kommen? @ajki hat schon darauf hingewiesen, dass der FF eine Nischensportart ist. Das ist durchaus richtig. Falsch ist aber, dass er wie andere Nischensportarten funktioniert: Erstens sind andere Nischensportarten in eigenen Verbänden organisiert, zweitens verdient man bei anderen Nischensportarten nicht annähernd dasselbe, was man im FF verdient bzw. für den FF fordert. In den meisten anderen Nischensportarten gibt es keine Vollprofis, wie es sie beim FF gibt. Wenn der FF eine Nischensportart ist, dann wäre es sinnvoller gewesen, sich mit anderen Nischensportarten (z.B. Hockey o.Ä.) zu vergleichen und ähnliche Wege zu gehen.

    Das hätte aber bedeutet, dass von vornherein klar gewesen wäre, dass sich der FF, zumindest der Vereins-FF eigenständig hätte organisieren müssen. Die Posse gegen die Liga 2011, wo Neid darüber verfügte, dass die Liga bereits im März endete, hätte Warnung genug sein müssen. Schon damals hätte man die Lehren ziehen müssen und sich ähnlich wie die DFL eine eigene Organisationsstruktur als Gegenüber zum DFB geben müssen. Man hätte einheitliche, strenge Wirtschafts- und Wettbewerbsregeln, eine gute Vermarktungsstrategie etc. etablieren und so verhindern müssen, dass das passiert, was dann passiert ist, dass nämlich die größsten reinen FF-Clubs kaputtgemacht und in die Übernahme gedrängt werden. So hätte man gerade für die MF-Clubs, die in der Liga spielen, sehr, sehr strikte Auflagen für ihre Verbindungen zu den Männerclubs etablieren müssen, um ungerechte Wettbewerbsvorteile zu verhindern, die aus diesen Kooperationen resultieren.

    Man sollte sich vor Augen halten: 2011 spielten noch 8 mehr oder minder reine FF-Clubs in der Bundesliga und nur 4 MF-Bundesligisten (Bayern, Wolfsburg, Freiburg, HSV). Mittlerweile sind es nur noch 4 FF-Clubs (Potsdam, Jena, Essen und Sand). Und das ist noch lange nicht das Ende. Der FF hat hier einfach massiv geschlafen.

    Deutschland war immer gut darin, in allen Sportarten einen Sonderweg zu gehen. Der FF hat sich jetzt von dem deutschen Sonderweg verabschiedet, weil es bequemer ist, sich MF-Teams anzugliedern. Damit ist das Ende des deutschen FFs eingeleitet. Nicht mehr lange, dann wird Deutschland nicht mehr zu den 5-6 besten FF-Nationen Europas gehören: England, Holland, Italien, Frankreich, Spanien – sie alle überholen Deutschland in riesigen Schritten. Und da sind andere traditionelle FF-Nationen wie Schweden, Norwegen, Dänemark sowie weitere Nationen wie die Schweiz noch gar nicht genannt.
    Sie alle schaffen es, den FF zu befördern. In Deutschland interessiert sich dafür aber mit zunehmender Zeit keine Person mehr, nicht nur, weil Fußball als eine Männersportart in Deutschland gesehen wird, sondern auch, weil der FF keine eigenständige Sportart mehr ist, keine Ingenieurssportart, sondern eine Investmentsportart. Und damit keine „deutsche“ Sportart.

    (-2) 12 Gesamt – 5 hoch – 7 runter
  • quotis sagt:

    @Fan2 „Damit ist das Ende des deutschen FFs eingeleitet. Nicht mehr lange, dann wird Deutschland nicht mehr zu den 5-6 besten FF-Nationen Europas gehören: England, Holland, Italien, Frankreich, Spanien – sie alle überholen Deutschland in riesigen Schritten. Und da sind andere traditionelle FF-Nationen wie Schweden, Norwegen, Dänemark sowie weitere Nationen wie die Schweiz noch gar nicht genannt.“

    Alles Länder, in denen es seit geraumer Zeit Usus ist, dass pure Frauenfußballvereine Raritäten geworden sind. Die Argumentation, wieso das Konzept das gleiche Konzept ‚überholt‘, erschließt sich mir nicht.

    (6) 10 Gesamt – 8 hoch – 2 runter

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