Außenseiter Frankfurt vor Rekordkulisse zum Erfolg?

Von am 17. Mai 2012 – 0.23 Uhr 52 Kommentare

Der 1. FFC Frankfurt geht als Außenseiter in das Finale der UEFA Women’s Champions League heute in München gegen Titelverteidiger Olympique Lyonnais (ab 18 Uhr live in ARD und Eurosport). Doch vor der Rekordkulisse will die Elf von Trainer Sven Kahlert zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Denn ein Erfolg im Finale würde den Frankfurterinnen nach drei UEFA-Women’s-Cup-Siegen nicht nur einen historischen vierten Titel, sondern gleichzeitig einen Startplatz in der Königsklasse in der kommenden Saison bescheren. Selbst eine 45-minütige Fahrt durch den Münchner Stadtverkehr vom Hotel zum Olympiastadion konnte einem optimistischen Trainer Sven Kahlert an einem kalten und regnerischen Mittwochnachmittag nicht die Laune verderben.

Lyons Schwächen aufdecken
„Wir glauben an uns und sind überzeugt, dass wir morgen die Chance nutzen, als Sieger vom Platz zu gehen“, so Kahlert, dessen Elf nach eigenen Angaben „aufgeregt, gespannt und motiviert“ ins Finale gehen wird und dem Favoriten ein Bein stellen will. „Jede Mannschaft hat irgendwo Schwächen, es gibt keine Elf, die in allen Mannschaftsteilen so besetzt ist, dass es nur Stärken gibt. Es gibt Schwächen und es gilt, diese Schwächen auszunutzen.“

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Historische Stätte
Der Blick auf das satte Grün des neuen Rasens weckte bei allen Beteiligten Vorfreude auf das Spektakel im Münchner Olympiastadion, wo einst Gerd Müller, Marco van Basten oder Lars Ricken denkwürdige Treffer erzielten. Zumal rund 40 000 Zuschauer für eine stimmungsvolle Atmosphäre und einen neuen Rekord im europäischen Vereinsfußball sorgen werden.

Tolle Kulisse, würdiger Rahmen
„Wenn ich die Verkaufszahlen höre, dann bekomme ich als jemand der schon länger im Frauenfußball tätig ist, doch eine gehörige Gänsehaut“, erklärte Frankfurts Manager Siegfried Dietrich. „Wir haben eine Saison mit Höhen und Tiefen, wir wissen, wie es ist zu verlieren aber auch zu gewinnen. Letztendlich geht es darum, hier den besten Fußball zu zeigen, den wir bieten können.“ Und auch Kapitänin Sandra Smisek meint: „Man merkt richtig das Kribbeln, seit wir hier in München sind. Es ist eine großartige Kulisse, ein ganz tolles Stadion und wir sind sehr stolz, dass wir hier sein dürfen.“

Verdiente Finalteilnahme
„Es ist ein Finale, etwas Einmaliges und wir freuen uns riesig darauf“, frohlockte auch Saskia Bartusiak, die sich trotz der Achterbahnfahrt im bisherigen Saisonverlauf das bisher Erreichte nicht schlecht reden lassen will. „Wir stehen nicht umsonst im Champions-League-Finale, wir haben uns das hart erarbeitet und auf dem Weg dorthin sehr starke Gegner ausgeschaltet.“

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Saskia Bartusiak (re.) will auch im Champions-League-Finale jubeln © Nora Kruse / ff-archiv.de

Nicht an die Zukunft denken
Dass eine Niederlage mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auch eine zumindest einjährige Zwangspause in der Champions League nach sich ziehen würde, beschäftigt sie nicht. „Wir denken noch nicht an die kommende Saison und das spielt in den Köpfen der Spielerinnen keine Rolle, aber natürlich wissen wir, wie wichtig dieses Spiel ist.“

Schnell ins Spiel finden
Anders als bei der 0:2-Niederlage im DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern München am vorigen Samstag in Köln will sich der 1. FFC Frankfurt diesmal nicht gleich zu Beginn den Schneid abkaufen lassen. „Wir müssen als Mannschaft über uns hinauswachsen und dürfen nicht lange brauchen, um unser Spiel zu finden. Wir müssen mehr machen als der Gegner, mehr laufen, rennen, kämpfen“, so Bartusiak.

Lyon gibt sich gelassen
Das Team von Lyon strahlte am Tag vor dem Finale souveräne Gelassenheit aus. Amandine Henry erwartet zwar ein „schwieriges Spiel“, doch Trainer Patrice Lair ist sich sicher, dass seine Elf am Donnerstag zur Höchstform auflaufen wird. „Es ist immer eine große Herausforderung, gegen eine deutsche Mannschaft zu gewinnen, zumal sie hier das Publikum im Rücken haben werden, aber natürlich wollen wir den Titel verteidigen.“

Deutscher Frauenfußball hat die Nase vorn
Doch selbst bei einem neuerlichen Champions-League-Triumph sieht Lair den deutschen Frauenfußball nach wie vor an der Spitze. „Um dieses Level zu erreichen, müssen wir noch eine Menge Dinge verbessern. In Frankreich gibt es nur Lyon, in Deutschland gibt es gleich mehrere Teams, die international konkurrenzfähig sind. Sie haben die Nase noch ein wenig vorn.“

Schelin nimmt Favoritenrolle an
Dennoch nimmt Stürmerin Lotta Schelin im Champions-League-Finale gerne die Favoritenrolle an. „Ich denke, wir sind Favorit, denn wir haben unser Spiel in den vergangenen Jahren auf ein großartiges Level gehoben. Wir spielen das dritte Champions-League-Finale in Folge, deswegen sind wir sicherlich favorisiert. Und wir wissen jetzt, dass wir deutsche Teams schlagen können, das war vielleicht vorher nicht der Fall.“

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

52 Kommentare »

  • Sheldon sagt:

    Das wars! Frankfurt hat schön zugeschaut, wie Lyon den Pott nach Hause geholt hat, und hier und da mal ein bisschen gepiekst.

    Aber wenn man innerhalb von einer Woche zweimal 2:0 verliert und in beiden Spielen so harmlos spielt, dass man keine einzige Gelbe Karte bekommt, dann muss man sagen, da fehlt es an dem letzten Biss.

    Und wenn man dann noch so harmlos ist, dass der Gegner ebenfalls keine einzige Gelbe Karte kriegt, dann ist das ein Zeichen dafür, dass man doch den Gegner sehr viel spielen lässt und selbst nicht das Vermögen hat, ihn genügend zu fordern.

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  • Tom sagt:

    Das war´s;
    Lyon war die taktisch besser eingestellte Mannschaft,technisch versierter,erspielte sich mehr chancen u.nutzte eine davon auch kaltschnäuzig aus(Volleyschuß von Abilly)
    Der von Behringer verschuldete Elfmeter brachte die gegenüber den Bayern-Spiel leicht verbesserten Frankfurterinnen aus den Konzept.
    Behringer war es auch die eine hundertprozentige Chance zum Anschlußtreffer vor der Pause nicht nutzte.
    Für mich die tragische Figur dieses Finales.
    Das spiel hat bewiesen das auch international der Frauenfußball qualitätsmäßig enger zusammenrückt .Das beide Formationen gespickt waren mit internationalen Spielerinnen machte den Reiz dieser Partie aus.
    Über 50 000 Zuschauer bildeten eine eindrucksvolle Kulisse für dieses Championsliga -Endpiel.Dazu kommen die Live -Übertragungen auf ARD+Eurosport.

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  • Xxx sagt:

    Der trainer kann die einzelkönner zu keiner mannschaft formen….ständige umstellungen….stürmer? Spielgestalter und system..?? Wo?? Es bringt nichts viele ‚top‘ spielerinnen zu haben. Es braucht ein ‚team‘ und ’system‘
    Da ist lyon weiter…ohne zweifel!!! Egal, ob frankreich oder deutschland.

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  • sodalith7 sagt:

    Ich hoffe, dass der 1. FFC Deutschland zur nächsten Saison einen neuen Trainer bekommt. Maro bzw. Lira sind beide (weltklasse) Mittelfeldspielerinnen und keine Stürmerinnen. Im Hinblick auf die Natio wird mir da ganz bange … Wenn die Spielerinnen nicht auf ihren Positionen eingesetzt werden und dann auch noch ne Menge Frust dazu kommt … Frau Neid ist nun auch nicht die beste in Sachen Mentaltraining.

    Lyon hat verdient gewonnen.

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  • Speedy75 sagt:

    Verdienter Sieg für Lyon, hätten die heute ihre Chance richtig genutzt wäre deutlich mehr als ein 2:0 gegen den FFC drin gewesen.

    FFC gegenüber dem Spiel gegen Bayern München besser allerdings den unbedingten Siegeswillen konnte man bei der Mannschaft heute wieder nicht sehen.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Kahlert ist nach Klinsmann der 2. Trainer, der eine Fehlbesetzung darstellt! Und dererlei Jobgarantie, wie sie SiDi ausspricht, ist kaum von Bedeutung und dient nicht dazu, dem Trainer Anreiz zur eigenen Verbesserung und Überdenken so mancher Ungereimtheit im eigenen Tun + Handeln zu geben!
    Leider gibt der Trainermarkt offenkundig keine Alternativen her, als dass man sich Gedanken um seinen Job machen müsste…, aber schliesslich trainerte er ja nur „Mädchenfussballerinnen“.
    Schon die Verwendung dieses Begriffes im Kontext mit negativer Besetzung ist eigentlich eine besondere Form der Diskriminierung, wo ich mich eigentlich darüber wundern mußte, dass kein Sturm der Entrüstung aufkam! Na ja, vielleicht dann doch bei seiner Demission…

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  • waiiy sagt:

    Bei Lyon hat man (leider) gemerkt, dass sie das Spiel „nur gewinnen“ mussten. Hätten Sie sich eine gute Voraussetzung für ein Rückspiel schaffen müssen, hätten sie die Zeit nach dem 2:0 nicht so verstreichen lassen. Dann wäre es ein noch schöneres Spiel gewesen.

    Ansonsten ist wohl alles gesagt zu dem Spiel.

    Ich hoffe, dass Kahlert bleibt. Dann macht er woanders keinen Unsinn. 🙂

    waiiy

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  • Sheldon sagt:

    @SF: Der Vergleich zu Klinsmann ist phänomenal! Einfach nur großartig! Echt, Daumen hoch dafür, nach so einem Vergleich habe ich die ganze Zeit gesucht!

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  • waiiy sagt:

    Naja, Klinsmann hat aber immerhin versucht, neue Sachen zu machen und war nicht lethargisch. Aber eigentlich sollte man zu Kahlert gar nichts mehr sagen…

    waiiy

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  • Detlef sagt:

    Lyon reichte heute eine mittelmäßige Leistung gegen erneut extrem harmlose Frankfurterinnen!!!
    Der Titelverteidiger war nie ernsthaft gefährdet, und hätte bei besserer Chancenverwertung auch noch ein-zwei Tore höher gewinnen können!!!

    Nach dem 2:0 zog der Favorit aber bereis sichtbar die Handbremse an, um für den französischen Titelkampf die Kräfte zu schonen!!!

    Frankfurt lies selbst beste Tormöglichkeiten fahrlässig ungenutzt!!!
    Da erinnert man sich im Fanlager bestimmt mit großer Wehmut an die letzte Saison, als Mainhatten Tore wie am Fließband produzierte, und sogar aus nix ein Tor machte!!!

    Aber wenn der eigene Trainer kein Vertrauen in seine Stürmerinnen hat, wer soll dann die Tore schießen???
    Und eine Spielerin wie Melanie Behringer, die seit Wochen in einer unterirdischen Form ist, die läßt man spielen???
    Eine Jessica Landström, die sich gerne für Olympia qualifiziert hätte, die läßt Kahlert auf der Bank!!!

    Ich bin auch dafür, Kahlert muß unbedingt Trainer in Frankfurt bleiben!!!

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  • fisch sagt:

    Den Spielerinnen und Fans vom FFC Ffm hätte ich einen Sieg gegönnt, ganz klar. Erwarten konnte man ihn realistisch aber nicht. Das System Dietrich hat nach der DFB-Pokalpleite eine weitere verdiente Klatsche
    bekommen und wird nun wohl mit dem zusammengekauften Superkader erstmal international zusehen müssen. Den Meistertitel holen zum 4. Mal in Folge wieder andere (hoffentlich Turbine). Das hat die große FFC-Fangemeinde wirklich nicht verdient. Eine fast unendliche Erfolgs-geschichte des Duos Dietrich/Kahlert. Wenn es dann irgendwann mal Titel ganz ohne sportliche Erfolge nur mit genug Geld zu kaufen gibt, wird Dietrichs große Stunde endlich schlagen.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @waiiy
    > Naja, Klinsmann hat aber immerhin versucht, neue Sachen zu machen und war nicht lethargisch. Aber eigentlich sollte man zu Kahlert gar nichts mehr sagen…

    Wenn das alles ist, was Du Klinsi zu schreiben hast, dann ist das nicht nur dürftig, sondern auch irgendwo an der Sache vorbei gezielt.
    Klinsi hat die Bayern auf den Buddha-Trip gebracht und war mehr Innen- und Aussenarchitekt an der Säbener Str. als das er am Team „gebastelt“ hätte, wo er jeden Spieler jeden Tag besser machen wollte!
    Seine Argumentation inkl. Ausreden ebenso z.T. haarsträubend wie beschönigend, aber gut lassen wir diese olle Kamelle.

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