Außenseiter Frankfurt vor Rekordkulisse zum Erfolg?
Der 1. FFC Frankfurt geht als Außenseiter in das Finale der UEFA Women’s Champions League heute in München gegen Titelverteidiger Olympique Lyonnais (ab 18 Uhr live in ARD und Eurosport). Doch vor der Rekordkulisse will die Elf von Trainer Sven Kahlert zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
Denn ein Erfolg im Finale würde den Frankfurterinnen nach drei UEFA-Women’s-Cup-Siegen nicht nur einen historischen vierten Titel, sondern gleichzeitig einen Startplatz in der Königsklasse in der kommenden Saison bescheren. Selbst eine 45-minütige Fahrt durch den Münchner Stadtverkehr vom Hotel zum Olympiastadion konnte einem optimistischen Trainer Sven Kahlert an einem kalten und regnerischen Mittwochnachmittag nicht die Laune verderben.
Lyons Schwächen aufdecken „Wir glauben an uns und sind überzeugt, dass wir morgen die Chance nutzen, als Sieger vom Platz zu gehen“, so Kahlert, dessen Elf nach eigenen Angaben „aufgeregt, gespannt und motiviert“ ins Finale gehen wird und dem Favoriten ein Bein stellen will. „Jede Mannschaft hat irgendwo Schwächen, es gibt keine Elf, die in allen Mannschaftsteilen so besetzt ist, dass es nur Stärken gibt. Es gibt Schwächen und es gilt, diese Schwächen auszunutzen.“
Historische Stätte Der Blick auf das satte Grün des neuen Rasens weckte bei allen Beteiligten Vorfreude auf das Spektakel im Münchner Olympiastadion, wo einst Gerd Müller, Marco van Basten oder Lars Ricken denkwürdige Treffer erzielten. Zumal rund 40 000 Zuschauer für eine stimmungsvolle Atmosphäre und einen neuen Rekord im europäischen Vereinsfußball sorgen werden.
Tolle Kulisse, würdiger Rahmen „Wenn ich die Verkaufszahlen höre, dann bekomme ich als jemand der schon länger im Frauenfußball tätig ist, doch eine gehörige Gänsehaut“, erklärte Frankfurts Manager Siegfried Dietrich . „Wir haben eine Saison mit Höhen und Tiefen, wir wissen, wie es ist zu verlieren aber auch zu gewinnen. Letztendlich geht es darum, hier den besten Fußball zu zeigen, den wir bieten können.“ Und auch Kapitänin Sandra Smisek meint: „Man merkt richtig das Kribbeln, seit wir hier in München sind. Es ist eine großartige Kulisse, ein ganz tolles Stadion und wir sind sehr stolz, dass wir hier sein dürfen.“
Verdiente Finalteilnahme „Es ist ein Finale, etwas Einmaliges und wir freuen uns riesig darauf“, frohlockte auch Saskia Bartusiak , die sich trotz der Achterbahnfahrt im bisherigen Saisonverlauf das bisher Erreichte nicht schlecht reden lassen will. „Wir stehen nicht umsonst im Champions-League-Finale, wir haben uns das hart erarbeitet und auf dem Weg dorthin sehr starke Gegner ausgeschaltet.“
Nicht an die Zukunft denken Dass eine Niederlage mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auch eine zumindest einjährige Zwangspause in der Champions League nach sich ziehen würde, beschäftigt sie nicht. „Wir denken noch nicht an die kommende Saison und das spielt in den Köpfen der Spielerinnen keine Rolle, aber natürlich wissen wir, wie wichtig dieses Spiel ist.“
Schnell ins Spiel finden Anders als bei der 0:2-Niederlage im DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern München am vorigen Samstag in Köln will sich der 1. FFC Frankfurt diesmal nicht gleich zu Beginn den Schneid abkaufen lassen. „Wir müssen als Mannschaft über uns hinauswachsen und dürfen nicht lange brauchen, um unser Spiel zu finden. Wir müssen mehr machen als der Gegner, mehr laufen, rennen, kämpfen“, so Bartusiak.
Lyon gibt sich gelassen Das Team von Lyon strahlte am Tag vor dem Finale souveräne Gelassenheit aus. Amandine Henry erwartet zwar ein „schwieriges Spiel“, doch Trainer Patrice Lair ist sich sicher, dass seine Elf am Donnerstag zur Höchstform auflaufen wird. „Es ist immer eine große Herausforderung, gegen eine deutsche Mannschaft zu gewinnen, zumal sie hier das Publikum im Rücken haben werden, aber natürlich wollen wir den Titel verteidigen.“
Deutscher Frauenfußball hat die Nase vorn Doch selbst bei einem neuerlichen Champions-League-Triumph sieht Lair den deutschen Frauenfußball nach wie vor an der Spitze. „Um dieses Level zu erreichen, müssen wir noch eine Menge Dinge verbessern. In Frankreich gibt es nur Lyon, in Deutschland gibt es gleich mehrere Teams, die international konkurrenzfähig sind. Sie haben die Nase noch ein wenig vorn.“
Schelin nimmt Favoritenrolle an Dennoch nimmt Stürmerin Lotta Schelin im Champions-League-Finale gerne die Favoritenrolle an. „Ich denke, wir sind Favorit, denn wir haben unser Spiel in den vergangenen Jahren auf ein großartiges Level gehoben. Wir spielen das dritte Champions-League-Finale in Folge, deswegen sind wir sicherlich favorisiert. Und wir wissen jetzt, dass wir deutsche Teams schlagen können, das war vielleicht vorher nicht der Fall.“
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