Frankreich zittert sich ins Viertelfinale, England souverän

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Gastgeber Frankreich brauchte gegen Brasilien die Verlängerung, um die Viertelfinalteilnahme perfekt zu machen. England hatte in einem kuriosen Spiel nur wenig Mühe mit Kamerun, das zwischenzeitlich den Spielbetrieb einstellte.

Frankreichs Kapitänin Amandine Henry (li.) im Zweikampf mit Marta
Frankreichs Kapitänin Amandine Henry (li.), hier im Zweikampf mit Marta, erlöste ihr Team in der Verlängerung © imago / foto2press

Die französische Nationalelf gewann am Abend im Stade Océane in Le Havre vor 23.965 Zuschauern mit 2:1 (1:1, 0:0) nach Verlängerung gegen Brasilien.

Führung durch Gauvin, Ausgleich durch Thaisa

Nach einer schwachen ersten Halbzeit, deren Höhepunkt ein von Schiedsrichterin Marie-Soleil Beaudoin annullierter Treffer von Valérie Gauvin war, die Brasiliens Torhüterin Barbara gefoult hatte, steigerten sich die Französinnen und gingen nach einem schnell vorgetragenen Angriff über den rechten Flügel und Flanke von Kadidiatou Diani durch Gauvin verdient in Führung (52.). Doch die Freude war von kurzer Dauer, denn Thaisa gelang für Brasilien der zu diesem Zeitpunkt etwas überraschende Ausgleich (63.). In der Folge entwickelte sich eine ausgeglichene Partie, die in die Verlängerung ging.

Debinha scheitert knapp, Henry sorgt für Entscheidung

In der ersten Hälfte der Verlängerung hatte Debinha die Führung auf dem Fuß, doch Griedge Mbock Bathy rettete in höchster Not auf der Torlinie. Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit der Verlängerung fiel dann die Entscheidung: Gegen zunehmend müder werdende Brasilianerinnen, die zuvor Topstürmerin Cristiane wegen einer Verletzung auswechseln mussten, gelang Kapitänin Amandine Henry nach einem Freistoß von Amel Majri der Siegtreffer (106.).

England gewinnt turbulente Partie

Bereits am frühen Abend hatte sich England im Stade du Hainaut von Valenciennes vor 20.148 Zuschauern mit 3:0 (2:0) gegen Kamerun durchgesetzt. In der turbulenten Partie brachte Englands Kapitänin Stephanie Houghton ihr Team nach einem Freistoß von der Fünf-Meter-Linie in Führung, Kameruns Torhüterin Annette Ngo Ndom hatte zuvor einen Rückpass regelwidrig aufgenommen (15.). Ellen White traf zum 2:0 (45.+3), der zunächst aberkannte Treffer wurde aber erst nach Ansicht der Videobilder für gültig erklärt. Zum Unwillen der Kamerunerinnen, die sich minutenlang weigerten, die Partie fortzusetzen. Erinnerungen an das Spiel Frankreich gegen Kuwait bei der Männer-WM 1982 wurden wach, als der kuwaitische Scheich die Spieler vom Platz beordern wollte.

Kamerun streikt und spielt weiter

Kameruns Kapitänin Aboudi Onguéné konnte ihre Mitspielerinnen nach Diskussion zum Weiterspielen wegen. Anfangs der zweiten Halbzeit wären die Kamerunerinnen fast in die Partie zurückgekommen, doch der Treffer der eingewechselten Njoya Ajara zählte wegen einer Abseitsstellung nicht. Und Englands Torhüterin Karen Bardsley machte eine weitere gute Chance der Afrikanerinnen von Alexandra Takounda zunichte (54.). Alex Greenwood sorgte dann ein paar Minuten später nach einer Ecke für die Entscheidung (58.).

England im Viertelfinale gegen Norwegen, Frankreich gegen Spanien oder USA

England kommt es nun im Viertelfinale am Donnerstag, 27. Juni, 21 Uhr, in Le Havre mit Norwegen zu tun. Frankreich muss bis morgen auf seinen Viertelfinalgegner warten, der in der Partie zwischen Spanien und den USA ermittelt wird.

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35 KOMMENTARE

  1. Frankreich vs. Brasilien war sicher eines der unterhaltsamsten Spiele des bisherigen Turniers. So ein Tempo und so eine Intensität, wie sie beide Teams über weite Strecken an den Tag legten, war bei den meist auf Fehlervermeidung abzielenden Spielanlagen noch nicht häufig zu sehen. Am Ende ist es schon schade, dass eine dieser beiden Mannschaften zwangsläufig schon so früh im Turnier die Segel streichen muss. Für das Turnier ist es wahrscheinlich ganz gut, dass der Gastgeber im Rennen bleibt. Aber das Pendel hätte ja auch jederzeit pro Brasilien ausschlagen können – alleine die Einzelaktion von Debinha in der Verlängerung, wo Mbock Bathy den Ball noch von der Linie kratzt…

    Das Zurücknehmen des ersten Treffers von Frankreich, der Brasiliens Torhüterin unverständlicherweise für den Rest des Spiels den Unmut der französischen Fans einbrachte, ging für mich absolut in Ordnung. Ich habe zwar selbst nur unterklassig gespielt, aber schon damals gelernt, wenn der Torhüter (oder in diesem Falle die Torhüterin) eine Hand am Ball hat, gilt dieser als kontrolliert, und der Keeper darf nicht mehr angegangen werden. In diesem Falle hatte Barbara sogar beide Hände dran, bevor Gauvins Schulter ihr den Ball wieder rausdrückt. Von daher ging diese Entscheidung für mich absolut in Ordnung.

    • @Aldur: Ist mal wieder interessant, wie in diesem Turnier in den Medien afrikanische und teils asiatische Teams als brutale Tretertruppen dargestellt werden. Bei ähnlichen Fouls von Teams wie Frankreich, England, Deutschland bleiben die Medien stumm.

  2. @Aldur

    Da haßt Du wirklich was noch nie dagewesenes verpaßt.Also ich habe so eine Meuterei auf dem Spielfeld noch nie gesehen,auch bei den Männern nicht.
    Es ist mir unverständlich,dass eine Mannschaft,die bei einer WM antritt,Probleme mit dem Regelwerk hat. Siehe die Torfrau.
    Dazu noch die Videobeweise auf der Vidi-Wall im Stadion.Da wird doch nicht irgend ein Film gezeigt,sondern das was wirklich geschehen ist. Ich kann auch nicht verstehen,dass der Trainer seine Truppe nicht im Griff hatte. Also wenn ich dort Schiri gewesen wäre,zwei Aufforderungen weiter zu spielen,dann angefangen jeder Spielerin die gelbe Karte zu zeigen.Hätten darauf die Spielerinnen von Kamerun sich weiter geweigert das Spiel wieder aufzunehmen,hätte ich das Spiel abgebrochen.Sieger England.
    Natürlich hatte ich Verständnis für die emotionalen Gefühle der Kamerunerinnen,aber wir sind hier bei einer WM und nicht bei einem Freundschaftsspiel.Ich muß gestehen,dass ich mich mit den Fußballregeln nicht 100% auskenne.Darum meine Frage an Euch. Ist das von mir oben beschriebene Durchgreifen eines Schiri überhaupt möglich?

  3. @ Markus Juchem
    Ich habe einerseits seit Jahr und Tag den Eindruck, dass man es als Mensch mit dunkler Hautfarbe in europäischen Fußballstadien ein Stück weit schwerer hat als als ‚hellhäutiger‘ Zeitgenosse. Dass eher gegen einen gepfiffen wird und man leichter eine Karte sieht.
    Andererseits ist es, glaube ich, nicht nur meinem (sicher durchaus vorhandenen) latenten Rassismus geschuldet, wenn mir die Spielweise afrikanischer Teams immer wieder mal auf die Nerven geht. Gestern etwa hätte die Unparteiische eigentlich zwei Kamerunerinnen vom Platz stellen müssen (gleich am Anfang wegen eines Stoßes mit dem Ellbogen, dann am Ende wegen einer richtig fiesen Blutgrätsche).
    Also noch mal kurz meine zwiespältige Meinung: Ja, Afrikanerinnen werden wahrscheinlich manchmal benachteiligt (womöglich hätte Popps 1:0 nicht gegolten, wäre sie eine Nigerianerin gewesen), aber Vertreterinnen Afrikas machen es einem manchmal auch nicht leicht ( was etwa sollte das ganze Schmollen, weil der VAR-Keller gegen sie entschied).

  4. An Markus Juchen:

    Das waren alles brutale Tretertruppen. Aus zwei Gruenden. 1. Die koennen noch nicht richtig Fussball spielen und retten sich auf diese brutale Art und Weise. 2. Die kennen nicht richtig Spielregel und bei jeder Entscheidung meinen, sie wurden betrogen. Betrug ist leider ein Teil des Lebens in dieser Laender, daher solche Reaktionen. Das VAR-System hat dazu wesentlich beigetragen, dass z.B. Kamerun fuehlte sich stark benachteiligt. Das Ziel fuer die Zukunft ist klar: Fussball besser spielen, Spielregel gruendlich lernen und – fuer FIFA – das VAR – System abschaffen.

  5. Will die FIFA ein vierjähriges sportliches Messen der Besten der Besten oder die WM als fußballerische Entwicklungshilfe gestalten? Entweder…oder! Beides zusammen hinterlässt einfach ein Gefühl der Unzufriedenheit bei mir…schon nach der Gruppenphase:
    Zuviele unattraktive Spiele / fußballerische Exekutionen mit 13 Toren / überforderte Teams, die sich absichtlich oder unabsichtlich mit Härte zu helfen versuchen…

    Zum Einsatz der Technik in der Art und Weise, wie hier bisher erlebt, kann man durchaus ambivalenter Auffassung sein. Mir geht es jedenfalls so. Das hat viel Diskussionspotential für die nahe Zukunft.
    Eins jedoch ist offensichtlich: Anhand der vielen korrigierten Spontanentscheidungen der Schiedsrichterinnen wird offensichtlich, wie sehr VOR der Einführung dieser Mechanismen Spielergebnisse auf Fehlern beruhten. Das ernüchtert.
    Scheinebar wird der Zuschauer/Fan/Sympathiesant durch die jetzige Konfrontation mit diesem Thema gezwungen, sich klar zu machen, ob er Fußball denn nun als reine Unterhaltung und Spektakel sieht oder es ihm mehr als das bedeutet. Beim Letzteren ist der Faktor „Gerechtigkeit bei spielentscheidenden Situationen“ natürlich von hoher Bedeutung.
    Dummerweise ist Gerechtigkeit aber nur durch intensive Betrachtung und deren Dokumentation zu erreichen. Das jedoch fordert Zeit und Unterbrechungen. Blöde Sache!

    Zuletzt möchte ich noch eine Lanze brechen für die Schiedsrichterinnen. Für diese Damen hat sich ihr Job zutiefst verändert. Sie haben diesen neuen Fußball nicht zu verantworten, machen ihren Job in meiner Wahrnehmung jedoch richtig gut.

  6. Markus Juchen – meinen Sie ihr Kommentar? Dann stimme ich Ihnen zu. Ich verstehe nicht, warum alle versuchen politisch korrekt zu sein und wollen keine Fakten sehen.

  7. Ich fand das engl-Kamerun spiel auch nicht schön schmeichelhafter Sieg bin aber ehrlicher Weise gespannt ob die Verletzung so schlimm ist bei houghton
    K.o spiele sehr emotional aber bei Bras.-Franc.
    Insgesamt faires Duell
    Ja ich fand es auch gemein, das Barbara die Torhüterin dann die ganze zeit ausgepfiffen wurde!!!!!.
    Schiri pfeift und Ende im Gelände
    Ja bei Abseits ist es blöde neue Regel
    Bitte SOFORT abpfeifen
    Sonst ist man sauer als Spielerin dann das Team uns sehr schnell
    Schaukelt sich alles hoch
    Norw-austr ging auch als faires hochklassiges Spiel durch

  8. Eigentlich wollte ich mir sparen hier noch etwas zum VAR zu schreiben, da ich mich gestern schon genug aufgeregt haben, aber was solls.

    Der VAR sorgt im Moment nicht für das er eigentlich gedacht war, Emotionen herauszunehmen und den Sport gerechter zu machen. Problem ist dabei die Bewertung der Szenen. Ein VAR bei dem es möglich ist, das die gleiche Szene in drei verschiedenen eine unterschiedliche Bewertung erfahren könnte, hat einfach zu wenig Konstanz. Nicht falsch verstehen, ich bin ein Verfechter des VAR, aber es fehlt die Transparenz. Die Spielerinnen wissen nicht auf was, oder warum geprüft wird. Die Auflösung der Szenen über Videoleinwand im Stadium scheint ebenfalls nicht ideal zu funktionieren.

    Es wird oft angeführt, das dass Hawkeye im Tennis trotz Fehlertoleranz auch von allen akzeptiert wird. Klar… weil hier die Entscheidung über Fehler oder nicht Fehler nicht von einem Menschen getroffen wird sondern von der Technik. Das ist der springende Punkt, das der VAR im Moment nur so gut ist, wie der Mensch der entscheidet und da die Entscheidungen nicht konsistent sind…

    Auch ist für ein VAR so lange lächerlich, wie es passieren kann, das Fehlentscheidungen weiterhin zu Toren führen. Gestern die nicht gegebene Ecke für Frankreich, die im Gegenzug das Ausgleichstor zur Folge hatte, oder das Tor der USA im Spiel gegen Chile. So lange solche Fehler durchlaufen, verfehlt der VAR sein Ziel, den Sport gerechter zu machen.

    Der gerechteste Videobeweis findet für mich immer noch beim Feldhockey statt, warum sich hier an einem funktionierenden System kein Beispiel genommen wird, verstehe wer will. Es wird immer wieder ins Feld geführt, das der Hockey-VAR die Autorität des Schiedsrichters auf dem Platz untergraben würde, dieser Argumentation wird bei dieser WM unmissverständlich der Gegenbeweis angetreten. Diese sind nur noch der Spielball der Herren/Damen im Keller.

    Zu Kamerun, das Verhalten Kameruns war keiner Nationalmannschaft würdig. Das nichts mit der Herkunft zu tun. Dieses Verhalten inklusive Spucken und Ellenbogenschecks spricht nur für eine komplette Unreife und schon paranoides Verhalten. Bei der ersten VAR-Entscheidung hatte ich noch gewisses Verständnis, weil hier eine Wertung gleicher Höhe durchaus bei einem anderen VAR möglich gewesen wäre, der Rest, der war nur noch peinlich und kumulierte darin, das die Schiedsrichterin eine rote Karte nicht gegeben hat. Meiner Meinung hätte das Spiel durchaus abgebrochen werden können. Wäre wahrscheinlich auch vernünftiger gewesen.

  9. Die afrikanischen Mannschaften sind nicht das Problem. Die einzig wahre Treter-Truppe – auch mit versteckten Fouls – ist gestern abend zu Recht gegen die Französinnen rausgeflogen.
    Wer erinnert sich nicht an die diesmalige wundersame Heilung von Debinha (obwohl eine der stärksten Spielerinnen in der NWSL) oder von Barbara.
    Ich kann mich noch gut erinnern an Erika, die mal in einem WM-Viertelfinale mit der Trage vom Platz gebracht wurde um dann Sekunden später in die Abwehr zu „sprinten“, worauf sie von der australischen Unparteiischen zu Recht gelb bekam.

    • @Zaunreiter: Und was ist mit der wundersamen Heilung von Bouhaddi? Und dem rotwürdigen Foul von Renard? 😉

  10. Markus Juchem sagt:
    „Ist mal wieder interessant, wie in diesem Turnier in den Medien afrikanische und teils asiatische Teams als brutale Tretertruppen dargestellt werden. Bei ähnlichen Fouls von Teams wie Frankreich, England, Deutschland bleiben die Medien stumm.“

    Dafür lassen sich sicher einzelne Belege finden. Zum Beispiel gab bei Deutschland vs. China neben allen harten Attacken der Chinesinnen auch eine Situation, wo Sara Däbritz ihrer Gegenspielerin mit offener Sohle auf den Fuß stieg, mit dem Ergebnis, dass diese bereits vor der Pause ausgewechselt werden musste. Diese fand glaube ich in keinem Spielbericht Erwähnung, weil sich alles auf harte Gangart der Chinesinnen fokussierte. Trotzdem würde ich nicht so weit gehen, da keine generelle Tendenz herauslesen zu wollen. Es berichten sicher auch viele Medien, die sich sonst mit dem Frauenfußball wenig bis gar nicht beschäftigen. Da neigt man vielleicht eher zu „Schubladen-Denken“.

    Der Zuschauer sagt:
    „Also ich habe so eine Meuterei auf dem Spielfeld noch nie gesehen,auch bei den Männern nicht.“

    Mir wäre nur der folgenden Fall bekannt: https://www.spiegel.de/sport/fussball/skandalspiel-in-amsterdam-verband-nimmt-rote-karte-gegen-torhueter-zurueck-a-805444.html

    Außerdem gab es mal eine Situation, wo der AC Mailand in einem Testspiel geschlossen den Platz verlassen hat, nachdem sein damaliger Spieler K. P. Boateng wiederholten rassistischen Schmähungen von der Tribüne ausgesetzt war. Aber das ist natürlich eine ganz andere Gemengelage, als eine (vermeintliche) Benachteiligung durch den/die Schiri.

    bale sagt:
    „Ja bei Abseits ist es blöde neue Regel. Bitte SOFORT abpfeifen.“

    Würde man sofort abpfeifen wäre keine nachträglich Überprüfung durch den VAR mehr möglich. Dann könnten eigentlich regelkonforme Treffer, bei denen fälschlicherweise auf Abseits entschieden wird, nicht nachträglich anerkannt werden. Einen Tod muss man daher sterben, so nervig das späte Anzeigen der Abseitsstellungen auch ist.

    @Andi
    Die fehlende Konsistenz und Transparenz sehe ich auch als das größte Problem beim VAR an. Ich hielte es auch für falsch, interpretationsbedürftige Szenen (z.B. Elfer ja/nein) nachträglich auf der Videoleinwand zu zeigen. Bei den Abseitsentscheidungen fände ich es dagegen durchaus hilfreich, wenn man zumindest das Standbild mit den kalibrierten Linien zeigen würde. Das würde vielleicht ein paar Emotionen rausnehemn.

  11. Aldur: „Das Zurücknehmen des ersten Treffers von Frankreich, der Brasiliens Torhüterin unverständlicherweise für den Rest des Spiels den Unmut der französischen Fans einbrachte, ging für mich absolut in Ordnung. Ich habe zwar selbst nur unterklassig gespielt, aber schon damals gelernt, wenn der Torhüter (oder in diesem Falle die Torhüterin) eine Hand am Ball hat, gilt dieser als kontrolliert, und der Keeper darf nicht mehr angegangen werden.“

    Bezüglich der Torwarte haben sich in den letzten Jahren diverse Regeln geändert. Soweit ich weiss muss ein Torwart inzwischen den Ball kontrollieren. Irgendwie habe ich bei den neuen Regeln den Eindruck, dass ein Torwart inzwischen deutlich mehr Freiwild ist.

    Vielleicht hat ja hier jemand die genauen Regeln zur Verfügung.

  12. Zaunreiter sagt:
    „Wer erinnert sich nicht an die diesmalige wundersame Heilung von Debinha (obwohl eine der stärksten Spielerinnen in der NWSL) oder von Barbara.“

    Dass Barbara nach dem Zusammenprall mit einer Gegenspielerin kurz behandelt wird, war für mich jetzt nicht ungewöhnlich. Das passiert bei anderen Teams genauso, ohne das jedes Mal eine Auswechslung die Folge ist. Und falls bei Debinha die Situation zum Ende der ersten Halbzeit gemeint ist, wo Renard ihr mit offener Sohle auf die Wade stieg, und erkennbar den Stutzen zerfetzte, war eine gewisse Behandlungspause auch nicht ungewöhnlich. Renard ist in der besagten Situation mit Gelb sicher auch sehr gut weggekommen. Da relativiert sich das Thema „Treter-Truppe“ dann schon wieder.

  13. weiter oben: „Will die FIFA…“ (zu viele Teams bei der WM mit zu großen Qualitätsunterschieden)

    Es wird natürlich bei jeder WM von… na, sagen wir mal: nicht wenigen kritisiert, dass die Qualitätsunterschiede zwischen den Landeskadern so groß sind, dass im Grunde erst ab irgendwann Achtelfinale/Viertelfinale… die Einzelspiele zwischen Gegnern auf Augenhöhe stattfinden (in Verbindung mit: und erst dann einigermaßen ansehnliche fußballerische Leistungen erbracht werden).

    Das ist als Kritik sicherlich nicht falsch bzw. es kommt bei den WM – egal ob bei den M od F – sehr oft vor.

    Aber es ist natürlich auch nicht vollständig wahr. Zum einen muss man sich als Veranstalter irgendwie für einen Turnierbaum entscheiden. Es liegt auf der Hand, dass man (wenn die Gruppenphase Teil der Endspiele/des Turniers sein soll) die besser bewerteten Teams nicht in dieselbe Gruppe steckt – selbst wenn die FIFA selbst das wollte, bekäme sie enormen Druck von den Einzelstaaten / Kontinentalverbänden und würde es nicht durchbringen (s. auch unten).

    Man könnte natürlich auf die Gruppenphase (zumindest bei den Frauen) bei den Endausscheidungen verzichten – z.B. in dem man die Gruppenphase in Ausscheidungsrunden vorverlegt, also zwischen Quali und Endausscheidungsrunde.

    Aber solche Szenarien sind einfach unrealistisch. Die FIFA besteht Stand „jetzt“ aus 211 nationalen Football Associations mit vollem Stimmrecht (plus Kontinentalverbände etc.). Jede einzelne FA hat den klaren und unbedingten Ehrgeiz, mit seinem Auswahl-Kader in die Endrunde (also: die WM) mit ihrer globalen Medienpräsenz hineinzukommen. Selbst die chancenlosen FA haben trotzdem diesen Ehrgeiz. Also ist die Abstimmungsfolge und die generelle Anstrengung der Mitglieder einfach rational folgerichtig: je mehr Startplätze für die Endausscheidungen freigegeben werden, desto größer ist die Chance auf Teilnahme für die „kleineren“ FA.

    Damit ist einfach der Trend zur Anhebung der Startplätze ein völliger Selbstläufer.

    Mal ganz abgesehen davon, dass es schon schwierig genug ist, dem kommerziellen Clubfußball gute Termine für die Quali-Runden abzuringen und es praktisch aussichtslos ist, weitere Termine unterzubringen innerhalb der Saison.

    Es gibt aber natürlich auch einfache Folgerungen für jeden einzelnen Zuschauer: man kann ja, jeder für sich, einfach entscheiden, erst ab dem Viertelfinale einzusteigen. Oder es einfach ganz sein lassen – es ist ja kein Zuschau-Zwang gegeben 😉

  14. @Markus Juchem: Also mit dem rotwuerdigen Foul von Renard habe ich etwas Probleme, denn soweit ich das erkennen konnte hat Renard Debinha doch kaum beruehrt, Das die dann Minutenlang tote Frau spielt und die Mitspielerinnen vehement die rote Karte fuer Renard fordern ist eben das typisch Brasilianische daran, leider , denn deren Spielweise gefaellt mir eigentlich, und ohne diese „kulturellen Besonderheiten“ waere ich sicher deren groesster Fan.

  15. hallo Herr Juchem, ich hab drei kurze fragen:

    1.hab ich die nia künzer gestern richtig verstanden, als sie mutmaßte, der VAR wird für die nächsten 4 jahre wieder in die schublade gepackt?
    2.gibt es den VAR auch bei der männer u-21em? (hab dort noch kein spiel verfolgt, interessiert mich nicht) und
    3.gibt es eigentlich noch das (uefa-)“abba“-elfmeterschießen?

    danke fürs antworten…

    • @Pauline Leon: 1) Diese Aussage habe ich nicht mitbekommen. Der VAR wird aber sicher nicht komplett in die Schublade gepackt, aber Anpassungen und Verfeinerungen werden sicherlich kommen. 2) Bei der U21-EM gibt es auch VAR. 3) Das ABBA-Elferschießen wurde ja getestet, kommt aber derzeit nicht zum Einsatz.

  16. @Markus Juchem: Das ist ja auch ok, kann jeder sehn wie er will. Ich habe es ja auch allenfalls 2 mal im Fernsehen gesehn, aber da sah es fuer mich eher harmlos aus.

    • @Rudi: Die UEFA hatte eine Zeitlang eine neue Abfolge beim Elfmeterschießen getestet, also nicht 1. Schütze Team A, dann 1. Schütze B, dann 2. Schütze A etc., sondern 1A, dann zwei Elfmeter in Folge von Team B, dann wieder A etc.

  17. War gestern Abend von Brasilien sehr positiv überrascht was sie da abgeliefert haben, das Spiel hätte auch umgekehrt ausgehen können. Schwach war für mich die Kanadische Schiedsrichterin, sie hat sich manchmal vor Allem was Meckern betrifft vor Allem von den Brasilianerinnen auf der Nase rumtanzen lassen und manchmal auch sehr seltsame Entscheidungen was Foulspiel betrifft getroffen. Diese Dame ist mir schon bei unserem Spiel gegen China negativ aufgefallen. Abgesehen davon war das Tor von Gauvin korrekt da war für mich kein Foul an der Torfrau von Brasilien, trotz des VAR, denn der Ball war frei, die Szene knapp außerhalb des Fünfmeterrraum und der Torwart darf seit ein paar Jahren sowohl innerhalb als auch außerhalb des Fünfmeterraum auch in der Luft angegangen werden. Bin froh dass wir nicht gegen Brasilien spielen mussten, denn dann wäre möglicherweise im Achtelfinale Endstation für unser Team gewesen. Bis jetzt hatten wir nur schwache Gegner und da war schon manchmal das Glück auf unserer Seite. Aber irgendwann wird es damit auch vorbei sein.

  18. @Pauline Leon: ich habe Nia Künzer so verstanden, als dass die Frauen in ihren Ligen in den kommenden Jahren nicht mehr mit dem Videobeweis konfrontiert werden, auf internationaler Ebene aber bei Großereignissen immer damit zu tun haben.

    Ich bin von jeher ein Verfechter der Video-Unterstützung. Man kann das Ganze leider aber so handhaben, dass es keine Hilfe mehr ist. Was ich in dem Spiel – ENG-CMR gesehen habe, erinnerte mich an den Film ‚Cool Hand Luke‘ bzw. an das daraus übernommene Zitat von Guns’n’Roses … „What we’ve got here is failure to communicate“. Ich weiß nicht, wie ausführlich die FIFA den Teams vorher verdeutlicht hat, welche Auswirklungen der VAR-Einsatz haben wird bzw. kann. Ich finde es ungeachtet dessen zwingend notwendig, den Spielerinnen transparent zu machen, WAS genau WARUM überprüft wird. Hierzu sollte eine Kommunikation mit den jeweiligen Spielführerinnen erfolgen. Wenn es keine Sprachbarriere gibt … und daher sollten im Vorfeld schon so viele Unklarheiten wie möglich beseitigt werden.
    Ein weiterer Kritikpunkt liegt in einer zu langen Überprüfung. Klar muss die Schiri sich anhören, was vom Video-Referee kommt, und sich dann ggf. die Situation mehrfach ansehen. Aber nach dem ersten Tor von Gauvin im Spiel FRA-BRA erst die Behandlungen der Spielerinnen abzuwarten und DANN zu checken – das kann es doch wirklich nicht sein, und das liefert den Gegnern der Video-Überprüfung leider zu Recht Argumente. Hier ist absolut nachzubessern.

    Was Anmerkungen zu anderen falschen Entscheidungen (wie bspw. gestern der nicht gegebenen Ecke) betrifft: ich bin da ganz bei euch, aber das steht (leider?!) nicht zur Beurteilung an. Die Situationen, in denen VAR angewandt wird, sind klar benannt.

  19. @Rudi
    Meines Wissens nach war es international schon immer so, dass Torhüter innerhalb und außerhalb des Fünfers im Rahmen eines normalen Zweikampfes „angegangen“ werden dürfen, solange kein Foulspiel vorliegt. Nur in Deutschland gab es bis vor ein paar Jahren eine Sonderregel bzgl. des Fünfers. Das war in der Situation gestern aber wohl nicht das Problem, sondern dass der Ball regeltechnisch eben nicht frei war. Siehe z.B. https://twitter.com/CollinasErben/status/1142926089595117569

    @Karl
    In einer Zeitlupe der Situation Debinha/Renard sieht man deutlich, wie Debinhas Stutzen aufreißt – bestimmt nicht von „kaum berührt“.

  20. Ich hatte ja gehofft, dass jetzt endlich Vernunft beim VAR einkehrt, aber leider ist dem nicht so und es besteht zu befürchten,dass es munter so weiter geht.

    Die Leidtragenden sind in jedem Fall die Spielerinnen und die Schiedsrichtergespanne auf dem Spielfeld, die das ausbaden müssen.

    Dass es die deutsche Mannschaft wieder geschafft hat, ohne Gegentor über die Runden zu kommen, was hauptsächlich an der Schwäche des nigerianischen Sturms lag. Durch die Spieleinteilung haben sie jetzt sogar die Chance bis ins Halbfinale vorzustoßen, denn sowohl Schweden, als auch Kanada sind sicherlich nicht unbezwingbar. Aber dazu braucht es mehr Ordnung im Mannschaftsgefüge.

    So schön wie der Kopfballtreffer zum 1:0 war (allerdings durch krasse Deckungsfehler bedingt und Frau Popp musste nicht einmal springen), er hätte meiner Ansicht nach nicht gegeben werden dürfen. Denn die im Abseits direkt vor der Torhüterin stehende deutsche Spielerin hat diese ganz bestimmt in ihrer Sicht beeinträchtigt. Und da spielt es keine Rolle, dass die Torhüterin den Ball wohl nicht hätte erreichen können.

    Der Foulelfmeter war absolut unberechtigt. Natürlich hat das nach dem (etwas ungestümen) Spiel des Balles durchschwingende Bein die deutsche Spielerin getroffen. Aber das als elfmeterreif auszulegen, ist schon ein starkes Stück. Und wenn hier Absicht unterstellt wurde, hätte es einen Feldverweis zur Folge haben müssen.

    Der wäre im Spiel der England gegen Kamerun schon nach 4 Minuten für die Kameruner Abwehrspielerin erforderlich gewesen, denn der absichtliche Schlag mit dem Arm ins Gesicht der Engländerin stellt für mich eine Tätigkeit dar. das hätte auch gleich etwas Ruhe ins Spiel gebracht.

    Der folgende Frust bei den Kamerunerinnen war zwar verständlich, aber die VAR-Entscheidungen waren zutreffend. Doch es hätte gar nicht zu diesem Frust kommen brauchen, hätte das Schiedsrichtergespann, wie von früher her gewohnt, die Abseits- bzw. Nichtabseitsentscheidung zum sofortigen Zeitpunkt getroffen. Auch das lange Warten auf die Bestätigung des ersten Treffers hätte man dadurch ersparen können, wäre die passive Abseitsstellung der Engländerin neben dem Tor nicht angezeigt worden.

    Nur gut, dass sich die Spielführerin der Kamerunerinnen als ein wirklicher Mannschaftskapitän erwies. Dass die Engländerinnen als haushoher Favorit verdient gewonnen haben,sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass deren Leistung auch nicht gerade berauschend war. Da werden sie gegen Norwegen schon mehr bieten müssen.

    Damit haben es jetzt vier der acht europäischen Mannschaften geschafft, sich gegen den Rest der Welt durchzusetzen.

    In der sehr ausgeglichenen, spannenden Partie wurde den Australierinnen in der ersten Spielhälfte ein klarer Handelfmeter nach VAR versagt. Eine Norwegerin hatte ganz deutlich den Ball absichtlich mit der Schulter gespielt, was die Schiedsrichterin auch sofort richtig erkannt hatte. Die Norwegerin wollte aber den Ball mit der Brust gespielt haben, was dann zu dem VAR führte.

    Der Feldverweis wegen des Fouls an der durchgebrochenen Norwegerin war in Ordnung und hätte keines VARs bedurft. Danach versuchten die Australierinnen nur noch, das Unentschieden über die Zeit zu bringen und hatten dabei viel Glück, dass die Norwegerinnen die Chancen nicht nutzen konnten. Aber da die Australierinnen gleich die beiden ersten Elfer nicht verwandeln konnten, hatte das nur noch für ein kurzes Bangen der Norwegerinnen ums Weiterkommen zur Folge. Aber man hat gesehen, dass es für die Torhüterinnen kein Problem darstellt, sich entsprechend der Regel zu verhalten.

    Glücklicherweise wird jetzt von gelben Karten gegen die Torhüterinnen abgesehen, wenn sie sich zu früh von der Linie bewegen sollten. Das hätte ja (gerade beim Elfmeterschießen dazu führen können, dass eine Torhüterin schon nach zwei „Vergehen“ vom Spielbetrieb hätten ausgeschlossen werden können.

    Überraschend stark präsentierte sich für mich Brasilien gegen Frankreich, das nie zu seiner Linie fand und den Brasilianerinnen viel zu viel Spielraum ließ. Die Französinnen hatten dann großes Glück in der Verlängerung, als der brasilianische Treffer noch von einer Feldspielerin verhindert werden konnte. Sonst wäre das Ergebnis wohl umgekehrt ausgefallen.

    Als zu hart empfand ich die gelbe Karte für die Französin Renard, die ganz sicher keine Spielerin ist, die überhart einsteigt.

    Aber als sehr unfair empfand ich das Publikum, das nach dem zurecht aberkannten Treffer der Französinnen ständig die brasilianische Torhüterin ausbuhte. Schließlich war die gefoult worden. Sie war mit der Hand am Ball gewesen, war im Fünfmeterraum in der Luft und die Französin sprang sie an. Die Regel besagt, dass es ausreicht, wenn TorhüterIn auch nur einen Finger am Ball hat, dass dieser nicht mehr gespielt werden darf. Das dient einfach dazu TorhüterIn besonders zu schützen.

  21. maurinho:
    danke,
    das passt zu nia. sie sagte ja auch, sie hätte sich weitaus mehr vorbereitung und einweisung für die teilnehmenden teams an der var-wm gewünscht und nicht nur der schiri-abteilung.

    egal,
    alles, alles gute und viel erfolg den spanierinnen.

  22. @Aldur,

    wer sind die sogenannten Erben Colinas? Ist das eine offizielle UEFA- oder FIFA-Institution? Ich kenne sie jedenfalls nicht.

  23. Rudi sagt:
    24. Juni 2019 um 20.54 Uhr Uhr
    @Aldur,
    wer sind die sogenannten Erben Colinas? Ist das eine offizielle UEFA- oder FIFA-Institution? Ich kenne sie jedenfalls nicht.

    Wikipedia: Collinas Erben ist der Titel eines Fußball-Podcasts, der das aktuelle Fußballgeschehen aus der Perspektive von Schiedsrichtern beleuchtet. Er wird seit Oktober 2012 von Klaas Reese, Sportjournalist, und Alex Feuerherdt, Lektor, Publizist und Schiedsrichterlehrwart im Fußballkreis Köln, betrieben. Bis Anfang 2019 wurden knapp 100 Folgen produziert, die in unregelmäßigem Abstand erschienen. Der Titel des Podcasts würdigt den ehemaligen FIFA-Schiedsrichter Pierluigi Collina.

    Alex Feuerherdt wurde nach dem obigen Spiel interviewt, zu sehen gewesen in der ARD.

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