Frankreich zittert sich ins Viertelfinale, England souverän

Von am 24. Juni 2019 – 0.31 Uhr 35 Kommentare

Gastgeber Frankreich brauchte gegen Brasilien die Verlängerung, um die Viertelfinalteilnahme perfekt zu machen. England hatte in einem kuriosen Spiel nur wenig Mühe mit Kamerun, das zwischenzeitlich den Spielbetrieb einstellte.

Frankreichs Kapitänin Amandine Henry (li.) im Zweikampf mit Marta

Frankreichs Kapitänin Amandine Henry (li.), hier im Zweikampf mit Marta, erlöste ihr Team in der Verlängerung © imago / foto2press

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Die französische Nationalelf gewann am Abend im Stade Océane in Le Havre vor 23.965 Zuschauern mit 2:1 (1:1, 0:0) nach Verlängerung gegen Brasilien.

Führung durch Gauvin, Ausgleich durch Thaisa

Nach einer schwachen ersten Halbzeit, deren Höhepunkt ein von Schiedsrichterin Marie-Soleil Beaudoin annullierter Treffer von Valérie Gauvin war, die Brasiliens Torhüterin Barbara gefoult hatte, steigerten sich die Französinnen und gingen nach einem schnell vorgetragenen Angriff über den rechten Flügel und Flanke von Kadidiatou Diani durch Gauvin verdient in Führung (52.). Doch die Freude war von kurzer Dauer, denn Thaisa gelang für Brasilien der zu diesem Zeitpunkt etwas überraschende Ausgleich (63.). In der Folge entwickelte sich eine ausgeglichene Partie, die in die Verlängerung ging.

Debinha scheitert knapp, Henry sorgt für Entscheidung

In der ersten Hälfte der Verlängerung hatte Debinha die Führung auf dem Fuß, doch Griedge Mbock Bathy rettete in höchster Not auf der Torlinie. Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit der Verlängerung fiel dann die Entscheidung: Gegen zunehmend müder werdende Brasilianerinnen, die zuvor Topstürmerin Cristiane wegen einer Verletzung auswechseln mussten, gelang Kapitänin Amandine Henry nach einem Freistoß von Amel Majri der Siegtreffer (106.).

England gewinnt turbulente Partie

Bereits am frühen Abend hatte sich England im Stade du Hainaut von Valenciennes vor 20.148 Zuschauern mit 3:0 (2:0) gegen Kamerun durchgesetzt. In der turbulenten Partie brachte Englands Kapitänin Stephanie Houghton ihr Team nach einem Freistoß von der Fünf-Meter-Linie in Führung, Kameruns Torhüterin Annette Ngo Ndom hatte zuvor einen Rückpass regelwidrig aufgenommen (15.). Ellen White traf zum 2:0 (45.+3), der zunächst aberkannte Treffer wurde aber erst nach Ansicht der Videobilder für gültig erklärt. Zum Unwillen der Kamerunerinnen, die sich minutenlang weigerten, die Partie fortzusetzen. Erinnerungen an das Spiel Frankreich gegen Kuwait bei der Männer-WM 1982 wurden wach, als der kuwaitische Scheich die Spieler vom Platz beordern wollte.

Kamerun streikt und spielt weiter

Kameruns Kapitänin Aboudi Onguéné konnte ihre Mitspielerinnen nach Diskussion zum Weiterspielen wegen. Anfangs der zweiten Halbzeit wären die Kamerunerinnen fast in die Partie zurückgekommen, doch der Treffer der eingewechselten Njoya Ajara zählte wegen einer Abseitsstellung nicht. Und Englands Torhüterin Karen Bardsley machte eine weitere gute Chance der Afrikanerinnen von Alexandra Takounda zunichte (54.). Alex Greenwood sorgte dann ein paar Minuten später nach einer Ecke für die Entscheidung (58.).

England im Viertelfinale gegen Norwegen, Frankreich gegen Spanien oder USA

England kommt es nun im Viertelfinale am Donnerstag, 27. Juni, 21 Uhr, in Le Havre mit Norwegen zu tun. Frankreich muss bis morgen auf seinen Viertelfinalgegner warten, der in der Partie zwischen Spanien und den USA ermittelt wird.

Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

35 Kommentare »

  • Pauline Leon sagt:

    hallo Herr Juchem, ich hab drei kurze fragen:

    1.hab ich die nia künzer gestern richtig verstanden, als sie mutmaßte, der VAR wird für die nächsten 4 jahre wieder in die schublade gepackt?
    2.gibt es den VAR auch bei der männer u-21em? (hab dort noch kein spiel verfolgt, interessiert mich nicht) und
    3.gibt es eigentlich noch das (uefa-)“abba“-elfmeterschießen?

    danke fürs antworten…

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  • Markus Juchem sagt:

    @Pauline Leon: 1) Diese Aussage habe ich nicht mitbekommen. Der VAR wird aber sicher nicht komplett in die Schublade gepackt, aber Anpassungen und Verfeinerungen werden sicherlich kommen. 2) Bei der U21-EM gibt es auch VAR. 3) Das ABBA-Elferschießen wurde ja getestet, kommt aber derzeit nicht zum Einsatz.

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  • Karl sagt:

    @Markus Juchem: Das ist ja auch ok, kann jeder sehn wie er will. Ich habe es ja auch allenfalls 2 mal im Fernsehen gesehn, aber da sah es fuer mich eher harmlos aus.

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  • Rudi sagt:

    @Markus,
    was ist ein ABBA-Elferschießen? Mit der Schedischen Popgruppe hat das aber nix zu tun,…oder?

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  • Pauline Leon sagt:

    Herr Juchem,
    danke schön!

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  • Markus Juchem sagt:

    @Rudi: Die UEFA hatte eine Zeitlang eine neue Abfolge beim Elfmeterschießen getestet, also nicht 1. Schütze Team A, dann 1. Schütze B, dann 2. Schütze A etc., sondern 1A, dann zwei Elfmeter in Folge von Team B, dann wieder A etc.

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  • Rudi sagt:

    @Markus,
    alles klar, danke!

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  • Rudi sagt:

    War gestern Abend von Brasilien sehr positiv überrascht was sie da abgeliefert haben, das Spiel hätte auch umgekehrt ausgehen können. Schwach war für mich die Kanadische Schiedsrichterin, sie hat sich manchmal vor Allem was Meckern betrifft vor Allem von den Brasilianerinnen auf der Nase rumtanzen lassen und manchmal auch sehr seltsame Entscheidungen was Foulspiel betrifft getroffen. Diese Dame ist mir schon bei unserem Spiel gegen China negativ aufgefallen. Abgesehen davon war das Tor von Gauvin korrekt da war für mich kein Foul an der Torfrau von Brasilien, trotz des VAR, denn der Ball war frei, die Szene knapp außerhalb des Fünfmeterrraum und der Torwart darf seit ein paar Jahren sowohl innerhalb als auch außerhalb des Fünfmeterraum auch in der Luft angegangen werden. Bin froh dass wir nicht gegen Brasilien spielen mussten, denn dann wäre möglicherweise im Achtelfinale Endstation für unser Team gewesen. Bis jetzt hatten wir nur schwache Gegner und da war schon manchmal das Glück auf unserer Seite. Aber irgendwann wird es damit auch vorbei sein.

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  • maurinho sagt:

    @Pauline Leon: ich habe Nia Künzer so verstanden, als dass die Frauen in ihren Ligen in den kommenden Jahren nicht mehr mit dem Videobeweis konfrontiert werden, auf internationaler Ebene aber bei Großereignissen immer damit zu tun haben.

    Ich bin von jeher ein Verfechter der Video-Unterstützung. Man kann das Ganze leider aber so handhaben, dass es keine Hilfe mehr ist. Was ich in dem Spiel – ENG-CMR gesehen habe, erinnerte mich an den Film ‚Cool Hand Luke‘ bzw. an das daraus übernommene Zitat von Guns’n’Roses … „What we’ve got here is failure to communicate“. Ich weiß nicht, wie ausführlich die FIFA den Teams vorher verdeutlicht hat, welche Auswirklungen der VAR-Einsatz haben wird bzw. kann. Ich finde es ungeachtet dessen zwingend notwendig, den Spielerinnen transparent zu machen, WAS genau WARUM überprüft wird. Hierzu sollte eine Kommunikation mit den jeweiligen Spielführerinnen erfolgen. Wenn es keine Sprachbarriere gibt … und daher sollten im Vorfeld schon so viele Unklarheiten wie möglich beseitigt werden.
    Ein weiterer Kritikpunkt liegt in einer zu langen Überprüfung. Klar muss die Schiri sich anhören, was vom Video-Referee kommt, und sich dann ggf. die Situation mehrfach ansehen. Aber nach dem ersten Tor von Gauvin im Spiel FRA-BRA erst die Behandlungen der Spielerinnen abzuwarten und DANN zu checken – das kann es doch wirklich nicht sein, und das liefert den Gegnern der Video-Überprüfung leider zu Recht Argumente. Hier ist absolut nachzubessern.

    Was Anmerkungen zu anderen falschen Entscheidungen (wie bspw. gestern der nicht gegebenen Ecke) betrifft: ich bin da ganz bei euch, aber das steht (leider?!) nicht zur Beurteilung an. Die Situationen, in denen VAR angewandt wird, sind klar benannt.

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  • Aldur sagt:

    @Rudi
    Meines Wissens nach war es international schon immer so, dass Torhüter innerhalb und außerhalb des Fünfers im Rahmen eines normalen Zweikampfes „angegangen“ werden dürfen, solange kein Foulspiel vorliegt. Nur in Deutschland gab es bis vor ein paar Jahren eine Sonderregel bzgl. des Fünfers. Das war in der Situation gestern aber wohl nicht das Problem, sondern dass der Ball regeltechnisch eben nicht frei war. Siehe z.B. https://twitter.com/CollinasErben/status/1142926089595117569

    @Karl
    In einer Zeitlupe der Situation Debinha/Renard sieht man deutlich, wie Debinhas Stutzen aufreißt – bestimmt nicht von „kaum berührt“.

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  • Ingrid Novosad sagt:

    Ich hatte ja gehofft, dass jetzt endlich Vernunft beim VAR einkehrt, aber leider ist dem nicht so und es besteht zu befürchten,dass es munter so weiter geht.

    Die Leidtragenden sind in jedem Fall die Spielerinnen und die Schiedsrichtergespanne auf dem Spielfeld, die das ausbaden müssen.

    Dass es die deutsche Mannschaft wieder geschafft hat, ohne Gegentor über die Runden zu kommen, was hauptsächlich an der Schwäche des nigerianischen Sturms lag. Durch die Spieleinteilung haben sie jetzt sogar die Chance bis ins Halbfinale vorzustoßen, denn sowohl Schweden, als auch Kanada sind sicherlich nicht unbezwingbar. Aber dazu braucht es mehr Ordnung im Mannschaftsgefüge.

    So schön wie der Kopfballtreffer zum 1:0 war (allerdings durch krasse Deckungsfehler bedingt und Frau Popp musste nicht einmal springen), er hätte meiner Ansicht nach nicht gegeben werden dürfen. Denn die im Abseits direkt vor der Torhüterin stehende deutsche Spielerin hat diese ganz bestimmt in ihrer Sicht beeinträchtigt. Und da spielt es keine Rolle, dass die Torhüterin den Ball wohl nicht hätte erreichen können.

    Der Foulelfmeter war absolut unberechtigt. Natürlich hat das nach dem (etwas ungestümen) Spiel des Balles durchschwingende Bein die deutsche Spielerin getroffen. Aber das als elfmeterreif auszulegen, ist schon ein starkes Stück. Und wenn hier Absicht unterstellt wurde, hätte es einen Feldverweis zur Folge haben müssen.

    Der wäre im Spiel der England gegen Kamerun schon nach 4 Minuten für die Kameruner Abwehrspielerin erforderlich gewesen, denn der absichtliche Schlag mit dem Arm ins Gesicht der Engländerin stellt für mich eine Tätigkeit dar. das hätte auch gleich etwas Ruhe ins Spiel gebracht.

    Der folgende Frust bei den Kamerunerinnen war zwar verständlich, aber die VAR-Entscheidungen waren zutreffend. Doch es hätte gar nicht zu diesem Frust kommen brauchen, hätte das Schiedsrichtergespann, wie von früher her gewohnt, die Abseits- bzw. Nichtabseitsentscheidung zum sofortigen Zeitpunkt getroffen. Auch das lange Warten auf die Bestätigung des ersten Treffers hätte man dadurch ersparen können, wäre die passive Abseitsstellung der Engländerin neben dem Tor nicht angezeigt worden.

    Nur gut, dass sich die Spielführerin der Kamerunerinnen als ein wirklicher Mannschaftskapitän erwies. Dass die Engländerinnen als haushoher Favorit verdient gewonnen haben,sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass deren Leistung auch nicht gerade berauschend war. Da werden sie gegen Norwegen schon mehr bieten müssen.

    Damit haben es jetzt vier der acht europäischen Mannschaften geschafft, sich gegen den Rest der Welt durchzusetzen.

    In der sehr ausgeglichenen, spannenden Partie wurde den Australierinnen in der ersten Spielhälfte ein klarer Handelfmeter nach VAR versagt. Eine Norwegerin hatte ganz deutlich den Ball absichtlich mit der Schulter gespielt, was die Schiedsrichterin auch sofort richtig erkannt hatte. Die Norwegerin wollte aber den Ball mit der Brust gespielt haben, was dann zu dem VAR führte.

    Der Feldverweis wegen des Fouls an der durchgebrochenen Norwegerin war in Ordnung und hätte keines VARs bedurft. Danach versuchten die Australierinnen nur noch, das Unentschieden über die Zeit zu bringen und hatten dabei viel Glück, dass die Norwegerinnen die Chancen nicht nutzen konnten. Aber da die Australierinnen gleich die beiden ersten Elfer nicht verwandeln konnten, hatte das nur noch für ein kurzes Bangen der Norwegerinnen ums Weiterkommen zur Folge. Aber man hat gesehen, dass es für die Torhüterinnen kein Problem darstellt, sich entsprechend der Regel zu verhalten.

    Glücklicherweise wird jetzt von gelben Karten gegen die Torhüterinnen abgesehen, wenn sie sich zu früh von der Linie bewegen sollten. Das hätte ja (gerade beim Elfmeterschießen dazu führen können, dass eine Torhüterin schon nach zwei „Vergehen“ vom Spielbetrieb hätten ausgeschlossen werden können.

    Überraschend stark präsentierte sich für mich Brasilien gegen Frankreich, das nie zu seiner Linie fand und den Brasilianerinnen viel zu viel Spielraum ließ. Die Französinnen hatten dann großes Glück in der Verlängerung, als der brasilianische Treffer noch von einer Feldspielerin verhindert werden konnte. Sonst wäre das Ergebnis wohl umgekehrt ausgefallen.

    Als zu hart empfand ich die gelbe Karte für die Französin Renard, die ganz sicher keine Spielerin ist, die überhart einsteigt.

    Aber als sehr unfair empfand ich das Publikum, das nach dem zurecht aberkannten Treffer der Französinnen ständig die brasilianische Torhüterin ausbuhte. Schließlich war die gefoult worden. Sie war mit der Hand am Ball gewesen, war im Fünfmeterraum in der Luft und die Französin sprang sie an. Die Regel besagt, dass es ausreicht, wenn TorhüterIn auch nur einen Finger am Ball hat, dass dieser nicht mehr gespielt werden darf. Das dient einfach dazu TorhüterIn besonders zu schützen.

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  • Pauline Leon sagt:

    maurinho:
    danke,
    das passt zu nia. sie sagte ja auch, sie hätte sich weitaus mehr vorbereitung und einweisung für die teilnehmenden teams an der var-wm gewünscht und nicht nur der schiri-abteilung.

    egal,
    alles, alles gute und viel erfolg den spanierinnen.

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  • Rudi sagt:

    @Aldur,

    wer sind die sogenannten Erben Colinas? Ist das eine offizielle UEFA- oder FIFA-Institution? Ich kenne sie jedenfalls nicht.

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  • Ritchie sagt:

    Rudi sagt:
    24. Juni 2019 um 20.54 Uhr Uhr
    @Aldur,
    wer sind die sogenannten Erben Colinas? Ist das eine offizielle UEFA- oder FIFA-Institution? Ich kenne sie jedenfalls nicht.

    Wikipedia: Collinas Erben ist der Titel eines Fußball-Podcasts, der das aktuelle Fußballgeschehen aus der Perspektive von Schiedsrichtern beleuchtet. Er wird seit Oktober 2012 von Klaas Reese, Sportjournalist, und Alex Feuerherdt, Lektor, Publizist und Schiedsrichterlehrwart im Fußballkreis Köln, betrieben. Bis Anfang 2019 wurden knapp 100 Folgen produziert, die in unregelmäßigem Abstand erschienen. Der Titel des Podcasts würdigt den ehemaligen FIFA-Schiedsrichter Pierluigi Collina.

    Alex Feuerherdt wurde nach dem obigen Spiel interviewt, zu sehen gewesen in der ARD.

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  • balea sagt:

    Schöner Kommentar in der TAZ zu Kamerun etc:
    https://taz.de/Kolumne-B-Note/!5605055/

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