England und Frankreich peilen Viertelfinale an

Von am 23. Juni 2019 – 10.46 Uhr 10 Kommentare

England gegen Kamerun und Frankreich gegen Brasilien heißen die Achtelfinalpartien bei der WM in Frankreich am Sonntag. Wir analysieren die Ausgangssituation.

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Sonntag, 23. Juni 2019 (17.30 Uhr) in Valenciennes – England – Kamerun (ARD)

Mit der Maximalpunktzahl von neun Punkten aus drei Spielen hat sich England für das Achtelfinale qualifiziert. Das Team von Trainer Phil Neville versprühte dabei zwar noch keinen Glanz, zeigte aber in den Spielen gegen Schottland, Argentinien und Japan phasenweise, warum das Team viele als einen der Topfavoriten auf den Titel auf dem Zettel haben. Im Sturm sind Ellen White, Nikita Parris oder Jodie Taylor jederzeit in der Lage, ein Tor zu schießen. Auch Abwehrspielerin Lucie Bronze wird gegen die im Zentrum massiert stehenden und auf Konter lauernden Kamerunerinnen immer wieder versuchen, über den rechten Flügel vorzustoßen und hinter die kamerunische Abwehrreihe zu kommen. Die Engländerinnen haben nur eines ihrer letzten neun Spiele verloren und in jedem seiner neun vergangenen WM-Spiele jeweils einen Treffer erzielt und damit eine bessere Serie als jeder andere WM-Teilnehmer.

Kamerun schaffte den Sprung ins Achtelfinalfinale als einer der besten Gruppendritten durch einen dramatischen Last-Minute-Sieg gegen Neuseeland. Zuvor hatte das Team knapp gegen Kanada verloren und auch gegen die Niederlande phasenweise eine gute Figur abgegeben. Mit seiner Kompaktheit steht Kamerun in einer Tradition afrikanischer Teams, die technisch gut ausgebildet sind und physisch ein unbequemer Gegner sein können. Kameruns Hoffnungen liegen vor allem auf der quirligen und schnellen Stürmerin Gabrielle Onguene, doch insgesamt ist das Team in seiner Breite nicht gut genug besetzt, um eine ernsthafte Bedrohung für die Engländerinnen darzustellen. Die bei der WM 2015 in Kanada noch so starke Stürmerin Gaëlle Enganamouit konnte in Frankreich noch keine Akzente setzen. Ihr fehlt nach mehrmonatiger Verletzungspause in den ersten Monaten des Jahres noch die Spielpraxis. Die beiden Teams werden im Frauenfußball erstmals aufeinandertreffen. Wir erwarten einen ungefährdeten Sieg Englands, der mit schnellen Vorstößen über die Flügel eingeleitet werden sollte.

Sonntag, 23. Juni (21.00 Uhr) in Le Havre – Frankreich gegen Brasilien (sportschau.de)

Ausgerechnet das Achtelfinale von Gastgeber Frankreich ist leider nicht live im Fernsehen zu sehen, da das ZDF zeitgleich die U21-EM-Partie der Männer zwischen Deutschland und Österreich überträgt. Die Französinnen konnten bisher nun im Auftaktspiel gegen schwache Südkoreanerinnen überzeugen. Die Siege gegen Norwegen und Nigeria kamen erst durch zweifelhafte VAR-Entscheidungen zustande. Die sonst so ruhige und abgeklärte Wendie Renard deutete bei einem Eigentor und einem verschossenen Elfmeter an, wie groß die Erwartungshaltung und der Druck auf die Spielerinnen im eigenen Land ist. Individuell gehört der Gastgeber zu den stärksten Teams des Turniers und sollte mit seinen Weltklassestürmerinnen Eugénie Le Sommer, Delphine Cascarino oder auch Valerie Gauvin dazu in der Lage sein, ein in der Defensive anfälliges Brasilien vor massive Probleme zu stellen. Im Mittelfeld ziehen Kapitänin Amandine Henry, Gaëtane Thiney und Elise Bussaglia die Fäden, hinten ist die Innenverteidigung aus Renard Griedge M´Bock Bathy ein Fels in der Brandung.

Brasilien gewann zwei seiner drei Gruppenspiele, qualifizierte sich aber dennoch nur als einer der besten Gruppendritten, vor allem weil gegen Australien ein Zwei-Tore-Vorsprung verspielt wurde. Das Team wirkte in den beiden Auftaktspielen gegen Jamaika und Australien noch etwas unsortiert, gegen Italien bereits deutlich verbessert. Die Brasilianerinnen setzen immer noch auf die Geniestreiche der sechsfachen Weltfußballerin Marta und die Kopfballstärke der robuste Cristiane. Die schnellen Außen Debinha und Ludmila sollen Lücken in die gegnerische Defensive reißen. Im Achtelfinale kann das Team wieder auf die zuletzt noch gesperrte Abwehrikone Formiga zurückgreifen. Beide Teams werden zum neunten Mal aufeinandertreffen, noch nie konnte Brasilien gewinnen. Von der Papierform her sollte Frankreich das Spiel dank seiner Offensivpower klar beherrschen und deutlich gewinnen können – wäre da nicht die Last der Erwartung und der hohe Druck, der das Team schon zuletzt beeinträchtigte. Dennoch wäre ein Erfolg Brasiliens eine ziemliche Überraschung, mit der wir nicht rechnen.

Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

10 Kommentare »

  • fußball, F1 sagt:

    Das Frankreich nur gestreamt wird, ist schon nicht gut. Das wird bestimmt interessanter als die U21. Ich hoffe, das der Stream stabil bleibt.

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  • Christian Jahn sagt:

    Ich finde es auch schon seltsam dass jetzt zwar 7 von 8 Achtelfinals live im Tv gezeigt werden aber ausgerechnet dass vom Papier her stärkste Duell Frankreich gegen Brasilien webexklusiv bei sportschau.de gezeigt wird, weil die ARD am Sonntagabend lieber den Tatort zeigt

    (6) 12 Gesamt – 9 hoch – 3 runter
  • balea sagt:

    Wow, da hatte England aber Glück, dass da ein tüchtiger deutscher Videoschiedsrichter aktiv war.

    (2) 6 Gesamt – 4 hoch – 2 runter
  • enthusio sagt:

    @balea:

    Wieso ?
    Die endgültigen Entscheidungen hat doch die chinesische Schiedsrichterin getroffen.

    (4) 6 Gesamt – 5 hoch – 1 runter
  • balea sagt:

    @enthusio

    Anders als die meisten Schiedsrichterinnen hat die Chinesin alle Befehle vom Big Brother befolgt. Sie hat sich nie vor den Bildschirm gestellt. So umstritten die VAR Entscheidungen sind – ich fühle mich dann am wohlsten, wenn die Schiri entscheidende Szenen selbst in Augenschein nimmt. Sie hat immer eigenen Spielraum. Das Spiel ist auf dem Platz – nicht im Keller.

    (-2) 12 Gesamt – 5 hoch – 7 runter
  • Bernd sagt:

    ACHTUNG – ACHTUNG – ACHTUNG

    AB SOFORT DIE VERLÄNGERUNG ZWISCHEN FRANKREICH UND BRASILIEN
    LIVE IM ZDF AUCH IM TV!!!!

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  • never-rest sagt:

    Video kills Football. Mich nervt das VAR nur noch. So wie das derzeit läuft, wird es demnächst wohl öfters mal insgesamt knapp 20 Minuten Nachspielzeit geben, wegen der langen Unterbrechungen. Schon bald so viel Pausen wie beim American Football. Auch der Torjubel muss erst mal warten, bis VAR sein OK gegeben hat. Die Schiris auf dem Platz werden zu Assistenten des VAR degradiert. Lieber ein paar Fehlentscheidungen auf dem Platz, als Millimetermessungen mit der Lupe und einer „kalibrierten Linie“. Was für ein Schwachsinn, früher war so was gleiche Höhe und gut, egal ob nun die Stollen, die Schuhspitze oder sonst was ein paar cm vorstehen. Ich dachte immer, VAR soll nur krasse Fehlentscheidungen korrigieren. What a mess.

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  • quotis sagt:

    @never-rest „Auch der Torjubel muss erst mal warten, bis VAR sein OK gegeben hat. [..] Ich dachte immer, VAR soll nur krasse Fehlentscheidungen korrigieren. What a mess.“

    Ein Tor, dem ein etwaiger Regelverstoß vorgeht, ist wohl immer eine krasse Fehlentscheidung. Ich finde die Überprüfung legitim.

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  • Bernd sagt:

    @ Christian Jahn
    Nein nicht, „weil die ARD am Sonntagabend lieber den Tatort zeigt“, sondern weil im ZDF das U21 Länderspiel um den Einzug ins Halbfinale zeigt der deutschen Nationalmannschaft. Das Frauen-WM-Achtelfinale wäre ohne das Spiel der deutschen U21 sicher übertragen worden.
    Nach dem Deutschlandspiel wurde die Verlängerung bei den Frauen auch im TV übertragen.
    Ich fand es genial, wie es gemacht wurde, hatte ich doch so die Möglichkeit beide Spiele gleichzeitig live zu sehen. Einen Ton habe ich ausgestellt, und dann über Laptop und TV beide Spiele anschauen können. Sogar VAR-Auszeiten sind dann kein Problem. 🙂

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  • Andi sagt:

    @quotis
    Was ist mit den Toren die nicht VAR-relevanten Fehlentscheidungen folgen, weil der Ball im Aus war oder es vorher Ecke geben hätte müssen, wie im Fra – Bra Spiel?

    So lange Fehlentscheidungen nur selektiv korrigiert werden, wird es nie funktionieren.

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