Deutschland und Norwegen im Viertelfinale

Von am 22. Juni 2019 – 23.50 Uhr 25 Kommentare

Die deutsche Frauenfußball-Nationalelf ist mit einem klaren Sieg gegen Nigeria ins Viertelfinale der WM in Frankreich eingezogen. Kapitänin Alex Popp ebnete in ihrem 100. Länderspiel früh den Weg zum Erfolg. Am Abend setzte sich Norwegen in einer dramatischen Partie gegen Australien durch.

Alex Popp bejubelt ihren Treffer zum 1:0 gegen Nigeria

DFB-Kapitänin Alex Popp brachte ihr Team in ihrem 100. Länderspiel auf Kurs © imago / HMB-Media

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Beim 3:0 (2:0)-Sieg vor 17.988 Zuschauern im Stade des Alpes von Grenoble sorgte Alex Popp per Kopf für die frühe Führung (20.). Nach einem Foul an Lina Magull erhöhte Sara Däbritz vom Elfmeterpunkt (27.). Bei sommerlichen Temperaturen war es dann Lea Schüller, die einen Fehler der Nigerianerinnen zum Endstand nutzte (82.).

Eine Änderung in der Startformation

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg veränderte ihr Team gegenüber dem Sieg gegen Südafrika auf einer Position: Für Klara Bühl kam Lea Schüller in die Mannschaft. Nigerias Trainer Thomas Dennerby musste wegen einer Muskelverletzung auf seine Topstürmerin Asisat Oshoala verzichten und brachte die frühere Kapitänin Evelyn Nwabuoku in die Mannschaft, verhalf Uchenna Kanu zum WM-Debüt und auch noch Stürmerin Chinwendu, so dass Nigeria erstmals in diesem Turnier in einer 4-4-2-Formation spielte.

Doppelschlag durch Popp und Däbritz

Nigeria fand gut in die Partie und verschaffte sich einem schnellen Eckball Respekt. Doch die DFB-Frauen kamen schnell besser ins Spiel und Lina Magull hat mit einem Drehschuss die erste gute Chance, doch der Ball wurde von Osinachi Ohale geblockt (6.). Nach einem Eckball ging die DFB-Elf dann schnell in Führung, Popp fand in ihrem Jubiläumsspiel die Lücke zwischen zwei Nigerianerinnen, schraubte sich in die Höhe und köpfte zum 1:0 ein (20.). Das Tor wurde zwar noch einmal wegen einer möglichen Abseitsstellung von Svenja Huth überprüft, fand aber Anerkennung. Nach einem Foul an Lina Magull entschied Schiedsrichterin Yoshimi Yamashita nach Ansicht der Videobilder auf Elfmeter, Däbritz baute die Führung auf 2:0 aus (27.).

Zwei Wechsel in der Pause

Zur zweiten Halbzeit kamen Carolin Simon für Verena Schweers und Klara Bühl für Melanie Leupolz, in der Folge verlor die deutsche Mannschaft zunehmend ihren Spielfluss. Die Nigerianerinnen waren in den Zweikämpfen nicht so bissig wie in den Partien zuvor und erspielten sich trotz ausgeglichenem Spiel keine Torchancen. In der Schlussphase machte dann Lea Schüller den Deckel auf die Partie, als sie einen Fehler der Hintermannschaft zu 3:0 verwertete (82.). In der Nachspielzeit hatte Nigerias Kapitänin Desire Oparanozie per Freistoß die Chancen zum Ehrentreffer, doch es blieb beim klaren Erfolg der DFB-Frauen.

Popp: „Tor aus Standard hat geholfen“

Alex Popp meinte nach der Partie: „Nigeria hat uns alles abverlangt, aber wir waren aggressiv in den Zweikämpfen und haben nach vorne Druck gemacht. Das Tor aus einem Standard hat natürlich geholfen. Voss-Tecklenburg meinte: „Schön, dass wir unser Ziel erreicht haben, wir sind alle happy. Zu Beginn hatten wir nicht die Spielruhe und der Gegner hat uns Respekt eingeflößt. Wir wissen, dass wir bei den Standards eine Stärke haben und wollen daraus in jedem Spiel ein Tor machen.“

Viertelfinale gegen Schweden oder Kanada

Im Viertelfinale geht es nun in einer Woche am Samstag, 29. Juni, 18.30 Uhr, in Rennes gegen den Sieger des Achtelfinales Schweden gegen Kanada, das am Montag, 24. Juni, 21 Uhr, in Paris ausgetragen wird.

Norwegen gewinnt Krimi gegen Australien

Norwegen setzte sich vor 12.229 Zuschauern im Stade de Nice von Nizza nach einem packenden Spiel im Elfmeterschießen gegen Australien mit 5:2 (1:1, 1:1) durch. Isabell Herlovsen brachte die Norwegerinnen in Führung (31.), Elisa Kellond-Knight glich mit einer direkt verwandelten Ecke aus (83.). In einer einigen zweifelhaften Entscheidungen geprägten Partie, in der Australien zwei und Norwegen ein Elfmeter verweigert wurde, entwickelte sich die Verlängerung zu einem wahren Krimi, in dem Norwegen einem zweiten Treffer näher war als Australien.

Hansen und Teamkolleginnen im Elferschießen ganz cool

Die Australierinnen mussten nach einer Roten Karte gegen Alanna Kennedy wegen einer Notbremse gegen Lisa-Marie Utland (104.) die letzte Viertelstunde in Unterzahl spielen und verteidigten leidenschaftlich, so dass es ins Elfmeterschießen ging. Dort verwandelten Caroline Graham Hansen, Guro Reiten, Maren Mjelde und Ingrid Engen jeweils souverän ihre Elfmeter, für Australien verschossen Sam Kerr und Emily Gielnik, nur Steph Catley traf.

Viertelfinale gegen England oder Kamerun

Im Viertelfinale trifft England am kommenden Donnerstag, 27. Juni, 21 Uhr, in Le Havre auf den Sieger des Achtelfinales England gegen Kamerun.

Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

25 Kommentare »

  • ajki sagt:

    Es gibt viele wahre Aussagen über den Fußball. Manchmal widersprechen sie sich sogar ein bisschen oder schränken sich gegenseitig ein, aber „wahr“ sind sie trotzdem. In diesem Sinne:

    „Fußball ist ein Ergebnissport“

    Das stimmt eben. Am Ende steht derjenige als Sieger da, der mehr Pillen im gegnerischen Netz versenkt hat. So ist das nun mal – auch auf eine Liga-Saison oder ein Turnier gerechnet („Die Tabelle lügt nicht“).

    Neben den reinen Fußball-Wahrheiten gibt es auch Sprüche, die zwar nicht „wahr“ sind, aber eben auch durchaus bezeichnend für eine bestimmte Situation. Zum Beispiel: „Das Glück ist mit den Tüchtigen“. Und Eines ist eben auch wahr im Wortsinne: tüchtig sind sie absolut, die *weiblichen* DFB-A-Kader.

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  • balea sagt:

    Sowohl Nigeria als auch Australien waren durchaus tüchtig.
    Fussball ist aber auch ein Publikumssport – und das möchte meistens attraktiven Sport sehen, insbesondere bei einem internationalen Turnier, was zugleich Werbung für eine „Nischensportart“ sein will und soll. Und wenn es danach ginge, hätte D im VF nichts zu suchen. Die Verbände, die gerade stark oder neu in das Thema FF investieren, spielen zuerst einmal mutig, engagiert und attraktiv: Italien, Spanien, England, Australien uam. Die „Effektivität“ wird schon noch kommen.
    Und was: „Die Tabelle lügt nicht“ angeht: Bei dem, was in Chelsea, Spanien etc gerade passiert (von Lyon ganz zu schweigen) braucht sich WOB und Bayern ganz sicher keine langfristigen Hoffnungen in der CL mehr zu machen.

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  • wfm sagt:

    Es ist menschlich den negativen Ereignissen mehr Aufmerksamkeit zu widmen bzw. in Erinnerung zu behalten als den positiven. Hier wird mehrfach die Passquote der N11-Mädels kritisiert. Zweifellos wünscht man/frau sie sich bei den deutschen Frauen noch verbessert. Allerdings fällt der statistisch erfasste Vergleich „Norwegen – Deutschland“ gemäß „Kicker“ mit 73% zu 80% eindeutig zugunsten unserer N11 aus. Das ist übrigens sogar einen Ticken besser als bei der Begegnung England gegen Japan die beide auf 79% kamen.

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  • Aldur sagt:

    Ein wirklich glanzvoller Auftritt war es sicher wieder nicht. Das war gegen einen Gegner der zwar weitgehend diszipliniert verteidigte, aber offensiv kaum stattfand, auch nicht notwendig, zumal die frühe deutliche Führung sicher ihr Übriges tat. Außerdem war die kleinliche Linie der japanischen Unpateiischen auch nicht dazu angetan, einen Spielfluss aufkommen zu lassen.

    Man könnte monieren, dass nur ein Treffer aus dem Spiel heraus fiel, der auch noch vom Gegner aufgelegt wurde, aber ich sehe es durchaus auch als Qualität an, die Möglichkeiten zu besitzen, Spiele über Standards zu entscheiden. Dennoch bin ich gespannt, wie es aussehen wird, wenn die deutsche Mannschaft mal von einem Gegner auch defensiv mehr als nur sporadisch gefordert wird.

    Die VAR-Entscheidungen waren übrigens nicht alle so unumstritten. Ich schaue die Spiele ja wann immer möglich auf DAZN, und in der dortigen Übertragung waren sich Kommentator Jan Platte und Co.-Kommentatorin Tabea Kemme auf Anhieb einig, dass der Elfer zum 2:0 nicht berechtigt war, und wurden auch von keiner Zeitlupe umgestimmt. Ich war da ehrlich gesagt eher bei der Schiedsrichterin. Im Grunde ja eine identische Situation zum siegbringenden Elfer der Französinnen gegen Norwegen. Man erkennt zwar in beiden Fällen die Absicht der Verteidigerin den Ball zu spielen, dieser wird jeweils aber nur minimal, und ohne entscheidende Richtungsänderung getroffen, die Gegenspielerin dafür umso härter. Von daher wäre für mich höchstens diskutabel, ob die usprüngliche Entscheidung ‚kein Elfer‘ so klar falsch war, dass der Eingriff des VAR gerechtfertigt war. Ansonsten gingen die Elfer für mich in beiden genannten Fällen in Ordnung.

    Ich hätte eher damit gerechnet, dass das 1:0 der deutschen Mannschaft kassiert wird, weil es in der abgelaufenen Saison im Männerbereich unzählige vergleichbare Situationen gab, wo ein Treffer zurückgenommen wurde, weil eine passive Absseitsstellung als sichtbehindernd für den Torhüter, und somit aktiv gewertet wurden. Womit wir wieder beim Thema Vergleichbarkeit von Entscheidungen wären.

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  • Bernd sagt:

    @ Rudi 14.57 Uhr

    Das tut mir sehr leid für Dich, dass Du dann gar nix mehr hörst!
    Auch bei einer Tonstörung im Fernsehen kann ich immer noch hören ohne etwas zu machen, z.B. die Vögel im Garten! Kann aber auch Musik anstellen usw., bin ja nicht taub!
    Da Helmut sich so gefreut hätte, wenn die Tonstörung das ganze Spiel angedauert hätte, verstehe ich nicht was Du meinst. Was war bei der Tonstörung denn anders, als beim Ton runterstellen?

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