WM-Achtelfinale: Welche Teams kommen heute weiter?

Von am 22. Juni 2019 – 11.51 Uhr 2 Kommentare

Das Spiel zwischen Deutschland und Nigeria (17.30 Uhr, ZDF/DAZN live) eröffnet heute Abend das Achtelfinale bei der Frauenfußball-WM in Frankreich. Danach folgt die Partie zwischen Norwegen und Australien (21 Uhr, ZDF live). Wir analysieren die heutigen Duelle und bewerten die Chancen der Teams.

Sara Däbritz (li.), Alex Popp (Mi.) und Giulia Gwinn freuen sich

Wollen auch nach dem Nigeria-Spiel strahlen: Sara Däbritz (li.), Alex Popp (Mi.) und Giulia Gwinn

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Samstag, 22. Juni 2019 (17.30 Uhr) in Grenoble – Deutschland – Nigeria (ZDF/DAZN)

Drei Spiele, drei Siege und ein Torverhältnis von 6:0 – was auf dem Papier wie ein perfekter Durchmarsch aussieht, entpuppte sich für die DFB-Frauen in der Vorrunde als recht zähe Angelegenheit. In den ersten beiden Spielen verhinderten Glück und eine gut aufgelegte Torhüterin Almuth Schult Gegentreffer, erst gegen unterlegene Südafrikanerinnen deutete Deutschland sein spielerisches Potenzial an. In seiner individuellen Besetzung muss sich die DFB-Elf vor keinem Gegner in diesem Turnier verstecken, doch in puncto Passgenauigkeit und Kombinationsspiel sind weiter Defizite zu erkennen. Ab der K.-o.-Runde werden die Duelle noch enger und intensiver werden, so dass auch ein effizienterer Torabschluss nötig sein wird, um zu bestehen. Spielmacherin Dzsenifer Marozsán steht nach ihrem Zehenbruch im Notfall wohl für einen Kurzeinsatz zur Verfügung.

Nigeria ließ sich zum Auftakt von Norwegen überrumpeln, bei der knappen Niederlage gegen Gastgeber Frankreich deutete das Team des früheren schwedischen Trainers Thomas Dennerby zuletzt sein Potenzial an. Dennoch hatte Nigeria Glück, denn nur ein verschossener Elfmeter Chiles bescherte den ersten WM-Achtelfinaleinzug seit 20 Jahren. Doch davon sollte sich das DFB-Team nicht blenden lassen. Der Elf von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg dürfte ähnlich wie im Spiel gegen China ein hartes Stück Arbeit bevorstehen, denn dank seiner Physis, Kompaktheit und Zweikampfstärke ist Nigeria ein äußerst unbequemer Gegner. Es gilt, Lücken in der afrikanischen Defensive aufzureißen, zugleich aber bei Kontern des schnellen Stumtrios Asisat Oshoala, Franny Ortega und Kapitänin Desire Oparanozie auf der Hut zu sein. Es wird wohl ein zähes Geduldspiel, ehe Deutschland seiner Favoritenrolle am Ende knapp und womöglich nur durch einen Standard gerecht werden dürfte.

Samstag, 22. Juni 2019 (21.00 Uhr) in Nizza – Norwegen – Australien (ZDF)

Norwegen zog mit zwei Siegen und einer Niederlage ins Achtelfinale ein und deutete in der Vorrunde phasenweise an, zu den Topteams dieses Turniers gehören zu können. Allen voran das Mittelfeld-Duo Caroline Graham Hansen und Guro Reiten sorgten für mächtig Wirbel. Allerdings ist der Einsatz von Graham Hansen nach einer zum Abschluss der Vorrunde im Spiel gegen Südkorea erlittenen Fußverletzung fraglich. Im Sturm haben Isabell Herlovsen und Lisa-Marie Utland die Klasse, jederzeit für brandgefährliche Momente zu sorgen. Ein Schwachpunkt war bisher die linke Abwehrseite, wo Kristine Minde auf ungewohnter und undankbarer Position zum Einsatz kam, in der Innenverteidigung ließen Kapitänin Maren Mjelde und Maria Thorisdottir nur wenig anbrennen.

Australien hat seine Stärken eindeutig in der Offensive, allen voran in Samantha Kerr, die mit fünf Treffern (vier davon gegen Jamaika) derzeit gemeinsam mit US-Stürmerin Alex Morgan die Liste der besten Torschützinnen anführt. Dazu kurbeln im Mittelfeld Spielerinnen wie Claire Logazo das Angriffsspiel an. Allerdings offenbarte das Team in allen drei Vorrundenspielen teils eklatante Schwächen im Defensivverhalten, die zu bisher bereits fünf Gegentreffern führten – neben Kamerun die meisten aller Achtelfinalisten. Entscheidend wird sein, welches der beiden Teams die Hoheit im Mittelfeld erlangen und dem Gegner sein Spiel aufzwingen kann. Aufgrund der größeren Balance und Ausgewogenheit ist Norwegen leicht im Vorteil und sollte sich am Ende nach einer unterhaltsamen Partie knapp durchsetzen.

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Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

2 Kommentare »

  • Rudi sagt:

    @Markus,
    sehr gut Analysen!Kann mich Dem nur anschließen.

    (3) 5 Gesamt – 4 hoch – 1 runter
  • FFFan sagt:

    Heute spricht viel für die deutsche Mannschaft: der Gegner ist die Nr.38 der Welt und hat im Turnier bisher nicht gerade überzeugt. Hinzu kommt, dass die Nigerianerinnen drei Tage lang quasi ‚auf gepackten Koffern‘ saßen und erst gestern aus dem rund 1000 Kilometer entfernten Rennes angereist sind. Außerdem muss Nigeria auf zwei gesperrte Stammspielerinnen sowie die seit dem ersten Spiel verletzte F.Ikidi verzichten (bei Deutschland ist lediglich D.Marozsan weiterhin angeschlagen/verletzt).

    Trotzdem sollte das Team von ‚MVT‘ das Spiel nicht ‚auf die leichte Schulter nehmen‘, in einem k.o.-Spiel bei einer WM kann schließlich alles passieren. Alles andere als ein ungefährdeter Sieg wäre jedoch eine Enttäuschung.

    (4) 6 Gesamt – 5 hoch – 1 runter

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