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2007

Überraschende Außenseiter, schwächelnde Favoriten

24 von 32 Partien sind bei der fünften Frauenfußball-Weltmeisterschaft in China gespielt, ab morgen kämpfen die verbliebenen acht Teams darum, sich den großen Traum vom WM-Titel zu erfüllen. womensoccer.de wirft noch einmal einen Blick zurück auf die Vorrunde, beleuchtet Highlights, Überraschungen und Enttäuschungen.

34.000 Zuschauer kamen im Schnitt zu den ersten 24 WM-Spielen, der zweitbeste Schnitt aller bisher gespielten Weltmeisterschaften. Doch gilt es die Zahl mit Vorsicht zu genießen, hatte das Lokale Organisationskomitee doch bereits vor Beginn des Turniers eingeräumt, Schüler und Beamte abzukommandieren, um die Stadien zu füllen.

Die Zuschauer sahen teils packende Spiele und viele schöne Tore. So etwa bereits im WM-Eröffnungsspiel, als Welt- und Europameister Deutschland mit einem furiosen Start gegen die überforderten Argentinierinnen die Konkurrenz noch beeindruckte. „Die Weltspitze ist enger zusammengerückt“ war vor der WM ein viel gehörter Satz und diese Einschätzung hat den Ereignissen der Realität zumindest teilweise stand gehalten.

Von Gruppe A bis Gruppe D waren die meisten Spiele hart umgekämpft, Brasilien gelang es als einzigem Team, alle seine Vorrundenspiele zu gewinnen. In allen Gruppen dauerte es bis zum letzten Spieltag, bis die Entscheidungen gefallen waren.

In Vizeweltmeister Schweden und dem WM-Vierten der Titelkämpfe 2003 Kanada schieden in der Vorrunde bereits zwei Teams aus, die sogar mit Titelambitionen nach China gereist waren. Und auch Dänemark, im Frühling noch Finalist beim Algarve Cup, musste vorzeitig die Heimreise antreten.

Nordkorea und Australien im Rampenlicht – England überrascht

Dafür konnten sich andere Teams ins Rampenlicht spielen, wie etwa Nordkorea und Australien. Die Nordkoreanerinnen brachten die inzwischen seit 50 Spielen ungeschlagenen Amerikanerinnen beim 2:2 zum Auftakt an den Rand einer Niederlage und zogen mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung verdient ins Viertelfinale ein.

Die Australierinnen zeigten in allen drei Partien mit erfrischendem Fußball, welche enormen Fortschritte sie in den vergangenen Jahren unter Trainer Tom Sermanni gemacht haben und wie gut ihnen die stärkere Konkurrenz in Asien tut. Der Einzug ins Viertelfinale ist der verdiente Lohn.

Auch England hat einen Sprung nach vorne gemacht, hatte aber auch das Glück in Japan und Argentinien zwei Gruppengegner zu haben, die hinter den Erwartungen zurückblieben. Gegen Deutschland blieb man allerdings zum zweiten Mal in Folge ohne Gegentreffer und eroberte einen Punkt.

Topfavoriten überzeugen noch nicht

Doch man muss bei der Bewertung auch einräumen, dass die Topfavoriten auf den Titel sich bisher alles andere als weltmeisterlich präsentierten. Das U.S.-Team wirkt, seitdem es auf die unerwartete Gegenwehr der starken Nordkoreanerinnen traf, seltsam verunsichert, von der Leichtigkeit, die das Team bei den meisten seiner 50 Siege in Folge ausstrahlte, ist derzeit trotz der Erfolge gegen Schweden und Nigeria nur wenig zu sehen.

Deutschland glänzte zum WM-Auftakt gegen überforderte Argentinierinnen, insgesamt hat das Team bisher nur einen Bruchteil seines Leistungsvermögen abgerufen, aber auch nicht mehr tun müssen, um Gegner wie England und Japan in Schach zu halten. Doch ab der K.-o.-Phase werden die Weltklasseteams einen Gang höher schalten.

Gastgeber China hatte das Glück, sich in der Gruppe sicherlich nicht mit den stärksten Teams messen zu müssen. Einzig Norwegen wusste von den Topteams bisher zu gefallen, in den schweren Spielen gegen Kanada und Australien konnte sich das Team schon einmal an die K.-o.-Runde gewöhnen. Brasilien bot von der Papierform her die stärkste Leistung, wurde aber auch nur eine Halbzeit lang im Spiel gegen China zumindest ein wenig gefordert.

Wie schon vor Turnierbeginn vermutet haben die zur asiatischen Konföderation AFC zählenden Länder einen Sprung nach vorne gemacht. Neben Gastgeber China und Deutschlands Viertelfinal-Gegner Nordkorea zog das zum AFC gehörende Australien erstmals in ein WM-Viertelfinale ein.

Vier von 16 Teams blieben bei der WM ohne Sieg: Argentinien, (0 Punkte, 1:18 Tore), Ghana (0 Punkte/3:15 Tore), Nigeria (1/1:4) und Neuseeland (0/0:9). Wobei Afrikameister Nigeria mit nur vier Gegentreffern in der schwersten Gruppe und dem 1:1 gegen Schweden noch die beste Figur abgab. Neuseeland erzielte zwar als einziges Team bei seiner zweiten WM-Teilnahme nach 1991 kein Tor, gab aber dennoch keine ganz schlechte Visitenkarte des Frauenfußballs in Ozeanien ab.

Enttäuschend waren in der WM-Vorrunde die Leistungen der Torhüterinnen. Selbst Spitzenkräfte wie U.S.-Keeperin Hope Solo leisteten sich Ausrutscher. Negativer Höhepunkt war die argentinische Torfrau Vanina Correa, die sich gegen Deutschland den Ball gleich zweimal selbst ins Netz beförderte.

Auch Australiens Keeperin Melissa Barbieri patzte bereits, und auch Deutschlands Nadine Angerer und Norwegens Bente Nordby wirkten in ihren Aktionen nicht immer sattelfest. Doch wenn morgen die Viertelfinalpartien beginnen, wird noch einmal durch alle Teams ein Ruck gehen. Die Leistungskurve sollte noch einmal deutlich nach oben zeigen.

Schlagwörter: Argentinien • Australien • Brasilien • China • Dänemark • Deutschland • England • Frauenfußball • Ghana • Japan • Kanada • Neuseeland • Nigeria • Nordkorea • Norwegen • Schweden • USA • WM China 2007