Vorschau: Deutschland – Nordkorea
Endlich Schluss mit Rechnen, die K.O.-Runde geht los! Und sie könnte kaum mit einem spannenderen Spiel beginnen. Deutschland gegen Nordkorea heißt es morgen um 11 Uhr in Wuhan (live bei ARD und Eurosport). Der Titelverteidiger gegen den Geheimfavoriten aus Asien, von dem man immer noch nicht viel mehr weiß, als das, was die Mannschaft von Trainer Kim Kwang-Min in den drei Vorrundenspielen gezeigt hat.
Noch weniger als vor dem morgigen Spiel wusste man im letzten Herbst von den Nordkoreanerinnen. Bei der U20-WM setzte es damals eine 0:2-Niederlage gegen den späteren Turniersieger, der im Finale China mit 5:0 heimschickte. Acht Spielerinnen aus den heutigen Aufgeboten waren damals dabei. Simone Laudehr, Fatmire Bajramaj und Babett Peter auf deutscher, Jon Myong Hui, Kim Kyong Hwa, Kil Son Hui, Ri Un Suk und Hong Myong Gum auf nordkoreanischer Seite.
Damals stand mit Maren Meinert eine Weltmeisterin von 2003 als Trainerin an der Seitenlinie. Heute ist sie als Co-Trainerin mit dem A-Nationalteam in China und wird ihre Erkenntnisse mit in die Teambesprechungen einbringen. „Die USA liegen uns einfach viel mehr als Nordkorea“, meinte Bundestrainerin Silvia Neid noch bevor feststand, wer der Viertelfinal-Gegner sein wird.
Doch nun ist es Nordkorea geworden. Um das zehnte WM-Spiel in Folge ungeschlagen zu bleiben, hat die deutsche Mannschaft die fünf freien Tage nach dem letzten Gruppenspiel gegen Japan genutzt, um sich auf die zu erwartende Mittagshitze mit etwa 30 Grad einzustellen. „Ich habe das Gefühl, dass alle wissen, um was es geht. Und wenn wir dagegenhalten, dann werden wir dieses Spiel gewinnen“, bringt Neid den Respekt vor dem Gegner ebenso wie den Optimismus im deutschen Lager auf den Punkt.
Ein Optimismus, der nach eher durchwachsenen Leistungen in der Vorrunde vor allem dadurch genährt wird, dass die Trainerin gegen Nordkorea wieder auf alle Spielerinnen zurückgreifen kann. Simone Laudehr hat ihre Gelbsperre abgesessen und wird wie schon in den beiden ersten Spielen mit Renate Lingor die „Doppel-Sechs“ bilden.
Sandra Minnert hat ihre Oberschenkelverletzung auskuriert und könnte in der Innenverteidigung wieder auf ihre angestammte Position neben Ariane Hingst rücken. Könnte – denn noch wollte sich Neid nicht festlegen, ob sie nicht vielleicht erneut auf Annike Krahn baut, die für ihre Vertretung von Minnert viel Lob erntete. „Es wird keine Entscheidung gegen eine Spielerin, es wird eine Entscheidung für die Taktik“, so Silvia Neid.
In den letzten Tagen hatten sich Linda Bresonik und Sandra Smisek mit kleineren Blessuren geplagt, sie sollen nach Auskunft von DFB-Mannschaftsarzt Dr. Bernd Lasarczewski aber auflaufen können. Sollte Bresonik passen müssen, wäre die Entscheidung Minnert/Krahn der Bundestrainerin abgenommen. Minnert würde dann Bresoniks Posten auf der linken Abwehrseite übernehmen. Martina Müller dürfte erster Ersatz sein, sollte Smisek ihre Verletzung doch noch Probleme bereiten.
Derart detaillierte Informationen, wie man sie aus dem deutschen Lager bekommt, sind vom Team Nordkorea nicht zu erwarten. Dort gab bei der heutigen offiziellen Pressekonferenz nur Co-Trainer Kim Pong Il Auskunft – wortkarg und widerwillig . Alle Spielerinnen sollen gesund sein, ist zu hören.
Spielerinnen, die beim Dritten der Asienmeisterschaften vor allem ein starkes Kollektiv bilden. Ausdauernd, durchsetzungsfähig bis in den Strafraum, mit guter Schusstechnik ausgestattet und vor allem nur wenig zauderhaft im Abschluss – das sind die Eigenschaften, die die Nordkoreanerinnen auszeichnen.
Den USA rangen sie damit ein viel beachtetes Unentschieden ab, Nigeria ließen sie im zweiten Spiel keine Chance. Nur gegen die Schwedinnen wirkten sie am Dienstag schon etwas müde. Was den ein oder anderen vielleicht beruhigt, denn Sandra Smisek hatte sich schon gewundert: „Die rennen wie die Bekloppten und werden scheinbar überhaupt nicht müde“.
Wundern ist das eine, Vermutungen sind das andere. Dass die Nordkoreanerinnen abgeschottet trainieren und sich mit Ausnahme ihrer Pflichtspiele nicht der Öffentlichkeit zeigen, wirft Fragen auf. Doch das Wort Doping wird allenfalls hinter vorgehaltener Hand in den Mund genommen. Da bei der WM bisher vier Teams – darunter das deutsche – getestet wurden, Nordkorea aber nicht zu diesen gehörte, hätte man auch schlichtweg nichts in der Hand.
In der Hand hat es morgen die deutsche Mannschaft, ihre makellose Serie gegen asiatische Gegner – fünf Spiele, fünf Siege und 10:0 Tore – fortzusetzen. Eine Niederlage würde eine herbe Enttäuschung bedeuten.
Die Nordkoreanerinnen haben mit dem Viertelfinal-Einzug bereits das beste Ergebnis bei Frauenfußball-Meisterschaften nach zweimaligem Vorrunden-Aus erreicht. Wäre da nicht der politische Druck, der auf den sportlichen Vertretern des Landes lastet, sie könnten ganz befreit aufspielen.
Mein Tipp: 3:2 für Nordkorea Tipp von Markus: 3:1 für Deutschland Was tippt ihr? Vergesst auch nicht, euren Tipp in unserem WM-Tippspiel abzugeben, bei dem ihr viele attraktive Preise gewinnen könnt!