Nadine Keßler Weltfußballerin, Ralf Kellermann Welttrainer

Von am 12. Januar 2015 – 20.15 Uhr 49 Kommentare

Grandioser Erfolg für den VfL Wolfsburg: Mittelfeldspielerin Nadine Keßler ist bei der Ballon-d’Or-Zeremonie in Zürich zur FIFA-Weltfußballerin des Jahres 2014 gekürt worden. Trainer Ralf Kellermann machte den Wolfsburger Erfolg als Welttrainer des Jahres perfekt.

Keßler setzte sich mit 17,52 Prozent aller Stimmen gegen die fünffache Weltfußballerin Marta (14,16 Prozent) und Abby Wambach (13,33 Prozent) durch.

Keßler: „Das Herz schlägt bis zum Hals“
Eine ergriffene Keßler meinte: „Mir schlägt das Herz bis zum Hals, das hätte das nie in Erwägung gezogen. Ich möchte Danke sagen, an meinen Club, meinen Trainer und meine Teamkameradinnen. Ohne die tägliche professionelle Arbeit wären alle Erfolge nicht möglich. Genauso wenig ohne meine Kolleginnen aus der Nationalmannschaft, der Bundestrainerin und die internationalen Spiele. Und auch die medizinische Abteilung möchte ich nicht vergessen, die hatten sehr viel mit mir zu tun. Das größte Dankeschön geht an meine Familie, die mich durch Höhen und Tiefen begleitet und meine Leidenschaft zu der ihren gemacht hat.“

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Weltfußballerin: So wurde gewählt

Kellermann gewinnt als erster Vereinstrainer
Ralf Kellermann erhielt bei der Wahl zum Welttrainer 17,06%  aller Stimmen und setzte sich damit gegen U20-Nationaltrainerin Maren Meinert (13,16 Prozent) und den japanischen Nationaltrainer Norio Sasaki (13,06 Prozent) durch. Kellermann, im vergangenen Jahr noch Zweiter hinter Bundestrainerin Silvia Neid, ist im fünften Jahr der Auszeichung der erste Vereinstrainer, der die begehrte Ehrung erhält.

Nadine Keßler

Erst Europas Fußballerin, nun Weltfußballerin: Nadine Keßler © Sven-E. Hafft / girlsplay.de

Kellermann: „Überragender Moment“
Ein sichtlich bewegter Kellermann erklärte: „Das ist ein überragender Moment. Ich bin ein bisschen nervös, mehr als wenn ich an der Linie stehe. An so einem Erfolg sind ganz viele Menschen beteiligt, das ist ein Gesamtwerk und eine Teamleistung.“

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

49 Kommentare »

  • FFFan sagt:

    @ cuesco:
    “ Irgendwo tauchte die Frage auf, was denn Journalist(inn)en bei dieser Wahl zu suchen hätten. Meines Wissens waren sie nicht immer schon beteiligt.“

    Richtig, bis einschließlich 2009 waren nur die Trainer und Kapitäne der Nationalmannschaften stimmberechtigt. Das änderte sich 2010, als die Auszeichnung „FIFA Weltfußballer des Jahres“ mit dem „Ballon d’Or“ zusammengelegt wurde, der bis dahin von der Zeitschrift ‚France Football‘ in einer reinen Journalistenwahl vergeben wurde. Dadurch kam es zum jetzt praktizierten ‚gemischten‘ Verfahren, das dann auch auf die Wahl zur Weltfußballerin des Jahres angewendet wurde, obwohl es keine weibliche Entsprechung zum „Ballon d’Or“ gegeben hatte!

    Ich denke auch, dass von Journalisten am ehesten ein unabhängiges Urteil zu erwarten sein müsste, eben weil sie weniger Rücksicht auf Loyalität zu Teamkollegen etc. nehmen müssen. Trotzdem ist auch hier teilweise eine ‚patriotische‘ Stimmabgabe zu beobachten…

    Dass Nadine Keßler ihren Sieg vor allem den Stimmen aus dem Lager der Medienvertreter zu verdanken hat, stellt jedenfalls keinen Makel dar!

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  • cuesco sagt:

    @FFFan: Genau. Die Medienvertreter sind natürlich auch entsprechenden Einflüssen und Stimmungen ausgesetzt, müssen aber nicht mit einem derartigen Theater rechnen wie aktuell Lewandowski; zum Glück behält wenigstens der Betroffene (Manuel Neuer) klaren Kopf. In den 70er Jahren wurde das Abstimmungsverhalten der Journalisten zum Ballon d’Or bereits veröffentlicht. Jeder konnte, wenn ich mich recht entsinne, 5 Plätze vergeben.
    Ein portugiesischer Journalist hat kein einziges Mal Beckenbauer auch nur auf Platz 5 gesetzt, geschweige denn noch besser. Irgendwas hatte er halt gegen ihn. Musste er sich dafür rechtfertigen, oder gar anders abstimmen? Natürlich nicht.

    Gerade weil die Medienvertreter also relativ objektiver abstimmen können, ist ihre Beteiligung sinnvoll, und dass Nadine Kessler ihren Sieg diesem Umstand verdankt, stellt in der Tat keinen Makel dar. Nur die sonderbare gruppenweise Gewichtung ist zu kritisieren. Ohne diese hat – die Berechnung von tanne zugrunde gelegt – NK 538 Punkte = 15,57 %. Marta hat 505 Punkte = 14,61 %. Abby Wambach: 489 Punkte = 14,15 %. Ein knapperes, aber immer noch deutliches Ergebnis, zu dem man nur gratulieren kann.

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  • tanne sagt:

    cuesco sagt: „Bei Wambach komme ich auf ein anderes Ergebnis“

    16,74 + 15,84 (15,74 war Schreibfehler) + 7,41 = 39,99 / 3 = 13,33, und das ist das publizierte Ergebnis.

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  • cuesco sagt:

    @ tanne: Ok, das ergibt dann eine geringfügige Korrektur der Zahlen von Wambach in meinem vorigen Post: 491 Punkte = 14,21 %.

    Nimmt man die Gewichtung weg, verändern sich die Prozentpunkte wie folgt:

    NK 17,52 -> 15,57
    Marta 14,16 -> 14,61
    AW 13,33 -> 14,21.

    Diese meines Wissens nie kommunizierte Gewichtung scheint mir übrigens symptomatisch für die strukturelle Intransparenz im Vorgehen der FIFA zu sein, selbst da, wo sie gerade im Gegenteil den Eindruck von Transparenz erzeugen zu wollen vorgibt.
    Der vieldiskutierte Loyalitätsdruck – der z.B. Löw im Vorjahr zur Stimmenthaltung veranlasste – wurde ja gerne als Preis einer Transparenz bezeichnet, für die die FIFA ansonsten nicht gerade berühmt ist. Wenn man sich dann das veröffentlichte Zahlenmaterial anschaut, muss man ja bewundern, dass jemand wie tanne sich die Mühe macht, aus diesem unübersichtlichen Wust die Ergebnisfindung nachzuvollziehen. Um dann auf einen Mechanismus zu stoßen, der gleichermaßen unbekannt wie fragwürdig ist.

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  • tanne sagt:

    cuesco sagt: „Diese meines Wissens nie kommunizierte Gewichtung“

    siehe hier:

    https://resources.fifa.com/mm/document/ballon-dor/playeroftheyear-men/02/46/27/12/rulesofallocation2014-de_german.pdf

    Art. 4 Die Gewinner der Auszeichnungen werden von einer internationalen Jury gewählt, der die amtierenden Trainer/Trainerinnen und amtierenden Spielführer/Spielführerinnen der Nationalteams sowie Fachjournalisten (pro Land maximal je ein Journalist für die Männer- und die Frauenauszeichnungen) angehören. Die Stimmen jeder dieser drei Gruppen haben das gleiche Gewicht (d. h., die Stimmen der amtierenden Trainer/Trainerinnen, Spielführer/Spielführerinnen und Fachjournalisten zählen zu je einem Drittel ungeachtet der Anzahl Personen, die in jeder Kategorie effektiv abstimmen). …

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  • cuesco sagt:

    @ tanne: Respekt! Du schürfst tiefer. Ich gebe zu, mich mit dem Kleingedruckten nicht befasst zu haben. Mir reichte es bisher, was etwa die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrer Printausgabe mitteilte. In der hinreichend ausführlichen Vorberichterstattung – auch zum Procedere – war nie hiervon die Rede. Ich bezweifle auch stark, dass irgendeiner der vielen Journalisten, die vor oder nach dem 12.1. sich mit dem Thema befassten, diesen Paragraphen kannten. Aber jetzt sind wir – oder bin jedenfalls ich – schlauer. Danke für den Hinweis!

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  • dummkopf sagt:

    Danke Tanne, für die fast schon wissenschaftlichen Abhandlungen.
    Damit haben wir nun also den so lange gesuchten eindeutig belegten Beweis:
    Da die Medienvertreter im Gegensatz zu den Trainern unsere Kessi gewählt haben, blicken sie insgesamt also besser durch als die Trainer, keine Frage.
    Nach dem grundlegenden Dreisatz unseres heiss-geliebten Alt-Mathematikers Schröderogas zu Turbinopolis gibt es hierfür nun nur eine eineindeutige Problemlösung. Der dfb müsste sofort aktiv werden, und diese einzig logische Schlussfolgerung umsetzen:
    Unser guter Hr. Juchem hier muss sofort die N11 übernehmen, und Fr Neid als Medienexpertin für die ARD berichten.
    Damit stünde dann auch theoretisch dem WM-Titel doch nichts mehr im Weg!

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  • cuesco sagt:

    @ dummkopf: Theoretisch nicht; praktisch vielleicht schon, wenn ich etwa an die Hartleibigkeit der FIFA beim Thema Kunstrasen denke. Vor der Preisverleihung hatten sich ja die drei Kandidatinnen mit Jerome Valcke getroffen, um vielleicht einen Kompromiss auszuhandeln. Da sind sie bei der FIFA aber an der falschen Adresse. Diese stellt sich auf den Formalstandpunkt, dass die Spielerinnen schließlich eine Vereinbarung unterschrieben haben, die der FIFA das alleinige Entscheidungsrecht für alle derartigen Fragen garantiert. Aus diesem Grund lehnt sie es auch ab, die vom Gericht, das die Spielerinnen angerufen haben, angeforderte Stellungnahme abzugeben. Hoffen wir mal für Nadine Kessler, dass die bei Kunstrasen erhöhte Verletzungsgefahr ihr – sofern sie rechtzeitig fit ist – keinen Strich durch die Rechnung macht.

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  • Mosan sagt:

    Freut mich, dass Kessler es geschafft hat. Meine Liste abseits des Popularitätsfaktors sieht anders aus.

    1. Nadine Kessler – Algarve Cup Sieg, Champions League Siegerin, Bundesliga Meisterschaft, Bundesliga MVP

    2. Kim Little – War verdientermaßen NWSL MVP und hat Schottland beinahe eigenhändig zur WM geschossen.

    3. Lauren Holiday – Kapitänin des NWSL Siegers und dominante Saison mit Verein wie Natio.

    Danach Vero Boquete und Gaetane Thiney.

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