Frankreich gewinnt Elfmeterkrimi
Die französische Nationalmannschaft hat zum ersten Mal das Halbfinale der Weltmeisterschaft erreicht. Gegen die Engländerinnen gelang der „Équipe Tricolore“ ein hochverdienter Viertelfinalerfolg, der allerdings erst über das Elfmeterschießen erreicht wurde.
Die Französinnen übernahmen von Beginn an das Kommando auf dem Feld, England konnte nur reagieren. Dennoch gingen die „Three Lions“ in Führung.
Jill Scott trifft In der 59. Minute traf Jill Scott zum 1:0 für den Vize-Europameister. Doch in der dann folgenden halben Stunde spielten nur noch die Französinnen. England verlagerte sich vollends auf die Defensive.
Es war ein aufopferungsvoller Kampf, den die Engländerinnen boten, aber Frankreich hielt das Heft in der Hand. Sie waren ballsicherer, hatten den besseren Überblick und erspielten sich Chancen. England hatte dem spielerisch nichts entgegenzusetzen. Waren sie in Ballbesitz, zeigten die „Three Lions“ eine unfassbar hohe Fehlpassquote und versuchten ihr Angriffsspiel über lange Bälle aufzuziehen. Die fanden jedoch zumeist nicht die richtige Adressatin.
Hochverdienter Ausgleich In der 81. Minute stand es noch immer 1:0, und Englands Nationaltrainerin Hope Powell traf die wohl folgenschwersten Entscheidungen des Spiels: Sie entschied sich zunächst für einen Doppelwechsel in der Viererkette, vier Minuten später nahm sie auch Rachel Yankey vom Feld und stärkte mit Anita Asante weiter die Defensive. Die Marschrichtung, das 1:0 zu halten, war klar, ging jedoch nicht auf. In der 88. Minute traf Elise Bussaglia hochverdient zum Ausgleich.
Powell verkalkuliert sich Nachdem die Engländerinnen Frankreich eine halbe Stunde hinterher gelaufen waren, mussten sie nun wieder nach vorne spielen. Die Wechsel hatten die Defensive gestärkt, offensiv fehlten die Mittel, und das Wechselkontingent war erschöpft. Kelly Smith konnte kaum noch laufen, musste aber ebenso durchspielen, wie Faye White, die den 30 Minuten Nachspielzeit körperlich nicht gewachsen war. England spielte nur noch Standfußball – einmal in Ballbesitz reichten die Kräfte kaum, den Ball kontrolliert nach vorne zu spielen.
Die Auswechselungen waren eine klassische Fehlentscheidung. Anstatt die angeschlagene Smith vom Feld zu nehmen, und die eingespielte Abwehr noch zehn Minuten aushalten zu lassen, stifteten die Wechsel Unruhe, und in der Nachspielzeit konnte England nicht mehr reagieren.
Auch Verlängerung bringt keinen Sieger Auch den Französinnen steckten die 90 Minuten in den Knochen, dennoch machten sie den fitteren Eindruck – Zählbares sprang aber auch für sie nicht heraus. Wie in den Minuten vorher landeten alle Angriffsversuche in den englischen Abwehrbeinen. Es lief alles auf ein Elfmeterschießen hinaus, aber man fragte sich, wer von den Engländerinnen dann überhaupt noch in der Lage sein würde, den Ball geradeaus schießen zu können.
England geht in Führung Umso überraschender, dass es gerade Smith war, die sich den Ball zum ersten Elfmeter zurecht legte und traf, während Camille Abily direkt in die Arme von Karen Bardsley schoss. „Ich hatte in der WPS schon mal einen Elfmeter gegen sie geschossen und mich daher jetzt für die andere Seite entschieden. Hat nicht geklappt“, lachte Abily, deren ansonsten gute Leistung mit der Wahl zur besten Spielerin der Partie gekürt wurde. England hatte die Nase im Elfmeterschießen vorn, doch die letzten beiden Versuche ließen Frankreich jubeln: Zunächst schoss Claire Rafferty am Kasten vorbei, anschließend traf White nur die Latte .
Powell denkt an berufliche Veränderung Schon nach der Europameisterschaft 2009 hat Powell laut über einen neuen Job innerhalb des englischen Fußballverbands nachgedacht, nun bekräftigte sie ihre Absichten. „Ich möchte dem Frauenfußball erhalten bleiben, und das auch möglichst in England“, so die langjährige Trainerin, die auf den Posten einer Art Technischen Direktorin rücken könnte.