Spektakuläre Salto-Einwürfe – Gag für die Zuschauer oder ernsthafte Technik?
Gleich mehrfach kamen Zuschauer in den Stadien und an den Fernsehschirmen in den vergangenen Wochen in den Genuss sehenswerter Flic-Flac-Einwürfe . Zum einen zelebriert von der brasilianischen Spielerin Leah Lynn Gabriela Fortune bei der U20-WM in Chile, zum anderen von der Isländerin Ásta Árnadóttir in den Play-off-Spielen zur EM 2009 gegen die Republik Irland.
Für die einen ist es nicht viel mehr als eine Spielerei, für andere ein ernstzunehmendes technisches Element, das den Frauenfußball in den kommenden Jahren verstärkt um einen Überraschungsmoment bereichern soll.
Bei der U20-WM in Chile lag jedes Mal ein Knistern in der Luft, wenn Fortune zur Seitenauslinie schritt. Jeder wusste bereits, was nun kommen würde. Ein kurzer Anlauf, Überschlag nach vorne und aus der Hocke katapultierte die nur 1,55 Meter große Spielerin den Ball weit und schwungvoll in den Strafraum der gegnerischen Mannschaft. Wie etwa im Spiel gegen Mexiko, wo sie mit ihrem Einwurf die Vorlage zu einem Treffer gab.
YouTube Leahs Salto-Einwurf
Gefährliche Torvorlage „Ich mache einen Flickflack vorwärts, um dem Ball mehr Schwung zu verleihen und ihn weiter werfen zu können“, erklärt sie ihre ganz besondere Wurftechnik. Bei der Bewegung kommen ihr die Erfahrungen als Turnerin aus der Kindheit zugute. Brasiliens U20-Trainer Kleiton Lima erklärte: „Wir können ihre Einwürfe in Torchancen für uns umwandeln.“
Ulrike Ballweg, Trainerin der deutschen U23-Auswahl und Assistenztrainerin der deutschen A-Nationalmannschaft, meint hingegen : „Für die Zuschauer war das sehr spektakulär und etwas Besonderes. Die anderen Spielerinnen zeigen aber, dass es auch anders geht, dass man nicht so einen Aufwand betreiben muss.“
Turbine-Trainer Schröder begeistert Etwas anders sieht das etwa Bernd Schröder , Trainer von Frauenfußball-Bundesligist 1. FFC Turbine Potsdam. „Der Einwurf geht so weit in den Strafraum, das gibt ein Überraschungsmoment und das ändert das Spiel. Wir werden künftig im Nachwuchs nach Spielerinnen Ausschau halten, die das lernen können”, so Schröder im Berliner Tagesspiegel. Eine turnerische Ausbildung sei allerdings Voraussetzung für die spektakuläre Technik, die für die Zuschauer ein attraktives Unterhaltungselement darstelle.
Doch neu ist der auch unter dem Namen „Flip-Throw-In“ vor allem in den USA und Südamerika bekannte Einwurf keineswegs. Sowohl im Männer- wie auch im Frauenfußball hat es diesen in der Vergangenheit bereits mehrfach gegeben, auch im US-College-Fußball ist er keine Seltenheit. „In den USA machen das schon viele”, sagt Viola Odebrecht, 29-fache Nationalspielerin in Diensten der Potsdamerinnen.
Krasse Einwürfe Odebrecht spielte auch zwei Jahre zusammen mit der isländischen Nationalspielerin Árnadóttir bei Valur Reykjavik. „Astas Einwürfe fanden wir damals schon krass“, so Odebrecht. Derzeit würden sich laut Odebrecht in der Bundesliga bei der Aktion „80 Prozent den Hals brechen“.
Im Männerfußball gibt es aufgrund der größeren Athletik auch ohne Überschlag lange Einwürfe zu bestaunen, wie etwa von Rory Delap, der bei Premier-League-Aufsteiger Stoke City mit seinen Einwürfen bereits sieben Tore vorbereitete. Bis zu 60 Stundenkilometer schnell und 40 Meter weit fliegen die Bälle.
YouTube Rory Delaps Monster-Einwurf
Technik der Zukunft? Deswegen halten viele die vom Fußball-Weltverband (FIFA) zugelassene Technik vor allem im Frauenfußball für ein Element, das in Zukunft häufiger gewinnbringend eingesetzt werden könnte. Durch die gewachsene mediale Aufmerksamkeit werden sich möglicherweise begabte junge Spielerinnen in den kommenden Jahren die Technik ebenfalls aneignen.
Ein Garant für den Sieg ist der Einwurf allerdings nicht, wie die 2:3-Niederlage der Brasilianerinnen gegen Deutschland im Viertelfinale der U20-WM in Chile belegt.
Salto-Einwürfe - Gag oder ernsthafte Technik?