Spektakuläre Salto-Einwürfe – Gag für die Zuschauer oder ernsthafte Technik?

Von am 9. Dezember 2008 – 12.36 Uhr 6 Kommentare

Gleich mehrfach kamen Zuschauer in den Stadien und an den Fernsehschirmen in den vergangenen Wochen in den Genuss sehenswerter Flic-Flac-Einwürfe. Zum einen zelebriert von der brasilianischen Spielerin Leah Lynn Gabriela Fortune bei der U20-WM in Chile, zum anderen von der Isländerin Ásta Árnadóttir in den Play-off-Spielen zur EM 2009 gegen die Republik Irland.

Für die einen ist es nicht viel mehr als eine Spielerei, für andere ein ernstzunehmendes technisches Element, das den Frauenfußball in den kommenden Jahren verstärkt um einen Überraschungsmoment bereichern soll.

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Bei der U20-WM in Chile lag jedes Mal ein Knistern in der Luft, wenn Fortune zur Seitenauslinie schritt. Jeder wusste bereits, was nun kommen würde. Ein kurzer Anlauf, Überschlag nach vorne und aus der Hocke katapultierte die nur 1,55 Meter große Spielerin den Ball weit und schwungvoll in den Strafraum der gegnerischen Mannschaft. Wie etwa im Spiel gegen Mexiko, wo sie mit ihrem Einwurf die Vorlage zu einem Treffer gab.

[youtube gBKAFgdYVhs Leahs Salto-Einwurf]

Gefährliche Torvorlage
„Ich mache einen Flickflack vorwärts, um dem Ball mehr Schwung zu verleihen und ihn weiter werfen zu können“, erklärt sie ihre ganz besondere Wurftechnik. Bei der Bewegung kommen ihr die Erfahrungen als Turnerin aus der Kindheit zugute. Brasiliens U20-Trainer Kleiton Lima erklärte: „Wir können ihre Einwürfe in Torchancen für uns umwandeln.“

Ulrike Ballweg, Trainerin der deutschen U23-Auswahl und Assistenztrainerin der deutschen A-Nationalmannschaft, meint hingegen: „Für die Zuschauer war das sehr spektakulär und etwas Besonderes. Die anderen Spielerinnen zeigen aber, dass es auch anders geht, dass man nicht so einen Aufwand betreiben muss.“

Turbine-Trainer Schröder begeistert
Etwas anders sieht das etwa Bernd Schröder, Trainer von Frauenfußball-Bundesligist 1. FFC Turbine Potsdam. „Der Einwurf geht so weit in den Strafraum, das gibt ein Überraschungsmoment und das ändert das Spiel. Wir werden künftig im Nachwuchs nach Spielerinnen Ausschau halten, die das lernen können“, so Schröder im Berliner Tagesspiegel. Eine turnerische Ausbildung sei allerdings Voraussetzung für die spektakuläre Technik, die für die Zuschauer ein attraktives Unterhaltungselement darstelle.

Doch neu ist der auch unter dem Namen „Flip-Throw-In“ vor allem in den USA und Südamerika bekannte Einwurf keineswegs. Sowohl im Männer- wie auch im Frauenfußball hat es diesen in der Vergangenheit bereits mehrfach gegeben, auch im US-College-Fußball ist er keine Seltenheit. „In den USA machen das schon viele“, sagt Viola Odebrecht, 29-fache Nationalspielerin in Diensten der Potsdamerinnen.

Krasse Einwürfe
Odebrecht spielte auch zwei Jahre zusammen mit der isländischen Nationalspielerin Árnadóttir bei Valur Reykjavik. „Astas Einwürfe fanden wir damals schon krass“, so Odebrecht. Derzeit würden sich laut Odebrecht in der Bundesliga bei der Aktion „80 Prozent den Hals brechen“.

Im Männerfußball gibt es aufgrund der größeren Athletik auch ohne Überschlag lange Einwürfe zu bestaunen, wie etwa von Rory Delap, der bei Premier-League-Aufsteiger Stoke City mit seinen Einwürfen bereits sieben Tore vorbereitete. Bis zu 60 Stundenkilometer schnell und 40 Meter weit fliegen die Bälle.

[youtube vvTS2wmnt3A Rory Delaps Monster-Einwurf]

Technik der Zukunft?
Deswegen halten viele die vom Fußball-Weltverband (FIFA) zugelassene Technik vor allem im Frauenfußball für ein Element, das in Zukunft häufiger gewinnbringend eingesetzt werden könnte. Durch die gewachsene mediale Aufmerksamkeit werden sich möglicherweise begabte junge Spielerinnen in den kommenden Jahren die Technik ebenfalls aneignen.

Ein Garant für den Sieg ist der Einwurf allerdings nicht, wie die 2:3-Niederlage der Brasilianerinnen gegen Deutschland im Viertelfinale der U20-WM in Chile belegt.

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Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

6 Kommentare »

  • spoonman sagt:

    Als Zuschauer finde ich sowohl die Flip-Throws als auch die Einwürfe à la Rory Delap (den ich bisher nicht kannte) einfach großartig und wünsche mir mehr davon.

    Und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es künftig in vielen Frauenfußball-Mannschaften ein oder zwei Expertinnen geben wird, die sich auf solche Einwürfe spezialisieren.

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  • Max Diderot sagt:

    Nachdem ich gerade erst las, dass die Spieler des FC Bayern in einer Art Zirkusgala auftreten werden (Akrobat-Schön: Franck Ribéry, Schandmaul: Uli Hoeneß), dürfte es womöglich nicht mehr lange dauern, bis die ersten weiblichen und männlichen Spieler in den deutschen Ligen den Salto wagen werden. Die Utensilien der medizinischen Abteilungen weden somit um die sogenannte Cervicalstütze (Halskrause) erweitert, und die Masse frönt in geiler Erwartung des Spektakulären ganz dem Motto „Es lebe der Sport, er ist gesund und macht uns hart.“.

    Dabei würde schon ein wenig mehr Krafttraining für die Verbesserung des Zugs sorgen und weite Einwürfe gestatten. Aber was ist, wenn eine Kurzhantel auf die sensiblen Gliedmaßen einer Fußballerin oder eines Fußballers fällt?

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  • djane sagt:

    also wenn eine Spielerin diese Technik beherscht, kann sie den Flic-Flac ja machen, aber wie Bernd Schröder nach Spielerinnen Ausschau zu halten, die das lernen können finde ich dann doch etwas albern. Was kommt dann als nächstes, der DFB-Lehrgang „Flic-Flac Einwürfe in 3 Tagen lernen“ ?

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  • Max Diderot sagt:

    … und eventuell zur spannungsgeladenen Erweiterung wird über die Doppel- oder Dreifach-Version nachgedacht. Üben ließe sich das alles bestens im märkischen Sand. Und vielleicht ist es ja eines nicht zu fernen Tages so wie im Eiskunstlaufen, wo bestimmte Elemente mit dem Namen der Erfinder (i.e. Rittberger) verbunden sind, dass ein banaler Einwurf zum zweifachen Podolski oder zur dreifachen Prinz veredelt wird.

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  • Bernhard sagt:

    Liebe Schiris:
    Wie entscheidet man da?
    Neuer Einwurf?

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  • Markus Juchem sagt:

    Bernhard, ich würde sagen, Gelbe Karte für den blauen Spieler wegen Nicht-Einhaltung des Mindestabstands und zivilrechtlich eine Anzeige wegen Körperverletzung für den anderen, weil die ganze Aktion nicht ganz ungewollt aussieht…

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