Brasilien: Mit Samba-Fußball und Salto-Einwürfen die DFB-Elf knacken

Von am 1. Dezember 2008 – 13.55 Uhr 40 Kommentare

Vor dem Viertelfinale gegen Deutschland bei der U20-WM in Chile (live ab 23.00 Uhr auf Eurosport und im Womensoccer-Liveblogging) hat die brasilianische U20-Frauenfußball-Nationalmannschaft für eine Menge Schlagzeilen gesorgt.

Einerseits durch ihre attraktive, offensive Spielweise, mit der das Team in drei Spielen bereits elf Treffer erzielte. Andererseits durch die artistischen Einwurf-Einlagen von Leah Lynn Gabriela Fortune, die das chilenische Publikum ein ums andere Mal in Entzücken versetzten.

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Auf die DFB-Elf dürfte also eine äußerst schwere Aufgabe warten, denn in den brasilianischen Frauenfußball ist in den vergangenen zwei Jahren eine vorher unbekannte Ernsthaftigkeit eingezogen, mit der man in Südamerika eine Vorreiterrolle einnimmt.

Mit einer Mischung aus jungen Spielerinnen und bereits routinierten Kräften mit WM- und Olympia-Erfahrung wie Erika und Francielle soll die DFB-Elf geknackt werden und der WM-Titel in die Heimat geholt werden. Trainer Kleiton Lima erklärt: „Es ist sehr wichtig, dass wir uns als eine der besten Mannschaften etablieren, denn nur so können wir die Arbeit weiterführen, die man in Brasilien in den Fußball steckt.“

Große Entwicklung dank Marta
Ein Erfolg bei der U20-WM in Chile könnte im Land eine weitere Initialzündung für die Wahrnehmung und Anerkennung des Sports bewirken.  „Wir haben weder eine Marta noch eine Cristiane im Team, doch unserer Generation gehört die Zukunft. Das sind alles großartige Spielerinnen, die einmal in die Fußstapfen von Marta treten können“, so Fortune.

Seit den Silbermedaillen der A-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen 2004 und 2008, dem Vizeweltmeistertitel 2007 und vor allem der zweifachen Wahl von Marta zur Weltfußballerin hat der Frauenfußball in Brasilien einen starken Aufschwung genommen. Inzwischen werden die nationalen Meisterschaftsspiele sogar im Fernsehen übertragen, mit großer Seriosität wird inzwischen an der Weiterentwicklung des Sports gearbeitet.

Doch abgesehen von Brasilien steckt der Frauenfußball in Südamerika nach wie vor in den Kinderschuhen. So schied etwa Gastgeber Chile bei der U20-WM im eigenen Land mit drei Niederlagen in drei Spielen bereits nach der Vorrunde aus, konnte mit seiner engagierten Spielweise aber zumindest einige Sympathiepunkte gewinnen.

Nachholbedarf
Mehr aber auch nicht, denn noch immer mangelt es an Rückendeckung seitens des Verbands, zeigen Sponsoren nur mäßiges Interesse, ist man von einer systematischen Jugendarbeit noch weit entfernt. Der Frauenfußball ist vor allem in den sozial ärmeren Schichten beliebt, Auswahlspiele der Nationalmannschaft bleiben aus finanziellen Gründen nach wie vor meist eine Seltenheit, abgesehen von offiziellen Qualifikationsturnieren.

Doch ein brasilianischer Erfolg bei der U20-WM in Chile könnte möglicherweise auch andere Länder beflügeln, den Frauenfußball in Zukunft mit größerer Ernsthaftigkeit anzugehen. Und dann könnten mittelfristig auch andere Teams außer Brasilien und Argentinien einen bleibenden Eindruck auf internationaler Bühne hinterlassen.

Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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