Olympia: Favoritensiege, 22 Tore und ein Fauxpas
Gleich der erste Tag des olympischen Frauenfußball-Turniers bot viel Spektakel und Unterhaltung. Die USA drehten gegen Frankreich einen Zwei-Tore-Rückstand, Brasilien und Schweden erteilten ihren afrikanischen Gegnern eine Lehrstunde. Auch Weltmeister Japan und Gastgeber Großbritannien siegten, das Spiel zwischen Kolumbien und Nordkorea wurde von einem peinlichen Fauxpas überschattet.
USA drehen Partie gegen Frankreich Dem Weltranglisten-Ersten USA drohte in Gruppe G ein Fehlstart ins Turnier, denn nach weniger als einer Viertelstunde lag das Team von Trainerin Pia Sundhage überraschend mit 0:2 im Rückstand, doch am Ende stand im Hampden Park von Glasgow nach einer kurzweiligen Partie ein souveräner 4:2 (2:2)-Erfolg. Gaetane Thiney mit einem haltbaren Distanzschuss (11.) und Marie-Laure Delie aus dem Gewühl im Strafraum (13.) schienen die Französinnen auf die Siegerstraße zu bringen. Doch Abby Wambach verkürzte per Kopf nach Ecke von Megan Rapinoe schnell (18.), Alex Morgan traf mit einem platzierten Schuss zum Ausgleich (31.).
Die Amerikanerinnen hatten das Spiel nun zunehmend im Griff, auch weil das französische Mittelfeld um Camille Abily und Louisa Nécib an diesem Tag blass blieb. Die für die verletzte Shannon Boxx bereits in der ersten Halbzeit eingewechselte Carli Lloyd sorgte gegen die zuweilen unsichere französische Torhüterin Sarah Bouhaddi für die Führung (55.), Morgan staubte nach Pass von Tobin Heath am langen Pfosten zum Endstand ab (65.). Für die USA geht es im zweiten Gruppenspiel nun wie schon bei der WM in Deutschland gegen Kolumbien, Frankreich ist gegen Nordkorea nach der Niederlage gegen die USA bereits unter Zugzwang.
Japan lässt nichts anbrennen Weltmeister Japan kam zum Auftakt der Gruppe F zu einem verdienten 2:1 (2:0)-Sieg gegen Kanada. Die Japanerinnen gingen durch einen Schlenzer von Nahomi Kawasumi in Führung (32.), nachdem Weltfußballerin Homare Sawa mit einem präzisen Pass und Shinobu Ohno per Hacke tolle Vorarbeit geleistet hatten. Kurz vor der Pause erzielte die nur 1,57 Meter kleine Kapitänin Aya Miyama ausgerechnet per Kopf das 2:0 (43.), Kanadas Torhüterin Erin McLeod und zwei Abwehrspielerinnen waren sich uneinig.
Yuki Ogimi hatte kurz nach der Pause den dritten Treffer auf dem Fuß, doch ihren Schuss aus kurzer Distanz konnte Lauren Sesselmann spektakulär auf der Linie klären. Melissa Tancredi brachte den Kanadierinnen nach Pass von Rhian Wilkinson mit dem 1:2 die Hoffnung zurück (54.), doch die Japanerinnen brachten den Vorsprung ohne größere Mühe über die Zeit. Am Samstag, 28. Juli, geht es für Japan in einer Neuauflage des WM-Halbfinales gegen Schweden, Kanada tritt gegen Südafrika an.
Brasilien eine Nummer zu groß Brasilien kam gegen Kamerun zu einem mühelosen 5:0 (2:0)-Sieg. Francielle sorgte mit einem direkten Freistoß für die schnelle Führung (6.), wenige Minuten später legte sie per Ecke zum Kopfballtreffer von Renata Costa auf (9.). Brasilien begnügte sich damit, die Partie zu kontrollieren, doch in der Schlussphase gelangen weitere Treffer.
Marta verwandelte einen Foulelfmeter zum 3:0 (72.), in der Schlussphase erzielte die erst zur zweiten Halbzeit eingewechselte Cristiane nach Vorarbeit von Marta aus schrägem Winkel den vierten Treffer (78.) – ihr elfter bei Olympischen Spielen, mit dem sie mit Rekordtorschützin Birgit Prinz gleichzog. Marta selbst war es vorbehalten, aus fünf Metern für den Schlusspunkt zu sorgen, diesmal glänzte Cristiane als Vorbereiterin (87.). Am Samstag geht es für die Brasilianerinnen nun gegen Neuseeland, Kamerun spielt gegen Gastgeber Großbritannien.
Schweden zu stark für Südafrika Schweden feierte beim 4:1 (3:0)-Sieg gegen Südafrika in Coventry einen Auftakt nach Maß. Nilla Fischer brachte ihr Team mit einem abgefälschten Schuss schon in den Anfangsminuten in Führung (6.), in denen die Schwedinnen dazu zweimal die Latte und einmal den Pfosten trafen. Die Skandinavierinnen bestimmten das Tempo nach Belieben, Lisa Dahlkvist (19.) und Lotta Schelin (20.) sorgten schnell für klare Verhältnisse.
Einen Patzer von Torhüterin Hedvig Lindahl , die zu weit vor ihrem Tor stand, nutzte Portia Modise mit einem Heber aus der Distanz zum viel umjubelten 1:3-Anschlusstreffer (59.). Doch nur kurz darauf stellte Schelin mit ihrem zweiten Treffer den Drei-Tore-Abstand wieder her (62.). Schweden bekommt es am Samstag im Duell der beiden Sieger des ersten Spieltags mit Japan zu tun, Südafrika trifft auf Kanada.
Team GB siegt glanzlos Ein Freistoß von Stephanie Houghton (64.) bescherte Gastgeber Großbritannien in Gruppe E zum Auftakt gegen Neuseeland im walisischen Cardiff einen mühsamen 1:0 (0:0)-Erfolg. Die Neuseeländerinnen starteten im Millennium Stadium schwungvoll in die Partie, doch die Elf von Hope Powell übernahm nach einer Viertelstunde das Kommando. Anita Asante traf nach einer guten halben Stunde nur den Pfosten.
Doch ansonsten fiel den Britinnen nur wenig ein, Houghtons direkt verwandelter Freistoß aus knapp 25 Metern machte am Ende den Unterschied, denn Sarah Gregorius verpasste frei vor Torhüterin Karen Bardsley die Großchance zum Ausgleich (71.). Großbritannien trifft am Samstag auf Kamerun, Neuseeland wird sich mit Brasilien messen.
Fauxpas überschattet Nordkorea-Sieg Mit mehr als einer Stunde Verzögerung wurde die Partie zwischen Kolumbien und Nordkorea angepfiffen. Hintergrund: Bei der Vorstellung der nordkoreanischen Spielerin Song Hui Kim wurde auf der Videowand v ersehentlich die südkoreanische Flagge eingeblendet . Ein peinlicher Fauxpas des Veranstalters. Gespielt wurde im Hampden Park von Glasgow dann aber auch noch und ausgerechnet Song Hui Kim sollte beim 2:0 (1:0)-Sieg der Nordkoreanerinnen erneut im Rampenlicht stehen.
Sie erzielte die glückliche Führung für die Nordkoreanerinnen, als sie bei einem Abwehrversuch der Kolumbianerinnen angeschossen wurde und der Ball ins Tor trudelte (39.). Song Hui Kim hatte frei aus 14 Metern einen weiteren Treffer auf dem Fuß, doch ihr Schuss ging knapp am Tor vorbei (62.). Doch in der Schlussphase gelang ihr mit ihrem zweiten Treffer nach Fehler von Kolumbiens Torhüterin Sandra Sepúlveda die Entscheidung (87.). Kolumbien war in der Offensive zu harmlos, um die Asiatinnen in Gefahr zu bringen. Am Samstag geht es für Nordkorea gegen Frankreich, Kolumbien muss die Hürde USA nehmen.