Die Tops und Flops der Wochen 39 und 40/2011
In der aktuellen Ausgabe blicken wir auf Bundesliga-Spitzenreiter FCR 2001 Duisburg und Zuschauermagnet 1. FFC Frankfurt, beschäftigen uns aber auch mit einer schwer nachvollziehbaren Trainerentlassung, einem enttäuschenden Bundesligisten und dem Abstieg zweier ehemaliger Frauenfußball-Schwergewichte.
Zuschauerkrösus Frankfurt 2 780 Zuschauer fanden sich am Mittwoch an einem Werktag um 15 Uhr und trotz Liveübertragung im Fernsehen zum Champions-League-Spiel des 1. FFC Frankfurt gegen Stabæk Fotball im Stadion am Brentanobad ein – die aufwändigen Promotionsmaßnahmen mit über 1 000 Plakaten im Frankfurter Stadtgebiet und werbewirksamer Infoscreen-Promotion in den U-Bahnhöfen sowie auffälligen Brücken-Spannbändern an Ein- und Ausfallstraßen trugen sichtbar Früchte. Und auch in der Bundesliga sind die Frankfurterinnen top, mit einem Schnitt von bislang 2 446 Zuschauern nach drei Heimspielen – und die namhaftesten Gegner kommen erst noch.
Duisburg weiter spitze In der Champions League halten Meister 1. FFC Turbine Potsdam und der 1. FFC Frankfurt die deutschen Fahnen hoch, doch in der Bundesliga hat derzeit ein anderer Verein die Nase vorn. Der FCR 2001 Duisburg hält das Spitzenduo derzeit dank der besseren Tordifferenz auch nach dem fünften Spieltag in Schach. Zuletzt gab es einen spielerisch überzeugenden 3:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg . Trainer Marco Ketelaer ist es offenbar gelungen, aus seinem neu formierten Kader eine schlagkräftige Einheit zu formen, die nun hofft, im weiteren Saisonverlauf auch im direkten Duell mit Potsdam und Frankfurt bestehen zu können.
Tausendsassa Steffi Jones Steffi Jones entwickelt sich immer mehr zum Tausendsassa im Frauenfußball. Erst erfolgreiche Fußballerin, dann charismatische Präsidentin des Organisationskomitees der Frauenfußball-WM in Deutschland und DFB-Direktorin für Mädchen- und Frauenfußball. Seit Mittwoch ist Jones nun auch offizielle UEFA-Botschafterin für Frauenfußball . In dieser Rolle soll sie den Sport in allen 53 UEFA-Mitgliedsverbänden voranbringen. Ihren ersten Einsatz wird Jones bereits im November haben, wenn in Irland eine neue Frauenfußball-Liga startet.
Linköping in rosa Trikots Im gesamten Monat Oktober laufen die Spielerinnen des schwedischen Tabellensiebten Linköpings FC in rosa Trikots auf. In Zusammenarbeit mit PUMA will der Verein mit dieser Aktion auf das Thema Brustkrebs aufmerksam machen und seine Unterstützung signalisieren. Darüber hinaus können die Fans Spielerinnen treffen, Tickets für Heimspiele gewinnen und ihrerseits rosafarbene Armbänder kaufen, um die Aktion zu unterstützen. Und auch die rosa Trikots können im Nachhinein ersteigert werden.
Livespiel im französischen Fernsehen Am 1. Oktober wurde zum ersten Mal im öffentlichen französischen Fernsehen ein Spiel der französischen Frauenfußball-Liga live übertragen. Und die Zuschauer bekamen beim 7:0-Sieg von Olympique Lyonnais gegen den AS St. Etienne ein echtes Torfestival geboten. Fachkundig kommentiert wurde die Partie unter anderem von der 112-fachen Nationalspielerin Marinette Pichon.
Leipzig feuert von Lanken Trainerin Claudia von Lanken musste ihren Posten beim 1. FC Lok Leipzig bereits nach dem fünften Spieltag der Frauenfußball-Bundesliga räumen – weil der Aufsteiger nach Ansicht der Vereinsverantwortlichen in den ersten Spielen zu wenige Punkte eingefahren hatte, so die offizielle Sprachregelung. Dabei hat Leipzig bereits den ersten Sieg auf der Habenseite, verlor nur knapp beim Tabellenführer und ist sportlich durchaus im Soll. Ohne Not hat der Verein seiner sportlichen Leiterin nach nicht einmal einem Viertel der Saison das Vertrauen entzogen. Eine Trennung, die zumindest mit der offiziellen Begründung nicht nachvollziehbar ist.
Wolfsburg hinkt Ansprüchen hinterher Mit namhaften Neuverpflichtungen wollte Frauenfußball-Bundesligist VfL Wolfsburg in dieser Saison angreifen und den Abstand zum Top-Trio der Liga verringern. Doch nach nur fünf Spieltagen haben die Niedersachsen auf die Konkurrenz aus Duisburg, Frankfurt und Potsdam bereits jeweils acht Punkte Rückstand. Nach der 0:2-Heimniederlage gegen den 1. FFC Turbine Potsdam gab es ein 0:3 beim FCR 2001 Duisburg. „Die spielerische Entwicklung meiner Mannschaft war zuletzt und auch heute klar zu erkennen“, so die eigenwillige Einschätzung von Trainer Ralf Kellermann . Bleibt zu hoffen, dass seine Elf den Worten demnächst auch Punkte folgen lässt.
Norwegen und China rutschen ab Einst waren Norwegen und China zwei Schwergewichte im internationalen Frauenfußball, doch die aktuellste Ausgabe der Frauenfußball-Weltrangliste ist ein weiteres Indiz für den Abwärtstrend in den beiden Ländern. Norwegen belegt mit Platz 12 seine schlechteste Platzierung seit Einführung der Frauen-Weltrangliste im Jahr 2003, China ist nach der verpassten Frauenfußball-WM in Deutschland und dem Scheitern in der Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 in London gar nur noch auf Platz 17 zu finden.
Island im Wechselbad der Gefühle Erst landete die isländische Frauenfußball-Nationalelf im Rahmen der EM-Qualifikation einen tollen 3:1-Sieg gegen Norwegen, doch schon wenige Tage später gab es im hohen Norden Katerstimmung. Denn gegen Belgien reichte es im nächsten Qualifikationsspiel nur zu einem mageren 0:0, der schöne Vorteil des Siegs gegen den schärfsten Konkurrenten Norwegen ist somit bereits wieder dahin. Und auch in der Champions League musste Valur Reykjavik als einziges der gesetzten Teams bereits im Sechzehntelfinale die Segel streichen.
Armenien will Frauenfußball nicht fördern „Der Frauenfußball in Armenien hat sich nicht entwickelt, wird sich nicht entwickeln und ich habe auch nicht den Wunsch ihn zu entwickeln“ – mit diesen despektierlichen Worten hat sich Ruben Hayrapetyan, Präsident des armenischen Fußballverbands, auf einer Pressekonferenz in Eriwan zum Frauenfußball in seinem Land geäußert . Das dürfte auch die UEFA interessieren, denn die will dem Verband wie auch den anderen 52 Mitgliedsverbänden ab 2012 im Rahmen des Frauenfußball-Entwicklungsprogramms HatTrick III jährlich 100 000 Euro überweisen – ausdrücklich zur Förderung des Mädchen- und Frauenfußballs.