Grenzgängerin zwischen Genie und Wahnsinn
Halbzeit bei der WM. Es kehren sich die Superteams und Superspielerinnen heraus. Brasiliens Superstar Marta macht deutlich, dass sie nicht umsonst zum fünften Mal hintereinander zur FIFA Weltfußballerin gewählt wurde. Gegen Norwegen traf Marta gleich zwei mal. Spektakuläre Übersteiger, eiskalt abgezogen. Dynamik pur. Marta ist auf dem Weg, Birgit Prinz als Toptorschützin aller Zeiten abzulösen.
Außerdem wird die 25-jährige Brasilianerin zur Spielerin des Spiels gegen Norwegen bestimmt. Sie schleppt die große blaue gerahmte Urkunde nicht ohne Stolz ab.
Marta genießt Pressekonferenz Während die FIFA immer um nur wenige Fragen und zuerst an die Spielerin des Spiels bittet, damit diese duschen gehen kann, bleibt Marta und genießt die komplette Pressekonferenz. Sie lässt sich fotografieren, gibt den Journalisten Autogramme, lacht und ist bester Dinge. Sie genießt die Öffentlichkeit. Schnell bildet sich eine Traube. Sie verlässt den Raum so ziemlich als letzte. So war das alles gar nicht geplant. Aber das stört die Spielerin nicht. Sie hat soeben zwei Tore erzielt und Brasilien als sechstes Team ins Viertelfinale geschossen.
Samba-Feeling in Wolfsburg Südamerikanisches Flair in Wolfsburg trotz Regens. Gut gelaunt, trommelnd und tanzend machten sich Marta und Co. auf den Weg in die Kabine und sorgten so für gute Stimmung in den Katakomben des Stadions. Noch besser gestimmt kommen sie wieder heraus. Zwei Spiele, zwei Siege. Samba-Feeling. Da trommelt es sich noch leichter. Und mitten drin Marta. Ohne Trommel. Marta spielt Triangel. Warum? Weil die anderen es nicht können, wird kolpoltiert, soll sie gesagt haben.
Marta als Teamplayer Es ist die einzige Sonderrrolle, die Marta im Team spielt. So bestätigt es Coach Kleiton Lima. Der lobt seine Nummer 10 mit zuckersüßen Komplimenten in den siebten Himmel. „Marta hat keinen Extrasbonus. Sie ist Teamplayer und bestens in die Mannschaft integriert. Sie bleibt auf dem Boden. Das gibt dem ganzen Team Kraft. Ihr Können und ihre Erfahrung sind gut für das ganze Team“, lobt Lima und fährt fort, die Marta-Arie zu singen. „Marta ist eine Künstlerin, bescheiden, brilliant, aber sie ist auch Gott sei Dank eine Brasilianerin.“
Grenzgängerin zwischen Genie und Wahnsinn So mag es Marta. Für die Pfiffe draußen, die es gibt, weil Marta mit ihrer hohen Geschwindigkeit und besonderen Technik stets Grenzgängerin ist, zwischen Genie und Wahnsinn auf engem Grad stets zwischen Foul und gefoult werden unterwegs ist, hat sie sich ein dickes Fell zugelegt. Pfiffe pflegt sie mit Toren zu beantworten und sagt: „Es ist die Mannschaft, die Spiele gewinnt, keine einzelnen Personen. Alles steht im Dienst der Mannschaft. Da müssen wir uns noch steigern, wenn es gegen Kaliber wie Schweden und die USA geht. Mein Ziel ist es, immer noch besser und noch schneller zu werden und das auch zu zeigen, was ich kann. Das geht nur, wenn ich auf dem Boden bleibe, nicht abhebe.“
An Marta scheiden sich die Geister Marta auf dem Weg zum Antistar? „Nein, ich möchte noch mehr Fans haben als bisher, damit ich noch mehr Frauen und Mädchen inspirieren kann. Und ich möchte Weltmeisterin werden“, sagt sie. Und verrät ganz nebenbei noch etwas unerwartet, wie sie das mit dem Trikottausch hält. „Der Verband hat es und verboten. Wir dürfen am Ende des Spiels in den Kabinen nicht tauschen, wie es vielfach üblich ist. Wir dürfen erst am Turnierende tauschen.“
Lobeshymnen auf Deutschland Brasiliens Trainer Kleiton Lima entpuppt sich darüber hinaus als wahrer Gentleman. Nicht nur aufgrund der Handküsse für die Volunteers und die Hymnen auf Marta. Auch auf die Frage nach dem WM-Favoriten blieb er galant: „Es gibt nur einen Favoriten: Deutschland. Die konnten sich als WM-Gastgeber am besten vorbereiten und haben auch am meisten in ihre Spielerinnen investiert. Alle anderen werden kämpfen müssen, in etwa auf gleichem Niveau“, meint Lima. Seine norwegische Konkurrentin Eli Landsam meint das ähnlich. Kurz und knapp sagt sie nur ein Wort: „Deutschland.”