Schmeichelhafter Sieg für Brasilien

Von am 29. Juni 2011 – 20.27 Uhr 17 Kommentare

Brasilien ist mit einem knappen Sieg gegen Australien in die Frauen-WM gestartet. Doch gegen die starken Australierinnen tat sich das Team von Weltfußballerin Marta über die gesamte Spielzeit schwer.

Am Ende stand ein hauchdünner 1:0 (0:0)-Erfolg, Rosana nutzte nach starker Vorarbeit von Cristiane die einzige Unaufmerksamkeit in der australischen Hintermannschaft eiskalt aus (54.).

Marta: „Glücklicher Sieg“
Marta erklärte nach dem Spiel: „Es war ein hartes Stück Arbeit und ein glücklicher Sieg“, räumte Brasiliens Star ein, nachdem ihr Team über 90 Minuten mit 48 zu 52 Prozent überraschend weniger Ballbesitz als der Gegner hatte und sich über den Ausgleich der Australierinnen nicht hätte beschweren dürfen.

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Brasilien deutet Klasse nur selten an
In einer von Beginn an guten und temporeichen Partie in Mönchengladbach glänzten die Australierinnen mit überlegtem Spielaufbau, trotz frühen Forecheckings bekamen die Brasilianerinnen die Partie nie richtig in den Griff. Die beste Chance für die Australierinnen vergab Lisa DeVenna, die nach einer halben Stunde nach einem Ballverlust von Brasiliens Kapitänin Aline zu hastig abschloss und ihren Schuss verzog. Brasilien hatte seine besten Szenen bei einem Heber von Rosana (26.), einem Marta-Schuss von der Strafraumgrenze (35.) und einem Abschluss über das Tor von Cristiane (37.).

Erleichterung bei Brasilien

Marta bejubelt das 1:0 gegen Australien © Hanna Urbaniak

Druckvolle Viertelstunde reicht zum Sieg
In der zweiten Halbzeit erhöhten die Brasilianerinnen ein wenig das Tempo, das Präzision im Passspiel nahm zu und Australien geriet kurzzeitig unter Druck. In dieser Phase gelang Rosana der Treffer des Tages. Cristiane setzte sich an der Strafraumgrenze gegen drei Australierinnen durch, leitete den Ball zu Rosana, die eine Unachtsamkeit von Tameka Butt mit einem trockenen Schuss zum 1:0 (54.) verwertete.

Doch wer gedacht hat, das brasilianische Spiel würde nun an Sicherheit gewinnen, sah sich getäuscht. Denn es waren die Australierinnen, die in der Schlussphase auf den Ausgleich drängten. DeVenna verzog einen Schuss von der Strafraumgrenze (75.).

Australien vergibt mehrere Ausgleichschancen
Butt schlug einen Pass vom rechten Flügel scharf nach innen, doch sie fand keine Abnehmerin (82.). Doch die größte Ausgleichschance ließ DeVenna aus, als sie nach einem langen Pass aus dem Mittelfeld aus 16 Metern den Ball allein vor Brasiliens Torhüterin Andreia übers Tor hob. In der Nachspielzeit hätte es nach einer Ecke dann fast doch noch mit dem Ausgleich geklappt, doch mit vereinten Kräften konnte die brasilianische Abwehr die brenzlige Situation klären (93.).

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

17 Kommentare »

  • laasee sagt:

    WM has been good with every game competitive.
    But now WM needs a team or a player to make a super performance and set the tournament on fire.
    Brazil and Marta missed the chance today.
    Tomorrow there is a big responsibility on Germany to make a world class display and then WM 2011 will really take off.

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  • Lucy sagt:

    Schade für die Matildas 🙁

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  • eisbär sagt:

    Was bis jetzt auffällt, ist die schlechte Chancenverwertung, die vom Spiel Deutschland – Kanada bis zum Spiel Australien – Brasilien sich wie ein roter Faden durch die Spiele zieht. Brasilien hat heute sehr enntäuscht, aber gewonnen. Man sollte sie auf keinen Fall abschreiben, auch wenn sie sich enorm steigern müssen, um ihr Ziel zu erreichen.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Ich knirsche auch noch tüchtig mit den Zähnen, weil die Matildas die mögliche Sensation vergeben haben! Insbesondere hat Da Vadda, eine technisch sehr beschlagene, aber absolut abschlußschwache Angreiferin, dies zu verhindern gewußt. Das Potenzial dieses Teams hat mich begeistert, und ich hätte mir gewünscht das Frau Lundquist nicht soviele brasilianische Fouls hätte durchgehen lassen – die haben geklammert und geschoben, was das Zeug hielt bzw. die Schiri zuließ.
    Schockstarre auslösend waren z.B. einige größere Missverständnisse vornehmlich im und um den Strafraum!
    Herausragend, insbesondere in Durchgang 1, die Ballan- und mitnahme selbst unter gegnerischer Einwirkung.

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  • Rainer sagt:

    @Schenschtschina Futbolista: Lisa de Vanna war eine supergefährliche Torjägerin als sie in Schweden bei AIK spielte. Das kommt ja vielleicht schon gegen EQG zurück.

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  • waiiy sagt:

    Brasilien sollte daran denken, dass im Viertelfinale entweder die USA oder Schweden warten, die beide (abgesehen von der Chancenverwertung) überzeugt haben. So wird das gegen Beide nichts.

    Aber Australien hatte heute auch Glück, dass die Stockfehler in der Hintermannschaft durch Brasilien nicht genutzt wurden. Der Ball ist beim hin- und herspielen hinten viel zu oft verloren worden. Aber Brasilien war heute einfach unfähig, daraus mehr Kapital zu ziehen.

    Zum Schluss war es natürlich auch richtig Zittern bei Brasilien. Ein Unentschieden wäre in meinen Augen gerechtfertigt gewesen.

    waiiy

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  • berggruen1 sagt:

    Nicht nur ein unentschieden wäre gerechtfertigt gewesen in meinen Augen, die Brasilianierinnen hätten sich nicht beschweren können, hätte Australien sogar gewonnen. Das Trikotzupfen und Halten kurz vor Strafraumgrenze wurde gegen Brasilien fast nie gepfiffen – leider. Insgesamt hat mir der Auftritt der Brasilianerinnen gar nicht gefallen, von einem wirklich geordneten und schnellen Spielaufbau war leider nicht viel zu erkennen.
    In diesem Sinne Kompliment an Australien, die es geschafft haben, den Brasilianerinnen ihren vielfach beschworenen, gestern in keiner Phase erkennbaren Schneid abzukaufen.

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  • Holle sagt:

    @eisbär

    neben der schlechten chancenverwertung fallen (logisch) die wenigen bisher erzielten tore und die vielen wadenkrämpfe auf…

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  • Schnappa sagt:

    Es scheint so, als wenn die Top-Mannschaften erst mal ins Turnier finden müssten und/oder die Außenseiter nicht mehr 3 Klassen schlechter sind, so wie es vor Jahren noch der Fall war. Da hätte Norwegen auch mit einer eher schwächeren Leistung wohl noch 4:0, 5:1 gewonnen.

    Das der erste Vorrundenspieltag eher selten von Torfestivals und spektakulären Spielen geprägt ist, war ja auch bei den Männern leztes Jahr zu sehen. Die Spiele waren überwiegend durchschnittlich bis einschläfernd.
    https://j.mp/igUKyu

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  • waiiy sagt:

    Bei den Top-Mannschaften gibt es aber auch krasse Unterschiede. Auf der einen Seite sieht man Konzeptlosigkeit und teilweise auch wenig Fitness. Auf der anderen Seite sind da Schweden, USA und Deutschland, die eindeutig einen Plan gezeigt haben, wo aber die Chancenverwertung noch nicht optimal ist. Da bin ich froh, dass wir eher mit zur zweiten Kategorie gehören.

    Es fällt auf, dass die Wadenkrämpfe vor allem bei Teams von der Südhalbkugel (Australien ausgenommen) auftreten.

    waiiy

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  • laasee sagt:

    @Schnappa

    Your comparison with WM 2010 is very interesting.
    Also, WM 2006 was a better tournament than WM 2010.
    At WM 2006 the opening game set the tone/mood for the tournament.
    On Sunday, even though Germany won in Berlin, it was not an inspiring performance.
    It is always important that the host nation sets a positive mood with
    strong and impressive performances.
    Tonight it is very important for the tournament that Germany wins playing top class football.
    Even a 9:0 kantersieg will be good, provided that the style of football is of a very high level.

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  • berggruen1 sagt:

    @laasee: Nach der Diktion sind ja die meisten WM nicht sonderlich eindrucksvoll und erfolgreich, denn den meisten teams gelingt es nicht, den postulierten Heimvorteil in eine tatsächliche Leistung respektive begeisternden Fußball umzusetzen. Das wird auch bei der EM im nächsten Jahr weder Polen noch der Ukraine gelingen. Die Heimmannschaft steht in der Regel schon so sehr unter Druck, dass sie die zusätzlich Aufgabe, die Menschenmassen zu mobilisieren und euphorisieren gar nicht leisten kann. Dies vond er dt. FF-NM zu erwarten resp. ihnen ein Nichtgelingen zum Vorwurf zu machen, halte ich für abwegig. Alle Top-Mannschaften haben sich bislang nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Ein Sieg heute Abend (endlich kann ich die dt. NM auch sehen :-)) – und das Turnier beginnt für die dt. NM erst richtig im VF.

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  • Schnappa sagt:

    Insgesamt waren es jetzt 14 Tore in 8 Spielen am 1. Spieltag der Vorrunde.

    Hier mal ein Vergleich zur WM 2007:

    1.Spieltag Vorrunde: 39 Tore
    2.Spieltag Vorrunde: 17 Tore
    3.Spieltag Vorrunde: 29 Tore

    Das 11:0 von GER vs. ARG fällt am 1. Spieltag natürlich besonders ins Gewicht.
    Am 2. Spieltag gab es 3 direkte Duelle zwischen späteren Viertelfinalisten, aber auch die anderen Spiele waren nicht gerade torreich.
    Bis auf die starke Gruppe B mit USA, Korea, Schweden und Nigeria gab es in allen anderen Gruppen einige Kantersiege, wenn die Favoriten auf die klaren Außenseiter trafen. das dürfte bisher den größten Unterschied ausmachen.

    Gründe sind bisher in vielen Berichten genannt:

    – Nervosität zu Beginn des Turniers
    – Nervosität/Ablenkung durch das Umfeld (große Zuschauerkulissen, gesteigertes Interesse bei den Medien und der Öffentlichkeit generell)
    – Abstand zwischen den „Kleinen“ und den Top-Teams ist geschrumpft

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  • waiiy sagt:

    Wurden bei früheren Weltmeisterschaften die Spiele der Gruppenphase nach dem Setzen innerhalb der Gruppe durchgeführt, sodass am 3. Spieltag die beiden stärksten Teams der Gruppe aufeinandertreffen?

    Beispiel:

    1. Spieltag: 1 vs. 4 und 2 vs. 3
    2. Spieltag: 1 vs. 3 und 2 vs. 4
    3. Spieltag: 1 vs. 2 und 3 vs. 4

    Wie wurde es diesmal geamacht? Gelost?

    Das würde die vielen Tore 2007 am 1. Spieltag erklären, wenn zuerst das stärkste gegen das schwächste Team in der Gruppe spielt.

    waiiy

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  • KarlMai sagt:

    @laasee:

    Did the host China really set the tone for the tournament with impressive performances?

    For decades, opening matches of the men’s World Cups were uneventful 1-0, 1-1 or 0-0 matches, and it didn’t prevent the World Cup from getting bigger and bigger and becoming the most popular sports event in the World.

    The opening game in 2006 didn’t set the tone for the whole tournament. WC 2006 as a whole was dominated by defense; that’s why Italy won the cup and Fabio Cannavaro was MVP. The lapses in defense and the focus on attacking football that were eminent in the German performance versus Costa Rica were not prevalent for most matches.

    Germany was rather a (positive) exception in that sense.

    It is always good for the mood if the host plays great soccer, I totally agree. But that’s not the only deciding factor for a tourney’s character or success.

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  • Lusankya sagt:

    Waiiy: Nur die topgesetzten Teams kamen automatisch in Position 1 in der Gruppe. Die anderen Teams wurden einer Position zugelost. So war das vermutlich auch schon 2007.

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  • laasee sagt:

    „The opening game in 2006 didn’t set the tone for the whole tournament“

    Here in the UK it did.
    Even those in the UK media who are anti-German were full of praise.
    Rarely has an opening game in any tournament been that good.
    You are right about the rest of the tournament but every WM needs the host nation to perform well.

    On Sunday, I think an opportunity was missed.
    Germany are reigning WM and EM Champions and I was hoping for a more polished and commanding display.
    I hope tonight (no matter who Neid plays) that Germany do put in a top class performance.
    WM needs to see a super show from the host nation.

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