Wenn der Blitz einschlägt
Pressekonferenzen mit dem Team Nordkoreas gehörten in der Vergangenheit zumeist nicht zu den spannendsten Momenten eines Journalistenlebens. Doch die nach dem Spiel der Frauen-WM gegen die USA in Dresden machte eine seltene Ausnahme.
Eine Halbzeit lang hatte das Team von Trainer Kim Kwang Min dem Weltranglistenersten mehr als Paroli geboten, dabei sogar die größere Torgefahr ausgestrahlt. Doch nach der Pause drehten die Amerikanerinnen auf und erzielten zwei Treffer beim 2:0-Erfolg , Nordkorea machte keinen Stich mehr. Kim lieferte für den Leistungsabfall seines Teams in den zweiten 45 Minuten eine abenteuerliche Begründung ab, die internationalen Medienvertreter trauten ihren Ohren nicht.
Blitzunfall in Pjöngjang „Wir hatten am 8. Juni ein Testspiel in Pjöngjang, einige unserer Spielerinnen wurden vom Blitz getroffen und erlitten einen elektrischen Schock. Mehr als fünf von ihnen mussten ins Krankenhaus und mehrere Tage behandelt werden.“ Aus diesem Grund habe die „körperliche Kraft“ nicht ausgereicht, seine strategischen Maßnahmen hätten sie nicht mehr umsetzen können.
Die betroffenen Spielerinnen seien vor der Frauen-WM gar erst später zum Team in Deutschland gestoßen, die Ärzte hätten von einem Einsatz beim Turnier abgeraten. „Betroffen waren die Torhüterin, vier Abwehrspielerinnen und auch einige Mittelfeldspielerinnen“, so Kim auf Nachfrage.
USA verdutzt und verärgert Eine absurd anmutende Unfallgeschichte als Entschuldigung für die Niederlage gegen den politischen Erzfeind, von der auch Gegner USA bis dato nichts gehört hatte. „Ich weiß von nichts“, so eine verdutzte US-Stürmerin Abby Wambach, die zur besten Spielerin der Partie ausgezeichnet wurde. Auch Trainerin Pia Sundhage staunte ungläubig, als sie mit den Aussagen ihres Trainerkollegen konfrontiert wurde. “Um was geht es?”
Solo: “Ein Blitz, in Deutschland?” Torhüterin Hope Solo wusste ebenfalls von nichts. “Ich bin jetzt ein bisschen verwirrt. Ein Blitz, in Deutschland?”, erklärte sie in der Mixed Zone. US-Sprecher Aaron Heifetz wurde es zu viel. Er wollte sich den Triumph des Augenblicks und die Wertschätzung der eigenen Leistung nicht kaputtmachen lassen und verbat sich weitere Fragen an seine Spielerinnen nach einem etwaigen Blitzunfall. „Dazu geben wir keine Statements ab, bitte nur noch Fragen zum Spiel.”
“Keine anderen Bedeutungen” Ob wahre Begebenheit oder Propagandabefehl aus der Heimat wird sich wohl nicht abschließend klären lassen, zumal Kim eindrücklich versicherte, man habe „außer Sport an keine anderen Bedeutungen“ der Partie gedacht. Deprimiert seien seine Spielerinnen ob der Niederlage nicht, gegen Schweden am 2. Juli und Kolumbien am 6. Juli kündigte er eine Leistungssteigerung an. „Wir haben einen starken Willen, werden unser Bestes geben und haben heute Selbstvertrauen getankt.“