WM 2011 ohne Nigeria?
Die FIFA-Pressemitteilung vom Montag war kurz, aber unzweideutig: Der nigerianische Fußballverband (NFF) ist wegen Einmischung der Regierung in die Belange des Fußballs mit sofortiger Wirkung suspendiert. Mit möglicherweise fatalen Folgen: Denn Nigerias Antreten in der Qualifikation zur Frauenfußball-WM 2011 (ab 29. Oktober) ist somit in Gefahr. Genauso wie das für den 25. November in Leverkusen geplante Testspiel gegen Deutschland.
Als Gründe für die Suspendierung nannte die FIFA „die jüngsten Entwicklungen beim NFF wie die gerichtlichen Schritte gegen gewählte Mitglieder des NFF-Exekutivkomitees, die diesen die Ausübung ihrer Ämter und Aufgaben unmöglich machen, der Rücktritt des amtierenden NFF-Generalsekretärs auf Weisung der nationalen Sportkommission, der Beschluss des Sportministers, die nigerianische Liga ohne Relegation aus der vorangehenden Saison zu starten, und die Tatsache, dass das NFF-Exekutivkomitee aufgrund dieser Einmischung nicht angemessen arbeiten kann.“ Die Suspendierung bleibe so lange in Kraft, bis „die gerichtlichen Schritte eingestellt werden und das ordnungsgemäß gewählte NFF-Exekutivkomitee wieder ohne jede Einmischung arbeiten kann.“
Eingefrorene Aktivität Doch wann das sein wird, steht nach momentanem Stand der Dinge in den Sternen. Von ein paar Tagen bis ein paar Monate sind verschiedene Szenarien denkbar. Solange der Verband suspendiert ist, darf keine Nationalauswahl an regionalen, kontinentalen und internationalen Wettbewerben, einschließlich Klubwettbewerben und Freundschaftsspielen teilnehmen. Auch Entwicklungsprogramm, Kurse oder Trainings der FIFA oder der afrikanischen Konföderation (CAF) sind eingefroren.
Nigeria Topfavorit auf WM-Startplatz Die Zeit drängt, denn vom 29. Oktober bis 14. November wird in Südafrika die Afrika-Qualifikation für die Frauenfußball-WM 2011 ausgetragen. Der fünffache Afrikameister Nigeria gilt als einer der Topfavoriten auf einen der beiden WM-Startplätze, in Gruppe A soll das Team auf Gastgeber Südafrika, Tansania und Mali treffen, in Gruppe B messen sich Titelverteidiger Äquatorialguinea, Kamerun, Algerien und Ghana.
DFB setzt weiter auf Nigeria Kurz nach Abschluss der WM-Qualifikation wollte die Frauenfußball-Nationalmannschaft Nigerias dann nach Deutschland reisen, um in Leverkusen am 25. November ein Testspiel gegen die DFB-Elf zu bestreiten. Auch dieses Spiel ist in Gefahr. DFB-Sprecher Niels Barnhofer erklärt gegenüber Womensoccer: „Wir sind natürlich in Kontakt mit unseren Ansprechpartnern bei der FIFA und beim nigerianischen Verband, um auszuloten, wie lange die Suspendierung bestehen bleibt.“ Sollten aber in den kommenden Wochen keine positiven Signale kommen, müsste man beim DFB die Situation neu bewerten. „Nigeria ist unser Wunschgegner und wir wollen den Termin aufrechterhalten, aber es bedarf natürlich einer gewissen Vorlaufzeit, wenn wir einen Ersatzgegner finden müssen“, so Barnhofer.
Schnelle Lösung möglich Doch noch bleibt dem nigerianischen Verband genügend Zeit, die Auflagen der FIFA zu erfüllen, um zumindest eine provisorische Aufhebung der Suspendierung zu bewirken. Das FIFA-Dringlichkeitskomitee hat in der Vergangenheit schnell reagiert, etwa im Falle von Kuwait, deren Suspendierung Ende Oktober 2007 bereits nach nur elf Tagen provisorisch wieder aufgehoben wurde. Doch es bleibt abzuwarten, ob der NFF die Verhältnisse im Sinne der FIFA schnell neu ordnen kann.
Probleme mit Nigeria keine Seltenheit Bereits im Juli hatte dem NFF eine Suspendierung gedroht, erst im letzten Moment revidierte Staatspräsident Goodluck Jonathan seine Androhung, alle nigerianischen Nationalteams von internationalen Wettbewerben zurückzuziehen, als Reaktion auf das enttäuschende Abschneiden bei der Männer-WM in Südafrika. Schon häufiger hatte der NFF in der Vergangenheit Probleme. So wurde das Land etwa 1996 von der CAF wegen politischer Einmischung für zwei Afrika-Meisterschaften ausgeschlossen.