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2009

Deutschland – England: Wer gewinnt das Duell auf Augenhöhe?

Wenn man sich in diesen Tagen in Helsinki umhört, bei Freunden, Bekannten oder im Kollegenkreis, dann scheint für die meisten kaum ein Zweifel daran zu bestehen, dass Deutschland heute das EM-Endspiel im Olympiastadion gegen England (live ab 18.00 Uhr in ZDF und Eurosport) gewinnen und zum fünften Mal in Folge Europameister werden wird. Doch für das Team von Bundestrainerin Silvia Neid dürfte die Aufgabe heute um Längen schwerer werden, als es die Bilanz von 16 Siegen aus 18 Spielen vermuten lässt.

Stürmerin Célia Okoyino da Mbabi bringt es auf den Punkt: „Für England wäre es wahrscheinlich das Größte, Deutschland in einem Finale zu schlagen, sie werden alles dafür tun.“ Auf den ersten Blick geht Deutschland dennoch als klarer Favorit in die Partie, alle bisherigen EM-Spiele in Finnland wurden gewonnen, darunter zwei klare Siege gegen Norwegen und Frankreich in der Vorrunde, seit 1993 hat die DFB-Elf weder bei einer EM-Endrunde noch in der Qualifikation ein Spiel verloren.

Gefährlicher Außenseiter Dagegen fand das Team von Trainerin Hope Powell nur schleppend ins Turnier, kassierte zum Auftakt eine 1:2-Niederlage gegen Italien, rang mit Mühe Russland 3:2 nieder und qualifizierte sich nur als einer der besten Gruppendritten für das Viertelfinale, im Halbfinale benötigte man 120 Minuten, um sich mit 2:1 gegen die Niederlande durchzusetzen. Doch dies lässt nicht darüber hinweg täuschen, dass das Team das Potenzial hat, an einem guten Tag der deutschen Elf gefährlich zu werden.

Neue Siegermentalität „Wir haben hier noch nicht unsere Bestform gezeigt“, warnt Powell, die ihr Team in den vergangenen Jahren nach vorne gebracht und ihm eine Siegermentalität eingeimpft hat. Und so war auch am Tag vor dem Finale nur wenig Respekt vor dem scheinbar übermächtigen Gegner zu verspüren. „Wir wissen um Deutschlands Stärken, aber wie jedes Team haben auch sie Schwächen. Wir werden versuchen, sie auszunutzen“, so Powell, die mit ihrer Elf schon beim 0:0 im Gruppenspiel der WM in China vor zwei Jahren der deutschen Mannschaft das Leben schwer gemacht hat.

Spielerisch noch Luft nach oben Für die deutsche Mannschaft spricht, dass die lange Vorbereitungszeit das Team in einen perfekten Fitnesszustand versetzt hat. Im Halbfinale gegen Norwegen wurde der Gegner mit Athletik und schnellen, spritzigen Einwechselspielerinnen dank einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit in die Knie gezwungen. Doch offensichtlich wurde im bisherigen Turnierverlauf auch, dass die deutsche Mannschaft spielerisch noch nicht an die Leistung früherer Turniere, etwa der Weltmeisterschaften 2003 oder 2007, anknüpfen konnte.

WPS-Erfahrung als Bonus Im englischen Team wartet nun ein robuster, aber auch spielstarker Gegner, dem zuzutrauen ist, nicht wie Norwegen 60, sondern auch 90 Minuten körperlich dagegen zu halten, und zudem durch die gefährlichen, in der US-Profiliga WPS gestählten Kelly Smith und Eniola Aluko die deutsche Verteidigung stärker zu fordern als in den bisherigen fünf EM-Spielen in Finnland. Die Engländerinnen deuteten im Turnierverlauf ihre spielerische Klasse bisher aber ebenfalls nur phasenweise an und schafften es nicht konstant, ihre Leistung auf hohem Niveau zu halten.

Hochkarätige Gäste Das deutsche Team scheint zumindest fest davon überzeugt zu sein, das Turnier als Europameister zu verlassen. Hochrangige Gäste wie Bundespräsident Prof. Dr. Horst Köhler und Innenminister Dr. Wolfgang Schäuble wollen sich das Spektakel genauso wenig entgehen lassen, wie DOSB-Präsident Dr. Thomas Bach und natürlich auch DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, der direkt aus Hannover mit einer Chartermaschine in die finnische Hauptstadt reist.

Empfang am Römer geplant Auch Vereinsvertreter aus der Frauenfußball-Bundesliga reisen auf Einladung vom DFB zum Endspiel an, und von der Party nach dem Spiel bis zum Empfang am Freitag ist alles vorbereitet. Um 13.05 Uhr sollen die deutschen Spielerinnen dann als Europameisterinnen auf dem Frankfurter Flughafen landen, um 14.00 Uhr will sich die Mannschaft dann im Erfolgsfall am Frankfurter Römer präsentieren.

Schlagwörter: A-Nationalmannschaft • England