Deutschland gewinnt hochklassiges WM-Finale gegen Brasilien
Deutschland ist zum zweiten Mal Frauenfußball-Weltmeister! In einem hochklassigen Finale vor 31.000 Zuschauern in Shanghai bezwang der alte und neue Weltmeister die Auswahl Brasiliens mit 2:0. Birgit Prinz (52.) und Simone Laudehr (86.) machten den Triumph für Bundestrainerin Silvia Neid und ihr Team perfekt.
Die Brasilianerinnen konnten sich zwar spielerische Vorteile erarbeiten und kamen zu zahlreichen Großchancen, doch der Titelverteidiger präsentierte sich über 90 Minuten als die geschlossenere und gegen Ende auch konditionell stärkere Mannschaft. Die in der Abwehr überragende Annike Krahn und Torfrau Nadine Angerer, die einen Elfmeter von Weltfußballerin Marta (63.) parierte und kurz darauf einen präzise getretenen Freistoß mit einer Glanzparade entschärfte, ragten aus einer tollen Mannschaft heraus.
Finale beginnt mit Großchancen
In einem spannenden Finale, das zu den besten Frauenfußball-Spielen gezählt werden muss, die es je gegeben hat, erlebten die Zuschauer von Beginn an hart umkämpfte Zweikämpfe, zwei bissige Mannschaften und viele Torszenen. Beide Teams nahmen sich dabei in der Anfangsphase nichts. Kerstin Garefrekes traf nach fünf Minuten das Außennetz, Formiga hätte drei Minuten später auf der Gegenseite beinahe eine Unsicherheit von Nadine Angerer zum 1:0 genutzt.
Nach einer Viertelstunde hatte Sandra Smisek den Führungstreffer auf dem Fuß, als sie im Strafraum nach einer schönen Kombination von Simone Laudehr und Linda Bresonik zum Abschluss kam, ihren Schlenzer aber links am Tor vorbei setzte. Es ging nun zügig hin und her.
Rüde Fouls der Brasilianerinnen bleiben ungeahndet
Um dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken, scheuten die Brasilianerinnen auch keinen ruppigen Körpereinsatz. Ob Formigas Bodycheck gegen Birgit Prinz, Martas Tritt in Renate Lingors Sprunggelenk oder Martas eingesprungener Tritt in die Hacken von Linda Bresonik - die Pfeife von Schiedsrichterin Tammy Ogston blieb stumm. Kerstin Garefrekes hingegen hatte schon nach sieben Minuten für ein Allerweltsfoul die gelbe Karte gesehen.
Doch es wurde auch Fußball gespielt, mit zunehmender Spieldauer immer besser von den Brasilianerinnen. Die deutsche Mannschaft leistete sich nach starken ersten 20 Minuten nun zu viele Abspielfehler, kombinierte schlampig nach vorne. Die Selecao nutzte die sich bietenden Räume und übte nun mächtigen Druck auf das Tor von Nadine Angerer aus. In der 23. Minute setzte Daniela eine wuchtige Volleyabnahme an den Pfosten, zwei Minuten später klärten Krahn und Angerer in höchster Not, nachdem Marta Ariane Hingst bereits überlaufen hatte.
Deutschland kommt aggressiver aus der Kabine
Bis zur Pause blieben die Brasilianerinnen feldüberlegen, bekamen vor dem Tor aber nicht die Freiräume, die ihnen im Halbfinale die USA noch gelassen hatten. Mit einem für die deutsche Mannschaft etwas schmeichelhaften 0:0 ging es in die Pause, aus der der Titelverteidiger wesentlich aggressiver herauskam. Bundestrainerin Silvia Neid schien deutliche Worte gefunden und ihre Spielerinnen dazu animiniert zu haben, das Aufbauspiel der Brasilianerinnen früher zu stören, um so Fehler zu erzwingen.
Daraus resultierte in der 48. Minute zunächst ein Freistoß für Lingor, den die Frankfurterin von der linken Seite gekonnt aufs kurze Eck zog, doch Andreia konnte klären. Die im bisherigen Turnier kaum geprüfte brasilianische Keeperin musste vier Minuten später jedoch zum dritten Mal bei dieser WM hinter sich greifen. Sturmpartnerin Sandra Smisek hatte auf der rechten Seite tolle Vorarbeit geleistet und die freistehenden Prinz mustergültig bedient. Die dreimalige Weltfußballerin traf das Leder gar nicht voll und schloss zu zentral ab, doch Andreia ließ den Ball passieren.
Annike Krahn wächst über sich hinaus
Die Brasilianerinnen mussten nun kommen und taten dies auch. Doch immer wieder gingen die deutschen Abwehrspielerinnen kompromisslos dazwischen. Lediglich Kerstin Stegemann ließ sich das ein oder andere Mal von Weltfußballerin Marta düpieren. Doch es zeichnete die deutsche Mannschaft aus, dass nach einem Fehler der einen stets eine andere Spielerin zur Hilfe kam und die Situation bereinigte. Die erst 22-jährige Annike Krahn wuchs in ihrem fünften WM-Spiel dabei mit zunehmender Spieldauer immer mehr über sich hinaus.
In der 63. Minute mussten Spielerinnen und Fans dann aber den Atem anhalten. Linda Bresonik kam gegen Cristiane zu spät und die ehemalige Bundesliga-Spielerin im Strafraum zu Fall. Bresonik hatte ihre Gegenspielerin kaum berührt, doch Ogston entschied auf Strafstoß. Eine zweifelhafte Entscheidung, die jedoch folgenlos blieb, weil Nadine Angerer die richtige Ecke geahnt hatte und Martas viel zu zentral geschossenen Elfmeter parieren konnte.
Angerer sichert die Führung
Es waren dies die großen Minuten der Nadine Angerer, die im Anschluss an das Finale als beste Torhüterin des Turniers geehrt wurde. Nur eine Minute bevor der Rekord des italienischen Torhüters Walter Zenga aus dem Jahr 1990 ablief, der 517 Minuten ohne Gegentor geblieben war, entschärfte die Potsdamerin einen präzisen Freistoß von Daniela mit einer Glanzparade.
In den Schlussminuten mussten die Brasilianerinnen augenscheinlich dem temporeichen Spiel Tribut zollen und ließen kräftemäßig stark nach. Nachdem Simone Laudehr in der 86. Minute nach einem Eckball von Lingor zum 2:0 einköpfte, war der zweite WM-Triumph in Folge perfekt.
Mit Deutschland gewann am Ende die Mannschaft, die sechs Spiele die höchste Konstanz aufwies, mit viel Geduld auf die entscheidenden Treffer wartete und auch körperlich den stärksten Eindruck hinterließ. Bundestrainerin Silvia Neid gelang das Kunststück, bei ihrer ersten WM als Cheftrainerin gleich den Erfolg ihrer Vorgängerin Tina Theune-Meyer von 2003 zu wiederholen.
Womensoccer.de gratuliert ganz herzlich und will darauf hinweisen, dass morgen Abend die ARD ab 18.50 Uhr und das ZDF ab 19.25 Uhr den Empfang des neuen Weltmeisters am Frankfurter Römer live übertragen werden!
Wer war die beste deutsche Spielerin im Finale?