Hoffenheims Höhenflug: Träumen erlaubt!

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Mit fünf Siegen aus sechs Spielen ist die TSG 1899 Hoffenheim die Mannschaft der Stunde in der Frauenfußball-Bundesliga. Und mit dem Sieg gegen den FC Bayern München ist der Traum von der Champions League erwacht – auch wenn Trainer Jürgen Ehrmann noch abwiegelt.

Hoffenheims Isabella Hartig (li.) im Duell mit Bayerns Lineth Beerensteyn
Hoffenheims Isabella Hartig (li.) im Duell mit Bayerns Lineth Beerensteyn © imago / foto2press

Zugegeben: Der 1:0-Sieg der TSG 1899 Hoffenheim gegen den FC Bayern München an einem schönen Spätsommertag war nicht das Ergebnis einer überlegenen Spielführung, sondern vor allem in der Schlussphase einer Mischung aus Glück, Geschick, Kampfgeist und einer starken Torhüterin Martina Tufekovic geschuldet.

Doch dass die Elf vor 1.650 Zuschauern, darunter DFB-Assistenztrainerin Britta Carlson, VfL Wolfsburgs Sportdirektor Ralf Kellermann und auch Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp, auch im dritten Heimspiel der Saison ohne Gegentreffer blieb, ist auch ein Zeichen des Reifeprozesses, den das Team hinter sich hat.

Eingespieltheit als Trumpfkarte

Auch wenn Tabellenplatz 2 nur eine Momentaufnahme zu einem frühen Zeitpunkt der Saison ist, vermittelt das Team mit seiner Eingespieltheit einen derartig gefestigten Eindruck, dass es mehr als fahrlässig wäre, die Elf aus dem Kraichgau im Kampf um die Topplätze in der Liga in dieser Saison zu unterschätzen. „Wir bleiben bodenständig und heben nicht ab“, versucht Ehrmann eine womöglich aufkommende Euphorie im Keim zu ersticken.

Nah an den Fans: Hoffenheim-Torhüterin Martina Tufekovic
Nah an den Fans: Hoffenheim-Torhüterin Martina Tufekovic

Tufekovic: „Nicht überheblich werden“

Bereits in der Saisonvorbereitung deutete das Team mit Siegen gegen die Ligakonkurrenz aus Frankfurt, Freiburg und Sand sein Leistungsvermögen an. Und mit dem gelungenen Saisonstart ist auch das Selbstvertrauen der Spielerinnen in die Höhe geschnellt. „Die Kunst liegt darin, cool zu bleiben, aber nicht überheblich zu werden“, so Torhüterin Martina Tufekovic, die mit zahlreichen Paraden die Bayern-Spielerinnen zur Verzweiflung brachte und großen Anteil am Erfolg hatte.

Aufschwung findet Niederschlag in der Nationalelf

Der Hoffenheimer Aufschwung, den Ehrmann in den vergangenen Jahren mit ruhiger Hand, einem starken Trainerteam und nur punktuellen Veränderungen im Kader vorangetrieben hat, ist auch den Verantwortlichen der deutschen Frauenfußball-Nationalelf nicht verborgen geblieben. So standen zuletzt in Isabella Hartig, Tabea Waßmuth und Lena Lattwein gleich drei Spielerinnen im Kader für die beiden EM-Qualifikationsspiele gegen die Ukraine und Griechenland, eine vierte, Maximiliane Rall, stand auf Abruf bereit. Die Begehrlichkeiten sind geweckt und das Quartett dürfte längst auf dem Wunschzettel anderer Bundesligisten stehen.

Ehrmann: „Champions League ist meilenweit weg“

Und so war es nur folgerichtig, dass auf der Pressekonferenz die Frage nach einer möglichen Champions-League-Teilnahme gestellt wurde. „Das ist von mir meilenweit weg. Ich hätte ein Problem, wenn ich morgen die Koffer für Kasachstan packen müsste“, so Ehrmann in Anspielung auf die Reise des FC Bayern München zum Achtelfinal-Hinspiel in Shymkent am Mittwoch. „Wir freuen uns über den zweiten Platz, aber das ist die Vorrunde der Bundesliga, weiter geht´s“, wollte sich Ehrmann nicht weiter aus der Reserve locken lassen.

Hartig: „Träumen darf man immer“

Die Spielerinnen selbst verschwenden hingegen nur zu gerne einen Gedanken an eine mögliche Teilnahme in der europäischen Königsklasse. „Träumen darf man immer, das gehört im Fußball dazu“, so Hartig. „Aber wir sind auch realistisch und es ist noch früh in der Saison.“ Und auch Tufekovic meint: „Das wäre definitiv ein Traum von uns. Wir wollten definitiv auch oben mitspielen und das gelingt uns bisher.“

Den Sieg gegen Bayern in Leverkusen veredeln

Wie gefestigt das Team ist, kann das Team bereits wieder am kommenden Freitag unter Beweis stellen, wenn es zum Auswärtsspiel gegen Bayer 04 Leverkusen reist. „Dort dürfen wir keine Punkte liegen lassen, sonst ist der Sieg gegen Bayern gar nichts wert“, meint Hartig. Es bleibt abzuwarten, ob das Team anders als in der Vergangenheit in dieser Saison ohne größere Leistungsschwankungen auskommen wird. „Es wird spannend zu sehen, ob wir Konstanz zeigen können. Vom Gefühl her schon.“

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Ritchie
Ritchie

Die Begehrlichkeiten sind geweckt und das Quartett (siehe Artikel) dürfte längst auf dem Wunschzettel anderer Bundesligisten stehen.

Das ist natürlich klar und alles andere würde mich wundern. Die Frage ist „nur“, ob diese Spielerinnen auch wechseln wollen und zu welchem Verein.
Für die Spannung in der FF-Bundesliga und damit auch an dem Interesse für diese wäre es aber mMn wünschenswert wenn sich die TSG weiter in der Spitzengruppe der Liga hält und dazu auch diese Spielerinnen möglichst nicht ziehen lässt.
Soweit wie die TSG war auch der SC Freiburg und jetzt wird dort wieder der Anschluss nach oben gesucht.

Joe Waschl
Joe Waschl

Muss man Jens Scheuer verstehen? Das war kein gutes Spiel, sich am Ende über den schlechten Platz und die geringe Wertschätzung des Frauenfußballs bei der TSG zu beschweren, erscheint nicht angebracht.
Das wirkte schon fast resignierend…
Sein Problem: Er hat keine Torjägerin, die sind mit Rolfö und Dabritz weggegangen.

never-rest
never-rest

Guter Beitrag. Gegen den FCB hat die die überragende Torhüterin jedenfalls den Unterschied gemacht. Nach vorne ging nicht viel. Das fußballerische Niveau des Spiels war leider nicht Spitze.

schnorchel
schnorchel

Für alle, die schon länger 1. und 2. Bundesliga mitverfolgen hat das nichts mit Höhenflug zu tun. Es ist das Ergebnis einer jahrelangen und geduldigen Aufbauarbeit, die nun ihre Früchte abwirft. Darauf können sie in Sinsheim zu Recht stolz sein. Ich hoffe nur, daß die TSG-Mädels diese Form auch in der Rückrunde bestätigen und damit den Tor- u. Punkterekord der letzten Saison gleich wieder knacken können.