Schulterverletzung von Almuth Schult schlimmer als gedacht

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Die in einem Training Ende April erlittene Schulterverletzung von Almuth Schult hat größere Ausmaße als vermutet. Das enthüllt die Torhüterin des VfL Wolfsburg selbst in der NDR-Sendung „Sportclub Story“, die am Sonntag, 29. September, um 23.35 Uhr ausgestrahlt wird.

Nahaufnahme von Almuth Schult
Torhüterin Almuth Schult hofft auf ein Comeback in diesem Jahr © imago/foto2press

„Es war schon relativ viel kaputt in der Schulter“, räumt die 28-Jährige in der 30-minütigen Reportage ein. Das ganze Ausmaß der Verletzung erläutert Professor Mark Tauber, der Schult nach dem Aus bei der Frauenfußball-WM in Frankreich Anfang Juli in München operierte. „Wir hatten drei Baustellen“, erklärt Tauber im Detail die vielschichtigen Verletzungen: So war die lange Bizepssehne am Anker gerissen, die Gelenkslippe abgerissen und die Kapsel angerissen.

Diagnose verschwiegen

Vor der WM wurde die Schulter mit Injektionen und Physiotherapie stabilisiert, um den Schmerz zu lindern. Schult verschwieg die schwerwiegende Diagnose der Ärzte der Öffentlichkeit, um ihre WM-Teilnahme nicht in Gefahr zu bringen. Gegenüber ihrem Verein und dem DFB spielte sie aber mit offenen Karten. „Wenn es nicht gut läuft und jeder hätte die Diagnose gewusst, vielleicht auch schon im Vorfeld, wäre da eine Diskussion entstanden auch von Leuten, die Ahnung haben, die sagen: sie kann mit der Verletzung keine WM spielen. Dann wäre vielleicht ein Fehler passiert und es wäre ein Aufschrei gekommen.“

Hohes Risiko

Doch war es das Risiko wirklich wert? Sicherlich ist nachzuvollziehen, dass der sportliche Ehrgeiz der ersten WM-Teilnahme als Nummer Eins im deutschen Tor verbunden mit der Verlockung, eine nicht unerhebliche WM-Prämie zu erhalten, groß waren.

Grenzgängerin

„Wenn man weiß, man wird gebraucht, geht man über Grenzen drüber. Und als Torwart muss man egal in welcher Situation immer suggerieren, dass es einem gut geht“, sagt Schult. Unverständlich und verstörend ist allerdings, dass der behandelnde Arzt Schults Vorgehensweise offenbar gutheißt. „Da muss ich größten Respekt zollen. Das scheint der Leidensdruck wirklich überwunden worden zu sein. Das ist schon wirklich eine Leistung.“

Wann kann Schult wieder spielen?

Gut zwei Monate nach der Schulteroperation ist Almuth Schult wieder im Lauftraining. Doch nur in kleinen Schritten kann die volle Beweglichkeit der Schulter wiederhergestellt werden. Und so bleibt unklar, ob sie noch in diesem Jahr ihr Comeback geben kann. Schults Geschichte erinnert fatal an die lange Leidenszeit ihrer DFB-Teamkollegin Marina Hegering.

Parallelen zum Fall Hegering

Die heute 29-Jährige hatte sich im März 2010 eine hartnäckige Fersenverletzung zugezogen und später im Jahr trotz der Verletzung die U20-Weltmeisterschaft in Deutschland bestritten, bei der Deutschland durch einen 2:0-Sieg gegen Nigeria im Finale Weltmeister wurde. „Ich bin eigentlich verletzt und habe nur durchgehalten. Ich werde jetzt Pause machen (…)“, hatte Hegering nach dem Finale erklärt. Das Ende der Geschichte ist bekannt: Hegering konnte mehrere Jahre kaum Fußball spielen.

Sportlicher Ehrgeiz kontra Fürsorgepflicht

Zwei Fälle, in den sich die behandelnden Ärzte, die beteiligten Vereine und auch der DFB die Frage gefallen lassen müssen, ob sie ihrer Fürsorgepflicht ausreichend nachgekommen sind. „Gleichwohl bleibt jedes Mal aufs Neue zu hinterfragen, bis zu welchem Punkt Profisportler selbst bestimmen dürfen, wann die Grenze der Zumutbarkeit und Belastbarkeit erreicht ist“, heißt es etwa in einem kritischen Kommentar in der Frankfurter Rundschau. Es bleibt zu hoffen, dass Schult das Schicksal ihrer Teamkollegin Hegering erspart bleibt.

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baleamaurinhoFan2ajki€rna Neueste Kommentartoren
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balea
balea

Als Arbeitgeber könnte man so ein Verhalten auch abmahnen.

Ritchie
Ritchie

Ich frage mich, ob Almuth Schult sich ihrer Verantwortung dem Team (Verein und N11) gegenüber richtig verhalten hat. Oder ob das Verschweigen der Schwere der Verletzung eher eine egoistische Maßnahme war.
Trotzdem wünsche ich ihr weiterhin Gute Besserung und dass sie sportlich erfolgreich wieder zurückkommt.

Fan2
Fan2

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich über dieses egoistische Verhalten zutiefst schockiert bin. So etwas ist mit das Schlimmste, was man tun kann in einem Teamsport. Noch dazu bei einem solch wichtigen Event wie der WM. Dieses Verhalten war zutiefst unsportlich nicht nur gegenüber ihren Torhüterkolleginnen, die vermutlich fitter und besser bei der WM gewesen wären, sondern gegenüber all ihren N11-Kolleginnen, deren Erfolg sie mit dieser Aktion massiv in Gefahr gebracht hat. Wäre so etwas bei den Männern vorgekommen, dann wäre es vermutlich das letzte Mal gewesen, dass jemand mit solch einer Aktion das Nationaltrikot getragen hat. Nicht nur… Weiterlesen »

Detlef
Detlef

Dieses Verhalten von Frau Schult spiegelt ganz deutlich die Auswirkungen der so genannten „Professionalisierung“ wieder!!! Man sieht das ja schon sehr lange beim MF, wo die Ich-Bezogenheit jegliche Teambildung fast nicht mehr möglich macht!!! Dieser Egoismus schwappt jetzt halt auch in den FF hinein, wo die Konkurrenz auch innerhalb einer Mannschaft solch erschütternde Blüten treibt!!! Und je mehr der Geldfaktor eine Rolle spielt, desto schlimmer wird es!!! Der Sport wird auch im FF irgendwann nur noch eine sehr untergeordnete Rolle spielen, wie es heute schon im hochbezahlten PROFI-MF Realität ist!!! Es ist also kein Wunder, daß es jetzt gerade den… Weiterlesen »

FFFan
FFFan

Das Ende der Geschichte ist bekannt: Fast sechs Jahre lang konnte Hegering nicht Fußball spielen.

Das hat mal irgendjemand in die Welt gesetzt, und seitdem plappern es alle nach. Dabei genügt ein Blick in die Statistik, um festzustellen: das Finale der U20-WM war am 1.August 2010, Hegerings ‚Comeback‘ in der Bundesliga erfolgte am 13.April 2013. Wie lang die Pause demnach war, kann jeder selbst ausrechnen – sechs Jahre sind es jedenfalls nicht!

Zaunreiter
Zaunreiter

Was glaubt Frau Schult, eigentlich wer sie ist? Das ist ein völlig egoistisches Verhalten von der Frau, die so oft im Strafraum herumirrt! Die Öffentlichkeit hat sie belogen und nur den Verein und den DFB informiert. Umso schlimmer, das Frau MVT da mit gespielt hat. Sie hätte sich meinen endgültigen Respekt verdient, wenn sie vor der WM gesagt hätte: „Leute, ich bin verletzt. Ich mache Platz für eine andere.“ Außerdem hat ihr Egoismus die Karriere von Alisa Vetterlein verkürzt. Und ich muß Fan2 und Detlef zustimmen. Also das ist doch kein Kindergeburtstag, ey! So einen Egoismus hätte es im USWNT… Weiterlesen »

ajki
ajki

Hier gibts ein grundsätzliches Problem hinsichtlich der Fragen nach dem „wer wusste was wann (genau)“. Und dieses Problem betrifft alle, inklusive die Spielerin selbst. Das Problem ist, wann man was *wusste*. *Jetzt*, nachdem die Schulter durch OP geöffnet und real gecheckt wurde (plus alle möglichen Voruntersuchungen) *weiß* Spielerin, Arzt, Patientenakte, Verein und alle Welt, dass es durchaus weit schlimmer als vorher vermutet ist. Aber das ist ja genau der Punkt: *voher*, also vor Turnier und Teilnahmeentscheidung etc., wußte es keiner so genau wie jetzt. Frau Schult hat sich hier wohl ein Beispiel genommen an ihrem Kollegen Neuer. Und MVT an… Weiterlesen »