DFB-Kampagne sorgt für Unmut

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Eine am Freitag gestartete DFB-Kampagne in den Sozialen Medien zur Steigerung der Bekanntheit der Frauenfußball-Bundesliga ist gehörig nach hinten los gegangen.

Screenshot der DFB-Kampagne
Die geplante Awareness-Kampagne des DFB ging nach hinten los © Screenshot Twitter @DFB_Frauen

Mit einer als Vermisstenanzeige gestalteten Werbung, ein Schwarz-Weiß-Foto mit roter Umrandung und dem Text „Seit dem 29. Juni nicht mehr gesehen“, sollte auf das WM-Aus der Nationalelf am 29. Juni und den bevorstehenden Saisonstart in die Frauenfußball-Bundesliga am 16. August hingewiesen werden. Zudem gab es ähnliche Tweets von DFB-Nationalspielerinnen und auch die Bundesligavereine wurden in die Aktion einbezogen. Doch dafür gab es in den Sozialen Medien reichlich Kritik.

Tweet von Alex Popp © Screenshot Twitter @alexpopp11

Kritik von Bachmann und Gunnarsdóttir

Unter den prominenten Kritikerinnen befanden sich die Schweizer Nationalspielerin Ramona Bachmann (Chelsea Women) und die beim VfL Wolfsburg spielende isländische Nationalspielerin Sara Björk Gunnarsdóttir.

Bachmann stieß die Aktion vor allem wegen des ebenfalls am 29. Juni tragischen Unfalltodes ihrer Nationalelfkollegin Florijana Ismaili auf, die mehrere Tage vermisst wurde, ehe ihr lebloser Körper vom Grund des Comer Sees geborgen wurde. Und Gunnarsdóttir kritisierte, dass das DFB-Marketing hier einen falschen Weg eingeschlagen habe.

Entschuldigungen von DFB und Popp

Der DFB hat sich inzwischen entschuldigt: „Wir wollten damit auf keinen Fall Gefühle verletzen, unsensibel oder respektlos erscheinen. Sollte dies so angekommen sein, tut uns dies leid.“ Der entsprechende Tweet wurde inzwischen gelöscht. Und auch Nationalspielerin Alex Popp ruderte zurück: „Ich möchte mich persönlich vom ganzen Herzen bei allen Angehörigen und Familien für diese vermisst-aktion entschuldigen. Ich muss ganz ehrlich sagen dass ich das ganze sportlich gesehen habe und nicht über den Tellerrand hinaus gedacht habe. Es tut mir leid! Grüße Poppi“

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balea
balea

Man fragt sich wirklich, was in den entsprechenden Köpfen da manchmal drinsteckt…

holly
holly

ich denke eher das man sich heut zu tage bald entschuldigen muss weil man atmet.
irgend wer findet immer irgendwas worüber man sich aufregen kann.

Per Larssen
Per Larssen

Na ja, ich denke mal, dass für solche PR-Kampagnen professionelle Grafikbüros beauftragt werden. Und zur professionellen Arbeit eines Grafikers gehört auch Recherchearbeit; zumal die Tatsache, dass Florijana Ismaili eben an genau dem Tag, an dem Deutschland im Viertelfinale ausgeschieden ist, als vermisst gemeldet wurde, zumindest in den Kreisen, die ein Mindestmaß an Affinität zum Frauenfußball haben, hinlänglich bekannt gewesen sein dürfte. Und normalerweise gehen die Entwürfe einer Kampagne vor deren Veröffentlichung auch nicht nur durch eine Hand. Unabhängig davon kann man durchaus geteilter Meinung darüber sein, ob PR-Aktionen, die per se in Bildsprache und Inhalt eben eindeutig an eine Vermisstenanzeige… Weiterlesen »

Bernd
Bernd

Finde die Entschuldigung war notwendig.
Eine Vermisstenanzeige ist nichts, was in dem Kontext genutzt werden sollte. Jeder/Jede die mal eine solche Anzeige aufgeben mussten, können das sicherlich nachvollziehen. Alle Anderen könnten sich zumindest darum bemühen.
Kompliment an Alex Popp für die passenden und ehrlichen Worte!

Zaunreiter
Zaunreiter

Wer hat eigentlich diesen Unsinn mit diesen gerahmten schwarz-weiß-Bildern verzapft, wo man an das Schlimmste denken muss? Ich finde das geschmacklos. Wenigstens hat eine wie Alex Popp „die Eier“ – natürlich stellvertretend für den, der das entworfen hat – sich zu entschuldigen. Werte DFB-Marketing-Abteilung, falls hier jemand mitlesen sollte…Wenn ihr schon keine sinnvollen Aktionen planen könnt, wenn es der Wunsch sein sollte, die Spielerinnen bekannter zu machen, dann geht mit ihnen auf den Platz und macht eine Crossbar-Challenge oder ähnliches. Geht mit ihnen in den Kraftraum. Bilder aus dem Kraftraum gehen immer. Aber bitte keine „Süsse-Mäuschen (Mädel)-Fotos“. Wer auch immer… Weiterlesen »

Bernd
Bernd

Wenn eine Platitüde wie:
„ich denke eher das man sich heut zu tage bald entschuldigen muss weil man atmet.“,
innerhalb von vier Stunden 30 Zustimmungen erhält, während die reflektierte Äusserung von Per Larssen bislang von zwei Dritteln negativ bewertet wird, kann etwas nicht stimmen.
Entweder sind solche banalen kurzen Tweets, wie mittlerweilen durch Trump bekannt, auch hier bereits etabliert, oder es stimmt etwas mit dem Zählmechanismus auf womensoccer nicht?
Wenn Per Larssens posting innerhalb kürzester Zeit hier mit Daumen runter bewertet wird, ist das ein Grund auf Negativbewertungen zukünftig hier eher stolz zu sein. Ob das im Sinne des Erfinders ist?

Rainer
Rainer

Sehr schön geschrieben, @Zaunreiter. Ich fand das „Pferdeschwänze“-Video richtig gelungen und ungewöhnlich „cool“ für den DFB. Die „Vermissten“-Anzeige könnte aus derselben Agentur kommen, weil sie im Grunde auch einen „frechen“ Gedanken hat. Allerdings ist sie völlig geschmacklos und geradezu widerwärtig, denn es gibt zu viele Menschen in Deutschland und anderswo, die seit Jahren einen lieben Menschen vermissen. Laut einer Statistik des Bundeskriminalamts wurden Ende 2018 insgesamt 11.000 Menschen in Deutschland vermisst. Multipliziert man das mit der Anzahl von Verwandten und Freund*innen, kommt man auf eine sehr große Zahl von Betroffenen. Schön, dass Ramona und Sara Björk sich dazu deutlich geäußert… Weiterlesen »

Bernd
Bernd

@ Rainer Sehr guter Beitrag von Dir und ich stimme Dir in fast allem zu. Die „Bild“-Reporter sind natürlich nicht dumm und versuchen unter anderem an den Media-days, solche Äusserungen im lässigen small-talk von den Spielerinnen, insbesondere von der Kapitänin, zu bekommen. Solche Schlagzeilen, wie die zu Gwinn, lassen sich auf den Titelseiten leider gut verkaufen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Dass manche Medien daher solche Aussagen bekommen wollen, ist nicht neu. Alex Popp ist schon lange dabei und sollte so etwas schon kennen. Daher hatte ich auch Popp für diese „Vorlage“ an die Medien kritisiert. Nach besagtem Media-day, lag… Weiterlesen »

Fan2
Fan2

Nirgends sieht man mehr als in der peinlichen Marketing-Abteilung, wie sehr nicht nur der DFB, sondern auch alle Kommentatoren hier an der Realität vorbeileben bzw. in ihrer eigenen medialen Realität leben. Mag sein, dass in den Medien Greta Thunberg der letzte Schrei ist, dass jedes noch so groß vermarktete Coming Out frenetisch gefeiert wird und dass die Vermarktung „einer sozialen Geschichte“ unheimlich populär sein mag, aber das ist eben bloß die mediale Welt, nicht die Realität. Der FF ist damit keine Sportart der Mitte der Gesellschaft mehr, die sie hätte werden können, sondern ist auf dem besten Wege dazu, die… Weiterlesen »

ollerRentner
ollerRentner

Es wurde versucht eine provokative und damit auffallende Werbung für den Beginn der Bundesliga zu machen. Das ging aufgrund eines unglücklichen und traurigen Umstandes, der sich während der Fertigstellung bei den Beteiligten wohl aufgrund der Begeisterung für die eigene Idee nicht bewusst in den Köpfen befand, gründlich in die Hose. Inzwischen entschuldigten sie alle Beteiligten ausgesprochen glaubwürdig, so dass dieser Teil erledigt sein sollte – wer meint so etwas könne ihm nicht passieren, der werfe den ersten Stein. Ob man solch grenzwertig provozierenden Sachen machen darf? – „Satire darf alles“ sagte 1919 Kurt Tucholsky. Ich liege seitens meines Geburtsdatums deutlich… Weiterlesen »

Fan2
Fan2

@Rentner: Schön, dass du uns noch einmal an die Quelle dieses Ausspruches erinnerst. Nicht lange nach dem Satz: „Satire darf alles“ gab es eine Zeit, in der viele auch meinten, alles zu dürfen, nach dem Motto: Der Zweck heiligt die Mittel. Hängt das unter Umständen zusammen? Hat die Satire mit ihrer Enthemmung und Radikalisierung womöglich sogar Hass und Menschenverachtung in den Köpfen der Menschen gesät? Ich wäre da vorsichtig. Die Frage ist, ob der 1. Artikel des Grundgesetzes auch für die Satire gilt, oder ob sie sich auch darüber hinwegsetzen darf. Eine andere Sache ist die Trennung zwischen Öffentlichkeit und… Weiterlesen »

Bernd
Bernd

@ oller Rentner Auch Dir stimme ich in vielem zu. Wieviel jemand von seinem Privatleben in der Öffentichkeit preisgibt, sehe ich auch absolut als Pivatsache. Wenn jemand aber Privates in der Öffentlichkeit präsentiert, ist dies allerdings nicht mehr privat, sondern wie es das Wort schon sagt öffentlich. Eigentlich logisch! Du kannst Jeden erfolgreich verklagen, der Dein Privatleben öffentlich macht. Wenn Du dies aber selbst tust, darfst Du Dich nicht wundern, wenn sich Andere dazu äussern. Vollkommen normal und legitim! Auch wenn jemand darüber schreibt was er/sie in seinem Intimleben so treibt, ist mir das zwar völlig egal, aber intim ist… Weiterlesen »

Beobachter
Beobachter

@holly
Wenn ich den Kommentar von 14:59 lese (das Wort Kommentar ist für die zwei Sätze schon zu viel Ehre) und sehe, wieviel Zustimmung er erfährt, frage ich mich, ob es sich noch lohnt, in diesem Forum etwas zu lesen oder beizutragen.

Zaunreiter
Zaunreiter

Ich muss hier nochmal darlegen, wie Narrative geschrieben werden, bezogen auf diese „Awareness-Kampagne“ des DFB. Da muss doch jemand an seinem Schreibtisch gesessen haben und wollte die „Flyer-Alarm-Bundesliga“ in das „Bewusstsein“ der Menschen rücken. Das ist nach hinten losgegangen. Ich greife zurück auf die Spielerinnen des USWNT, Spielerinnen und Trainer der NSWL, die alle nach dem WM-Sieg Werbung für die NWSL machten und ihre Fans aufforderten, sie weiterhin dort zu unterstützen. Von deutschen Spielerinnen hab ich da bisher nichts gehört, da kommen immer nur Krümel vom DFB in den sozialen Medien. Die Spielerinnen sind noch geistig im Urlaub oder in… Weiterlesen »

ollerRentner
ollerRentner

Der Satz „Satire darf alles“ ist selbstverständlich selbst eine satirische Übertreibung, nur müssen halt jeweils die Grenzen ausgelotet werden, und diese ändern sich im Laufe der Zeit, wie ich als jemand knapp unter 70 bestätigen kann. „Privat in der Öffentlichkeit äussern“ war vielleicht doppeldeutig. Ich meinte mit „privat“, dass jemand sich nicht im Rahmen einer Rolle äussert. Wenn ich mich in diesem Sinne „privat“ in einem technischen Forum bezüglich einer mich interessierenden Sache äussere, dann wird sich diese Äusserung selbstverständlich von einer unterschieden, die ich als freier Mitarbeiter im Auftrag einer Firma von mir gebe, weil ich in diesem Fall… Weiterlesen »

Fan2
Fan2

@Zaunreiter: Ganz meine Rede. Nur dass deutsche Mädchen sich kaum durch US-Spielerinnen inspirieren lassen werden. Das Narrativ gehört geändert, hier ist der DFB in der Pflicht. Aber ich vermute, dass es noch 20 Jahre dauern wird, bis in Deutschland eine Mutter Fußball spielt, zumindest in der N11. Denn ja, in Deutschland ist der FF eine Hipstersportart, oder auf dem besten Weg dahin. Das kommt nicht zuletzt durch die unverhältnismäßigen Gehälter, die im FF gezahlt werden, wobei noch suggeriert wird, der FF habe ein Recht auf bestimmte Gehälter. Gehts noch? Jedes Gehalt will hart erarbeitet sein. Das ist eine Realität, die… Weiterlesen »

Zaunreiter
Zaunreiter

*Memo an mich selbst* Weniger von US-Nationalspielerinnen schwärmen. Dafür dann mehr deutsche Nationalspielerinnen loben, dass sie auch mal schöne Bikini-Fotos gemacht haben.

Wobei ich es ja bevorzugen würde, wie einst Udo Bölts am Col de Hundsrück der einen oder anderen Spielerin das zuzurufen, was er dem Jan Ullrich entgegenschleuderte.

ollerRentner
ollerRentner

Fan2: „@ollerrentner: Ich glaube kaum, dass heute noch jemand weiß, dass der Satz: „Satire darf alles“, noch in irgendeiner Weise satirisch gemeint ist. Er ist viel mehr als ungeschriebenes Gesetz, ja Recht wahrgenommen.“. Wenn das so sein sollte, dann ist das aber nicht Schuld des Satzes, sondern dürfte an einer oberflächlichen Denkfaulheit liegen. Wobei ich bezweifle, dass die Mehrheit so denkt. Ein Problem der sogenannten sozialen Medien ist doch, dass jeder, der ausschliesslich aufs Stänkern aus ist, eine sehr grosse Kulisse hat. Ausserdem riskiert so jemand faktisch keine persönlichen Konsequenzen seitens derjenigen, die so jemand angreift. Es ist ein wenig… Weiterlesen »

Dussel Duck
Dussel Duck

Ich finde die Vermissten-Werbung – angesichts des tragischen Todes der Schweizer Fußballerin – schon auch sehr unglücklich und frage mich, warum das vorher niemandem aufgefallen ist. Andererseits mag ich Unterhaltung jeder Art gern mal makaber. Vielleicht hat mir (als typischem männlichen FF-Fan zwischen 50 und 60) deshalb das alte Titanic-Titelbild des ollen Rentners gefallen, auf dem Titanic-Passagiere erst gerettet werden, nur um dann vom Badewannenrand in den Tod zu stürzen. Tatsächlich stört mich an der kritisierten Natio-Werbung vor allem, dass sie langweilig ist. Ich könnte mir einigen Schwachsinn gut als Werbung vorstellen. Ein kleines Beispiel: Frau Schult und Frau Benkarth… Weiterlesen »

Fußball, F1
Fußball, F1

Das war doch echt neben der Spur. Wenn man eine Werbeaktion startet, sollte sie auf Erfolge aufbauen. Die Bundesliga stellt Spielerinnen für die Nationalmannschaft ab, richtig. Aber wenn man den Beginn der neuen Saison bewerben will, sollte man eher auf spannende oder überraschende Ereignisse der abgelaufenen Saison verweisen. Damit kann man Spannung aufbauen. Die lebt ja von der Hoffnung auf Überraschungen.

Beim DFB muß man noch sehr viel lernen. Das trifft auch auf so manchen Verein zu.