DFB-Kampagne sorgt für Unmut

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Eine am Freitag gestartete DFB-Kampagne in den Sozialen Medien zur Steigerung der Bekanntheit der Frauenfußball-Bundesliga ist gehörig nach hinten los gegangen.

Screenshot der DFB-Kampagne
Die geplante Awareness-Kampagne des DFB ging nach hinten los © Screenshot Twitter @DFB_Frauen

Mit einer als Vermisstenanzeige gestalteten Werbung, ein Schwarz-Weiß-Foto mit roter Umrandung und dem Text „Seit dem 29. Juni nicht mehr gesehen“, sollte auf das WM-Aus der Nationalelf am 29. Juni und den bevorstehenden Saisonstart in die Frauenfußball-Bundesliga am 16. August hingewiesen werden. Zudem gab es ähnliche Tweets von DFB-Nationalspielerinnen und auch die Bundesligavereine wurden in die Aktion einbezogen. Doch dafür gab es in den Sozialen Medien reichlich Kritik.

Tweet von Alex Popp © Screenshot Twitter @alexpopp11

Kritik von Bachmann und Gunnarsdóttir

Unter den prominenten Kritikerinnen befanden sich die Schweizer Nationalspielerin Ramona Bachmann (Chelsea Women) und die beim VfL Wolfsburg spielende isländische Nationalspielerin Sara Björk Gunnarsdóttir.

Bachmann stieß die Aktion vor allem wegen des ebenfalls am 29. Juni tragischen Unfalltodes ihrer Nationalelfkollegin Florijana Ismaili auf, die mehrere Tage vermisst wurde, ehe ihr lebloser Körper vom Grund des Comer Sees geborgen wurde. Und Gunnarsdóttir kritisierte, dass das DFB-Marketing hier einen falschen Weg eingeschlagen habe.

Entschuldigungen von DFB und Popp

Der DFB hat sich inzwischen entschuldigt: „Wir wollten damit auf keinen Fall Gefühle verletzen, unsensibel oder respektlos erscheinen. Sollte dies so angekommen sein, tut uns dies leid.“ Der entsprechende Tweet wurde inzwischen gelöscht. Und auch Nationalspielerin Alex Popp ruderte zurück: „Ich möchte mich persönlich vom ganzen Herzen bei allen Angehörigen und Familien für diese vermisst-aktion entschuldigen. Ich muss ganz ehrlich sagen dass ich das ganze sportlich gesehen habe und nicht über den Tellerrand hinaus gedacht habe. Es tut mir leid! Grüße Poppi“

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21 KOMMENTARE

  1. ich denke eher das man sich heut zu tage bald entschuldigen muss weil man atmet.
    irgend wer findet immer irgendwas worüber man sich aufregen kann.

  2. Na ja, ich denke mal, dass für solche PR-Kampagnen professionelle Grafikbüros beauftragt werden. Und zur professionellen Arbeit eines Grafikers gehört auch Recherchearbeit; zumal die Tatsache, dass Florijana Ismaili eben an genau dem Tag, an dem Deutschland im Viertelfinale ausgeschieden ist, als vermisst gemeldet wurde, zumindest in den Kreisen, die ein Mindestmaß an Affinität zum Frauenfußball haben, hinlänglich bekannt gewesen sein dürfte. Und normalerweise gehen die Entwürfe einer Kampagne vor deren Veröffentlichung auch nicht nur durch eine Hand.

    Unabhängig davon kann man durchaus geteilter Meinung darüber sein, ob PR-Aktionen, die per se in Bildsprache und Inhalt eben eindeutig an eine Vermisstenanzeige angelehnt sind und damit eben doch bewußt auf einen Schockmoment beim Betrachter abzielen, so glücklich sind.

    Und ja, auch ich finde diese Kampagne eben auch – und zwar unabhängig vom gewählten Datum – pietätlos und respektlos gegenüber all den Menschen und Familien, bei denen tatsächlich ein anderer Mensch spurlos verschwunden ist und vermißt wird.

  3. Finde die Entschuldigung war notwendig.
    Eine Vermisstenanzeige ist nichts, was in dem Kontext genutzt werden sollte. Jeder/Jede die mal eine solche Anzeige aufgeben mussten, können das sicherlich nachvollziehen. Alle Anderen könnten sich zumindest darum bemühen.
    Kompliment an Alex Popp für die passenden und ehrlichen Worte!

  4. Wer hat eigentlich diesen Unsinn mit diesen gerahmten schwarz-weiß-Bildern verzapft, wo man an das Schlimmste denken muss? Ich finde das geschmacklos. Wenigstens hat eine wie Alex Popp „die Eier“ – natürlich stellvertretend für den, der das entworfen hat – sich zu entschuldigen.
    Werte DFB-Marketing-Abteilung, falls hier jemand mitlesen sollte…Wenn ihr schon keine sinnvollen Aktionen planen könnt, wenn es der Wunsch sein sollte, die Spielerinnen bekannter zu machen, dann geht mit ihnen auf den Platz und macht eine Crossbar-Challenge oder ähnliches. Geht mit ihnen in den Kraftraum. Bilder aus dem Kraftraum gehen immer. Aber bitte keine „Süsse-Mäuschen (Mädel)-Fotos“. Wer auch immer das Narrativ setzen möchte, wie sich junge Nationalspielerinnen darstellen wollen/sollen/dürfen.

    Und wenn ihr es nicht könnt, dann nehmt bitte wenigstens beim USWNT oder beim ENGWNT Nachhilfe, wie es gehen könnte, dass die Spielerinnen bekannter werden.

    Aber bitte keine zaghaften Interviews wie von unserem Instagram-Hascherl Gwinn, als es nach Rapinoe befragt wurde.

    Wenn es eine Spielerin geben sollte, die sich mit den Zielen von Greta Thunberg identifiziert, dann stellt das dar. Fänd ich voll okay. Diejenige könnte ein gutes Vorbild für zahlreiche junge Mädchen sein.

    Und auch wenn wir in D keine Verbindung wie „krashlyn“ oder „Harder/Eriksson“ haben, hat der DFB immer noch Angst vor „Kampflesben“ oder hocken die entsprechenden Spielerinnen aus Angst vor negativer Rückmeldung noch im Schrank? Wenn ja, dann habt ihr was falsch gemacht, DFB-Frauenabteilung oder -Marketingabteilung. Sagt ein weißer mittelalter cis-Hetero.

    Ach..übrigens..letztgenanntes Pärchen macht jetzt bei dieser sozialen Geschichte von „common goal“ mit. Was auch breit im Guardian aufgenommen wurde.

    Aber vielleicht wollt ihr ja gar nicht soviel Aufmerksamkeit. Dann müsst ihr damit leben, so wie die Zeit halt ist.

  5. Wenn eine Platitüde wie:
    „ich denke eher das man sich heut zu tage bald entschuldigen muss weil man atmet.“,
    innerhalb von vier Stunden 30 Zustimmungen erhält, während die reflektierte Äusserung von Per Larssen bislang von zwei Dritteln negativ bewertet wird, kann etwas nicht stimmen.
    Entweder sind solche banalen kurzen Tweets, wie mittlerweilen durch Trump bekannt, auch hier bereits etabliert, oder es stimmt etwas mit dem Zählmechanismus auf womensoccer nicht?
    Wenn Per Larssens posting innerhalb kürzester Zeit hier mit Daumen runter bewertet wird, ist das ein Grund auf Negativbewertungen zukünftig hier eher stolz zu sein. Ob das im Sinne des Erfinders ist?

  6. Sehr schön geschrieben, @Zaunreiter. Ich fand das „Pferdeschwänze“-Video richtig gelungen und ungewöhnlich „cool“ für den DFB. Die „Vermissten“-Anzeige könnte aus derselben Agentur kommen, weil sie im Grunde auch einen „frechen“ Gedanken hat. Allerdings ist sie völlig geschmacklos und geradezu widerwärtig, denn es gibt zu viele Menschen in Deutschland und anderswo, die seit Jahren einen lieben Menschen vermissen. Laut einer Statistik des Bundeskriminalamts wurden Ende 2018 insgesamt 11.000 Menschen in Deutschland vermisst. Multipliziert man das mit der Anzahl von Verwandten und Freund*innen, kommt man auf eine sehr große Zahl von Betroffenen. Schön, dass Ramona und Sara Björk sich dazu deutlich geäußert haben und schön, dass Alexandra Popp nach Reflektion einsieht, dass der DFB, die Agentur und leider auch die Spielerinnen hier ein sorry, ziemlich dummes, Eigentor geschossen haben.
    Was die Paare Krieger/Harris & Eriksson/Harder betrifft, die ‚Zaunreiter‘ hier nennt: Ja, auch das fände ich toll, wenn es im deutschen Fussball ein Paar Männer (wohl unmöglich) oder Frauen (kein Problem mehr) geben würde, das sich als homosexuell outet, um auch so ein Vorbild zu sein. Allerdings kann man niemanden dazu zwingen. Pernille und Magda kam es nie in den Sinn, aus ihrer Beziehung ein „Geheimnis“ zu machen, in Schweden und Dänemark ist man da auch sicher ein großes Stück weiter.
    Und nochmal ja, es wäre toll, wenn jemand aus dem Kreis der Spielerinnen sich sozial und gesellschaftlich stark positionieren würde, wie etwa Frau Rapinoe in den USA oder Frau Fischer, Frau Seger und Frau Lindahl in Schweden. Man zieht damit sicherlich auch „hater“ und „Trolle“ an, aber es verbindet den Sport mit Werten, für die er stehen sollte. Der Zukunft zugewandt (keine Absicht) und Stolz auf sowie Toleranz für Diversität und natürlich auch Selbstbewusstsein und Gleichberechtigung.
    Ich habe mich während der WM auch etwas über die Berichterstattung der BILD-Zeitung geärgert, die schrieb, dass ‚unsere Hübscheste‘ einen ‚dreckigen Sieg‘ gegen China ermöglicht hätte. Geschickterweise hatte sich BILD hier hinter Frau Popp versteckt, die Frau Gwinn in einem anderen Interview so genannt hatte. Nilla Fischer erregte sich hier, wie ich finde, mit Recht, auf Twitter über die Objektifizierung von Frauen in der Sportberichterstattung und wurde dann leider von Frau Gwinn konterkarikiert, als diese BILD gegenüber äußerte, sie sei erfreut, so beschrieben zu werden. Seufz. Was tun, wenn es Leute gibt, die sich gerne ‚objektifizieren‘ lassen.

  7. @ Rainer
    Sehr guter Beitrag von Dir und ich stimme Dir in fast allem zu.
    Die „Bild“-Reporter sind natürlich nicht dumm und versuchen unter anderem an den Media-days, solche Äusserungen im lässigen small-talk von den Spielerinnen, insbesondere von der Kapitänin, zu bekommen. Solche Schlagzeilen, wie die zu Gwinn, lassen sich auf den Titelseiten leider gut verkaufen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Dass manche Medien daher solche Aussagen bekommen wollen, ist nicht neu. Alex Popp ist schon lange dabei und sollte so etwas schon kennen. Daher hatte ich auch Popp für diese „Vorlage“ an die Medien kritisiert. Nach besagtem Media-day, lag diese Schlagzeile mit Sicherheit schon in der Schublade um dann bei passender Gelegenheit, hier das erste WM-Tor von Gwinn, hervorgeholt zu werden. Umso mehr, hat es mich gefreut, wie Popp sich heute geäußert hat! Das Eingeständnis nicht über den Tellerand hinaus geschaut zu haben und die schnelle, ehrliche Entschuldigung, in puncto ihrer „Vermisstenanzeige“, steigern ihr Ansehen bei mir deutlich!
    G.Gwinn wurde später gefragt,wie sie die Äusserung ihrer Mitspielerin empfand. Sie hatte dann gesagt, dass sie damit von den Mitspielerinnen aufgezogen wird und sich diese einen schönen Spaß daraus machen, dass alles aber lieb gemeint sei und auch ein schönes Kompliment ist.
    Denke Gwinn hatte dabei vor allem die Grundregel, nie in der Öffentlichkeit etwas negatives über Mitspielerinnen zu sagen im Kopf und keineswegs eine Aussage von Nilla Fischer zu konterkarieren. Mit 19 Jahren haben sich Nilla Fischers Aussagen bestimmt auch noch nicht so souverän angehört. Eine gute Aussage von Gwinn war meines Erachtens nicht so einfach, ohne dass ein Konflikt zwischen Ihr und Popp hätte daraus gemacht werden können. Aber ganz klar, wäre eine Aussage wie: „Mir ist es im Moment wichtiger mich auf den Fussball und weniger auf Äusserlichkeiten zu konzentrieren!“ ein besseres Statement gewesen. Aber Giulia Gwinn kann und wird sich auch noch weiter entwickeln, auf und neben dem Platz. Alex Popp war dafür heute ein gutes Beispiel!
    Wenn man den Namen Giulia Gwinn googelt, merkt man leider bei den Angeboten zur Vervollständigung der Suche, dass die Bild-Zeitung mit Ihren Schlagzeilen einen grossen Markt bedient. Am posting oben von 14.59 Uhr, (erster Satz) merkt man ja auch hier wie beliebt einfache Sprüche bei Vielen sind.
    Evtl. ist das die Sehnsucht nach einer E wie einfachen Welt, die es jedoch wohl nur in der Werbung gibt.

  8. Nirgends sieht man mehr als in der peinlichen Marketing-Abteilung, wie sehr nicht nur der DFB, sondern auch alle Kommentatoren hier an der Realität vorbeileben bzw. in ihrer eigenen medialen Realität leben. Mag sein, dass in den Medien Greta Thunberg der letzte Schrei ist, dass jedes noch so groß vermarktete Coming Out frenetisch gefeiert wird und dass die Vermarktung „einer sozialen Geschichte“ unheimlich populär sein mag, aber das ist eben bloß die mediale Welt, nicht die Realität. Der FF ist damit keine Sportart der Mitte der Gesellschaft mehr, die sie hätte werden können, sondern ist auf dem besten Wege dazu, die neue Hipster-Sportart zu werden. Die Mehrheit der Bevölkerung, die arbeitende Bevölkerung, hat ganz andere Sorgen, als sich damit zu beschäftigen, wer gerade mit wem am Turteln ist, ob irgendwo ein kleines Mädchen die Schule schwänzt oder wer sich gerade für welche Projekt medienwirksam engagiert. All diese Dinge werden schnell als das entlarvt, das sie sind: Als PR-Gags eines Sports, der anscheinend sportlich nicht genug zu bieten hat, um beliebt zu werden.

    Ich glaube kaum, dass wir noch ein Coming Out brauchen, und ich glaube auch kaum, dass Harder/Eriksson oder Krieger/Harris auch nur irgendeinen nennenswerten Effekt auf die Beliebtheit des Sportes in ihren Heimatländern hatten. Auch wir hatten schon einmal ein medienwirksames Paar mit Bresonik/MVT/Grings, insofern waren wir da gewissermaßen schon Vorreiter.

    Was es braucht, sind echte Vorbilder. Sportlerinnen, die nicht in ihrer eigenen Schicki-Micki-Realität leben, sondern Fannähe ausstrahlen und v.a. bodenständig sind. Spielerinnen wie Rapinoe beispielsweise verkörpern das Gegenteil. Das mag in manchen Regionen der USA Erfolg haben, für Deutschland bin ich da skeptisch.

    […] Will der DFB wirklich was für sein Image tun, will er wirklich die einfachen Frauen in der Gesellschaft erreichen, die sich nicht um all diese Medienhypes scheren, sondern die ganz einfach bodenständige, heterosexuelle Frauen sind, die gerne Fußball spielen, dann gibt es genau eine Maßnahme, die nachhaltig das Ansehen steigern würden:
    Der DFB sollte endlich dafür sorgen, dass eine Schwangerschaft nicht mehr das Ende der Karriere bedeutet. Nicht jede Frau möchte erst mit 30 oder 35 Kinder bekommen. Der Unterschied zwischen Deutschland und Amerika ist, dass wir Lira Alushi und Celia Sasic haben und die USA eine Christie Rampone. Bei uns beendet zwei der größten Talente, die der deutsche Fußball in den letzten 15 Jahren hatte, mit Mitte 20 ihre Karriere, während dort mit Christie Rampone eine zweifache Mutter mit 37 Jahren Olympiasiegerin und mit 40 Jahren Weltmeisterin wird.

    Ein weiteres Coming Out nach Ursula Holl, Sonja Fuß, Inka Grings, Kim Kulig, Steffi Jones, Isabel Kershowski u.v.m. ist doch nichts mehr weiter als eine Fußnote auf eine never ending-story. Revolutionär wird es dann, wenn irgendwann tatsächlich eine heterosexuelle Mutter, verheiratet mit einem Mann, von dem sie ein Kind auf ganz natürlichem Wege geboren hat, in der deutschen Nationalmannschaft spielt. Wenn wir soweit sind, dann haben wir auch endlich was zum Vermarkten. Dann braucht man nicht mehr peinliche PR-Gags, sondern dann hat man genug Material, was die Leute faszinieren wird: Endlich keine Schicki-Micki-Tanten mehr, keine PR-Püppchen, sondern einfach eine aus den Reihen der ganz normalen arbeitenden bodenständigen Bevölkerung, die aus nichts weiter als aus der Freude zum Fußball spielt.

    Für eine solche Identifikation sehe ich aktuell keine Spielerin, die sich dafür anbietet. Zumal ich glaube nicht einmal in der Bundesliga eine Mutter aktiv ist, vermutlich nicht einmal unter den Schiedsrichterinnen noch den Trainerinnen.

    Überall wird von Vereinbarkeit von Familie und Beruf geredet, doch in einer der Bastionen, die für die Frauenrechte kämpft, gilt nach wie vor: Kind oder Karriere!

    Dieser Beitrag wurde den Womensoccer-Leitlinien entsprechend editiert. Die editierten Stellen wurden mit Auslassungszeichen […] versehen.

  9. Es wurde versucht eine provokative und damit auffallende Werbung für den Beginn der Bundesliga zu machen. Das ging aufgrund eines unglücklichen und traurigen Umstandes, der sich während der Fertigstellung bei den Beteiligten wohl aufgrund der Begeisterung für die eigene Idee nicht bewusst in den Köpfen befand, gründlich in die Hose.

    Inzwischen entschuldigten sie alle Beteiligten ausgesprochen glaubwürdig, so dass dieser Teil erledigt sein sollte – wer meint so etwas könne ihm nicht passieren, der werfe den ersten Stein.

    Ob man solch grenzwertig provozierenden Sachen machen darf? – „Satire darf alles“ sagte 1919 Kurt Tucholsky. Ich liege seitens meines Geburtsdatums deutlich näher an der Zeit dieses Ausspruchs, als an der Gegenwart und tendiere wohl deshalb dazu, so etwas als unproblematisch zu beurteilen. Ich möchte aber, da ich bezüglich vieler Denkwelten aus einer anderen Zeit komme, meine Vorstellungen nicht als Massstab für Jüngere ansetzen (wir fanden auch die Titanic-Erstausgabe völlig akzeptabel – http://www.titanic-magazin.de/fileadmin/_migrated/pics/card_2003614599.jpg).

    Was mich an vielen der Beiträge hier allerdings wirklich stört ist die Kritik bezüglich des des Verhaltens von Spielerinnen. Wenn mich jemand nach meiner sexuellen Orientierung fragt, gibt es darauf nur eine Antwort: „Das geht dich einen Sch…dr… an“. Und das ist meines Erachtens auch die einzig akzeptable Antwort an Leute, die mein Privatleben nichts angeht.

    Ebenso ist es einzig die Sache von Frau Gwinn, wie sie sich privat in der Öffentlichkeit präsentiert.

    Was sollen denn bitte solche Sachen inhaltlich mit der Rolle als Fussballspielerin zu tun haben?

  10. @Rentner: Schön, dass du uns noch einmal an die Quelle dieses Ausspruches erinnerst. Nicht lange nach dem Satz: „Satire darf alles“ gab es eine Zeit, in der viele auch meinten, alles zu dürfen, nach dem Motto: Der Zweck heiligt die Mittel. Hängt das unter Umständen zusammen? Hat die Satire mit ihrer Enthemmung und Radikalisierung womöglich sogar Hass und Menschenverachtung in den Köpfen der Menschen gesät? Ich wäre da vorsichtig. Die Frage ist, ob der 1. Artikel des Grundgesetzes auch für die Satire gilt, oder ob sie sich auch darüber hinwegsetzen darf.

    Eine andere Sache ist die Trennung zwischen Öffentlichkeit und Privatleben, die du vornimmst. „Wie sie sich privat in der Öffentlichkeit präsentiert“, ist meines Erachtens ein Oxymoron. Etwas ist entweder Privat, dann ist es nicht öffentlich, oder etwas geschieht in der Öffentlichkeit, dann ist es nicht privat. Man kann sich nicht „privat“ in der Öffentlichkeit präsentieren.

    Gerade, was hier passiert ist um Gwinn, zeigt, dass die Spielerinnen jegliche natürliche Distanz zu den Medien verloren haben. Das sollte dem DFB mal zu denken geben, wie er seine Spielerinnen diese Distanz zurückbringt, damit sie eben nicht am „Media-Day“ im Smalltalk solche Fehler machen, sondern den Medien auch mal die kalte Schulter zeigen bzw. die Kontrolle darüber behalten, was sie preisgeben.

  11. @ oller Rentner
    Auch Dir stimme ich in vielem zu.

    Wieviel jemand von seinem Privatleben in der Öffentichkeit preisgibt, sehe ich auch absolut als Pivatsache.
    Wenn jemand aber Privates in der Öffentlichkeit präsentiert, ist dies allerdings nicht mehr privat, sondern wie es das Wort schon sagt öffentlich. Eigentlich logisch!
    Du kannst Jeden erfolgreich verklagen, der Dein Privatleben öffentlich macht. Wenn Du dies aber selbst tust, darfst Du Dich nicht wundern, wenn sich Andere dazu äussern. Vollkommen normal und legitim! Auch wenn jemand darüber schreibt was er/sie in seinem Intimleben so treibt, ist mir das zwar völlig egal, aber intim ist das dann nicht mehr, sondern öffentlich. Wer Lust hat kann und darf sich dazu natürlich auch äußern.

  12. @holly
    Wenn ich den Kommentar von 14:59 lese (das Wort Kommentar ist für die zwei Sätze schon zu viel Ehre) und sehe, wieviel Zustimmung er erfährt, frage ich mich, ob es sich noch lohnt, in diesem Forum etwas zu lesen oder beizutragen.

  13. Ich muss hier nochmal darlegen, wie Narrative geschrieben werden, bezogen auf diese „Awareness-Kampagne“ des DFB. Da muss doch jemand an seinem Schreibtisch gesessen haben und wollte die „Flyer-Alarm-Bundesliga“ in das „Bewusstsein“ der Menschen rücken. Das ist nach hinten losgegangen.
    Ich greife zurück auf die Spielerinnen des USWNT, Spielerinnen und Trainer der NSWL, die alle nach dem WM-Sieg Werbung für die NWSL machten und ihre Fans aufforderten, sie weiterhin dort zu unterstützen. Von deutschen Spielerinnen hab ich da bisher nichts gehört, da kommen immer nur Krümel vom DFB in den sozialen Medien. Die Spielerinnen sind noch geistig im Urlaub oder in der Vorbereitung. Da poste ich mal ein Bikini-Foto auf Instagram weniger aber dafür mache ich dann Werbung für das erste Saisonspiel der Bundesliga.

    @Rainer: Du hast die Feststellung machen müssen, dass es Leute gibt, die sich gern „objektifizieren“ zu lassen. Vielleicht erinnerst du dich an die Spielerinnen, die sich vor 2011 vom „playboy“ in Dessous haben fotografieren lassen. Was ist aus ihnen geworden? Wenn, dann haben sie Titel nur von der Bank aus gewonnen.

    @Fan2: Noch ein Narrativ, welcher geändert gehört. Hier hören Frauen mit Mitte 20 auf, weil sie Kinder haben wollen. In den USA werden sie mit Ü25 (Rodriguez), Ü30 (Boxx) und Ü40 (Rampone) Weltmeisterin. Oder dieses Jahr Jessica McDonald (31).

    Und Nein, der Fußbal von Frauen ist keine Hipster-Sportart. Mit einem Power-Couple wie Julie und Zach Ertz wäre ich voll zufrieden.

    Damit Kinder und Jugendliche sich inspirieren lassen, brauchen sie Vorbilder. Das Vorbild von Carina Vogt war Sven Hannawald. Wieviele Kinder haben durch Becker und Graf mit Tennis angefangen?
    Wieviele Mädchen träumen nach dem 2:0 von Lavelle im Endspiel von eben solch einem Tor?
    Wieviele Mädchen denken sich bei „she plays like a girl“ an Ertz, Lavelle, Zerboni, Rapinoe.
    Ich hab hier vor kurzem Lavelle als „Straßenköter“ bezeichnet. Das ist für mich ein Prädikat, weil sie eine Instinktfußballerin ist, ebenso wie Tobin Heath.
    Die Weltmeisterinnen von 15 und jetzt 19 haben sich von den „99ers“ inspirieren lassen. Künftige US-Weltmeisterinnen wurden durch die jetzigen inspiriert, für ihren Lieblingssport alles zu geben.

  14. Der Satz „Satire darf alles“ ist selbstverständlich selbst eine satirische Übertreibung, nur müssen halt jeweils die Grenzen ausgelotet werden, und diese ändern sich im Laufe der Zeit, wie ich als jemand knapp unter 70 bestätigen kann.

    „Privat in der Öffentlichkeit äussern“ war vielleicht doppeldeutig. Ich meinte mit „privat“, dass jemand sich nicht im Rahmen einer Rolle äussert. Wenn ich mich in diesem Sinne „privat“ in einem technischen Forum bezüglich einer mich interessierenden Sache äussere, dann wird sich diese Äusserung selbstverständlich von einer unterschieden, die ich als freier Mitarbeiter im Auftrag einer Firma von mir gebe, weil ich in diesem Fall „den Firmenhut“ auf habe und im Rahmen meiner Rolle deren Interessen als übergeordnete Priorität verfolgen muss (oder aber ich muss den Auftrag ablehnen).

    Wenn sich also eine Fussballspielerin nicht im Rahmen ihres Vereins oder eines Nationalteams äussert, dann ist das ohne Einschränkung ihre Sache. Sollten die Äusserungen irgend welchen Statuten widersprechen, dann könnte das wohl zu disziplinarischen Massnahmen führen, aber der Fall ist ja wohl keinesfalls gegeben.

    Wenn man etwas freiwillig öffentlich äussert muss man selbstverständlich mit den Konsequenzen umgehen können oder gegebenenfalls Anwälte um Unterstützung bitten, aber das ist ja klar und stand eigentlich auch nicht zur Debatte.

    Inwieweit heute junge Menschen, die aufgrund ihrer Aktivitäten eventuell weltweit in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, diesbezüglich geschult werden sollten, kann ich nicht beurteilen. Zu meiner Jugendzeit Ende der 1950er bis Anfang der 1970er Jahre im damaligen West-Berlin gab es das Problem mangels technischer Möglichkeiten überhaupt nicht (viele hatten ja nicht einmal ein Festnetztelefon).

    Im beruflichen Alltag lernte man dann den Umgang mit Presse und anderen Medien im Laufe der Zeit, aber es waren halt ganz andere Randbedingungen. Das merke ich schon daran, dass es mich mit Sicherheit nicht interessieren würde, wenn wegen meiner ein sogenannter „Shitstorm“ ausbrechen würde. Das ist eine Kommunikationswelt zu der ich nicht gehöre.

  15. @Zaunreiter: Ganz meine Rede. Nur dass deutsche Mädchen sich kaum durch US-Spielerinnen inspirieren lassen werden.
    Das Narrativ gehört geändert, hier ist der DFB in der Pflicht. Aber ich vermute, dass es noch 20 Jahre dauern wird, bis in Deutschland eine Mutter Fußball spielt, zumindest in der N11. Denn ja, in Deutschland ist der FF eine Hipstersportart, oder auf dem besten Weg dahin. Das kommt nicht zuletzt durch die unverhältnismäßigen Gehälter, die im FF gezahlt werden, wobei noch suggeriert wird, der FF habe ein Recht auf bestimmte Gehälter. Gehts noch? Jedes Gehalt will hart erarbeitet sein. Das ist eine Realität, die den meisten der Frauen vermutlich gänzlich fremd ist. Echte Probleme gibt es in der heilen Welt nicht…

    @ollerrentner: Ich glaube kaum, dass heute noch jemand weiß, dass der Satz: „Satire darf alles“, noch in irgendeiner Weise satirisch gemeint ist. Er ist viel mehr als ungeschriebenes Gesetz, ja Recht wahrgenommen.

  16. *Memo an mich selbst* Weniger von US-Nationalspielerinnen schwärmen. Dafür dann mehr deutsche Nationalspielerinnen loben, dass sie auch mal schöne Bikini-Fotos gemacht haben.

    Wobei ich es ja bevorzugen würde, wie einst Udo Bölts am Col de Hundsrück der einen oder anderen Spielerin das zuzurufen, was er dem Jan Ullrich entgegenschleuderte.

  17. Fan2: „@ollerrentner: Ich glaube kaum, dass heute noch jemand weiß, dass der Satz: „Satire darf alles“, noch in irgendeiner Weise satirisch gemeint ist. Er ist viel mehr als ungeschriebenes Gesetz, ja Recht wahrgenommen.“.

    Wenn das so sein sollte, dann ist das aber nicht Schuld des Satzes, sondern dürfte an einer oberflächlichen Denkfaulheit liegen.

    Wobei ich bezweifle, dass die Mehrheit so denkt.

    Ein Problem der sogenannten sozialen Medien ist doch, dass jeder, der ausschliesslich aufs Stänkern aus ist, eine sehr grosse Kulisse hat. Ausserdem riskiert so jemand faktisch keine persönlichen Konsequenzen seitens derjenigen, die so jemand angreift.

    Es ist ein wenig wie in den (West-)Berliner Kneipen früherer Zeiten, in denen sich praktisch immer jemand aufhielt, der, aus welchen Beweggründen auch immer, herumstänkern wollte. Es gab damals mehrere tausend Kneipen in Berlin, also waren an mehreren tausend Orten einzelne Stänkerer.

    Auf heute übertragen kann man sich all diese Kneipen über Mikrofone und Lautsprecher vernetzt vorstellen. Dann würde man praktisch nur noch ein paar tausend derartige Personen hören, aber vom Rest kaum etwas wahrnehmen, weil der auch leiser ist.

    Wir Menschen sind nicht gut in der Beurteilung statistischer Masseneffekte und orientieren uns offensichtlich meist am absolut Wahrnehmbaren, denn an den relativen Verhältnissen.

  18. Ich finde die Vermissten-Werbung – angesichts des tragischen Todes der Schweizer Fußballerin – schon auch sehr unglücklich und frage mich, warum das vorher niemandem aufgefallen ist.
    Andererseits mag ich Unterhaltung jeder Art gern mal makaber. Vielleicht hat mir (als typischem männlichen FF-Fan zwischen 50 und 60) deshalb das alte Titanic-Titelbild des ollen Rentners gefallen, auf dem Titanic-Passagiere erst gerettet werden, nur um dann vom Badewannenrand in den Tod zu stürzen.
    Tatsächlich stört mich an der kritisierten Natio-Werbung vor allem, dass sie langweilig ist. Ich könnte mir einigen Schwachsinn gut als Werbung vorstellen. Ein kleines Beispiel: Frau Schult und Frau Benkarth betätigen sich als Attentäter, die sämtliche bekannten männlichen Keeper ausschalten, um den Frauenfußball mangels Männerspielen ins Fernsehen zu bringen. Mögliche Vorgehensweisen wären zum Beispiel vergiftete Cocktails, die etwa Manuel Neuer grüne Punkte ins Gesicht zaubern und ihn zum lallenden Tipp-Kick-Idioten machen. Ich hätte aber auch nichts gegen Autobomben, die Marc-André ter Stegen leicht angekokelt in die nächste Baumkrone befördern. Ich weiß, ich weiß, jeden Tag wird irgendwo auf der Welt ein Mensch per Autobombe ermordet, aber soll ich deshalb auf effektive Werbung verzichten? … NEE!
    Natürlich sollte man immer nachdenken, bevor man gewagte Werbung einsetzt, aber wenn wir immer die Schere im Kopf haben, wird Werbung bald so langweilig sein wie das durchschnittliche Fußballerinneninterview.
    (Nur meine Meinung, jeder kann das anders sehen.)

  19. Das war doch echt neben der Spur. Wenn man eine Werbeaktion startet, sollte sie auf Erfolge aufbauen. Die Bundesliga stellt Spielerinnen für die Nationalmannschaft ab, richtig. Aber wenn man den Beginn der neuen Saison bewerben will, sollte man eher auf spannende oder überraschende Ereignisse der abgelaufenen Saison verweisen. Damit kann man Spannung aufbauen. Die lebt ja von der Hoffnung auf Überraschungen.

    Beim DFB muß man noch sehr viel lernen. Das trifft auch auf so manchen Verein zu.

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