Die Musik spielt gerade anderswo

Von am 30. Juni 2019 – 11.39 Uhr 60 Kommentare

Die deutsche Frauenfußball-Nationalelf ist zum zweiten Mal in Folge nach der EURO 2017 im Viertelfinale eines großen Turniers gegen ein skandinavisches Team ausgeschieden. Ein Abwärtstrend mit Gründen, dem es in den kommenden Jahren Einhalt zu gebieten gilt.

Enttäuschte DFB-Spielerinnen nach dem WM-Aus in Frankreich

Ernüchterung: Wie bei der EM 2017 war auch bei der WM 2019 im Viertelfinale Endstation © imago/HMB-Media

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Als Carolin Simon die Gefahr erkannte, war es bereits zu spät: Schwedens Innenverteidigerin Linda Sembrant hatte, in einer Mischung aus Befreiungsschlag und Kalkül, einen 50-Meter-Ball nach vorne gedroschen und während Stürmerin Sofia Jakobsson die sich anbahnende Chance blitzschnell erfasste und frühzeitig zum Sprint ansetzte, reagierte die deutsche Außenverteidigerin erst mit Verzögerung und verschaffte ihrer Gegenspielerin damit die entscheidenden Meter Vorsprung. Marina Hegering misslang zudem noch der Versuch, den Ball per Kopf zu klären und auch Sara Doorsoun war zu weit aufgerückt, um die in den vergangenen fünf Jahren im französischen Montpellier gereifte schlaksige schwedische Offensivkraft noch zu stoppen und am Ausgleich zu hindern.

Gegentor als Wendepunkt

Der erste Gegentreffer für die DFB-Frauen in der ersten Halbzeit eines WM-Spiels seit Schwedens Führungstreffer im WM-Finale 2003 durch Hanna Ljungberg, verfehlte seine Wirkung nicht und war der Wendepunkt. Bis dahin hatte die DFB-Elf mit der spielfreudigsten Leistung des Turniers und der taktischen Entscheidung, Kapitänin Alex Popp statt in der Offensive auf der Doppel-Sechs einzusetzen und auf Dzsenifer Marozsán in der Startformation zu verzichten, den Gegner überraschen können.

Mal wieder kein Plan B

Der Rest des Spiels ist schnell erzählt: Deutschland verlor nach dem Wirkungstreffer komplett die Linie und spätestens nach Schwedens frühem Führungstor durch Stina Blackstenius anfangs der zweiten Halbzeit war die Leistung der DFB-Frauen ähnlich desillusionierend, wie in der zweiten Halbzeit des verlorenen EM-Viertelfinales gegen Dänemark zwei Jahre zuvor in Rotterdam. Und auch die eine Viertelstunde vor Schluss zur Coaching Break umfunktionierte Cooling Break konnte in der Hitze von Rennes in Ermangelung eines Plan B für keine Impulse mehr sorgen.

Marozsán-Einsatz: Gezockt, aber verloren

Sicherlich lassen sich einige taktische Entscheidungen von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg und Co-Trainerin Britta Carlson hinterfragen: War es sinnvoll, in der zweiten Halbzeit Dzsenifer Marozsán einzusetzen? Der an einem Zehenbruch laborierenden deutschen Spielführerin hatte Voss-Tecklenburg am Vortag noch Spielfähigkeit attestiert. Doch Marozsáns Körpersprache war schon in den ersten Minuten ihres Einsatzes anzusehen, dass hier eine Spielerin auf dem Platz stand, die weder physisch noch mental für die Anforderungen eines K.-o.-Spiels bei einer WM hundertprozentig bereit war. Doch offenbar überwog im Trainerinnenteam die Hoffnung auf den einen Geniestreich. Der wäre bei einem Freistoß in der Schlussphase auch fast gelungen, als Alex Popp zum Kopfball hochstieg, aber von Schwedens Torhüterin Hedvig Lindahl weggecheckt wurde. Ein elfmeterwürdiges Vergehen, hätten nicht die Hüter des heiligen VAR in Paris dank millimetergenauer Kalibrierungslinien vor dem Foul eine Abseitsstellung von Lina Magull ausgemacht.

Zu wenig Erfahrung

Ausgerechnet der erst 17-jährigen Lena Oberdorf trug man im Verlauf der zweiten Halbzeit die Bürde auf, das Ruder noch herumzureißen. Eine ähnliche Entscheidung von Silvia Neid, im WM-Viertelfinale 2011 gegen Japan die junge Alex Popp ins Getümmel zu werfen, hatte schon damals seine Wirkung verfehlt. Erfahrene Spielerinnen, wie Lena Goeßling und Melanie Leupolz, mussten auf der Bank schmoren oder wurden, wie im Falle von Babett Peter oder Simone Laudehr erst gar nicht mit zur WM genommen. Dabei hätte dem Team ein wenig mehr Erfahrung gegen einen kompakten und effizienten, aber keineswegs überragenden und unbezwingbaren Gegner sicherlich gutgetan. Allen voran in der Defensive, die gleich am ersten torgefährlichen Gegner im Turnier zerbrach.

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Deutschland scheitert im WM-Viertelfinale
Die Weltspitze ist enteilt

Doch unabhängig von einzelnen spieltaktischen und personellen Entscheidungen hat die deutsche Mannschaft in den vergangenen Jahren den Kontakt zur absoluten Weltspitze verloren, auch wenn Weltrangliste, die teils glücklichen Siege der Vorrunde ohne Gegentreffer und einzelne erfolgreiche Testspiele im Vorfeld der WM dies zu kaschieren vermögen. Wer tags zuvor das rasante Duell zwischen Gastgeber Frankreich und den USA verfolgt hat, den Kombinationsfußball Japans gegen die Niederlande bewundern durfte und auch sah, wie England mit überfallartigen Tempovorstößen ein keineswegs schwaches Norwegen aus dem Turnier warf, muss konstatieren, dass Deutschland von diesem Niveau derzeit ein ganzes Stück weit entfernt ist und auf Voss-Tecklenburg in den kommenden Jahren viel Arbeit wartet.

Glückliche Erfolge kaschieren Defizite

Denn gegenüber den Top-Nationen gilt es Defizite in Technik, Taktik und Athletik gleichermaßen wett zu machen. Zu oft waren leichte Abspielfehler, ein ungenaues Passspiel, aber auch läuferische Defizite, mangelndes Zweikampfverhalten und fehlende Gedankenschnelligkeit zu beobachten. Defizite, die sich bereits seit mehreren Jahren angehäuft haben, aber durch die eher glücklichen Titelgewinne wie den EM-Titel 2013 in Schweden und dem Olympia-Gold 2016 in Rio überdeckt wurden. Zudem treiben andere Länder, wie England oder Spanien, die Entwicklung des Frauenfußballs inzwischen mit Entschlossenheit und Ernsthaftigkeit voran. Der Einstieg großer, finanzkräftiger Sponsoren sowie das Engagement von Real Madrid werden die Frauenfußball-Landschaft der kommenden Jahre verändern.

Strategien entwickeln, individuelle Klasse fördern

Hier gilt es, Defizite zu bekämpfen und zu beheben und auch in Deutschland von Seiten des DFB Strategien und Konzepte zu entwickeln, um nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten. So hat etwa der spanische Fußballverband unlängst angekündigt, 20 Milionen Euro in den Frauenfußball zu investieren. Aber nicht nur der DFB, sondern auch die Vereine sind gefragt, Strukturen zu optimieren und die Rahmenbedingungen für die Spielerinnen weiter zu verbessern. Zudem sollte in der Ausbildung der Spielerinnen wieder mehr Wert auf individuelle Klasse statt auf Flexibilität gelegt werden. Eine Weltklassespielerin auf einer Position bringt mehr als eine Spielerin, die auf vielen Positionen gut, aber nicht herausragend ist. Es ist kein Zufall, dass in den kommenden Tagen Spielerinnen wie Megan Rapinoe, Vivianne Miedema oder Lucy Bronze die Schlagzeilen bestimmen werden.

Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

60 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    @NaviDrH ,
    Danke für den Link zu diesem interessanten Artikel!!!
    Da werden endlich einmal Roß und Reiter genannt, und sogar ein Schuß Selbstkritik von Seiten eines Medienvertreters gibts gratis dazu!!!

    So etwas habe ich bisher noch nirgends gehört oder gelesen!!!
    Andeutungen zum Thema „minimales Medieninteresse am FF“…..in ARD und ZDF blieben sie sehr zaghaft……natürlich, wer hat nochmal die Rechte an der Bundesliga, und zeigt aber so gut wie nix davon???

    Die Hauptschuld an der momentanen Situation des FF in diesem Land liegt aber eindeutig beim Dachverband!!!
    Darüber rede und schreibe ich schon seit 15 Jahren, und es ist kaum besser geworden, eher noch schlechter!!!
    Da will man doch angeblich seit ein paar Jahren die höchste Spielklasse der Frauen, an die 3. Liga der Herren koppeln!!!
    Und…warum gibts für die Frauen dann nicht die selbe Medienpräsenz……und warum gibts nicht die selben TV-Gelder…..die selben Zuschüsse wie die drittklassigen Herren???

    Wo ist die Hilfe des DFB , gerade für die Klubs ohne Profiabteilung??? (die anderen haben ja zumindest theoretisch mehrere Plattformen im eigenen Klub)
    Oder achso, naja, die will man ja wahrscheinlich sowieso nicht mehr haben!!!
    Obwohl, naja, der Hotte Hrubesch hat doch tatsächlich mal beim Besuch in Potsdam geschwärmt, daß man solche Vereine wie TURBINE schon brauchen kann……..naja wenigstens zum Talente ausbilden!!!
    Aber welche Argumente sollen denn Teams wie Essen, Sand, Jena oder Potsdam bei den Sponsorengesprächen vorbringen, gerade wenn es zum Thema Öffentlichkeitswirksamkeit geht???
    TV….nee, gibts nicht, naja manchmal,….Internetstream vom DFB…wie, kennt Ihr nicht…naja,meist in schlechter Qualität und mit schlechten Kommentatoren!!!
    Das sind SUPER-Argumente, um alte Sponsoren zu halten, bzw neue zu gewinnen!!!

    Aber der letzte Satz ist tatsächlich der deutlichste Beweis dafür, wie stark das Interesse des DFB an seinem „Flaggschiff des FF“ wirklich ist!!!
    Man könnte ihn noch ergänzen……und wer Bundesligaspiele am Mittwoch-, oder am 3. Advent ansetzt, obwohl es in den allermeisten Stadien keine Rasenheizung (deren Betrieb sich auch kaum ein Verein leisten könnte), und oft auch kein Flutlicht gibt, der will auch keine Zuschauer im Stadion haben!!!
    FF unter Ausschluß der Öffentlichkeit….ein probates Mittel des DFB seit sehr vielen Jahren!!!

    PS;
    Hoffentlich setzt sich der Schreiber dieses Artikels auch persönlich dafür ein, daß der FF (und besonders der ungeliebte Buli-Alltag) in seiner Redaktion in Zukunft öfter thematisiert wird, und so hoffentlich auch in Print- oder Onlineausgabe auftauchen!!!

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  • Bernd sagt:

    @ Balea

    Was einmal war, hat für die Zukunft leider nur noch geringe Bedeutung. Früher gab es überall Tante EMMA-Läden, überall eine Post und einen Bahnhof. Leider gibt es in unserem Ort kein Tante Emma-Laden mehr, weil sie nicht mehr konkurrenzfähig waren.
    An dem blöden Spruch, „Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit“!, ist viel Wahres dran. Schau mal in welchen Vereinen, die hier so gelobte Entwicklung im Ausland vonstatten geht. Reine Frauenfussballvereine, Fehlanzeige! Bei allen Verdiensten, wird das Überleben für reine Frauenfussballteams immer schwerer.
    Da helfen keine nostalgischen Gedanken, sondern nur klare Überlegungen zu Zukunftsperspektiven!

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  • ollerRentner sagt:

    @fufbal van: Ich halte das Problem des Nachwuchsmangels für deutlich gravierender, als das der Zuschauerzahlen.

    Die Öffentlichkeitsarbeit bezüglich Zuschauergewinn ist ja schön und gut. Wenn man aber stattdessen alles daran setzen würde, dass der Sport im Schulbereich mehr Fuss fasst, und dass die Eltern und Kinder angesprochen und unterstützt werden, hätte man nach einiger Zeit nicht nur eine breitere Basis, sondern wohl als Nebeneffekt auch mehr Zuschauer.

    In Anbetracht der offensichtlichen Tatsache, dass immer mehr Vereine ihre Mädchenbereiche mangels Spielerinnen schliessen müssen, muss so etwas höchste Priorität haben.

    Ob wir Zuschauer kurzfristig darüber glücklich sind, sollte erst einmal unwichtig sein.

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  • Rudi sagt:

    @Bernd,
    kleiner Widerspruch von mir. Ich gebe der Trainerin schon die Mitschuld an der Niederlage gegen Schweden. Das zu weite Aufrücken der Innenverteidiger war ja nicht zum ersten Mal gegen Schweden sichtbar, sondern in fast jedem Spiel vorher auch. Da hat MVT genügend Zeit gehabt dies abzustellen. Was du unter mentalem Problem verstehst, das musst du mir erklären. Ja, und das Spiel gegen Nigeria soll besser gewesen sein? Also, für mich waren die ersten 20 Minuten gegen Schweden das Beste was unsere Elf spielerisch bei dieser WM gezeigt hat. Was die Berichterstattung betrifft, es ist doch positiv wenn ein Markus Juchem mit seinem Hauptkommentar die Finger in die Wunden legt. Jetzt stell dir mal vor unsere Natio wäre vielleicht noch mit diesen gezeigten spielerischen Leistungen zumindest ins Halbfinale gekommen. Dann würden sich vielleicht nur ein paar einzelne Kritiker hier finden.Denen würde hier im Forum von mehreren sogenannten „Experten“ vorgeworfen, „was wollt ihr eigentlich das Minimalziel wurde doch erreicht“. Exakt wie nach OLympia 2016, da hat auch der Dusel-Finalsieg gegen Schweden die Probleme ausgeblendet.Diese Niederlage hat vielleicht auch was Positives und zwar wird mal durch die Medien mal Druck auf den DFB ausgeübt und der Frauenfußball in Deutschland wird viel stärker vom DFB gefördert. Deutschland hat bei dieser WM von Anfang an schon Einiges an Glück gehabt und irgendwann ist es damit halt vorbei. Man hat bis zum Achtelfinale eigentlich von der Weltrangliste her nur gegen Zweit- und drittklassige Gegner gespielt, auch Spanien wird m. E. weit überschätzt, und da schon große Mühe gehabt die Spiele zu gewinnen. Ich war da schon überzeugt dass es gegen den ersten schwereren Gegner zu großen Problemen kommt,auch zum Ausscheiden aus dem Turnier.

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  • bundle sagt:

    So wenig tut der DFB ja nicht für den weiblichen Nachwuchs: in den für die Nachwuchsförderung so wichtigen DFB-Stützpunkten werden gleich viele Jungs wie Mädchen trainiert, obwohl die Zahl der kickenden Mädchen im Verhältnis zu den Jungs deutlich geringer ist. Das lässt sich der DFB schon etwas kosten. Ein Riesenfehler war allerdings die Abschaffung der eingleisigen 2. Bundesliga, denn 15-17-jährige Schülerinnen müssen jetzt extrem weite Fahrten zu Auswärtsspielen in Kauf nehmen. Hier wurde auch viel zu viel Rücksicht auf die zweiten Mannschaften der großen Vereine genommen, die diese Reisetätigkeit finanziell leicht stemmen können. Die Krux ist einfach: Eine hochveranlagte junge Spielerin überlegt es sich dreimal, sich auf den Fussball zu konzentrieren, denn die Summen, die Vereine im mittleren Tabellendrittel zahlen können, sind lächerlich gering und bei den mit internationalen Stars gespickten Mannschaften wie WOB etc. haben sie sowieso keine Chance. Es wird sich also auf absehbare Zeit nichts ändern. Der Markt ist einfach nicht da und der DFB kann auch nicht alles stemmen.

    (5) 9 Gesamt – 7 hoch – 2 runter
  • Karina sagt:

    Es ist tatsächlich ein Grundsatzproblem was wir hier in Deutschland haben. Ich bin selbst aktive Spielerin und zugleich Spielausschuss für den Bereich Frauen in unserem Verein und dabei im erweiterten Vorstand. Während unserer Herrenmannschaft das Geld „in den Rachen gestopft“ wird müssen wir sogar um einen neuen Trikotsatz verhandeln (und das obwohl ein Sponsor den Löwenteil übernimmt). Grundsätzlich sind wir zwar geduldet, aber wirklich gefördert werden wir auch nicht. Wir sind halt da. Das Übel beginnt also leider schon hier und nur durch engagierte Eltern und Ehrenamtliche läuft der Bereich Frauen- und Mädchenfussball im Amateurbereich doch überhaupt noch. Aber wenn es keine starke Basis gibt – wie soll sich da eine Spitzengruppe formen? Im Frauenbereich muss man sich alles durch harte Arbeit erkämpfen, wir spielen nicht für Geld, wir spielen weil wir den Sport lieben, aber müssen trotzdem den Aufwand wie jeder männliche Fussballer betreiben um erfolgreich zu sein. Die bekommen aber teilweise in den untersten Ligen schon Summen die einfach nicht gerechtfertigt sind. Für einen Tag des Mädchenfussballs muss man sich erst bewerben damit man einen Zuschuss erhält. Es gibt so viele Punkte die man jetzt aufzählen könnte wo Verbände und Vereine einfach die Hände in den Schoß legen und sagen: Macht mal selbst! Erst wenn hier vom Grundsatz ein Umdenken erfolgt und die Basis gestärkt wird und dadurch mehr Spielermaterial entsteht (das man dann auch professionell ausbilden kann), wird die sinkende Tendenz gestoppt. Oder wie viele Mädchen kennt ihr (noch) die als Berufswunsch Fussballprofi angeben?

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  • ollerRentner sagt:

    Rudi sagt: Ich gebe der Trainerin schon die Mitschuld an der Niederlage gegen Schweden.

    Es gab meines Erachtens genau einen kleinen Fehler, der fatale Auswirkung hatte: Sie wollte die Defizite der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit durch ein Krativelement für die Offensive (Dzsenifer Marozsán) ausgleichen.

    Dabei übersah sie offensichtlich, dass eine defensiv kampfstarke und offensiv passfähige Doppelsechs völlig ausgereicht hätte, samt der Massnahme, dass Alexandra Popp in die Sturmspitze geht.

    Vielleicht hat sie einfach den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen.

    Eine derartige Änderung zur Pause hätte wohl für dieses Spiel ausgereicht. Wäre es in die Verlängerung gegangen hätte sie immer noch eine Kreativspielerin ersetzen können. Diese halbe Stunde hätte Dzsenifer Marozsán dann mit Sicherheit durchgehalten, zumal sie eine kampfstarke Absicherung durch die Doppelsechs gehabt hätte. Sie müsste in solch einem Fall nicht in riskante Zweikämpfe gehen, was mit der Verletzung problematisch gewesen wären.

    Eine kleine Fehleinschätzung mit grosser Wirkung.

    (9) 13 Gesamt – 11 hoch – 2 runter
  • balea sagt:

    Danke @Karina für den Bericht aus der Praxis. Im Grunde zielte ich darauf mit meinem Einwand, dass es eben entscheidend sei wird, eigene FF – Iniatitiven zu fördern und stärken, und nicht alles vom bereits vorhandenen MF – Geld abhängig zu machen. Vergleiche mit Tante Emma Läden etc sind absolut nicht zielführend. Die Gefahr, dass FF – Abteilungen bei den grossen MF – Abteilungen letztendlich nur geduldet und je nach Kassenlage gefördert wird ist einfach zu gross.
    Wen es interessiert: Die taz hat Bernd Schröder interviewt. Ich finde zwar nicht alles richtig, was er sagt, aber sein Statement zum DFB finde ich schon ganz gut:
    https://taz.de/Ex-Fussballtrainer-ueber-Fussball-WM/!5609167/

    „Wenn es hierzulande also einen fußballerischen Burn-out gibt, warum stellt dann der Deutsche Fußball-Bund nicht eine Task Force zur Entwicklung des Frauenfußballs auf, sondern sagt, es sei schon alles irgendwie in Ordnung?

    Ich habe sechs DFB-Präsidenten erlebt, und derzeit gibt es nun mal keine richtige Führung. Der Verband ist mit sich selbst beschäftigt. Die haben in ihren Führungsgremien andere Probleme, als auf den Frauenfußball zu gucken. Deswegen sagen sie: Passt schon, alles gut, es gibt keine Probleme. Das ist völlig oberflächlich.“

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  • Rudi sagt:

    @balea,
    leider kann man den Beitrag in der Taz nur lesen wenn man dafür bezahlt.

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  • Karina sagt:

    @balea

    natürlich ist nicht alles schwarz und weis. Dein Einwand hat auch seine Berechtigung und es gibt sicherlich kein Kochrezept mit dem man schnell eine Wende bringen kann! Dafür läuft einfach schon zu lange vieles verkehrt. Es ist eine Mischung aus vielen Missständen und Problemen, die den gesamten Bereich einfach ausbremst. Man fühlt sich manchmal als würde man gegen Windmühlen kämpfen.

    Den Punkt mit der Task Force unterschreibe ich so, der Bereich Frauenfussball gehört einfach gründlich entstaubt und gefördert wie das andere Nationen schon längst tun. Die Strukturen stimmen überhaupt nicht und deswegen kann das auch in Zukunft einfach keinen wirklichen Aufschwung geben. Die Zukunft wird so aussehen – immer mehr Frauenmannschaften werden sich in Spielgemeinschaften organisieren müssen um zu überleben. Gleiches gilt für den Mädchenbereich. Wird in diesen Spielgemeinschaften dann nicht strategisch gut gearbeitet (und das ist sehr sehr viel Arbeit) dann werden sich immer mehr Mannschaften vom Spielbetrieb abmelden.

    (8) 8 Gesamt – 8 hoch – 0 runter
  • balea sagt:

    @Rudi

    Wenn Du auf „Schon dabei“ klickst brauchst Du nichts zu zahlen.

    (6) 6 Gesamt – 6 hoch – 0 runter
  • Zaunreiter sagt:

    @bundle:
    „Der Markt ist einfach nicht da und der DFB kann auch nicht alles stemmen.“

    Also wenn ich sowas immer bei SPON, ZEIT, Welt oder Tagesspiegel lese, da reagier ich schon nicht mehr drauf, weil das sinnlose Zeitverschwendung ist.
    Aber wenn dann hier bei womensoccer Argumente aus dem kommerziell orientierten Männerfußball – der viel professioneller aufgestellt ist – aufgeführt werden, um die Frauen kleinzuhalten, dann muss ich doch dagegen anschreiben. Der DFB ist ein gemeinnütziger Verein. Das heisst, er bekommt auch Steuererleichterungen. Dieser Verein kann querfinanzieren, weil er an gesellschaftlichen Entwicklungen beteiligt ist.
    Und wenn ich dann sehe, dass andere Länder viel Geld in die Hand nehmen, um den FF zu fördern, dann wird doch der größte Sportverband der Welt in der Lage sein, das auch zu tun, oder etwa nicht? Will er nicht oder kann er nicht? Das ist hier die Frage. Will der DFB Lokomotive sein oder Bremser? Solange es kein Geld kostete, im FF mit den USA mitzuhalten, war das ja Friede, Freude, Eierkuchen. Aber jetzt, finanzielle Mittel bereitzustellen, um Veränderungen einzuleiten, dafür soll kein Geld da sein?

    (15) 23 Gesamt – 19 hoch – 4 runter
  • Rudi sagt:

    @balea,
    danke für den Hinweis. Hat geklappt.

    (1) 5 Gesamt – 3 hoch – 2 runter
  • Fan2 sagt:

    Alles, was ich hier höre, ist der Schrei nach mehr Geld und „Der DFB müsste mal“. So einfach ist es aber nicht, liebe Leute!

    Den DFB hier herbeizurufen, macht die Sache nicht besser, sondern eher schlimmer. Der DFB hat nämlich keine Ahnung, wie Vereinsfußball funktioniert. Und das ist es, wo wir in Deutschland ansetzen müssen. Denn dort verbringen die Spielerinnen den Großteil der Zeit. Dort muss es laufen, dann läuft es auch in der N11.

    Im Vereinsfußball läuft es aber nur, wenn der DFB so wenig wie möglich damit zu tun hat und der Vereinsfußball so unabhängig wie möglich arbeiten kann.
    Deshalb sind hier zuallererst die Vereine in der Pflicht: Sie müssen eigene Strukturen aufbauen und die Geschäfte in Liga 1 selbst in die Hand nehmen. DFL, Ligarat etc. braucht es auch im FF.

    Dazu kommst ein weiteres: Die Vereine müssen – darauf hat Karina ganz richtig hingewiesen – nicht nur von DFB unabhängig sein, sondern auch von den Männern. Denn genauso wenig wie der DFB sind Männerclubs in der Lage, Frauenclubs vernünftig zu betreiben. Männerclubs arbeiten in ganz anderen Dimensionen, haben einen ganz anderen Stellenwert in der Gesellschaft, eine ganz andere Fanbasis, die sie voraussetzen können. MF ist viel weiter und auch managementtechnisch viel schneller. All das muss sich der FF selbst noch hart erarbeiten. Es geht nicht, all die Entwicklungsstufen, die der MF selbständig gegangen ist, einfach zu überspringen oder gewaltsam von außen voranzutreiben. Dafür braucht es Zeit, Geduld und Strategie – und vor allem Leute, die den FF verstehen. Leute, die dazu im Stande sind, den FF nachhaltig zu managen. Die sehe ich im FF aber nicht. Ich sehe im FF keine eigenständige Identität, sondern lauter fremde Interessen, die diesen bestimmen. Es gibt keine Marke FF in Deutschland, es gibt keine Idole, es gibt keine Strategie, es gibt keine Fanbasis, und es gibt kaum noch Tradition. Einer der letzten Klubs, die diese noch annähernd hatte, wird nun aufgelöst (Frankfurt). Überhaupt: Von den Klubs, die 1997/98 in die Bundesliga gestartet sind, spielen überhaupt nur noch vier heute 1. Liga, alles schon jetzt unter anderem Namen, wovon ab nächste Saison nur noch einer selbständiger FF-Verein ist.

    All das will hart erarbeitet sein. Das geht aber gerade nicht, wenn man im Fahr was der der Männerclubs und des DFB rumdümpelt, sondern nur als eigene Marke!

    (1) 17 Gesamt – 9 hoch – 8 runter
  • balea sagt:

    @Fan2

    Bei den Männern gibt es die DFL für den Ligabetrieb, die ja scheinbar auch mit dem DFB mal Konflikte austragen und innerhalb des Landes (siehe zB Streit um Polizeikosten) und genauso international die Interessen vertritt – wenn es auch meist die von Bayern und Dortmund sind..
    Wer hat denn eigentlich in der Frauenliga den Hut auf? Organisieren sich die Vereine allein unter dem Dach des DFB? Und wofür ist Hannelore Ratzeburg zuständig?

    (5) 7 Gesamt – 6 hoch – 1 runter
  • Rudi sagt:

    @Fan2,
    was soll eine eigenständige DFL für die Frauen bringen? Wo soll das Geld herkommen welches an alle Ecken fehlt? Ohne Geld geht es einfach nicht. Alles Andere ist nostalgische Träumerei.
    International in Europa gibt es keinen einzigen reinen Frauenfußballverein mehr in der CL ab dem Viertelfinale. Alle Spitzenteams in Europa sind in sogenannte „Männervereine“, schon diese Bezeichnung ist eigentlich ein Witz, integriert. Die Frauenbundesliga muss meiner Meinung nach unter den Dach der „Männer-DFL“. Um mehr Aufmerksamkeit und TV-Zeiten, bei den ÖR-Sendern zu bekommen und somit mehr Sponsoren, TV-Gelder usw. Dort wird der Fußball professionell vermarktet.Der DFB soll sich wie beim Männerfußball auch um die Amateurclubs und der Nachwuchsförderung kümmern. Um die Nationalteams muss sich ein externes Team mit Kompetenz an der Spitze wie z.B. Bierhoff für die Männer, kümmern. Nur wenn der Frauenfußball in Deutschland in der Spitze ( Bundesliga ) so mehr Unterstützung erfährt geht es auch mit der Natio wieder, vor Allem spielerisch, voran. Zur Zeit gibt es leider nur zwei Vereine in der FBL wo professionell gearbeitet wird, WOB und mit leichten Abstrichen der FC Bayern.

    @balea,
    voll deiner Meinung. Das mit der DFL hab ich gerade beschrieben nur mit dem Unterschied dass wahrscheinlich eine reine DFL nur für die Frauen zu schwach als Gegenpart zum DFB ist. Was Frau Ratzeburg betrifft, da hab ich mich schon vor längerer Zeit hier im Forum geäußert und gefragt was diese Dame beim DFB eigentlich macht.

    (0) 12 Gesamt – 6 hoch – 6 runter
  • ajki sagt:

    „Wer hat denn …? Organisieren sich die Vereine…? Und wofür … zuständig?“

    Ganz ehrlich: ich wundere mich oft über solche Fragen und die Vorstellungen, die anscheinend dahinter stehen.

    Jede/r, die/der sich solche Fragen stellt, sollte sich die Sache doch einfach mal ansehen:

    https://www.dfb.de/verbandsservice/verbandsrecht/satzung-und-ordnungen/

    In Verbindung mit z.B. den Veröffentlichungen zu den Bundestagen des DFB mit den kilometerlangen Ausschuß- und Gremienprotokollen kann man dann durchaus lernen, was in DFB, den Landesverbänden und/oder den tausenden von Vereinen läuft und was die Leutchen dort auf Trab hält.

    Es würde auch wohl helfen, in einem völlig beliebigen Verein (es muss noch nicht mal ein FF-Verein sein 😉 ) einfach mal tätig zu werden. Ehrenamtliches Engagement zahlt sich häufig durch Erkenntnisgewinn aus 😉

    (6) 6 Gesamt – 6 hoch – 0 runter
  • Sebastian sagt:

    Der FAZ-Artikel vom 3.7. beleuchtet nochmal weitere interessante Aspekte (Siegeswillen und Professionalität), ist aber leider nicht frei lesbar. Zusammenfassung: Nach der Niederlage machte das englische Trainerteam sofort eine Kampfansage für das nächste Turnier (und das wäre bei einer Niederlage auch vom USNWT gekommen). In Deutschland wird erstmal analysiert. Klar wird in England jetzt auch analysiert, aber gleich mit einem ambitionierten Ziel. Die zweite Beobachtung war, dass Amerikanerinnen und Engländerinnen in Interviews häufiger die individuelle Fähigkeit an den Tag legten, Stärken und Schwächen gegnerischer Teams und sogar einzelner Spielerinnen im voraus zu beschreiben und daraus Schlüsse für das eigene Spiel zu ziehen und auf dem Feld entsprechende Entscheidungen zu treffen. In Deutschland scheinen die Spielerinnen (mit einigen Ausnahmen) das eher ganz dem Trainerteam zu überlassen. Eine individuelle Auseinandersetzung mit dem Gegner findet eher weniger statt. Bei den wirklichen Spitzenteams kommen also individuelles Können, Spielverständnis, Siegermentalität und professionelle Vorbereitung zusammen. Das Trainerteam kann dann wahrscheinlich mehr wertvolle Zeit darauf verwenden, das alles produktiv zusammen zu führen.

    (8) 8 Gesamt – 8 hoch – 0 runter
  • Michael sagt:

    Dem Frauenfussball wäre am besten geholfen, wenn er sich aus dem DFB löst und einen eigenen Verband gründet.

    (-5) 11 Gesamt – 3 hoch – 8 runter
  • Fan2 sagt:

    @Rudi: Nur weil Wolfsburg und Bayern oben stehen, bedeutet das nicht, dass da professionell gearbeitet wird. Da wird bloß das abgeschöpft, was andere erarbeitet haben. Ich würde massiv bestreiten, dass in Wolfsburg und Bayern professionell gearbeitet wird. Dazu gehört es nämlich, für Nachhaltigkeit zu sorgen. Das passiert da aber ganz und gar nicht.

    Im Gegenteil: Ich würde mal behaupten, dass Pernille Harder mit ihrer Jugendakademie in Dänemark in den letzten Jahren alleine mehr für den FF getan hat als Wolfsburg und Bayern zusammen.
    Denn dort werden tatsächlich junge Frauen ausgebildet, was in Wolfsburg und Bayern noch nie passiert ist.

    Zudem: Am Geld liegt es kaum. Ich glaube kaum, dass in Nationen wie Spanien, Holland oder Italien mehr Geld für den FF bereitsteht als in Deutschland. Und dennoch überholen die uns.

    Was deine Idee mit dem Männerfußball betrifft, so lässt sich dazu nur eines sagen: Jahrelang hat der FF versucht, sich von den übermächtigen Männern zu emanzipieren, nicht mit ihnen verglichen zu werden. Jetzt kommen sie angekrochen, weil ein bisschen mehr Geld winkt. Damit werden sie sich auch die letzten Fans noch vergraulen!!! Charakterloser geht es kaum!!!

    (-16) 34 Gesamt – 9 hoch – 25 runter

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