Frauen-Bundesliga: Neuer Partner soll Alarm machen

Von am 10. Mai 2019 – 10.19 Uhr 23 Kommentare

Die Frauen-Bundesliga hat mit rückläufigen Zuschauerzahlen und überschaubarer Spannung an der Spitze zu kämpfen. Mit einem neuen Vermarktungspartner soll ab der Saison 2019/20 die Marke gestärkt und die wachsende Konkurrenz aus dem Ausland in Schach gehalten werden.

Logo der FLYERALARM Frauen-Bundesliga

Logo der FLYERALARM Frauen-Bundesliga © DFB

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FLYERALARM, eine der führenden Onlinedruckereien Europas, wird in den kommenden vier Jahren neuer Namensgeber der Frauen-Bundesliga und damit die Allianz als Partner ablösen, die der Liga in den vergangenen fünf Jahren ihren Namen gab. Neue Farben, ein neues Logo und vor allem frische Ideen sollen der „FLYERALARM Frauen-Bundesliga“ mehr Schwung verleihen. Frischen Wind hat die Frauen-Bundesliga dringend nötig.

Wolfsburg und Bayern enteilen der Konkurrenz

Sportlich machen seit 2012 die beiden finanzkräftigsten Teams VfL Wolfsburg und FC Bayern München den Titel unter sich aus. Reine Frauenfußball-Vereine wie die früher sehr erfolgreichen 1. FFC Frankfurt und 1. FFC Turbine Potsdam haben mit der Titelvergabe auf absehbare Zeit nichts mehr zu tun. Die finanzschwächeren Vereine geraten mehr und mehr ins Hintertreffen. Von den Fans wird diese Entwicklung immer weniger goutiert. Der Zuschauerzuspruch war in den vergangenen Jahren rückläufig, im Schnitt verfolgen anders als noch in den Jahren 2013 bis 2016 wieder weniger als 1.000 Zuschauer die Partien.

Immer weniger Mädchen wollen Fußball spielen

DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch legte am Mittwoch bei der von ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann in der FLYERALARM Lounge am Münchener Rindermarkt moderierten Pressekonferenz, auf der auch 1. FFC Frankfurts Manager Siegfried Dietrich, Bayern-München-Managerin Karin Danner sowie die beiden Bundesligaspielerinnen Nicole Rolser (FC Bayern München) und Isabella Hartig (TSG 1899 Hoffenheim) anwesen waren, ebenfalls den Finger in die Wunde: „Es fangen immer weniger junge Mädchen an, Fußball zu spielen. Wir haben eklatanten Rückgänge zu verzeichnen.“

FLYERALARM erhält Vorschusslorbeeren

Kreative Ideen sind also gefragter denn je und das Konzept von FLYERALARM, das den zwölf Bundesligisten bereits in einem Workshop vorgestellt wurde, stößt auf Anklang. „FLYERALARM ist ein ganz modernes Unternehmen, das sich genauso präsentiert, wie sich die Frauen-Bundesliga präsentieren muss, um sich auf dem Markt zu behaupten“, ist Siegfried Dietrich, Manager des 1. FFC Frankfurt, überzeugt.

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Evolution der Partnerschaft

Für FLYERALARM ist das Sport-Sponsoring alles andere als Neuland. So ist das Unternehmen seit vielen Jahren als Banden-Werbepartner bei allen Heimspielen sowie bei ausgewählten Auswärtsländerspielen der DFB-Männer-, DFB-Frauen- und U21-Nationalmannschaft vertreten. Seit 2013 ist FLYERALARM einer der Premiumpartner der Frauenfußball-Nationalelf.

„Genau der richtige Zeitpunkt“

Thorsten Fischer, Gründer und CEO von FLYERALARM, meint: „Was mich am Frauenfußball reizt, ist, dass wir meiner Meinung nach genau den richtigen Zeitpunkt erwischt haben. Wir glauben, dass sich die Attraktivität des Frauenfußballs in den nächsten Jahren positiv entwickeln wird“. Fischer verspricht „viel Geld“ zu investieren, über den finanziellen Rahmen seines Engagements bewahrt er allerdings Stillschweigen. So sind unter anderem eine eigene Zeitschrift zur Frauen-Bundesliga, Youtube-Kanäle und weitere On- und Offlinemaßnahmen geplant, die den Vereinen helfen sollen, eine Marke aufzubauen.

Schnellboot statt Supertanker

Heike Ullrich, DFB-Direktorin Vereine, Verbände und Ligen, setzt große Hoffnung in den neuen Partner. „Fünf Jahre Allianz waren für uns wichtig. Es ist aber auch wichtig, einen jüngeren Partner zu haben, der anders agiert als ein DAX-Unternehmen. Davon kann die Bundesliga profitieren, wir wollen bewusst die Jüngeren ansprechen.“ Anders heißt: Schneller, wendiger und noch fokussierter.

Mangelnde TV-Präsenz

Bis heute hat der Frauenfußball-Fan in Deutschland keine Möglichkeit, alle Spiele der Frauen-Bundesliga live zu verfolgen. In anderen Ländern wie den USA oder auch Schweden ist dies seit Jahren kostenlos (USA) bzw. kostenpflichtig (Schweden) möglich. Doch Ullrich verspricht, dass die Präsenz des Frauenfußballs auf bereits bestehenden Plattformen wie Magenta Sport ausgebaut werden soll. Die jüngere Generation soll zudem zielgruppenspezifisch in Zukunft noch besser bedient werden.

Den Frauenfußball weiter emotionalisieren

„Wir stellen fest, dass die junge Generation nicht mehr unbedingt 90 Minuten den Fernseher einschaltet, sondern zeitgleich zwei, drei andere Dinge macht.“ Und so sollen die Social-Media-Aktivität und die emotionale Schiene des Frauenfußballs verstärkt werden. „Der Frauenfußball ist nach wie vor ein sehr naher und ehrlich erlebbarer Sport.“ Beim DFB wird er immer noch als Gegenentwurf zum vom Business geprägten Männerfußball empfunden.

Neue Stufe zünden

Denni Strich, Geschäftsführer der DFB GmbH, sagt: “Durch das Engagement von FLYERALARM erreichen wir eine neue Stufe, die Vereine und die gesamte Liga profitieren von dieser Kooperation. Gemeinsam haben wir das Ligasponsoring vorbildlich weiterentwickelt und bekommen dadurch neue Möglichkeiten, unsere Spielerinnen und die Liga auf vielen unterschiedlichen Ebenen zu positionieren.“

Duales System fördern

Neu ist etwa, dass FLYERALARM die jungen Spielerinnen auch neben dem Platz im Rahmen des Dualen Systems auf ihrem Lebensweg begleiten wird. Geschäftsführer Fischer erklärt: „Wir haben bei FLYERALARM derzeit rund 70 Auszubildende, daran sieht man, wie ernst wir das Thema nehmen. Wir haben viele Business Units, das heißt, bei uns können sich die jungen Leute austoben. Ob in der Finanzabteilung, im Marketing oder bei anderen digitalen Themen, wie unserem neuen Projekt Virtual Reality. Die jungen Leute werden bei uns viel lernen können.“

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Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

23 Kommentare »

  • Altwolf sagt:

    @Sheldon/Fan2

    Eigentlich kannst Du dir die Frage nach der Subventionssumme von ca. 100.000 € pro Verein durch den DFB selbst beantworten.

    Denn der DFB verteilt die kommunizierten Gelder, nicht der Sponsor und so würden ja bei einer niedrigeren Auszahlung die gerade dadurch geschaffene und gewollt verbesserte Infrastruktur der Vereine, insbes, hauptamtliche Trainer zu ermöglichen, ad adsurdum geführt und somit wird sich mit oder ohne entsprechender Sponsorensumme an dem Betrag zumindest nach unten hin nichts ändern.
    Im „schlimmsten Fall“ wird der DFB selbst die dazu fehlende Differenz zahlen müssen, denn sonst würde er selbst ja die „beworbene“ Liga gefährden.

    (1) 5 Gesamt – 3 hoch – 2 runter
  • Fan2 sagt:

    @Altwolf: Traue dem DFB das durchaus zu! Gerade die reinen FF-Clubs sind dem DFB schließlich ein Dorn im Auge! Er tut ja bereits so ziemlich alles, um diese klein zu bekommen.

    (0) 10 Gesamt – 5 hoch – 5 runter
  • balea sagt:

    @holly

    Mir gings nicht um die Info, dass VW Mercedes ablöst, sondern darum, dass VW ausreichend Mittel PLUS Interesse hat, sich in dem Bereich zu engagieren. Interessanterweise aber nicht, um die deutsche FFLiga insgesamt zu stärken – sondern bloss, um gezielt in die INTERNATIONALE Präsenz von VW zu investieren. Ein gewichtiger Unterschied, wie ich meine. Fan2 und ich sind uns mMn einig, dass diese selektive Förderung der Liga insgesamt schadet, nicht nützt.

    Was wäre gewonnen, wenn VW jedem Club (in der VW FF Liga) 1, oder sogar einfacher 1,2 Mio pro Saison zur Verfügung stellt? Jeder Verein hätte ein monatliches Budget von extra 100.000 Euro. Das reicht locker, um alle ärgsten Nöte des gesamten Kaders abzupuffern, damit nicht einige Spielerinnen am Wochenende Spiele verpassen, weil sie Post austragen müssen (ist mal aus Sand (glaube ich) berichtet worden). Das reicht, um einige fähige Leute im backup des Vereins zu beschäftigen, die man dringend braucht, um professionelle Strukturen aufzubauen. Das würde auch noch reichen, um Reisen, Ausrüstung etc auf ein angenehmeres Niveau zu heben. Es würde also dafür reichen, erstmal ungestört halbwegs „professionelle“ Bedingungen auf einem niedrigen Niveau zu ermöglichen und sich auf den rein sportlichen Wettbewerb zu konzentrieren.
    Das reicht nicht aus, um 20 Natiospielerinnen (auch aus dem Ausland) mit guten Verträgen zu ködern und halten. Aber sehr viele „unnütze“ Störfaktoren wären damit vom Tisch und die Vereine hätten eine ganz andere Planungssicherheit. Wenn ich die verschiedenen Hinweise auf die Budgets der Vereine richtig in Erinnerung habe, haben ja jetzt vermtl die Hälfte der Clubs ja nichtmal die 1 Mio zur Verfügung.
    Also ja, ich glaube damit würde sich einiges zum positiven ändern.

    (0) 4 Gesamt – 2 hoch – 2 runter

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