Fans starten Spendenaktion für den FF USV Jena

Von am 29. November 2018 – 15.40 Uhr 6 Kommentare

Die Fans des Frauenfußball-Teams FF USV Jena haben eine Spendenaktion zur Rettung des in finanziellen Nöten steckenden Traditionsvereins gestartet.

Screenshot der Spendenaktion für den FF USV Jena

Ein Traditionsverein in Nöten: Fans sammeln für den FF USV Jena

Anzeige

Auf der Website „Gofundme“ haben die Fans eine Spendenkampagne gestartet, mit dem Ziel, 80.000 Euro zu erlösen, die dazu helfen sollen, den Spielbetrieb der laufenden Saison sicherzustellen.

Ein weiterer Traditionsverein droht zu verschwinden

Zur Begründung heißt es: „Ein Ende des Frauenfußballs in Jena hätte prekäre Folgen für die ganze Region. Stirbt Jena, so stirbt der ‚Leuchtturm‘ des Thüringer Frauenfußballs, der einzige Verein im Freistaat, der Frauenfußball auf professioneller Ebene anbietet. Stirbt Jena, so stirbt auch die herausragende Nachwuchsarbeit, welche den wichtigsten Pfeiler für die Ausbildung der Talente Mitteldeutschlands darstellt. Thüringen würde wieder zu einem weißen Fleck auf der Frauenfußballlandkarte. Stirbt Jena, so stirbt ein weiterer der nur noch wenigenden verbleibenden reinen Frauenfußballvereine auf diesem Niveau und damit ein weiteres Stück des Fundamentes, auf dem die erfolgreiche Geschichte des Frauenfußballs in unserem Land begründet ist.“

Flammender Appell an Unterstützerinnen und Unterstützer

Daher appellieren die Fans an potenzielle Unterstützerinnen und Unterstützer: „Ohne Unterstützung hat der FF USV Jena keine Möglichkeit, dieser fatalen Entwicklung entgegenzuwirken. Wir Fans möchten alle Hebel in Bewegung setzen, um unseren Verein aus dieser Misere zu befreien undeine Zukunft zu ermöglichen. Angelehnt an die Jenaer Stadionhymne ‚Rette sich, wer kann (hier kommt der USV Jena)‘ stellen wir unseren Aufruf unter das Motto ‚Rette uns, wer kann.‘ Wir sind für jede Hilfe dankbar!“

Schlagwörter:

Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

6 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Ohje, jetzt ist es beim USV Jena also fünf vor zwölf!!! 🙁
    Damit droht der nächste Traditionsverein, einer der ältesten FF-Vereine in Deutschland, der die DDR-Zeiten überstanden hat, und auch den schweren Weg nach der Wende bewältigen konnte, nun von der Bildfläche zu verschwinden!!!

    Was hat uns nun die hochgehypte Professionalisierung denn gebracht???
    Immer mehr Vereine geraten in finanzielle Schieflage, die viele Jahre und Jahrzehnte gut über die Runden gekommen sind!!!
    Es tauchten dafür Vereine auf, die zT ihre Lizenzen solchen malten Klubs abgekauft hatten, aber selber keine Zuschauer und Fans an die Frauenteams binden konnten und können!!!

    Der Liga laufen die Zuschauer davon!!!
    Auch das große Pokalfinale in Köln verliert immer mehr Publikum!!!
    Und selbst das Flaggschiff des DFB im FF, die Nationalmannschaft, spielt schon lange nicht mehr vor vollen Stadien!!!

    Wird es nicht langsam Zeit den Tatsachen ins Gesicht zu sehen???
    Muß man nicht wieder zu den Wurzeln des FF zurückkehren???
    Oder ist der Weg zum totalen Abklatsch des MF unumgänglich, sprich der Sport ist am Ende bloß noch Nebensache, und es geht eigentlich immer nur noch um MEHR,MEHR MEHR und NOCHMEHR???

    Ich wünsche unseren Freunden in Jena viel Erfolg, und finde ihre Spendenaktion große Klasse!!!
    Vielleicht kann man mal ein Benefizspiel in Potsdam organisieren, da kommen sicher viel mehr Leute zusammen als in Jena!!!

    (9)
  • Bernd sagt:

    @ Detlef
    Eigentlich habe ich sehr viel Symphathien für das was Du schreibst.
    Nur wird es leider nicht so kommen. Es ist nicht möglich die Zeit zurück zu drehen. Man kann den Frauenfussball auch nicht isoliert von allen Anderem betrachten. Die unzähligen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung heutzutage, haben in vielen Bereichen ihre Auswirkungen. Viel mehr Menschen als früher wechseln den Wohnort aus vielfältigen Gründen, nicht zuletzt der Osten ist davon stark betroffen. Vereinstreue gibt es wohl noch, aber von entfernten Wohnorten ist der Stadienbesuch der Lieblingsmannschaft oft nicht mehr möglich. Neue innovative Ideen sind notwendig um auch in Zukunft attraktiv zu sein.
    Habe immer sehr gerne Postkarten aus aller Welt bekommen, aber im Briefkasten fanden sich bei mir zunehmend nur noch Rechnungen! Kein Wunder in Zeiten von e-mails und WhatsApp. Wenn ich versuche die Zeiten zurückzudrehen habe ich keine Chance! Es stimmt leider, „Man muss mit der Zeit gehen, sonst geht man mit der Zeit“! Die Spendenaktion für Jena ist prima, aber sie ändert nichts. Ohne ein gutes Konzept für die Zukunft müsste man auch künftig jedes Jahr zu Spenden aufrufen. Dies wird aber nicht lange funktionieren. Genauso wenig wie man das Internet, über das wir gerade kommunizieren, oder das Mobiltelefon, wieder abschaffen kann, genauso wenig kann man zu den Wurzeln des Frauenfussballs zurück.
    Ich liebe das Dreisamstadion hier in Freiburg, zum einen weil es anders ist als die anderen Stadien, zum anderen wegen der traumhaften Lage. Aber auch ich muss einsehen, dass das Stadion auf Dauer den Verbleib in der ersten und zweiten Liga unwahrscheinlicher macht, wegen der Kapazität und weiteren Gründen. Deshalb ist ein Neubau notwendig, auch wenn es mich traurig macht. Auch der Frauenfussball in Jena wird innovative Wege finden müssen, um zukunfts- und konkurrenzfähig zu sein.
    Dazu muss man nicht die alten Wege gehen, sondern neue Ideen haben.
    Übrigens, ich bekomme wieder Postkarten und gehe wieder lieber an den Briefkasten. My way:
    http://www.mypostcard.com/blog/postcrossing/
    Auch wenn mein Beitrag desillusioniert, soll er gleichzeitig aber auch Hoffnung machen. Sucht Euch paar kreative Köpfe und investiert in Euren eigenen zukunftsfähigen Weg. Bei den Männern wäre der kleine SC Freiburg auch längst nicht mehr in der Bundesliga ohne permanente Weiterentwicklung.

    (8)
  • Pauline Leon sagt:

    eine sehr wahre begründung.
    eigentlich sollten 80.000 euro von einem geneigten fussballfan aufgebracht werden können. oder jedes männliche dfb-mitglied gibt 2 cent. oder die lizennehmervereine geben jeweils 5000 oder so.
    das ist eine frage der solidarität. eine sehr rare sache, auf französisch fraternité. und in unseren zeiten eher als rebellion der habenichtse gesehen.
    so sieht aus im fussball.

    (9)
  • balea sagt:

    @Detlef

    Die Idee mit dem Benefizspiel finde ich sehr gut. Das solltest Du Potsdam mal vorschlagen.

    (3)
  • holly sagt:

    @Detlef, guck dich doch mal in den unteren Ligen beim MF um. Auch dort gibt es genügend Traditionsvereine, die aus dem gleichen Grund wie Jena am Abgrund stehen. Weil sie einfach schlecht wirtschaften bzw gewirtschaftet haben.

    (0)
  • Fan2 sagt:

    Jetzt kommen sie alle wieder aus den Löchern und rufen nach Tradition. Alle diejenigen, die sich längst mit solchen Vereinen wie Wolfsburg oder München abgefunden haben. @Detlef, @Pauline Leon, ernsthaft?

    Tut mir leid, es euch zu sagen, aber Potsdam war auch schon kurz vor einem Abstieg und einen Abstieg würde Potsdam genauso wenig verkraften wie Jena. In 5 Jahren geht Frankfurt, in 10 Jahren geht Essen, in 15 Jahren geht Potsdam! Man kann nicht Tradition schreien, gleichzeitig aber nichts gegen die feindliche Übernahme der Liga tun.
    Solidarität schön und gut, aber so etwas hilft immer nur kurzfristig. Und wo schon der Bezug zur französischen Revolution kam: Die französische Revolution endete in einem Blutbad, die deutsche Revolution scheiterte. Wieso? Weil es keinen funktionsfähigen Plan für die Zeit danach gab, sie wurde in der Tat von ungebildeten, idealistischen Habenichtsen angeführt, die kein bisschen Verstand und Weitblick besaßen.

    Und so ist es eben auch bei allen Fans im FF: Ja gut, dann wird eben der Spielbetrieb für diese Saison gesichert. Aber was kommt dann? Allein sportlich ist Jena aktuell kaum zweitligatauglich und wird vermutlich absteigen. Und dann wird der Gürtel noch enger werden. Und dann wird sich das ganze Szenario wiederholen. Das hat alles etwas von Verzweiflungstat.

    Wo sind die Personen, die kapieren, dass Jena doch nur das Symptom eines völlig entfesselten Systems ist, das der DFB nicht mehr unter Kontrolle hat bzw. dessen Kontrolle er freiwillig an die Männerclubs abgegeben hat, die nicht darauf angewiesen sind, dass der FF bzw. die Liga finanziell gesund ist?

    Wer wirklich Solidarität mit Jena fordert, der sollte nicht auf eine solche Verzweiflungsspendenaktion setzen und in ein Fass ohne Boden investieren, sondern der sollte Reformen, tiefgreifende Reformen fordern, wie ich es hier seit mindestens 7 Jahren fordere: Ein eigener Ligarat, eine völlige Lösung des FFs vom MF auf allen Ebenen (dazu gehört auch, dass jeder Verein seine absolute Unabhängigkeit von einem MF-Club nachweisen muss), eine eigene TV-Vermarktung usw. Und vor allen Dingen lokales Engagement der Vereine.

    Was den USV Jena betrifft, so kann ich nicht wirklich erkennen, dass viele Menschen aus der Region den Eindruck hätten, der Region würde was fehlen. Wie sind sonst die Zuschauerzahlen von gerade mal 110 im Schnitt zu erklären?

    Es kann bei dem allen nicht die Lösung sein, den Status quo einfach als gegeben hinzunehmen, wie @Bernd es macht, und einfach mit der Zeit zu gehen. Nein, es braucht tiefgreifende Reformen! Die wären möglich, aber sie kosten Willen und sie machen viel Arbeit. Und sie können sogar dazu führen, dass man scheinbar mit ihnen den deutschen FF um Jahre zurückwirft, weil Restriktionen, die man einführen müsste, dazu führen, dass man kurzfristig in der Spitze den Anschluss an Frankreich, England usw. verliert. Eine radikale Zerschlagung des Konstrukts in Wolfsburg beispielsweise würde natürlich dazu führen, dass eine Mannschaft mit Aussicht auf Erfolg in der CL wegbrechen würde. Langfristig wären solche Reformen aber die richtige Lösung, weil man den Anschluss durch das richtige Know-How relativ schnell wieder herstellen wird und gleichzeitig ein nachhaltiges System etablieren wird, dass dann auf einmal um Jahre voraus sein wird, wenn die Blasen in Frankreich und England platzen werden.

    Solange aber alles beim alten bleibt, wird der FF nicht nur in Jena, sondern an vielen vielen anderen Orten bis zum letzten Blutstropfen ausbluten und der FF wie die A-Jugend etc. nur noch eine Unterabteilung des MF sein, eine entstellte Fassung seiner selbst.

    (-3)

Kommentar schreiben