DFB-Frauen: Nützlicher Test oder sinnloser Trip?

Von am 10. Juni 2018 – 12.00 Uhr 4 Kommentare

Heute Abend trifft die deutsche Frauenfußball-Nationalelf auf dem Kunstrasen von Hamilton in einem Testspiel auf Gastgeber Kanada (ab 19.45 Uhr live auf Eurosport). Die Terminansetzung eine Woche nach Saisonende in der Bundesliga ist fragwürdig, doch Bundestrainer Horst Hrubesch erhofft sich trotz des Fehlens zahlreicher Stammspielerinnen Erkenntnisse.

Die DFB-Frauen bejubeln ein Tor gegen Frankreich

Die DFB-Frauen verzichten beim Testspiel in Kanada auf Spielerinnen wie Dzsenifer Marozsán (2. v. li.) oder Alex Popp (2. v. re.) © imago / Sven Simon

Ein ähnlicher Trip führte die DFB-Frauen vor acht Jahren nach Cleveland, wo man sich am 22. Mai 2010 beim 0:4 in den USA eine der höchsten Niederlagen der DFB-Geschichte einfing. Auch damals fehlten zahlreiche Stammspielerinnen, da der 1. FFC Turbine Potsdam gerade die Champions League gewonnen hatte. Bleibt zu hoffen, dass den DFB-Spielerinnen ein Déjà-vu der unangenehmen Art erspart bleibt.

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Ohne Marozsán, Popp und Goeßling

Denn auch diesmal fehlen neben Kapitänin Dzsenifer Marozsán einige weitere Stammspielerinnen, wie etwa die Double-Siegerinnen Alex Popp, Lena Goeßling und Anna Blässe, denen Bundestrainer Horst Hrubesch eine Verschnaufpause gönnt. Dennoch hoffen er und seine Schützlinge auf einen Nutzen der langen Reise.

Testen für den Ernstfall

Denn es gilt Selbstvertrauen zu tanken, bevor im September die entscheidenden Qualifikationsspiele zur Frauenfußball-WM 2019 anstehen, allen voran das Rückspiel auf Island am 1. September. Und so soll das Spiel in Kanada mit der nötigen Ernsthaftigkeit angegangen werden.

Startelf der DFB-Frauen

Schmitz – Hendrich, Doorsoun, Demann (K.), Simon – Huth, Leupolz, Magull, Faißt – Schüller, Petermann

Spielpraxis sammeln

„Wir wollen die Begegnung vielmehr nutzen, um vor allem den jungen Spielerinnen eine Chance zu geben, sich zu zeigen. Sie sollen Spielpraxis auf hohem Niveau sammeln, denn Kanada ist ein starker Gegner, und diese Partie wird für uns sicher eine Herausforderung.”

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Hoffen auf positiven Saisonabschluss

Und Linda Dallmann, die ihren ersten Länderspieltreffer in einem Spiel gegen Kanada erzielte, beschreibt ihre aktuelle Gefühlslage so: „Fokussiert auf unser Spiel mit dem Ziel, einen positiven Saisonabschluss zu schaffen.“

DFB-Elf mit Trauerflor

Die DFB-Frauen werden das Spiel mit Trauerflor bestreiten, in Andenken an die 59-fache Nationalspielerin Jutta Nardenbach, Frauenfußball-Europameisterin von 1989 und 1991, die am Freitag plötzlich und unerwartet im Alter von 49 Jahren verstarb.

Kanada hofft auf zweiten Sieg

Die Kanadierinnen um ihren dänischen Trainer Kenneth Heiner-Møller wittern die Chance, im 15. Duell mit der DFB-Elf den erst zweiten Sieg zu landen. Den ersten gab es erst vor zwei Jahren beim 2:1-Erfolg im Gruppenspiel bei den Olympischen Spielen 2016.

Schmidt: „Alles ist möglich“

Die kanadische Mittelfeldspielerin Sophie Schmidt, die bis zuletzt beim 1. FFC Frankfurt aktiv war, meint: „Die letzten Spiele waren allesamt knapp ausgegangen und jetzt haben wir ein Heimspiel. Ich glaube, dass in Hamilton alles möglich ist.“

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

4 Kommentare »

  • schorschla sagt:

    Naja, über den Sinn dieses Länderspiels kann gestritten werden. Auf den ersten Blick und aus den Bauch heraus mag ein Länderspiel so kurz nach Saisonende wenig Verständnis hervorrufen; aber auf den zweiten Blick jedoch Sinn machen. Es wird übersehen, dass auch andere Nationen noch voll im Einsatz sind und die WM-Quali spielen, z.B. Italien, Spanien, Dänemark, Island, Schweden um nur einige gute Nationen zu nennen. Mehr jedoch ist es den so tollen Rahmenterminplänen des DFB geschuldet der N11 der Frauen zumindest ein wenig Spielpraxis und ein paar wenige Trainingseinheiten zu ermöglichen, auch wenn ein paar wichtiger Säulen pausieren dürfen. Da endet in D die Saison am 03. Juni 2018 und beginnt die neue Spielzeit der AFBl erst am 14./15. September 2018, noch 2 Wochen später als die vorherige, obwohl in 2019 mit der WM in Frankreich ein Großereignis ansteht, und zimmert eine Mammutsaison durch die dann Mitte Mai 2019 endet. Somit ergibt sich, dass das für die WM-Quali so wichtige Spiel in Island noch voll in die Saisonvorbereitung der meisten N!!-Spielerinnen Anfang September fällt. Was sich da die Planer des DFB gedacht haben ist für mich nicht nachvollziehbar. Wäre es da nicht die bessere Alternative gewesen, die 1. Runde im DFB Pokal und den Saisonstart mit ein oder zwei Spieltagen zu tauschen, so dass zumindest ein wenig Pflichtspielpraxis für alle Spielerinnen gewährleistet ist. Ein solch fundemental wichtiges Pflichtspiel für die deutsche N11 der Frauen, noch vor Saisonstart und gegen einen Gegner der national für die meisten Spielerinnen voll im Endspurt der Meisterschaft in Island steht, da brauchen sich die Verantwortlichen beim DFB nicht zu wundern, wenn es letztendlich nur zu den Play-off für Frankreich reicht. Im übrigen wäre ein solches Szenario im Herrenbereich ein absolutes No-Go, denn meines Wissens fanden vor den ersten Länderspielen in der Saison meist 1 – 2 Spieltage der Bundesliga statt.

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  • ajki sagt:

    ok, off-topic, aber:

    Der Kommentator bei eurosport sagte soeben sinngemäß, dass Sophie Schmidt bei Frankfurt nicht verlängern könne, weil ihr Ehemann kein Visum erhält. Deshalb wechsele sie zurück nach [irgendwohin].

    Gibts da von den Frankfurtern irgendwelche belastbaren Hintergründe/Fakten dazu?

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  • Markus Juchem sagt:

    @ajki: Das hat er aus dem DFB.de-Artikel von Rainer Hennies abgelesen. 😉
    https://www.dfb.de/news/detail/schmidt-in-hamilton-ist-alles-moeglich-187653/

    Dieses Interview ist auch hier im Vorbericht unten verlinkt.

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  • ajki sagt:

    Hm. Ok, ein zitierende Übernahme der Aussage der Spielerin. Klingt etwas seltsam für mich. Aber muss man wohl als persönliche Perspektive so hinnehmen.

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