FFC Frankfurt will der neuen Welt trotzen
C hampions-League-Sieger 1. FFC Frankfurt will in der Saison 2015/16 trotz hochkarätiger Abgänge erneut um Titel in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League mitspielen. Auch wenn dies laut FFC-Manager Siegfried Dietrich durch die Konkurrenz der Männervereine immer schwieriger wird.
Das Vorspiel auf die neue Saison begann in vertrauter Umgebung, aber mit einem Fauxpas: Denn ausgerechnet die groß angekündigte und erst tags zuvor verpflichtete japanische Stürmerin Yuki Ogimi fand den Weg zur Saisoneröffnungs-Pressekonferenz in den 49. Stock des Commerzbank-Towers erst, als die Veranstaltung nahezu vorbei war.
Ogimi sorgt für Fauxpas „Ich musste noch eine Teamkollegin ins Hotel fahren“, nahm es Ogimi ganz unaufgeregt, die mit den Distanzen in ihrer neuen Heimat offenbar noch nicht vertraut war. Ihrer guten Laune tat dies keinen Abbruch, als sie für die Fotografen vor der Frankfurter Skyline dann doch noch in die Objektive strahlte.
Das große Ganze im Blick „Solange sie es pünktlich zum ersten Spiel schafft, kann ich damit leben“, nahm es FFC-Manager Dietrich augenzwinkernd und äußerlich gelassen. Höchstpersönlich hatte er seinen Wolfsburger Neuzugang vom Bahnhof abgeholt. Doch nicht die kleinen Dinge, sondern das große Ganze beschäftigen derzeit den FFC-Manager. Denn die wachsende Konkurrenz durch die Männervereine bereitet dem 58-Jährigen zunehmend Kopfzerbrechen.
Gewachsener Wettbewerb In der Vergangenheit war oft der 1. FFC Frankfurt der Taktgeber, doch inzwischen geben andere Teams den Ton an. Dietrich erklärt: „Es gibt durch die zunehmende Konkurrenz durch Männervereine inzwischen zwei Welten. Vereine wie Frankfurt, Potsdam, Essen oder Jena bekommen logische Grenzen aufgezeigt. Wir denken darüber nach, wie wir uns entwickeln und positionieren können.“ Jahrelange hatte Dietrich mehr Wettbewerb propagiert und um mehr Aufmerksamkeit geworben, jetzt gilt es, sich den mit der positiven Entwicklung verbundenen Herausforderungen zu stellen und sie zu meistern.
Strategien entwickeln Dazu gehören laut Dietrich eine zunehmende Service-Orientierung, wie etwa den Stadionausbau am Brentanobad als Wohlfühlfaktor für die Fans und auch die Verpflichtung von Spielerinnen, „die hinter der FFC-Philosophie stehen.“ Der Verein sieht sich für die neue Spielzeit trotz der hochkarätigen Abgänge von Jessica Fishlock, Verónica Boquete und dem Karriereende von Célia Sasic gut gerüstet.
Geld gewinnt keine Titel „Wichtig ist die professionelle Arbeit, und da haben wir noch einen Know-how-Vorsprung. Geld entscheidet nicht maßgeblich, wer Meister oder Champions-League-Sieger wird“, so Dietrich, der erneut ein packendes Kopf-an-Kopf-Rennen des Ligaquartetts um den Titel erwartet und auf steigende Zuschauerzahlen und TV-Übertragungen hofft. Mit einem Etat von erneut rund 1,8 Millionen Euro will der 1. FFC Frankfurt wieder „um Titel mitspielen und in Pokal und Champions League ins Finale kommen.“
Neue Spielerinnen aus In- und Ausland Dabei helfen sollen eine ganze Reihe neuer internationaler Spielerinnen, wie etwa Ogimi, die Kanadierin Sophie Schmidt, die Amerikanerin Jenista Clark, die Belgierin Jackie Groenen und auch die Australierin Emily van Egmond. Aber auch einheimische Spielerinnen wurden verpflichtet, wie Bella Linden oder Rückkehrerin Theresa Panfil (beide Bayer 04 Leverkusen). FFC-Trainer Colin Bell, der sich extra für Ogimi in Schale geworfen und eine Krawatte gebunden hatte („ein Geschenk des japanischen Fußballverbands“) bleibt nicht viel Zeit, aus seiner neuen Multi-Kulti-Truppe eine schlagkräftige Einheit zu formen.
Bestens gelaunt: Colin Bell, Sophie Schmidt, Theresa Panfil, Kerstin Garefrekes und Simone Laudehr (v. li. n. re.)
Auf der Suche nach hungrigen Spielerinnen „Wir haben einige Topspielerinnen verloren oder abgeben müssen und dazu noch den Rücktritt von [Célia] Sasic zu meistern. Wir haben versucht, passende Spielerinnen zu finden, die hungrig sind“, so Bell, für den die bundesligaerfahrene Ogimi eine echte Trumpfkarte ist, denn die anderen neuen internationalen Spielerinnen werden eine Weile brauchen, sich in der neuen Umgebung einzufinden und werden zu Saisonbeginn womöglich noch keine große Rolle spielen. „Alle bringen Potenzial mit und sind mit viel Eifer dabei, aber es wird eine Eingewöhnungszeit geben.“ Die Spielerinnen haben das Credo des Trainers voll verinnerlicht.