FFC Frankfurt will der neuen Welt trotzen

Von am 15. August 2015 – 15.27 Uhr 30 Kommentare

Champions-League-Sieger 1. FFC Frankfurt will in der Saison 2015/16 trotz hochkarätiger Abgänge erneut um Titel in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League mitspielen. Auch wenn dies laut FFC-Manager Siegfried Dietrich durch die Konkurrenz der Männervereine immer schwieriger wird.

Das Vorspiel auf die neue Saison begann in vertrauter Umgebung, aber mit einem Fauxpas: Denn ausgerechnet die groß angekündigte und erst tags zuvor verpflichtete japanische Stürmerin Yuki Ogimi fand den Weg zur Saisoneröffnungs-Pressekonferenz in den 49. Stock des Commerzbank-Towers erst, als die Veranstaltung nahezu vorbei war.

Ogimi sorgt für Fauxpas
„Ich musste noch eine Teamkollegin ins Hotel fahren“, nahm es Ogimi ganz unaufgeregt, die mit den Distanzen in ihrer neuen Heimat offenbar noch nicht vertraut war. Ihrer guten Laune tat dies keinen Abbruch, als sie für die Fotografen vor der Frankfurter Skyline dann doch noch in die Objektive strahlte.

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Yuki Ogimi und Siegfried Dietrich

FFC-Neuzugang Yuki Ogimi und FFC-Manager Siegfried Dietrich waren bestens gelaunt © Markus Juchem

Das große Ganze im Blick
„Solange sie es pünktlich zum ersten Spiel schafft, kann ich damit leben“, nahm es FFC-Manager Dietrich augenzwinkernd und äußerlich gelassen. Höchstpersönlich hatte er seinen Wolfsburger Neuzugang vom Bahnhof abgeholt. Doch nicht die kleinen Dinge, sondern das große Ganze beschäftigen derzeit den FFC-Manager. Denn die wachsende Konkurrenz durch die Männervereine bereitet dem 58-Jährigen zunehmend Kopfzerbrechen.

Gewachsener Wettbewerb
In der Vergangenheit war oft der 1. FFC Frankfurt der Taktgeber, doch inzwischen geben andere Teams den Ton an. Dietrich erklärt: „Es gibt durch die zunehmende Konkurrenz durch Männervereine inzwischen zwei Welten. Vereine wie Frankfurt, Potsdam, Essen oder Jena bekommen logische Grenzen aufgezeigt. Wir denken darüber nach, wie wir uns entwickeln und positionieren können.“ Jahrelange hatte Dietrich mehr Wettbewerb propagiert und um mehr Aufmerksamkeit geworben, jetzt gilt es, sich den mit der positiven Entwicklung verbundenen Herausforderungen zu stellen und sie zu meistern.

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Strategien entwickeln
Dazu gehören laut Dietrich eine zunehmende Service-Orientierung, wie etwa den Stadionausbau am Brentanobad als Wohlfühlfaktor für die Fans und auch die Verpflichtung von Spielerinnen, „die hinter der FFC-Philosophie stehen.“ Der Verein sieht sich für die neue Spielzeit trotz der hochkarätigen Abgänge von Jessica Fishlock, Verónica Boquete und dem Karriereende von Célia Sasic gut gerüstet.

Geld gewinnt keine Titel
„Wichtig ist die professionelle Arbeit, und da haben wir noch einen Know-how-Vorsprung. Geld entscheidet nicht maßgeblich, wer Meister oder Champions-League-Sieger wird“, so Dietrich, der erneut ein packendes Kopf-an-Kopf-Rennen des Ligaquartetts um den Titel erwartet und auf steigende Zuschauerzahlen und TV-Übertragungen hofft. Mit einem Etat von erneut rund 1,8 Millionen Euro will der 1. FFC Frankfurt wieder „um Titel mitspielen und in Pokal und Champions League ins Finale kommen.“

Neue Spielerinnen aus In- und Ausland
Dabei helfen sollen eine ganze Reihe neuer internationaler Spielerinnen, wie etwa Ogimi, die Kanadierin Sophie Schmidt, die Amerikanerin Jenista Clark, die Belgierin Jackie Groenen und auch die Australierin Emily van Egmond. Aber auch einheimische Spielerinnen wurden verpflichtet, wie Bella Linden oder Rückkehrerin Theresa Panfil (beide Bayer 04 Leverkusen). FFC-Trainer Colin Bell, der sich extra für Ogimi in Schale geworfen und eine Krawatte gebunden hatte („ein Geschenk des japanischen Fußballverbands“) bleibt nicht viel Zeit, aus seiner neuen Multi-Kulti-Truppe eine schlagkräftige Einheit zu formen.

Die Spielerinnen des FFC Frankfurt strahlen in die Kamera

Bestens gelaunt: Colin Bell, Sophie Schmidt, Theresa Panfil, Kerstin Garefrekes und Simone Laudehr (v. li. n. re.)

Auf der Suche nach hungrigen Spielerinnen
„Wir haben einige Topspielerinnen verloren oder abgeben müssen und dazu noch den Rücktritt von [Célia] Sasic zu meistern. Wir haben versucht, passende Spielerinnen zu finden, die hungrig sind“, so Bell, für den die bundesligaerfahrene Ogimi eine echte Trumpfkarte ist, denn die anderen neuen internationalen Spielerinnen werden eine Weile brauchen, sich in der neuen Umgebung einzufinden und werden zu Saisonbeginn womöglich noch keine große Rolle spielen. „Alle bringen Potenzial mit und sind mit viel Eifer dabei, aber es wird eine Eingewöhnungszeit geben.“ Die Spielerinnen haben das Credo des Trainers voll verinnerlicht.

Schritt für Schritt
„Wir bleiben bei dem Motto ‚Step by Step‘“, meinte etwa Simone Laudehr, die aufgrund der intensiven Trainingseinheiten die gewohnten kleinen Wehwehchen am Knie plagen. Die sichtlich gut gelaunte Sophie Schmidt erklärte in recht ordentlichem Deutsch: „Ich wollte schon immer in Deutschland spielen und als der Anruf von Colin kam, habe ich nicht lange gezögert.“ Auch Panfil blickt voller Vorfreude der neuen Saison entgegen. „Ich habe mich persönlich und fußballerisch in Leverkusen weiterentwickelt und freue mich auf die Herausforderung.“ Die routinierte Kapitänin Kerstin Garefrekes meint: „Wir haben tolle Typen und ich bin gespannt, wie die neue Saison laufen wird.“ Gegen einen weiteren Champions-League-Gewinn gegen die neue Welt hätte sicherlich keine Spielerin etwas einzuwenden.

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

30 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Ich stimme O. Christ absolut zu!!!
    Wir haben es bereits mehrmals erlebt, wie Männerklubs ihren unliebsamen Frauenabteilungen erst den Geldhahn immer weiter zugedreht haben, und sie dann schließlich ganz geschlossen wurden!!!
    Leipzig und Bochum werden nicht die letzten sein, auch in Köln und Leverkusen gab es diesbezüglich schon Bestrebungen!!!

    Natürlich wird die Luft für Frankfurt und Potsdam oben dünner!!!
    Aber das muß ja nix schlimmes sein, wenn beide daraus die richtigen Schlüsse ziehen!!!

    Und es ist einfach gelogen, daß die Frauenteams keine gute Infrastruktur haben!!!
    Ich empfehle hierzu nochmals die Berichte durchzulesen, als TURBINE in sein neues Domizil ins „Haus der Vereine“ umgezogen ist!!!
    Dort gibt es sehr wohl einen Wellness-Tempel!!! 😉
    Der hat vielleicht keine vergoldeten Armaturen wie in München, aber die Spielerinnen fühlen sich dort trotzdem sehr wohl!!!
    Und natürlich haben sie auch die Möglichkeit, bei Sponsoren eine Ausbildung und Arbeitsstelle zu finden!!!
    Der Luftschiffhafen ist Olympiastützpunkt, und bietet somit ideale Voraussetzungen für Fitness und Training!!!

    In Frankfurt sah es diesbezüglich wohl lange Zeit sehr traurig aus, aber mittlerweile hat man dort auch nachgebessert!!!

    Die SGS und der USV dürfen zumindest für Ihre Heimspiele die größeren Stadien der Männer mitbenutzen!!!
    Ewas wovon man in Freiburg, Köln, Bremen, Leverkusen und Hoffenheim nur träumen kann!!! 😉

    Es bleibt eine große Herausforderung für die reinen Frauenklubs, sich dieser Konkurrenz zu erwehren!!!

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  • Doc8181 sagt:

    @Detlef:

    Die Frauen von Werder spielen ab dieser Saison auf Platz 11 auf dem auch die Amateure und A-Jugend-BL spielen. Da sind die Zeiten, als auf einem besseren Trainingsplatz gespielt wurde, auch vorbei ;)Und für’s Weserstadion reicht der Zuschauerschnitt dann doch nicht ganz 😉

    Und auch wenn die Freiburger Frauen nicht im Stadion der Männer spielen, find ich das der Frauen doch vollkommen ausreichend. Ebenso wie in Hoffenheim. Was bringt es, wenn man -wie in Essen- vor 800 oder 900 Zuschauern in einem 25.Stadion spielt, dass 25.000 Zuschauer fasst?????

    Turbine würde doch auch nicht freiwillig ins Olympiastadin gehen, nur weil es größer ist

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  • enthusio sagt:

    @Doc8181:

    „Was bringt es, wenn man -wie in Essen- vor 800 oder 900 Zuschauern in einem 25.Stadion spielt, dass 25.000 Zuschauer fasst?????“

    Das kann ich Dir genau sagen: Du sitzt in Essen, wenn Du willst, auf einem top-gepolsterten VIP-Platz mit ausklappbarem Tisch vor Dir (für Bier, Pommes und Bratwurst) auf Höhe der Mittellinie mit traumhaftem Blick auf das Spielfeld. In Frankfurt oder Potsdam dagegen, wenn Du keine Dauerkarte hast oder nicht rechtzeitig da bist, sitzt Du fast in Höhe der Eckfahne auf unbequemen Schalensitzen.
    Ganz abgesehen davon ist in Essen die Pressekonferenz für jedermann zugänglich.
    Das Essener Stadion ist mit Abstand das fanfreundlichste Stadion der Frauenbundesliga, da kannst Du aber Gift drauf nehmen.
    Ich persönlich möchte mit keinem „Karli“ oder „Brentanobad“ tauschen und bin froh, diesen Komfort in Essen regelmäßig in Anspruch nehmen zu können.
    Die Stimmung ist in Essen übrigens trotz der Größe des Stadions (nicht nur wegen des sehr lautstarken Fanclubs) gar nicht schlecht.

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  • Detlef sagt:

    Doc8181 schrieb;
    „Turbine würde doch auch nicht freiwillig ins Olympiastadin gehen, nur weil es größer ist“

    Doch würden wir, wenn es in Potsdam eins geben würde!!! 😉
    Oh Doc, schwerer Fehler!!!
    Potsdam ist kein Vorort von Berlin, nicht mal das gleiche Bundesland!!!
    TURBINE spielt im größten Stadion von Potsdam!!! 😉

    Es geht nicht darum, ob die Kapazität ausreichend ist oder nicht!!!
    Das Image der SGS ist gestiegen, denn sie spielen nun im selben Stadion wie die legendären Rot-Weißen!!!

    Auch wenn Anfangs einige Fans dagegen waren, hat sich mittlerweile wohl jeder damit arrangiert!!! 😉
    Potentielle Sponsoren haben dort ein repräsentatives Umfeld!!!

    Ich kenne mit Ausnahme von Bremen alle Stadien der Buli!!!
    Natürlich sind sie für die Bedürfnisse der FF-Buli völlig ausreichend!!!
    Trotzdem werden viele Frauen davon träumen, einmal im größten Stadion ihrer Stadt spielen zu dürfen!!!
    Für mich ist das ein Pfund, womit Jena und Essen wuchern können!!! 🙂

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  • holly sagt:

    @ Detlef, aber für die Stimmung ist es ein Killer wenn man in so einem Stadion spielt. Ich mag es auch lieber so, aber es gibt natürlich bei solchen Sachen immer auch Nachteile.
    Mann kann nicht alles im Leben haben

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  • Detlef sagt:

    @holly,
    Viele Stadien sind mM so gebaut, daß der Schall in Richtung Spielfeld zurückgeworfen wird!!!
    Das war zB in der alten Arena „Am Elsterweg“ so, und ist auch so im neuen Stadion Essen, und im Ernst Abbe-Stadion in Jena!!! 🙂
    Auch die Haupttribüne im KARLI ist so gebaut!!!
    So kann man auch mit relativ wenigen Zuschauern eine gute Stimmung erzeugen, wie enthusio bereits angedeutet hat!!! 😉

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  • annanass sagt:

    @ Detlef : Amen

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  • holly sagt:

    hat Frankfurt überhaupt Testspiele bestritten man hat davon garnichts gehört?

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  • FFFan sagt:

    @ holly:
    „hat Frankfurt überhaupt Testspiele bestritten?“

    Ja, haben sie! U.a. gegen Hessen Wetzlar (2-0), TSG Hoffenheim (0-0) und die (männl.) U16 von Rosenhöhe Offenbach (6-0).

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  • holly sagt:

    danke für die Info. habe auf der HP vom FFC nichts gefunden gehabt

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