DFB-Elf nach Elfmeterkrimi im Halbfinale

Von am 27. Juni 2015 – 0.46 Uhr 48 Kommentare

Die deutsche Frauenfußball-Nationalelf nach einem packenden Elfmeterkrimi gegen Frankreich das Halbfinale der Frauenfußball-WM in Kanada erreicht. Dabei war die DFB-Elf lange Zeit das unterlegene Team, erst durch einen verwandelten Handelfmeter rettete sich das Team in die Verlängerung. Einmal mehr wurde DFB-Torhüterin Nadine Angerer zur Matchwinnerin.

Die DFB-Elf setzte sich vor 24 859 Zuschauer im Olympiastadion von Montreal mit 5:4 nach Elfmeterschießen durch, nach 120 Minuten hatte es nach Treffern von Louisa Necib (64.) und Célia Sasic (84. Handelfmeter) 1:1 gestanden. DFB-Torhüterin Nadine Angerer wurde wie schon im EURO-Finale 2013 mit einem gehaltenen Elfmeter zur Matchwinnerin. Somit trifft die DFB-Elf im Halbfinale am kommenden Dienstag in Montreal auf die USA, die in Ottawa ihr Viertelfinalspiel gegen China durch einen Treffer von Carli Lloyd (51.) mit 1:0 (0:0) gewannen.


Eine Veränderung in beiden Startformationen
Die DFB-Elf begann in der erwarteten Startformation: Im Vergleich zum 4:1-Sieg gegen Schweden im Achtelfinale änderte Bundestrainerin Silvia Neid ihre Elf nur notgedrungen, für die gelbgesperrte Saskia Bartusiak übernahm Babett Peter den Platz neben Annike Krahn in der Innenverteidigung. Frankreichs Trainer Philippe Bergeroo nahm ebenfalls eine Änderung vor, anstelle von Laure Boulleau kam überraschend Amel Majri.

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Necib verpasst frühe Führung
Nicht einmal 60 Sekunden gespielt, da war klar, wer die Musik machte. Nach Flanke von Elodie Thomis scheiterte Louisa Necib nur denkbar knapp mit ihrem Schuss (1.). Es war das Auftaktsignal für einen wahren Sturmlauf der Französinnen, Laura Georges hatte nach Freistoß Necib mit einem Drehschuss die nächste Chance (4.).

Sasic-Kopfball beste DFB-Chance
Die DFB-Elf tat sich mächtig schwer, einen Fuß ins Spiel zu bekommen. Ein Freistoß von Lena Goeßling sorgte für einen Hauch von Gefahr, doch Frankreichs Torhüterin Sarah Bouhaddi klärte mit beiden Fäusten (12.). Deutschland kämpfte sich nun ein wenig besser in die Partie, Célia Sasic hatte mit einem Kopfball die beste deutsche Chance (14.). Dennoch gelang es den deutschen Spielerinnen kaum ihr eigenes Spiel aufzuziehen, Anja Mittags Distanzschuss war ein Zeichen der Ratlosigkeit (20.).

Célia Sasic (li.) und Dzsenifer Marozsán

Célia Sasic (li.) und Dzsenifer Marozsán bejubeln den dramatischen Halbfinaleinzug © Nora Kruse / ff-archiv.de

Frankreich immer einen Tick schneller
Die Französinnen waren weiter spritziger, Marie-Laure Delie köpfte nach Flanke von Thomis übers Tor (25.). Frankreich blieb weiter am Drücker, erst landete ein Schuss von Amandine Henry in den Armen von Nadine Angerer, kurz darauf parierte die DFB-Torhüterin glänzend aus kurzer Distanz gegen Necib (38.).

Marozsán für Mittag
Mit Dzsenifer Marozsán für Anja Mittag ging es in die zweite Halbzeit, Sasic hat mit einem Aufsetzer die erste Chance (50.). Die deutsche Mannschaft konnte nun besser dagegenhalten, Marozsán prüfte Bouhaddi mit einem Freistoß (58.).

Führung durch Necib
Doch es kam, wie es kommen musste: Nach einem weiten Ball von Jessica Houara-d`Hommeaux köpfte Peter den Ball für die Füße von Necib, deren von Annike Krahn abgefälschter Schuss an Angerer vorbei den Weg ins Netz fand (64.). Mit Sarah Däbritz für Alex Popp wollte Neid neue Impulse setzen. Simone Laudehr hatte nach einer Ecke von Goeßling den Ausgleich auf dem Fuß, scheiterte mit ihrem Schuss aber knapp (72.).

Sasic trifft vom Elfmeterpunkt
Für die Schlussphase brachte Neid Melanie Behringer für Lena Goeßling. Und der DFB-Elf gelang der kaum für möglich gehaltene Ausgleich. Leonie Maier traf Amel Majri am linken Oberarm, Schiesrichterin Carol Anne Chenard zeigte auf den Elfmeterpunkt. Sasic verwandelte sicher zum 1:1 (84.) und es ging in die Verlängerung.

DFB-Team in der Verlängerung stärker
Die DFB-Spielerinnen wirkten nun frischer als ihre Konkurrentinnen. Nach einer schöen Kombination über Simone Laudehr und Leonie Maier versuchte es Däbritz aus der Drehung (103.). Die Französinnen kamen nur noch selten vors Tor, doch die eingewechselte Thiney vergab den Matchball, als sie aus kurzer Distanz freistehend den Ball am Tor vorbeischob (117.). In der ersten Minute der Nachspielzeit zog die eingewechselte Kheira Hamroui ab, der Ball senkte sich gefährlich, aber erst hinterm Tor (120.+1). Auf der Gegenseite vergab Marozsán die letzte Chance vorm Elfmeterschießen (120.+2). Dort hielt Angerer mit dem Knie den letzten Elfmeter gegen Claire Lavogez, nachdem zuvor alle Spielerinnen ihre Elfmeter verwandelt hatten.

Elfmeterschießen

1:0 Behringer
1:1 Thiney
2:1 Laudehr
2:2 Abily
3:2 Peter
3:3 Necib
4:3 Marozsan
4:4 Renard
5:4 Sasic
5:4 Angerer hält gegen Lavogez

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

48 Kommentare »

  • Detlef sagt:

    Eigentlich wollte ich zu diesem Spiel keinen Kommentar mehr abgeben, da ohnehin schon alles gesagt wurde!!!
    Allerdings finde ich die Einschätzung, daß die DFB-ELF besser gekämpft hätte äußerst lachhaft!!!

    Die Französinnen haben ihre klaren Chancen wieder mal nicht genutzt, und tun mir deshalb auch kein bisschen leid!!!
    Als TURBINE-Fan kenne ich das ja zur Genüge!!! 🙁

    Zudem hat Herr Bergeroo für mich einige unverständliche Entscheidungen getroffen, ich hätte zB Tomis niemals vom Feld genommen, und ich hätte niemals die Verantwortung für so einen wichtigen Elfer auf so eine junge Spielerin übertragen!!!
    Das konnte eigentlich nur schief gehen !!!

    Außerdem hat die Schiedsrichterin mM nach etwas zu offensichtlich pro Deutschland gepfiffen, was man an der Vergabe der gelben Karten, und vor allem an der Auslegung von Handspiel sehen konnte!!!

    Auch wenn die USA gegen China sehr dominierend waren, mangelte es ihnen doch an Effizienz, ähnlich wie auch der Weltmeister gegen tapfer kämpfende Mathildas!!!

    Ich kann den Einschätzungen von sonic weitestgehend folgen, möchte aber auch anmerken, daß TABBI im Verbund mit Krahn und auch BABBS oft die Blauen stoppen konnte, wenn auch erst im zweiten oder dritten Versuch!!!

    Frau Bundesgöttin hätte hier mal neue Wege beschreiten müssen, und die vielleicht schnellste DFB-Spielerin auf die Tomis-Seite stellen können!!!
    PAULI hat in Potsdam auch schon Abwehr gespielt, und hätte mit ihrer Schnelligkeit auch eine gute Flugelflitzerin abgegeben!!! 😉
    Flexibilität fordert sie nur von ihren Spielerinnen, nicht aber von sich selbst!!!

    Was geht jetzt gegen die Amis???
    Zweifelsohne liegen die uns wesentlich besser als die technisch weit überlegenen Französinnen!!!
    Morgen, Krieger und Co zelebrieren den selben kampfbetonten-, und athletischen Stil wie wir auch, ohne Schnörkel und zur Not mit der Brechstange!!! 😉

    Deshalb könnte meine im Vorfeld geäußerte Befürchtung doch noch wahr werden, daß sich der neue Weltmeister irgendwie durchmogeln darf und kann!!! 🙁

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  • Andreas N. sagt:

    @Detlef:

    Ich sehe vieles komplett anders, insbesondere jedoch dieses hier:

    Zitat: „Außerdem hat die Schiedsrichterin mM nach etwas zu offensichtlich pro Deutschland gepfiffen, was man an der Vergabe der gelben Karten, und vor allem an der Auslegung von Handspiel sehen konnte!!!“

    Meiner Meinung nach hat die Schiedsrichterin sehr Frankreich-freundlich gepfiffen, mit Ausnahme der Situation beim Handelfmeter, den hätten einige andere Schiedsrichterinnen wohl nicht unbedingt gegeben.

    Viele andere Situationen waren aber komplett pro Frankreich: (1) Gelbe Karte für Maroszan war völlig überzogen. (2) Gelbe Karte für Lavogez wäre dagegen ein Muss gewesen (für ihre Schwalbe, die eher ein Flugsaurier war, insbesondere inklusive schmerzverzerrtem Krümmen und Schienbein-Halten). (3) Eine Aktion gegen Däbritz im Strafraum hätte ich als Foul gepfiffen.

    Soweit ich weiß, hatte sich nach dem Spiel auch weder der französische Trainer noch eine französische Spielerin über eine zu einseitige Schiedsrichterin beklagt (bis auf die Aussage von Henry, dass man den Handelfmeter nicht unbedingt pfeifen muss).

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @Andreas N.
    Wenn Maro im Anstoßkreis ein völlig unnötiges und in der Tat gelbwürdiges Foul, weil mit Sohle voraus, verursacht, dann kann ich anstelle von Mitleid empfinden nur noch mit dem Kopf schütteln, ob soviel Dummheit!
    Bei Lavogez bin ich allerdings wieder bei Dir.
    Will aber auch an der Stelle ihren verschossenen Elfer an ihrer eigenen Fehl- bzw. Selbstüberschätzung festmachen. Ich glaube, Bergeroo hat hier einen totalen Fehlgriff mit ihrer Wahl getätigt, den er selbst sehr schnell als solchen erkannt haben dürfte, gemessen an seiner langen Trostphase mit Claire im Arm!

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  • Andreas sagt:

    @Detlef

    Da forderst Du aber etwas zu viel Flexibilität von der Bundestrainerin. Eine Pauline Bremer als Linksverteidigerin aufzubieten, die international auf dem Level (N11) sowieso noch kaum Erfahrung hat und dann auf einer Position, die sie vielleicht hin und wieder mal im Verein gespielt hat. Das geht echt zu weit in Sachen Kritik an SN.
    Außerdem könnte zumindest bei Deutschland nicht die Rede davon sein, sie hätten sich durchgemogelt, sollte man den Titel holen. Und bei den USA auch nicht, denn sie hätten dann Deutschland geschlagen und voraussichtlich Japan.

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  • Jan sagt:

    Deutschland stand mit dem Rücken zur Wand. Gegen einen spielerisch Stärkeren die Passwege zustellen?? (statt konsequent deren Anspielstationen zu decken!!) Das kann schon rein logisch u. mathematisch kaum funktionieren.

    Am Ende erlebten die besseren Französinnen jedenfalls ihr Deja-vu zum EM-VF, wo sie im 11m-Schießen an Dänemark scheiterten. Die ansonsten gute Bouhaddi ist wohl keine allzu gute 11m-Killerin, oder? (Stand sie bei der EM eigtl. auch im Tor?)

    Puh…, das ist also gerade nochmal gut gegangen. Bloß wie, bitteschön, soll das gegen die USA gut gehen?

    Vielleicht ist es ja eine gute Option, beide MF-Spielerinnen Goeßling u. Leupolz jeweils nach ca. 60 Min. gegen Marozsan u. Behringer auswechseln zu können, um somit Lloyd od. eine Rapinoe ständig zu beschäftigen u. einigermaßen auszuschalten?

    Wie A.Popp drauf ist, weiß man immer erst hinterher. Vllt. läuft’s ja im HF besser?

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  • Detlef sagt:

    @Andreas,
    Nunja, Frankreich-freundlich sieht doch deutlich anders aus!!!

    Die Gelbe gegen Marozsan fand ich auch übertrieben, und Lavogez wurde vom Fusballgott direkt bestraft!!! 😉
    Aber auch Leupolz hätte eine bekommen müssen, und Popp fürs Ballwegschlagen plus meckern!!!
    Die Gelbe für Delie war ein Witz, da hätte drei viertel der Deutschen so eine Verwarnung verdient gehabt!!! 😁

    Ich behaupte einfach mal, daß die DFB-Auswahl auf normalem Wege kein Tor mehr Zustande gebracht hatte!!!
    Der Ausgleich wurde ihnen geschenkt!!! 😉
    Von erarbeitet oder gar verdient darf man nicht reden!!!

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  • Stahlratte sagt:

    Detlef, also ernst nehmen kann man deine Kommentare zum Thema ja nicht mehr, da helfen auch keine dreifachen Ausrufezeichen.

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  • FFFan sagt:

    @ Detlef:
    „Deshalb könnte meine im Vorfeld geäußerte Befürchtung doch noch wahr werden, daß sich der neue Weltmeister irgendwie durchmogeln darf und kann!!!“

    „Durchmogeln“ kann sich sicher niemand, dazu ist das Turnier zu lang und zu anspruchsvoll. Wer am Ende den Titel holt, hat’s auch verdient!

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