Deutschland gegen Thailand: die Einzelkritik

Von am 16. Juni 2015 – 1.05 Uhr 26 Kommentare

Mit einem 4:0-Sieg gegen Thailand hat sich die deutsche Frauenfußball-Nationalelf als Sieger der Gruppe B für das Achtelfinale qualifiziert. Doch es ist noch viel Luft nach oben.

Nadine Angerer: Wie schon im Auftaktspiel gegen die Elfenbeinküste verlebte die DFB-Torhüterin einen geruhsamen Nachmittag. Nur selten gab es mal ein wenig Aufregung, wie in der 21. Minute, als Thailand die Chance zur Führung hatte.

Note: 3

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Bianca Schmidt: War zunächst unauffälliger als ihr Pendant Jennifer Cramer auf der anderen Außenbahn, steigerte sich aber im Spielverlauf und gab nach feiner Einzelleistung die schöne Vorlage zum 2:0. Insgesamt aber in der Vorwärtsbewegung nicht druckvoll genug.

Note: 3

Annike Krahn: Hatte nicht allzu viel zu tun und klärte die meisten Situationen souverän. Leistete sich aber einen groben Schnitzer, als sie unweit der Mittellinie den Ball an Kanjana Sung Ngoen verlor und Thailand somit fast die Führung ermöglichte.

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Note: 3,5

Babett Peter: Ersetzte in der Innenverteidigung die gelbvorbelastete Saskia Bartusiak und machte ihre Sache bei den wenigen ernsthaften Aktionen der Thailänderinnen ordentlich. Hatte aber wie Krahn nicht viel zu tun.

Note: 3

Jennifer Cramer: Spielte in der Anfangsphase einige kluge Pässe, machte aber insgesamt zu wenig aus dem Platz, den ihr die Thailänderinnen oft anboten. Was für Schmidt, gilt auch für Cramer, gegen eine solchen Gegner müssen offensiv noch mehr Impulse kommen.

Note: 3

Melanie Behringer: Die Münchner Mittelfeldspielerin hatte nicht nur die erste Chance des Spiels, sondern schlug auch die Ecke, die zum 1:0 führte. War einer der Aktivposten im deutschen Spiel und schlug gefühlt zwei Dutzend Standards in den Strafraum.

Note: 2,5

Melanie Leupolz

Melanie Leupolz war eine der besten Spielerinnen im deutschen Team © Sascha Pfeiler / girlsplay.de

Melanie Leupolz: Bundestrainerin Silvia Neid war erleichtert, dass Melanie Leupolz wieder einsatzfähig war. Und man konnte sehen, warum. Erzielte per Kopf das 1:0, überzeugte mit ihrer Präsenz und spielte eine ganze Reihe kluger Pässe. Eine der Besten, für die FIFA sogar die „Spielerin des Spiels“.

Note: 2,5

Lena Lotzen: Hatte zwar viele Ballkontakte, verlor aber viele Zweikämpfe. Ihr fehlen derzeit noch sichtlich Spritzigkeit und Selbstvertrauen. Steigerte sich zwar in Halbzeit zwei und gab nie auf, doch insgesamt noch weit von ihrer Bestform entfernt.

Note: 4,5

Dzsenifer Marozsán: Gegen Norwegen noch die Beste, erwischte Marozsán gegen Thailand einen schwachen Tag. Schaffte es nicht, das Heft in die Hand zu nehmen und vergab ihre sich bietenden Torchancen leichtfertig, wie etwa kurz vor der Pause.

Note: 4,5

Sara Däbritz: War stets bemüht, versuchte viel, blieb aber häufig an einer Thailänderin hängen oder spielte einen Fehlpass. Auch sie steigerte sich jedoch in Halbzeit zwei und stand goldrichtig, um beim 4:0 den Ball über die Linie zu drücken.

Note: 3,5

Célia Šašić: Stand als einzige Sturmspitze oft auf verlorenem Posten. Ackerte viel, bekam aber zu wenig Bälle aus dem Mittelfeld. Konnte sich aber auch in 1-1-Situationen nur gelegentlich durchsetzen, wie etwa beim Drehschuss spät in der ersten Halbzeit.

Note: 4

Lena Petermann: Kam zur zweiten Halbzeit und war eine der Gewinnerinnen im deutschen Team. Stand zweimal goldrichtig und erzielte jeweils per Kopf die Tore zum 2:0 und 3:0. Und auch beim 4:0 leitete sie den Ball von Schmidt auf Däbritz weiter. Ein echter Aktivposten.

Note: 2,5

Anja Mittag: Die mit vier Treffern Führende in der WM-Torschützinnenliste kam erst nach der Pause und brauchte eine Weile, um ins Spiel zu finden. Wurde aber im Laufe der zweiten Halbzeit immer stärker und hatte Anteil am verbesserten Auftritt der DFB-Elf.

Note: 3

Josephine Henning: Kam nach einer guten Stunde für Krahn in die Partie, verlebte aber ebenfalls eine ruhige halbe Stunde und hatte kaum Möglichkeiten, sich nachhaltig in Szene zu setzen, da Thailand immer seltener vors deutsche Tor kam.

Note: 3

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

26 Kommentare »

  • gerd karl sagt:

    holly, es geht um das eingespielt sein und darum das man jeden gegner ernst nimmt.
    7 änderungen in einer mannschaft, trotzdem viele torchancen, ich finde das garnicht so schlecht.
    bei der gross chance von marozsan hat sie das sehr lässig genommen, wenn die uswnt der gegner gewesen wäre dann hätte maro den gemacht.
    alles kopfsache, jeden gegner ernst nehmen und 100% geben.

    bremer wird in den k.o. spielen kommen, warum soll neid jedem gegner verraten wie schnell bremer ist, ihre stunde kommt.
    warum ich skeptisch bei den französinnen bin, 1 tor in 2 spielen und die nächste südamerikanische mannschaft kommt.

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  • Kaiserkatze sagt:

    So Einzelbewertungen sind doch immer fragwürdig. Man sollte doch vielmehr die Grundvorraussetzungen betrachten, die eine Spielerin mitbringt, um einen positivne Beitrag zur gesamten Mannschaftsleistung beisteuern zu können.

    Welchen Beitrag leistet zum Beispiel Annike Krahn ?

    Offenbar ja einen ganz beträchtlichen. Hat ja eine 3,5 erhalten und liegt damit knapp unter dem Durchschnitt. Ich selbst würde sie aber als absolut entbehrlich betrachten und frage mich in jedem Spiel, warum Deutschland nicht in der Lage ist, eine geeignetere Spielerin für diese Position auszubilden.

    Betrachtet man die gezeigte Mannschaftsleistung, dann war das halt das selbe, wie man schon bei der letzte Weltmeisterschaft bestauen durfte. Natürlich mit den selben Mängel und das sollte einem schon zu denken geben.

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  • FF-Fuchs sagt:

    Eine richtige Beurteilung der Spielerinnen kann man wohl erst in der K.O. Phase abgeben. Da wird sich zeigen, welche Damen in diesen Spielen überzeugen können.

    Mir persönlich hat im Mittelfeld M.Behringer mehr Präsenz im gesamten Spiel gezeigt als M. Leupolz oder Marozhan. Von Däbritz sah man gar nichts. In der 2. Halbzeit wurden die Thailänderinnen müde und es gab mehr Platz.

    Ich glaube je stärker der Gegner wird, desto konzentrierter wird die Mannschaft auftreten. Ist halt alles Kopfsache.

    Als Randnotiz möchte ich noch folgendes anmerken:

    Norwegen hat die Ersatztorhüterin eingewechselt, fand ich eine schöne Anerkennung. Könnte Frau Neid auch mal einfallen.

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  • cosinus sagt:

    In einigen Beiträgen sind viele Schwachpunkte angesprochen worden. Wenn nach Leistung aufgestellt werden muß, dann ohne Sasic, Lotzen+ Marozan.
    In der 2.HZ war eine gewisse Frische (Petermann, Mittag) zu erkennen- wenn Brehmer auf rechts gekommen wäre, dies hätte dann
    komplett was ausgemacht.[…]

    Dieser Kommentar wurde von der Redaktion in Übereinstimmung mit den Womensoccer-Leitlinien editiert. Die editierten Stellen wurden mit Auslassungszeichen […] markiert.

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  • Detlef sagt:

    Kaiserkatze schrieb;
    ….und frage mich in jedem Spiel, warum Deutschland nicht in der Lage ist, eine geeignetere Spielerin für diese Position auszubilden.

    Fragst Du Dich das wirklich, oder sollte das ironisch gemeint sein??? 😉
    Die „göttlichen Seilschaften“ wurden doch hier schon öfter beklagt, da sollten eigentlich keine Fragen mehr offen sein!!! 😉

    Ich sehe das ähnlich wie Frau Fußball!!!
    Das Spiel gegen Thailand sollte man nicht ganz so ernst nehmen, denn es fehlte einfach die Notwendigkeit sich richtig anzustrengen!!!

    Das Norge-Spiel muß uns da schon wesentlich mehr Kopfzerbrechen machen!!!
    Wir erwischen einen Gegner, der zumindest von der Papierform in etwa auf Augenhöhe ist, auf dem falschen Fuß, und nutzen diesen Vorteil nicht aus!!!
    Am Ende müssen wir den Sieg auch noch herschenken, weil unsere Abwehrspielerinnen zu langsam sind!!!
    Dieses Spiel machte deutlich, daß das DFB-Team nicht automatisch besser und konzentrierter auftritt, wenn der Gegner starker wird!!!
    Das gelingt nicht mal im gleichen Spiel, wo nur 15 min dazwischenliegen!!!

    Es werden jetzt nur noch solche Gegner auf uns warten, und sie werden die Fehler der Pellerud-Truppe nicht wiederholen!!!
    Was werden Sasic und Co dagegenhalten können???

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  • Ludwig sagt:

    @Dori

    Nur, damit kein Missverstännis aufkommt. Ich sehe das absolut so wie du. Entschuldigungen werden von den Verantwortlichen gesucht, nicht von Lotzen selbst. Wenn man der Ansicht ist, dass sie Spielpraxis braucht – was ja sicherlich richtig ist und was man ihr dann auch anbieten soll – bietet sich nach meiner Ansicht eine Einwechselung irgendwann in der zweiten Halbzeit an, aber nicht die Aufstellung in der Startelf. So gerät sie eventuell in eine Spirale, einen Fehler wieder gut machen zu wollen und damit automatisch den nächsten zu machen.

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