Schweiz verliert, Schweden patzt

Von am 9. Juni 2015 – 9.31 Uhr 15 Kommentare

Zum Auftakt der Frauenfußball-WM in Kanada musste die Schweizer Frauenfußball-Nationalelf eine knappe Niederlage gegen Weltmeister Japan einstecken. Die USA siegten nach anfänglichen Schwierigkeiten sicher gegen Australien, für die meisten Tore des Spieltags sorgte Kamerun. Enttäuschend verlief der erste WM-Auftritt von Schweden.

Im BC Place von Vancouver musste sich die Auswahl von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg gegen Weltmeister Japan mit 0:1 (0:1) geschlagen geben. Ein verwandelter Foulelfmeter von Kapitänin Aya Miyama (29.) machte den Unterschied, nachdem die Schweizer Torhüterin Gaëlle Thalmann Kozue Ando regelwidrig im Strafraum von den Beinen geholt hatte. Ando verletzte sich bei der Aktion und musste kurz darauf ausgewechselt werden.

Bachmann vergibt Chance zum Ausgleich
Die Schweizerinnen hielten, angetrieben von Ramona Bachmann, gut mit dem Weltmeister mit, die Stürmerin des FC Rosengård vergab in der zweiten Minute der Nachspielzeit die große Chance zum Ausgleich, als ihr Schuss aus aussichtsreicher Position über die Latte ging (92.).

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Chancen gegen den Weltmeister
Von Beginn an lieferten sich die Schweizerinnen mit Japan einen Schlagabtausch auf Augenhöhe. Japan warf seine gewohnten Qualitäten in die Waagschale, ein gepflegtes, geduldiges Kurzpassspiel. Doch die Schweizerinnen hatten durch Bachmann nach feinem Zuspiel von Rachel Rinast die erste gute Chance (12.). Auch nach dem Rückstand ließen sich die Schweizerinnen nicht aus der Ruhe bringen, Bachmann scheiterte nach feinem Solo nur knapp von der Strafraumgrenze (44.).

Voss-Tecklenburg: „Leider das Tor nicht gemacht“
In der zweiten Halbzeit steigerten sich die Schweizerinnen sogar und kamen häufiger gefährlich vor das japanische Tor. So in der 78. Minute, als Bachmann jedoch zu eigensinnig agierte und die besser postierte Ana Maria Crnogorcevic übersah. „Die zweite Halbzeit war klasse, wir haben leider nur das Tor nicht gemacht. Mit unserer Einstellung hätten wir uns heute mehr verdient. Ich ziehe den Hut vor meinem Team. Wenn wir so weitermachen, werden wir auch weiterkommen“, so die Schweizer Trainerin Martina Voss-Tecklenburg.

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Auftaktsieg für die USA
Die USA kamen gegen Australien zu einem 3:1 (1:1)-Erfolg. Nach starkem Beginn der Australierinnen und einer Glanzparade von Hope Solo, die den frühen Rückstand verhinderte, erzielte Megan Rapinoe mit einem abgefälschten Schuss die US-Führung (12.), doch Lisa De Venna konnte für die Australierinnen mit einem platzierten Schuss ausgleichen (27.).  Nach der Pause wurden die Amerikanerinnen dann ihrer Favoritenrolle gerecht, Christen Press (61.) und erneut Rapinoe (78.) sorgten für einen Auftaktsieg der Amerikanerinnen.

Schweden kommt mit blauem Auge davon
Eine schwache schwedische Mannschaft kam in ihrem ersten Spiel gegen eine offensivstarke nigerianische Auswahl nicht über ein 3:3 (2:0) hinaus und verspielte dabei eine bereits zur Pause schmeichelhafte Zwei-Tore-Führung. Der Afrikameister war von Beginn an die spielerische bessere Mannschaft, geriet aber durch Eigentor von Desire Oparanozie in Rückstand (21.). Nilla Fischer erhöhte aus kurzer Distanz gegen Nigerias wacklige Defensive auf 2:0 (31.). Die überragenden Ngozi Okobi (50.) und Asisat Oshoala (53.) konnten anfangs der zweiten Halbzeit binnen drei Minuten ausgleichen und ließen sich auch durch den neuerlichen Rückstand durch Linda Sembrant nicht aus der Ruhe bringen (60.). Francisca Ordega machte den verdienten Punktgewinn perfekt (87.).

Ein fulminantes WM-Debüt zauberte Kamerun beim 6:0 (3:0)-Sieg gegen Ecuador auf den Rasen. Überragende Spielerin war mit drei Toren Gaëlle Enganamouit (36., 73., 90.+4 Foulelfmeter), die weiteren Tore gegen überforderte Südamerikanerinnen erzielten Madeleine Ngono Mani (34.), Christine Manie (44. Foulelfmeter) und Gabrielle Onguene (79. Foulelfmeter).

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

15 Kommentare »

  • never-rest sagt:

    Alle Achtung Nilla Fischer: An allen 4 Toren mehr oder weniger beteiligt.

    Ansonsten ein sehr unterhaltsames Spiel zwischen Schweden und Nigeria, das Lust auf mehr macht. Den Afrikanerinnen traue ich noch die eine oder andere Überraschung zu. Eine junge hoch talentierte Mannschaft, der es aber noch an Erfahrung und Abgeklärtheit fehlt. In der Abwehr sind sie aber verwundbar, vor allem bei hohen Bällen, wie die Schwedinnen gnadenlos aufgezeigt haben.

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  • DAWIDenko sagt:

    Da hat der Weltmeister doch scheinbar ziemlich viel Glück gehabt.
    Die Schweizerinnen scheinen dem Bericht zur Folge ein sehr starker Gegner gewesen sein. Schade, dass es mit dem ersten Punkt noch nicht geklappt hat.

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  • Putin-Versteher sagt:

    Bachmann hätte beinah ein Traumtor gemacht.

    https://i.imgur.com/k34IPID.gif

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  • Herr Schulze sagt:

    Die Aussage „Schweden patzt“ würdigt Nigeria doch sehr herab. Wenn es denn Patzer, sprich: krasse Fehler gab in diesem Spiel, so sind sie doch eher Nigeria unterlaufen, die im Gegensatz zu Schweden auch fußballerisch beeindruckten.
    Bachmanns Maradonna-Lauf: großartig.

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  • rabenschey sagt:

    Die Nigerianerinnen haben großartig gespielt, die Schwedinnen hingegen waren eine einzige Enttäuschung. Bis auf die gefährlichen Ecken (die nun bekannt und nicht mehr gefährlich sind) kam da gar nichts.

    Nigeria hatte diesen Punkt mehr als verdient und wird hoffentlich weiterkommen. Dazu müsste ein Sieg gegen Australien reichen.

    Weiß hier eigentlich jemand, warum das Fußball-Magazin „11 Freunde“ die Frauen-WM komplett ignoriert?

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  • never-rest sagt:

    Ich kann mir vorstellen, dass die Nigerianerinnen gegen das Team USA, dass m.E. in die Jahre gekommen ist (Wambach,Boxx, O`Reiley,Rapinoe) auch punktet. Die USA werden mit den pfeilschnellen Nigerianerinnen ihre liebe Mühe und Not bekommen. Allerdings sind die USA meist höchst effektiv bei der Verwertung ihrer Chancen. Und der Siegeswillen der US-Girls ist sowieso legendär.

    Übrigens fand ich Schweden nicht schlecht, als Beispiel das toll heraus gespielte 3. Tor, aber Nigeria war wenigstens genauso gut. Entäuscht haben mich auf schwedischer Seite die Leistungen von Schelin und Aslani.

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  • balea sagt:

    Nilla Fischer dürfte sich mit diesem Auftritt um alle Chancen auf den Titel „Weltfussballerin“ gebracht haben.

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  • wolle sagt:

    Also mich hat Schweden total enttäuscht. Der von never-rest beschriebene Angriff zum 3. Tor war der einzig vernünftig vorgetragene Angriff in 90 Minuten. Ansonsten Schelin & Co total abgemeldet. Und die immer hochgelobte Fischer hat die Nigerianerinnen auch nie in den Griff bekommen. Da waren schon etliche Bolzen bei Ihr. Was ich erschreckend fand, das Schweden nach 1 Stunde stehend KO war. Nicht nur Fischer hatte Wadenkrämpfe wenn ich das richtig gesehen habe. Lag das nur am Kunstrasen oder ist da einiges in der Vorbereitung falsch gelaufen?
    Nigeria war nahe dran am Sieg. Erfrischender Angriffsfußball mit ganz viel Herz, aber irgendwie noch sehr naiv. Für mich ist Nigeria wie ein Rohdiamant. Wenn die einen Trainer bekommen dem es gelingt, mehr Struktur und taktisches Verständnis zu vermitteln, ist glaube ich alles möglich. Auf alle Fälle macht Nigeria Lust auf mehr FF.

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  • Ludwig sagt:

    Was ich bei Nigeria sehr erfreulich fand, war, dass sie von dem Kickboxen, das sie vor 4 Jahren noch betrieben haben, offenbar zum Fussball spielen übergegangen sind.

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  • Hitzfeld09 sagt:

    Ich finde auch, eigentlich müsste die Überschrift lauten: Nigeria patzt – denn sie waren das spielerisch überlegene, spielbestimmende, begeisternde Team. Dass sie nicht hoch gewonnen haben, lag an den 2 Patzern bei den Standards und an einer teils gruseligen Chancenverwertung … Sie haben sich aber in die Herzen der Fns gespielt.

    Wenn sie das mit der Effektivität in Defensive und Offensive noch in den Griff bekommen, müssen sich noch andere etablierte Teams außer Schweden warm anziehen …

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  • Hitzfeld09 sagt:

    PS: @rabenschey:
    Die Ignoranz der 11Freunde ist eine für sie peinliche Sache. Ich habe mich mal bei der Redaktion erkundigt, warum Frauenfußball offenbar für sie kein Aspekt der Fußballkultur sei – keine Antwort.
    Zuletzt habe ich in der Kommentarfunktion als Gast Kommentare hinterlassen, als S. Blatter: „Frauenfußball ist doch kein richtiger Fußball, das ist keine Meldung wert“, dann als 11 Freunde: „Frauenfußball ist doch kein richtiger Fußball, das ist keine Meldung wert“ und als 11 Freundinnen „Alles nur alte Machos hier“

    Interessanterweise gab es dann mal eine kopierte dpa-Meldung, aber mehr auch nicht …

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  • Detlef sagt:

    Ich muß Herrn Schulze völlig Recht geben, daß ein Unentschieden gegen Nigeria kein „patzen“ ist, erst recht nicht wenn man 3 Tore erzielt hat, und anscheinend sogar spielerisch unterlegen war!!!

    Das Dreikronenteam ist oft eine Wundertüte, und es fehlt ihnen an Breite im Kader, um schlechte Stammspielerinnen einfach mal auf die Bank setzen zu können!!!

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  • Sokrates sagt:

    never-rest sagt:
    9. Juni 2015 um 17.15 Uhr

    Ich kann mir vorstellen, dass die Nigerianerinnen gegen das Team USA, dass m.E. in die Jahre gekommen ist (Wambach,Boxx, O`Reiley,Rapinoe) auch punktet. Die USA werden mit den pfeilschnellen Nigerianerinnen ihre liebe Mühe und Not bekommen. Allerdings sind die USA meist höchst effektiv bei der Verwertung ihrer Chancen. Und der Siegeswillen der US-Girls ist sowieso legendär.

    Von den von dir aufgezählten Ü30-Spielerinnen der Amerikanerinnen sind Shannon Boxx und Heather O´Reilley keine Stammspielerinnen mehr. (Das gleiche gilt auch für die noch ältere Rampone, den ehemaligen Captain.) Stattdessen ist mit Brian noch ein großes Talent auf dem Sprung in die Startelf und die IV ist mit Becky Sauerbrunn und Julie Johnston (an der Turbine übrigens vor der letzten Saison dran war!)stark verjüngt.

    Ein großes Problem der USA war – neben ihrer spürbaren Nervosität in der ersten Halbzeit -, dass Abby nur in der Spitze auf lange hohe Bälle wartete nund kaum Ballkontakte hatte. Erst kurz nach dem 2:1 durch die ebenfalls relativ schwache Christen Press ließ Wambach sich öfter fallen, hatte sofort mehr Ballkontakte und und leitete den Ball ganz gut weiter zu ihren Mitspielerinnen.

    Von entscheidender Bedeutung für den weiteren Turnierverlauf wird sein, ob Alex Morgan wieder einigermaßen gesund und zu ihren Super-Leistungen in der Lage ist. Gestern hielt sie sich nach ihrer Einwechselung noch merklich zurück, auch wenn sie bei ihrer ersten Ballberührung gleich aufs Tor schoss.

    Der größte Schwachpunkt und Unsicherheitsfaktor im US Team schien mir – leider – Ali Krieger zu sein. Sie war nie die schnellste auf den ersten zehn Metern, aber sie scheint jetzt noch weniger antrittsschnell zu sein. Auch ihre technische Schwächen – vor allem bei der Ballannahme -, ihr schwaches Passspiel und die fehlenden Flanken geben zu denken. Gut war allerdings ihr aktives und aggressives Zweikampfverhalten.

    Erschreckend schwach war Tobin Heath nach ihrer Einwechselung. Schwach war auch das hoch gelobte zentrale Mittelfeld mit Carli Lloyd und Lauren Holiday (frühere Lauren Cheney). Aber beide werden sich noch steigern.

    Bärenstark – neben Rapinoe – war Hope Solo mit zwei bis drei Weltklasse-Paraden, sehr guten Abschlägen und langen Pässen sowie sehr viel Ruhe und souveräner Ausstrahlung auf dem Platz.

    Das Spiel zwischen der Schweiz und keineswegs schlechten, wenn auch in den letzten 20 Minuten zu defensiven Japanerinnen war sehr spannend und wirklich gut. Die Aktionen von Bachmann sind spektakulär, aber leider öfter zu eigensinnig und zu wenig effizient. Sie betreibt einen großen Aufwand mit zu wenig Erfolg. Das war auch vor fünf Jahren schon so und unterscheidet die „europäische Marta” von dem noch besseren brasilianischen Original.

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  • FFFan sagt:

    @ Herr Schulze, Hitzfeld, Detlef:

    Gemessen an den vor dem Spiel gehegten Erwartungen ist es schon ein „Patzen“, denn im Lager der Schwedinnen waren drei Punkte gegen Nigeria sicherlich ‚eingeplant‘!

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  • Detlef sagt:

    @FFFan,
    Ich glaube nicht, daß Pia Sundhage die drei Punkte fest eingeplant hatte, denn dazu hatte sie eigentlich keine Veranlassung!!!
    Die letzten Spiele der Trekronors gaben dazu eigentlich kein Grund!!!

    Nigeria ist nicht die Elfenbeinküste!!!
    Dazwischen liegen Welten!!!

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