WM-Quali: Vorschau Deutschland gegen Irland
Wenn die Nummer zwei der Welt auf die Nummer 32 trifft, erwartet man im Frauenfußball ein deutliches Ergebnis. Doch im WM-Qualifikationshinspiel zwischen Deutschland und der Republik Irland war das Gegenteil der Fall: Die Irinnen waren das einzige Team, das die DFB-Auswahl in der Qualifikation an den Rand eines Punktverlustes brachte. In Heidenheim stehen sich beide Teams heute Abend wieder gegenüber (18 Uhr, live in der ARD), und sie beide haben etwas gutzumachen.
„Mit Irland haben wir noch eine kleine Rechnung offen“, sagt Abwehrspielerin Annike Krahn . 3:2 gewann die DFB-Auswahl im April in Dublin – aber mehr als glücklich: ein Elfmetertor, ein Treffer, der aufgrund eines Fouls an Irlands Torhüterin Emma Byrne nicht hätte zählen dürfen, und schließlich das Siegtor in der Nachspielzeit. Spielerisch wusste die Mannschaft von Bundestrainerin Silvia Neid gegen gut eingestellte Irinnen dabei nicht zu überzeugen. Kein Wunder, dass man dieses Bild zum Abschluss gerade rücken möchte.
Deutschland gewinnt auch die schwierigen Spiele Und auf irischer Seite? Da schüttelt Nationaltrainerin Sue Ronan bis heute den Kopf, wenn sie an diese Partie denkt und daran, dass es am Ende nichts Zählbares für ihre Mannschaft gab. „Deutschland findet auch in schwierigen Spielen Möglichkeiten, es zu gewinnen“, so Ronan im Gespräch mit Womensoccer . „Wenn nötig, muss man 93 Minuten lang hochkonzentriert sein – wir waren es nur 90.“
Stärkste Qualifikation bislang „Die Art und Weise der Gegentore war bitter“, sagt Ronan. Aber wenngleich die Enttäuschung beim irischen Team bis heute groß ist, nimmt Ronan auch viel Positives mit: „Wir haben gegen eine der besten Mannschaften der Welt lange mitgehalten, uns Chancen erspielt und gezeigt, dass wir eine gute Mannschaft sind.“ Das Erreichen der Playoffs wird auch von Ronan sehr realistisch als „unwahrscheinlich“ eingestuft, aber bereits jetzt hat ihre Mannschaft mit 17 Punkten die bislang stärkste WM-Qualifikation überhaupt gespielt.
Von starken Gegnern lernen Zuletzt kam am Samstag ein 1:0-Sieg in der Slowakei hinzu – eine Partie, bei der Ronan einige ihrer Spielerinnen nach vielen Wochen erst bei der Anreise am Flughafen Wien wiedergesehen hatte. Etwa die Hälfte der Nationalmannschaft ist im Ausland aktiv – gut für das individuelle Leistungsvermögen, aber im Training oftmals problematisch, denn die Mannschaft kann nur selten über einen längeren Zeitraum gemeinsam arbeiten. Entsprechend kommt den Qualifikationsspielen auch unter diesem Aspekt große Bedeutung zu – auch gerade gegen Gegner wie Deutschland. „Wir können von solchen Spielen nur lernen“, sagt die 50-jährige Irin. „Sie sind eine großartige Erfahrung und enorm wichtig für die Entwicklung der Spielerinnen.“ Denn angesichts der geringen WM-Chancen ist längst ein neues Ziel in den Fokus gerückt: die Europameisterschaft 2017.
Cramer-Einsatz unsicher Von der will die deutsche Mannschaft noch nichts wissen, mit 27 Punkten auf dem Konto ist das Ticket zur WM in Kanada gelöst. Mit dem letzten Qualifikationsspiel wolle man auch „einen weiteren Schritt in Richtung WM als Mannschaft machen“, sagt Stürmerin Célia Šašić. Beide Gegentore in Dublin fielen nach Einwürfen von Megan Campbell – „sensationelle Einwürfe, die wie eine Flanke in den Sechzehner geschlagen werden“, werden sie von Neid genannt, und diesmal wird man sich von ihnen wohl nicht mehr überraschen lassen.
Dabei erwartet die Bundestrainerin einen tief stehenden Gegner, gegen den man Geduld haben, aber auch eine gute Laufarbeit und Präzision im Abschluss zeigen muss. Ob Neid dabei auf Jennifer Cramer zählen kann, ist noch unsicher. Die Potsdamerin hat sich im Training am Montag den Rücken verdreht. Darüber hinaus könnten im Vergleich zum Russland-Spiel am Samstag „ein bis zwei Wechsel“ in der Startformation getätigt werden.
Keine Übermenschen „Ich denke, Deutschland wird uns nicht nochmal unterschätzen“, sagt Ronan, „aber nach Spielen in der Vergangenheit, in denen unsere Mannschaft immer chancenlos gewesen war, hat sie in Dublin nun sehen können, dass auch das deutsche Team nicht aus Übermenschen besteht, sondern aus welchen, die Fehler machen. Wir freuen uns auf jeden Fall auf das Spiel am Mittwoch.“