Schlussspurt mit unklarem Ausgang
Nicht nur die Meisterschaft wird erst auf der Zielgeraden entschieden, auch im Abstiegskampf geht es eng wie selten zu. Sechs Jahre ist es her, dass 17 Punkte letztmalig nicht zum Klassenverbleib in der Ersten Bundesliga gereicht haben. So viele hat momentan der BV Cloppenburg auf seinem Konto – und wäre damit abgestiegen. Doch plötzlich punktet der BVC und ist seit vier Spielen ungeschlagen. „Die Situation ist fast aussichtslos; jetzt hat man den Eindruck, die Mannschaft wird mutiger“, sagt Trainerin Tanja Schulte im Gespräch mit Womensoccer .
2:2 endete am Sonntag die Partie zwischen dem 1. FFC Turbine Potsdam und den Cloppenburgerinnen. „Wir hatten nicht einfach nur Glück, sondern haben mitgespielt und uns Chancen erarbeitet. Das macht natürlich Hoffnung und gibt Selbstvertrauen“, so Schulte.
Nicht aufgegeben Gut mitgespielt hatte ihre Mannschaft im Laufe der Saison schon öfter. „Es gab häufig Spiele, aus denen wir hätten mehr rausholen können. Eigentlich gab es nur zwei, in denen wir über 90 Minuten chancenlos waren: das Heimspiel gegen Jena und das Spiel in Frankfurt. Das waren unsere Katastrophen-Spiele. In allen anderen gab es immer Phasen, in denen es auf der Kippe stand.“ In vielen individuellen Fehlern, falschen Entscheidungen und auch gelbroten Karten, mit denen man sich in Unterzahl brachte, sieht Schulte Gründe für den oftmals negativen Ausgang der Spiele, der zu nichts Zählbarem führte. Und daher „hilft es nicht weiter, sich darauf auszuruhen, dass man toll mitgespielt hat“, sagt Schulte, die glaubt, dass ihr Team durch die zahlreichen Rückschläge „moralisch gefestigter“ sei. „Die Mannschaft hat nie die Köpfe hängen lassen. Klar waren alle montags und dienstags noch geknickt – aber danach hieß es schon wieder ‚wir packen das‘. Und egal, wie dieses Saison ausgeht, wir wollen es jetzt durchziehen.“
Chandraratne schmerzlich vermisst Mit an Bord ist dabei seit dem 15. Spieltag auch wieder Eve Chandraratne. Die Außenverteidigerin, die erst zu Saisonbeginn nach Cloppenburg gekommen war, fiel monatelang aus und wurde schmerzlich vermisst. „Sie hat uns sehr gefehlt und war nicht zu ersetzen“, sagt Schulte über die Stütze in der Defensive. „Sie ist abgeklärt, hat Erfahrung und hat auch gegen Potsdam einfach clevere Entscheidungen getroffen.“
Befreiungsschlag gegen Sindelfingen Die kleine Serie des BVC, deren Ausgang und letztlicher Erfolg ungewiss ist, begann mit dem 7:1-Heimsieg gegen den VfL Sindelfingen am 17. Spieltag. „Das war das Erfolgserlebnis, das uns ein paar Wochen eher gutgetan hätte“, so Schulte. „Es macht einen Unterschied, ob man in der 80. Minute den Ball irgendwie reinmurmelt oder wirklich souverän gewinnt – und gegen Sindelfingen war es richtig toll; das hat der Mannschaft gutgetan.“ Es folgten drei Punkte gegen den MSV Duisburg sowie die Unentschieden gegen die TSG 1899 Hoffenheim und den 1. FFC Turbine Potsdam. „Das 2:2 in Potsdam hat gezeigt, dass man gegen die ‚Großen‘ zu Erfolgen kommt, wenn man sich nicht nur hinten reinstellt.“
Dämpfer für Potsdams Meisterträume Für die Potsdamerinnen bedeutet die überraschende Punkteteilung, die Meisterschaft nicht mehr aus eigener Kraft schaffen zu können – auf der anderen Seite könnte der BVC im Kampf um die Qualifikation zur Champions League nun für Potsdam zum Zünglein an der Waage werden, denn schon am Sonntag empfangen die Cloppenburgerinnen den VfL Wolfsburg. Die krasse Außenseiterrolle ist dem BVC im Niedersachsenduell sicher – aber das galt auch vor dem Spiel in Potsdam.
Zu spät in Fahrt gekommen? Dass Cloppenburg jetzt auf Punkte gegen die Top-Teams nahezu angewiesen ist, um den einen Zähler auf den MSV Duisburg aufzuholen, liegt natürlich auch daran, dass zuvor zu viele gegen vermeintlich ebenbürtige Gegner liegengelassen wurden. „In Spielen, auf die wir uns verlassen hatten, lief es nicht“, so Schulte. Essen, Leverkusen, Freiburg – keines dieser Teams ist in der Tabelle weiter als sechs Punkte entfernt, und doch gelang gegen keines ein Sieg. Der Schlussspurt der Niedersächsinnen zeigt, dass sie in der Liga mithalten können. Gut möglich aber, dass er einfach zu spät kommt.