U17-WM: Turnier-Aus für DFB-Juniorinnen

Von am 23. März 2014 – 2.00 Uhr 41 Kommentare

Erstmals ist eine deutsche U17-Frauenfußball-Nationalelf bei einer Weltmeisterschaft bereits nach der Vorrunde ausgeschieden. Im abschließenden Gruppenspiel der U17-WM in Costa Rica verlor die DFB-Elf trotz 3:0-Führung gegen Nordkorea. Schwacher Trost: Auch ein Sieg hätte nicht zum Weiterkommen gereicht.

Im Estadio Alejandro Morera Soto von Alajuela verlor Deutschland mit 3:4 (3:3) gegen die Asiatinnen, die trotz des Sieges ebenfalls erstmals bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten müssen, da im Parallelspiel Kanada mit 2:1 (2:0) gegen Ghana gewann.

Umstellungen in der Startformation
Kapitänin Jasmin Sehan konnte nach überstandener Gehirnerschütterung wieder spielen, Isabella Hartig rutschte auf der linken Abwehrseite ebenfalls zurück in die Startformation, Kim Fellhauer spielte statt im Mittelfeld als Innenverteidigerin, Saskia Matheis an der Seite von Saskia Meier.

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Traumstart der DFB-Elf
Die Auswahl von Trainerin Anouschka Bernhard erwischte einen Traumstart, denn Nina Ehegötz gelang nach einem tollen Pass aus dem Mittelfeld mit einem Flachschuss aus 17 Metern das frühe 1:0 (5.). Die DFB-Elf wirkte nach der ersten Führung im Turnier wie befreit und Sehan erhöhte nach schönem Pass von Hartig vom linken Flügel schnell auf 2:0 (12.). Als dann auch noch Ricarda Walkling mit einem sehenswerten direkten Freistoß von der Strafraumgrenze auf 3:0 erhöhte (24.) schien die DFB-Elf das ihre getan zu haben, um sich für das Viertelfinale zu qualifizieren.

Nordkorea von 0:3 auf 3:3 binnen elf Minuten
Doch wie schon in den beiden Spielen zuvor kassierte Deutschland einen Gegentreffer aus einer Standardsituation, und der sollte die Wende im Spiel einleiten. Denn Ju Hyo Sim kam nach einer Ecke per Kopf zum Anschlusstreffer (30.). Und nur vier Minuten später nutzten die Asiatinnen eiskalt ein Missverständnis zwischen Kim Fellhauer und Torhüterin Vivien Brandt aus, Sung Hyang Sim (34.) erzielte den zweiten Treffer der Nordkoreanerinnen. Aus der einsetzenden Verunsicherung der deutschen Spielerinnen schlug Nordkorea schnell noch einmal Kapital, Wi Jong Sim gelang noch vor der Pause der Ausgleich (41.), als die deutsche Abwehr vollkommen unorganisiert war.

Offizielles Logo der FIFA-U17-Weltmeisterschaft Costa Rica 2014 © FIFA

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Entscheidung durch Foulelfmeter
In der zweiten Halbzeit schaffte es die deutsche Elf nicht mehr, dem Gegner das eigene Spiel aufzuzwingen. Und es kam sogar noch schlimmer: Nach einem Schubser von Andrea Viehl zeigte die mexikanische Schiedsrichterin Lucile Venegas auf den Elfmeterpunkt, Ri Ji Hyang verwandelte sicher zur erstmaligen nordkoreanischen Führung (61.).

Erstmaliges WM-Aus in der Vorrunde
Die DFB-Elf war zwar bemüht, noch einmal heranzukommen, doch zwingende Torchancen erspielte sich die deutsche Mannschaft keine, so dass nach drei Spielen ohne Sieg erstmals eine deutsche U17 bereits nach der WM-Vorrunde die Heimreise antreten muss – gleiches gilt auch für Nordkorea, das ebenfalls aus dem Turnier ausgeschieden sind.

Bernhard ringt nach Erklärungen
Bernhard meinte nach dem Spiel: „Wir sind gut in die Partie gestartet. Was dann passiert ist, dazu finde ich keine Erklärung. Ich war geradezu erleichtert, als die erste Halbzeit beendet war. In der Halbzeit sagte ich meinen Spielerinnen, sie sollen daran denken, wie sie zu Beginn gespielt haben und das Ende vergessen. Leider haben wir nicht zurück ins Spiel gefunden.“

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

41 Kommentare »

  • FFFan sagt:

    @ Fuxi:

    Ich habe den „neumodischen Kram“ ja nicht erfunden, sondern nur den Trend im Jugendfußball beschrieben. Und die ‚Mode‘ ändert sich eben von Zeit zu Zeit. Im Nachwuchsbereich von Ajax Amsterdam hat man z.B. früher versucht, jeden Jugendspieler schon in sehr jungen Jahren für eine ganz bestimmte Position in einem ganz bestimmten Spielsystem zu schulen. Da der Verein ziemlich erfolgreich war, fanden sich schnell Nachahmer. Inzwischen ist man jedoch, wie gesagt, davon wieder abgekommen (auch bei Ajax). Stattdessen wird mehr Wert auf eine breite fußballerische Grundausbildung gelegt, die Spezialisierung erfolgt erst später.

    Ich bin kein Experte, aber mir leuchtet das ein. Bei Spielern, die sich noch im Wachstum befinden, lässt sich noch gar nicht so genau sagen, für welche Position sie prädestiniert sind, da dies auch von der Körperkonstitution abhängt. Erst recht nicht glaube ich an frühkindliche „Prägungen“, die einen „vom Kopf her“ auf eine bestimmte Position (oder Sportart, Beruf etc.) „beschränken“. Gerade solche Dinge werden jungen Leuten sehr oft nur eingeredet – ein Problem weit über den Fußball und den Sport hinaus: viele Menschen wissen gar nicht, was sie alles können, weil sie es nie ausprobieren!

    Zurück zum Fußball: sobald der ‚Leistungsbereich‘ erreicht ist, sollte natürlich schon darauf geachtet werden, die Spieler(innen), wie du richtig schreibst, ihren individuellen Stärken entsprechend einer Position zuzuordnen. Wie dabei das Anforderungsprofil der einzelnen Positionen aussieht, hat der DFB in einer Übersicht dargestellt:

    https://training-wissen.dfb.de/index.php?id=500014&tx_dfbnews_pi1%5BshowUid%5D=374&tx_dfbnews_pi4%5Bcat%5D=12

    Eine Anmerkung noch zu deinem zweiten Fallbeispiel:

    „Eine Spielerin, die schnell ist und weite, hohe Bälle schlagen kann, stelle ich trotzdem nicht rechts hinten rein, wenn sie so offensiv denkt, dass hinter ihr Löcher entstehen…“

    Diese ‚Löcher‘ entstehen nicht, weil die Außenverteidigerin „zu offensiv denkt“ o.dgl., sondern weil die Absicherung (durch eine Spielerin aus der Doppel-Sechs oder durch Verschieben der (restlichen) Abwehrkette) in diesem Fall nicht funktioniert hat!

    @ Sheldon:

    Jetzt muss bei dir schon ein 3-4 gegen Nordkorea als Beweis dafür herhalten, dass Deutschland „die Siegertypen ausgehen“. Da kann man echt nur noch den Kopf schütteln. Drei Monate vorher waren die U17-Juniorinnen (ohne besser Fußball zu spielen als bei der WM) Europameister geworden. Da waren sie für dich wohl noch „Siegertypen“, oder wie?

    Und: glaubst du wirklich, die DFB-Junioren hätten auch nur einen Titel weniger gewonnen, wenn Matthias Sammer nicht Sportdirektor gewesen wäre? Na, dann glaub‘ halt weiter an dein „Sammermärchen“! 😀

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