SC Sand: Kleiner Verein, große Ziele
Mit der Verpflichtung von Patricia Hanebeck und Anne van Bonn hat Süd-Zweitligist SC Sand bereits vor Saisonbeginn ein kleines Ausrufezeichen gesetzt. Mit 22 Punkten aus acht Spielen und dem 6:0 im DFB-Pokal gegen den FCR 2001 Duisburg ist die Mannschaft auch sportlich oben angekommen. “Bisher haben wir alles richtig gemacht”, sagt Trainer Dieter Wendling gegenüber Womensoccer und entsprechend ist klar: “Der Aufstieg kann nur unser Ziel sein.”
Zwei Punkte beträgt momentan der Rückstand in der Meisterschaft auf Tabellenführer 1. FC Köln. “Köln ist bislang total fehlerfrei. Aber die Saison ist noch lang, und wenn sich uns die Chance bietet, ergreifen wir sie natürlich gerne”. Noch sind die beiden Teams in der Liga auch nicht aufeinander getroffen. Das erste Duell steht am 1. Dezember in Köln an.
“Lieber klein, aber fein” Dann stehen sich zwei gänzlich unterschiedlich organisierte Vereine gegenüber, denn im Wilstätter Stadtteil Sand ist man stolz darauf, es als kleiner Verein zu schaffen. “Als Frauenfußballabteilung hat man bei größeren Vereinen sicherlich nicht die Lobby, die wir bei uns haben”, sagt Manager Gerald Jungmann , der entgegen der derzeitigen Entwicklung nicht den Anschluss an einen größeren Verein mit Profiabteilung sucht – “lieber klein, aber fein. Wir machen das, was finanziell möglich ist, aber lehnen uns nicht aus dem Fenster.”
Internationale Mannschaft Doch das, was möglich ist, las sich in den vergangenen Monaten recht eindrucksvoll, schließlich wechselten nicht nur van Bonn und Hanebeck in die Ortenau. Auch Nationalspielerinnen wie Ilaria Mauro (Italien), Allison Scurich (Kroatien), Maria Korenciova (Slowakei) und Lee Sima Falkon (Israel) kicken für den SC. “Wir haben Sponsoren in allen Bereichen und sind in der glücklichen Lage, dass es auch mit Jobs nicht schlecht aussieht für die Spielerinnen”, sagt Jungmann. Die Hauptsponsoren PressTrade und Hilzinger sind Teil eines Netzes, das breiter wird, denn schließlich lassen sich Unterstützer leichter finden, wenn man oben in der Tabelle steht – und noch in der Saison 2011/12 spielte der SC nach dem Abstieg ein Jahr Regionalliga.
Infrastruktur geschaffen Mit den sich bietenden Möglichkeiten hat der Sportclub in den vergangenen Jahren kontinuierlich an der Infrastruktur gearbeitet, die Vereinsanlage modernisiert, einen Kunstrasen verlegt. “Ich denke, wir haben uns gut gemausert”, sagt Jungmann, der auch bereits die Lizenzauflagen für die Erste Bundesliga im Blick hat, denn noch fehlen Flutlicht und überdachte Sitzplätze.
Drei A-Lizenztrainer Dafür fehlt es sportlich an kaum etwas. Mit drei A-Lizenztrainern hat der Sportclub mehr als der Zweitligadurchschnitt, wenngleich keiner der Trainer hauptamtlich tätig ist. Trainiert wird dennoch viermal in der Woche abends und zweimal tagsüber. Hinzu kommen fünf Einheiten für die Torhüterinnen.
Erst seit Saisonbeginn gehört Wendling als Cheftrainer zum Team. “Vor fünf Jahren bin ich schon mal für ein halbes Jahr eingesprungen – aber das war ja eine ganz andere Welt damals”, so der Trainer. “Damals wurde ein bisschen gekickt, jetzt sind Umfeld und Infrastruktur wesentlich professioneller.”