DFB-Elf trifft im EM-Finale auf Norwegen

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Die deutsche Nationalmannschaft trifft am Sonntag im Finale der Europameisterschaft auf Norwegen. Die Norwegerinnen setzten sich im Halbfinale im Elfmeterschießen gegen Dänemark durch.

Im Viertelfinale hatten die Däninnen Frankreich noch im Elfmeterschießen bezwingen können, diesmal zogen sie den kürzeren. Wieder hatte es zum Ende der regulären Spielzeit 1:1 gestanden.

Frühe Führung für Norwegen
Die norwegische Führung fiel bereits in der dritten Minute. Nach einem Eckball von Ingvild Stensland sprang Dänemarks Torhüterin Stina Petersen unter dem Ball durch, und Marit Christensen konnte erfolgreich zum 1:0 verwandeln. Mit dem Tempo und der Intensität des Halbfinales zwischen Schweden und Deutschland gestern konnte das skandinavische Nachbarschaftsduell in der Folge nicht mithalten. Beide Mannschaften agierten eher abwartend und aus einer soliden Defensive heraus. Zwar waren die Däninnen unter Druck, den Ausgleich zu erzielen, aber die Angriffe waren nicht zwingend genug. Waren sie in Ballbesitz zog sich Norwegen in die eigene Hälfte zurück und verteidigte, wie schon gegen Deutschland, mit einer stabilen Defensive aus zwei Viererketten, durch die die Däninnen keine Wege fanden. Stattdessen hätte Ada Hegerberg in der 32. Minute noch auf 2:0 für Norwegen erhöhen können, traf jedoch aus zwanzig Metern nur die Latte.

Ausgleich kurz vor dem Abpfiff
Nach dem Seitenwechsel hatte zunächst Mia Brogaard die Chance zum Ausgleich, ihr Volleyschuss verfehlte den Kasten jedoch (54.). Nur eine Minute später schaffte Norwegen per Konter eine Überzahlsituation, doch beim Schuss von Caroline Hansen war Petersen zur Stelle. Dänemarks Trainer Kenneth Heiner-Møller verstärkte in der Folge die Offensive seiner Mannschaft, die zunehmend stärker wurde. Die Norwegerinnen verlagerten sich mehr und mehr auf die Defensive und wollten die knappe Führung verteidigen. Dazu kam es jedoch nicht, denn kurz vor dem Abpfiff schaffte Mariann Knudsen per Kopfball den Ausgleich (87.).

Dänemark macht das Spiel
In der Verlängerung waren es die offensiv aufgestellten Däninnen, die das Kommando übernahmen und trotz ihres 120-Minuten-Spiels am Dienstag fitter wirkten. Norwegen hatte dennoch die wohl beste Gelegenheit, als Elise Thorsnes nach einer schönen Kombination im Mittelfeld zum Schuss kam. Aber auch hier war Petersen zur Stelle (101.).

Im Elfmeterschießen gleich doppelt gehalten: Ingrid Hjelmseth © Nora Kruse, ff-archiv.de
Im Elfmeterschießen gleich doppelt gehalten: Ingrid Hjelmseth © Nora Kruse, ff-archiv.de

Hjelmseth hält zwei Elfmeter
Es blieb beim 1:1, sodass das Elfmeterschießen die Entscheidung bringen musste. Obwohl die Däninnen mit Petersen die bislang erfolgreichste Elfmeter-Torhüterin in ihren Reihen hatten, war es diesmal Hjelmseth, die mit zwei gehaltetenen Elfmetern zur Matchwinnerin avancierte. Petersen konnte keinen parieren.

WM-Erinnerungen für Norwegen
Die Norwegerinnen kehren nun an die Stätte ihres größten Erfolgs zurück: 1995 gewannen sie in Solna das Weltmeisterschaftsfinale gegen Deutschland. Jetzt treten sie dort, wenngleich nicht im selben Stadion, der DFB-Auswahl im EM-Finale gegenüber.

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ziefle
ziefle

Für die dt Natio ist Norwegen der besser Gegner um EM zu werden.
Außerdem haben die Spielerinnen aus der VR noch was gut zu machen.

Bernd Zeller
Bernd Zeller

Schön, das Finale am Sonntag…mal schau’n, was sich der norwegische Trainerfuchs ausdenken wird

Meine persönlichen „Champions of the hearts“ stehen fest: die Ladies aus DÄNEMARK

Das dänische Team hat 120 Minuten nahezu alleine Fussball gespielt…ansonsten norwegian wood…tief, tief hinten drin stehen und nichts tun … na, die Deutschen werden den zusätzlichen Ruhetag brauchen können 🙂

Uwe
Uwe

Wie schade, ich hätte gerne Dänemark im Finale gesehen. Die Mannschaft ist kombinationssicher bis zum Strafraum, aber leider im Torabschluss zu harmlos. Es wäre der deutschen Mannschaft entgegengekommen, gegen eine offensiv eingestellte Mannschaft zu spielen. Norwegen mit bewährter Defensivtaktik, aber immer wieder mit kreuzgefährlichen Nadelstichen. Gegen dieses Bollwerk wird sich Deutschland wieder schwer tun, da hilft nur eine frühe Führung, spätestens zur Halbzeit. Bei Dänemark hat mir Nadim sehr gefallen und Rasmussen auf der linken Seite. Norwegen hatte natürlich mit Hjelmseth den großen Rückhalt, nicht erst im Elfmeterschießen.

Lusankya
Lusankya

Wäre schon lustig gewesen, wenn sich Dänemark ohne einen einzigen Sieg bis in das Finale durchgekämpft hätten. Aber von einem potentiellen Europameister erwarte ich dann doch zumindest ein paar Siege beim Endturnier.

Für’s Finale sollte Deutschland wieder in der Favoritenrolle sein. Ein Tag mehr Ruhepause, mussten im Halbfinale nur 90 Minuten spielen und im Gruppenspiel war bei der Niederlage auch viel Pech dabei. Gegen Norwegen wird es vermutlich wieder kein besonders schönes Spiel werden, außer das Team überrascht mal mit einer etwas aktiveren Spielweise.

never-rest
never-rest

Ein großartiges Spiel der Dänninen, gegen ein taktisch perfekt eingestelltes Norwegisches Team. Ähnlich spannend wie das 1. Halbfinale. Der Sieg der Norwegerinnen war letztlich glücklich, aber aufgrund der Vielzahl und auch besseren Chancen nicht unverdient. Wirklich interessant, die vollkommen unterschiedlichen Spielkonzepte und Taktiken zu beobachten, wobei die Norwegerinnen mit ihrer überfallartigen Kontertaktik aus einer gewohnt stabilen Abwehr sehr wirkungsvoll waren. Mir persönlich gefällt aber der Ballbesitz- und Kombinationsfußball der Däninnen besser. Ich wünsche mir mehr davon in der deutschen N11. Insbesondere was den sicheren und geordneten Spielaufbau angeht. Am besten schon im Finale sollten bei der N11 das Gebolze von… Weiterlesen »

Tiberias
Tiberias

Ich fand die Däninnen auch sehr sympathisch und technisch weit besser als die Norwegerinnen. Aber vielleicht ist das ja „ausgleichende Ungerechtigkeit“ – falls es das geben sollte: Gegen Frankreich hatte Dänemark viel Glück, jetzt hatte es Norwegen. Ein bequemer Gegner ist Norwegen für die deutsche Elf nicht, Dänemark wäre es ebenso wenig gewesen. Und man soll sich ja nicht vormachen, dass das norwegische Spiel leicht auszurechnen sei – lange Bälle auf Ada Hegerberg, und der Rest läuft schon irgendwie. Das mag ja sein, aber erstens machen sie ihre Tore, und zweitens müssen auch die deutschen Ladys erst mal durch den… Weiterlesen »

mas
mas

In den Ko-Spielen setzte sich immer das Team mit der größeren Erfahrung duch. Wenn das auch fürs Finale gilt, wird Deutschland Europameister.

noworever
noworever

kann mir gut vorstellen, dass das spielerisch besser team der günstigere finalgegner für das deutsche – und, für ein schöneres – spiel gewesen wäre …

andererseits – warten unsere girls in etwa mit der gleichen leidenschaftlichen, konzentrierten leistung, wie gegen schweden auf … dürfen die norwegians noch so ‚tief stehen‘, wie sie nur wollen … es dürfte ihnen nicht allzu viel nützen.

so oder so – lassen wir uns überraschen – freuen darf man sich jetzt schon! 🙂

VFLchen
VFLchen

Interessant, dass hier im Forum vor der EM nur 1 % auf Norwegen getippt hatten…

Lusankya
Lusankya

@VFLchen: Was ist daran interessant? Norwegen war halt in den Jahren vor der EM grottenschlecht.

noworever
noworever

@Tiberias:
„Aber vielleicht ist das ja “ausgleichende Ungerechtigkeit” – falls es das geben sollte.“

… gibt es nicht. 🙂

es gibt nur eine, immer in sich ausgleichende gerechtigkeit.
(auch wenn, sie vielleicht nicht unmittelbar und offen-sichtlich erscheint)

un-gerechtigkeit ist lediglich eine illusionäre vorstellung.

Grace Kelly
Grace Kelly

@mas Die beiden Halbfinale haben die Teams mit dem größeren Glück gewonnen.

Den Däninnen hätte ich den Titel gegönnt, toll wie sie nach dem Frankreichspiel, bei dem sie nach einer Stunde keine Puste mehr hatten und in der Verlängerung keine zwei Schritte mehr gehen konnten gegen Norwegen zwei Stunden lang das Spiel gemacht haben.

Jetzt sehe ich wieder Deutschland als klaren Favoriten, allerdings muss dazu die Abschlussschwäche abgestellt werden. Hoffentlich platzt da bei ein paar der Knoten. Andererseits hätte eine Mannschaft, die zweimal gegen eher mittelmäßige Norwegerinnen verliert, den Titel auch nicht verdient.

DAWIDenko
DAWIDenko

Ein sehr spannendes gutes zweites Halbfinale. Es war nicht der Schlagabtausch auf höchstem Tempo über die gesamten 90 Minuten. Dafür spielten beide Mannschaften auch zu unterschiedlich. Norwegen stand sehr tief, verlegte sich auf sporadische Konter, die sie aber mit gutem Abschlussmöglichkeit zu Ende spielten. Dänemark bestimmte das Spiel und zeigte sich mit einer super Raumaufteilung, guter Spielverlagerung und kombinationssicherem Passspiel. Auch die individuellen technischen Fähigkeiten einzelner Akteurinnen fand ich beeindruckend, z. B. Harder oder Nadim. Leider lief das Spiel der Däninnen nur bis zum gegnerischen 16er gut, danach fehlte die Durchschlagskraft. Der Ausgleich kam daher etwas überraschend, hätte nicht mehr… Weiterlesen »

Stefan
Stefan

Ein Elfmeterschießen gewinnt selten die aktivere Mannschaft (siehe 2012 CL Bayern-Chelsea, 2013 Frankreich-Dänemark, 2013 Norwegen-Dänemark). In der Regel die ausgeruhtere und damit auch nervenstärkere. Wenn man so viele Chancen versiebt wie Bayern, Frankreich oder gestern Dänemark, dann hat man im Elfmeterschießen auch nicht die Ruhe zu treffen.

wrack
wrack

Wenn Norwegen nicht wieder eine strategische Überraschung auf Lager hat, wird Deutschland meiner Überzeugung nach gewinnen. Im VR-Spiel fehlten bekanntlich Cramer und Goeßling und Laudehr spielte auf der 6. Jetzt fehlt (vermutlich) da Mbabi und Mittag spielt in der Spitze, Goeßling ist wieder mit Keßler zusammen, Cramer wieder auf dem Flügel und Laudehr vor ihr. Insgesamt eine ganz andere Konstellation. Geduld wird es vermutlich brauchen, Kampf und gute Nerven, aber man hat ja gegen Norwegen verloren, hat von den Meisten unerwartet das Finale erreicht und – wenn ich die Jubelbilder vor Augen habe – ist EIN Team. Norwegen war gegen… Weiterlesen »

DAWIDenko
DAWIDenko

Anbei noch eine allgemeinere Betrachtung:
Bei dem Turnier fällt mir sehr positiv die Leistung der Torhüterinnen auf. Alle Torfrauen der vier Halbfinalteilnehmer zeigen eine stark verbesserte Strafraumbeherrschung als man es von früheren Turnieren kennt.
gerade die Paraden von Stine Petersen verhinderten eine mögliche 2:0 Führung der minimalistischen Norwegerinnen.
Und Norwegens Torhüterin Hjelmseth war durch ihre beiden gehaltenen Elfmeter die Heldin ihres teams. Auch zeigte sie bei Flanken udn Ecken eine sichere Strafraumbeherrrschung und pflückte alls was vor ihren Kasten kam.

Das die Spiele eher torarm sind, hat, denke ich auch, mit den starken Torhüterleistungen und dem guten Defensivverhalten der Temas zu tun.

Uwe
Uwe

@never-rest 9:17

Vollste Zustimmung, besonders zum letzten Satz!!
Das Aufbauspiel der Däninnen hat mir auch gefallen, gepaart mit Durchsetzungsvermögen, höherem Tempo und besserem Torabschluss kann das ein Modell auch für das deutsche Team sein. Selbst wenn man Europameister werden sollte, kann man von anderen Mannschaften noch einiges lernen. Dazu braucht es aber mal neue Impulse von außen und keinen DFB-Einheitsbrei.

Augustus
Augustus

Ich kann den Norwegerinnen nur viel Erfolg im Finale wünschen. Es war ein tolles Spie der Däninnen. Ich hoffe das der dänische FF durch den Erfolg der Frauen weiteren Auftrieb erhält und wir einige Spielerinnen in unserer Liga oder einer besseren sehen werden, damit bei den nächsten Turnieren die dänischen Frauen besser abschneiden.# Es sollten nicht immer die deutschen FF gewinnen und nachso vielen Jhren sollte SN für Meinert/WiegmannPLatz machen.

Detlef
Detlef

Norwegen ist für Deutschland eindeutig der härtere Brocken!!! Dänemark hätte (wie Schweden) versucht mitzuspielen, und so Räume angeboten!!! Die werden sie gegen Norwegen aber nicht bekommen, und so wird es wohl erneut ein Krampfspiel werden!!! Allerdings ist auch das Offensivspiel der Norwegerinnen stark limitiert, und sie brauchen mindestens ebenso viele Torchancen, um einen Treffer zu erzielen wie die Deutschen!!! Was sie gestern gegen Dänemark an klaren Gelegenheiten ausgelassen haben, muß man schon als „grob fahrlässig“ bezeichnen!!! Und im Finale ist Deutschland wieder Favorit, und das wird die Nerven wieder ordentlich flattern lassen, und viele Spielerinnen blockieren!!! Außerdem ist die Niederlage… Weiterlesen »

Jan
Jan

Man gewinnt i.d.R. kein zweites 11m-Schießen; Bsp.: EM 1996: England u. Frankreich, WM 2002: Spanien, FF WM 2011: USA, CL 2012: FC Bayern München, U20 WM 2013: Uruguay, FF EM 2013: Dänemark. Außer man ist (noch) amtierender Titelträger (WM 1990: Argentinien). Doch darauf sollte die dt. Mannschaft lieber nicht spekulieren, da Norwegen eine klasse Torfrau u. fleißig 11m-Schießen geübt hat. Da die Norwegerinnen sich im HF nicht allzu sehr verausgabt haben, sollte 1 Tag weniger Pause kein Problem für sie sein. Norwegen trifft halt immer irgendwie u. wird wohl nicht so viele Chancen versemmeln wie Schweden. Man denke z.B. nur,… Weiterlesen »