DFB-Elf: Halbfinaleinzug soll Vorrunde vergessen machen
Drei spielfreie Tage hatte die deutsche Nationalmannschaft nach der 0:1-Niederlage gegen Norwegen , um die Ursachen zu ergründen, aber auch, um das Spiel aus dem Kopf zu bekommen und sich auf das heutige Viertelfinale (18 Uhr, live in der ARD und Eurosport) gegen Italien zu fokussieren. “Von Tag zu Tag ist die Stimmung besser geworden”, beschreibt Saskia Bartusiak die Atmosphäre und blickt auf die heutige Aufgabe: “Wir haben genug Qualität in der Mannschaft, um Italien zu schlagen.”
Diese Qualität muss im Viertelfinale auch abgerufen werden. Das gelang in der Vorrunde selten, wodurch die DFB-Elf ihren Ruf der Unbesiegbarkeit eingebüßt hat. “Vor dieser deutschen Mannschaft muss man nicht länger Angst haben”, twitterte die schwedische Frauenfußball-Seite damfotboll.com während des Spiels der Deutschen gegen die Niederlande. Und Josefine Öqvist , schwedische Angreiferin, auf die man im Halbfinale treffen könnte meint: “Ich bin nicht so beeindruckt von den Deutschen bei diesem Turnier. Es sind viele neue Spielerinnen, im Halbfinale können wir auf sie treffen. Und es fühlt sich so an, an könnten wir das dann auch schaffen.”
Probleme bei Defensivtaktik Der Auftritt der Deutschen hat die Konkurrenz befeuert. Auch die Italienerinnen versprühen neues Selbstbewusstsein. Sie wittern ihre Chance – nur unterschätzen sollten sie die DFB-Elf nicht. Klar ist, dass dass Grundniveau der Mannschaft hoch ist, das Potenzial ebenso. Das Team hat man mit einer Defensivtaktik bislang weitgehend am Toreschießen gehindert, weil den Deutschen eine Alternative zu ihrem 4-2-3-1-System fehlt und sich die Niederlande und Norwegen sehr gut darauf eingestellt haben. Etwas untergegangen ist dabei, dass die deutsche Defensive meist gut stand und nur ein einziges Tor zugelassen hat. Heute Abend beginnt die K.O.-Phase, Italien wird nicht nur Tore verhindern können, sie müssen auch selbst welche erzielen. Und das könnte den Deutschen Räume eröffnen – die dann aber auch genutzt werden müssen.
Vorischt vor Panico und Gabbiadini “Auffällig war in den letzten Spielen, dass wir nicht immer den Abschluss gesucht haben. Man hatte den Eindruck, wir wollten den Ball ins Tor legen”, sagt Bundestrainerin Silvia Neid und warnt im Umkehrschluss vor den Italienerinnen: “Sie machen aus einer halben Chance ein Tor.” Großen Anteil hat daran zumeist Patrizia Panico , mit der es Abwehrspielerin Bartusiak heute Abend des öfteren zu tun bekommen wird. “Da wird eine große Aufgabe auf uns warten in der Innenverteidigung. Panico ist eine sehr ausgebuffte und erfahrene Spielerin. Wir dürfen ihr einfach keinen Platz geben und müssen immer eng an ihr dran sein.” Als weiteren Gefahrenherd hat Neid die rechte Seite der Italienerinnen ausgemacht. Die sei “mit [Melania] Gabbiadini sehr, sehr stark”, so die Bundestrainerin, denn auch Außenverteidigerin Elisa Bartoli mische sich immer wieder mit nach vorne ein.
Cramer und Goeßling einsatzbereit In der eigenen Viererkette könnte Leonie Maier wieder auf ihre – stärkere – rechte Seite rücken, denn die zuvor gelbgesperrte Linksverteidigerin Jennifer Cramer kann wieder auflaufen. Auch Lena Goeßling ist wieder fit, hat trainiert und sei einsatzfähig, so Neid. Ihrer Rückkehr in die Doppelsechs sollte also nichts mehr im Wege stehen. Deutschland kann entsprechend in Bestbesetzung starten, und so fordert Bartusiak: “Wir müssen unsere Leistung abrufen und hochkonzentriert in das Spiel gehen. Dann wird auch Italien Probleme bekommen, uns zu schlagen.” So wie vor vier Jahren – auch damals traf man im EM-Viertelfinale auf die Italienerinnen. Die Partie endete 2:1 für die DFB-Elf. Überhaupt ist die Spielbilanz, wie gegen alle Mannschaften außer den USA, positiv. In 25 Partien ging man 13 Mal als Sieger vom Platz, acht Spiele endeten remis, viermal gewann Italien.
Halbfinale gegen Schweden oder Island? Auch wird es darum gehen, dass oftmals robuste Spiel der Italienerinnen anzunehmen und sich davon nicht den Schneid abkaufen zu lassen. Ihre Spielweise brachte den Italienerinnen aber auch schon einige Gelbe Karten ein. Insgesamt sechs Spielerinnen gehen vorbelastet in die Partie, auf deutscher Seite sind es Nadine Keßler und Maier. Geleitet wird die Partie von der ungarischen Schiedsrichterin Katalin Kulcsár. Bereits um 15 Uhr stehen sich Schweden und Island im Viertelfinale gegenüber. Auf den Sieger dieser Partie würde Deutschland im Falle eines Erfolgs gegen Italien am Mittwoch im Halbfinale treffen.