Birgit Prinz führt Hoffenheim in die erste Liga

Von am 26. Mai 2013 – 15.57 Uhr 27 Kommentare

Die TSG 1899 Hoffenheim wird nach einem dramatischen Remis gegen den 1. FC Köln am letzten Spieltag der 2. Frauenfußball-Bundesliga Süd in der nächsten Saison erstklassig spielen. Dabei lagen die Gastgeberinnen zur Pause im Rückstand, doch die Einwechslung von Birgit Prinz brachte die Wende, Kölns Antwort kam zu spät.

Mehr als 3 000 Zuschauer
Am Ende reichte der Elf aus dem Kraichgau vor der stattlichen Kulissen von 3 050 Zuschauern, darunter Ex-DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, im Dietmar-Hopp-Stadion ein 3:3 (1:2), um den schärfsten Konkurrenten auf Distanz zu halten, Hoffenheim steht somit nach dem BV Cloppenburg aus der Zweiten Frauenfußball-Bundesliga Nord als Aufsteiger in die Frauenfußball-Bundesliga fest.

Frauenfußball - Birgit Prinz

Die Einwechslung von Birgit Prinz brachte  im Spiel gegen den 1. FC Köln die Wende

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Spannender Schlagabtausch
Jasmin Stümper brachte die Gäste aus Köln im Dauerregen mit einem Kopfball in Führung (20.), ehe Theresa Betz mit einem 25-Meter-Schuss der Ausgleich gelang (42.). Doch postwendend hatten die Kölnerinnen wieder eine Antwort parat, Bilgin Defterli sorgte noch vor der Pause im direkten Gegenzug für die neuerliche Führung (43.). Hoffenheim benötigte zumindest einen Punkt für den Bundesliga-Aufstieg. „Ich habe die ganze Zeit gespürt, dass wir noch das eine Tor machen“, so Trainer Jürgen Ehrmann nach der Partie. Und er sollte Recht behalten.

Prinz kommt, Hartel sorgt für Entscheidung
Denn mit der Einwechslung von Ex-Nationalspielerin Birgit Prinz kehrten die Gastgeberinnen auf die Erfolgsstraße zurück (53.). Nur zehn Minuten später gelang der Schweizer Nationalspielerin Martina Moser nach einem wilden Gestocher im Strafraum der Ausgleich (63.) und Susanne Hartel beseitigte in der Schlussviertelstunde alle Zweifel, als sie den Ball über die Linie bugsierte (78.).

Kölner Comeback kommt zu spät
Tugba Tekkal gelang zwar in der Schlussminute noch das 3:3 (90.), doch ein weiterer Treffer wollte den Kölnerinnen nicht mehr gelingen, auch wenn Kölns Torhüterin Lena Nuding sich in der Nachspielzeit noch mit nach vorne begab, als ein Freistoß Hoffenheims Aufstieg noch einmal bedrohte. Somit sicherte sich die TSG 1899 Hoffenheim (56 Punkte) mit einem Punkt Vorsprung auf den 1. FC Köln die Meisterschaft.

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

27 Kommentare »

  • Sheldon sagt:

    @Detlef: „Geld schießt halt nur dann Tore, und holt nur dann Titel, wenn dahinter ein schlüssiges Konzept steht! Bestes Beispiel ist nun mal (…) der SiDi-Klub! Ich warte schon seit 2009 darauf, dass ihm die Sponsoren endlich den Geldhahn zudrehen, weil für den hohen Einsatz kein entsprechendes Image mehr bei rumkommt! Wenn man in Frankfurt von Erfolgen spricht, heißt es immer nur, „Es war einmal vor langer Zeit…“ Aber die Geldquelle sprudelt munter weiter, egal ob man sich mit dem Personal verzockt-, oder nun bereits 6 Trainer in 9 Jahren verschlissen hat!“

    Dieses Beispiel, wie du es beschrieben hast, untermauert meine Kritik an Retortenklubs wie Hoffenheim und Wolfsburg bis ins Mark. Denn genau darauf müssen wir uns einstellen, wenn – ähnlich wie in Frankfurt – das System irgendwann einmal kollabiert. Und dann wird man lange warten können, bis sich die Geldhähne mal schließen, es wird sogar noch deutlich extremer werden. Denn SiDi mag das Geld in begrenzten Mitteln fließen lassen, VW und Hopp haben, was das betrifft, für FF-Verhältnisse schier unbegrenzte Möglichkeiten. Allein Winterkorn verdient soviel, dass er den Kader 10mal finanzieren könnte.

    Und jedes System wird irgendwann zusammenbrechen. Auch Bremen und der 1.FCK brechen mal zusammen. Die Ursachen sind dieselben wie bei Retortenklubs: Übereifrige Transfers, schlechte Stimmung in der Mannschaft, Trainer, die die Mannschaft nicht mehr erreichen, schlechtes Management, etc. etc. Das sieht man überall: Mal trifft es Bremen, mal Hamburg, mal Stuttgart, mal Kaiserslautern, mal Mönchengladbach. Keiner ist vor solchen menschlichen Fehlern gefeit.

    Doch es gibt zwei Unterschiede zu Retortenklubs: Erstens: Diese Vereine haben sich langfristig hochgekämpft und gestalten keine derart großen, radikalen Umbrüche im Team, wie es mit dem Geld bei Wolfsburg oder Hoffenheim möglich war: Allein bei Wolfsburg war kein Spieler aus der Meistermannschaft zu dem Zeitpunkt länger als 2 Jahre im Kader. Alle waren unter Magath geholt worden.
    Damit ist das Risiko, dass dieses Projekt schief geht, deutlich höher als bei Traditionsklubs, die immer eine große Zahl an Konstanten im Team haben (zum Beispiel spielt Ribery mittlerweile seit 6 Jahren bei Bayern und wird um weitere 4 Jahre verlängern), da fraglich ist, inwieweit die Mannschaft aufeinander abgestimmt ist.

    Der zweite Unterschied ist: Geht so ein Projekt wirklich einmal in die Hose, dann hat das, soweit es einen Traditionsverein betrifft, keine großen Auswirkungen: Er steigt ab (möglicherweise wie bei Bielefeld und Rostock in die 3. Liga) und konsolidiert sich da. Ein Großteil der Fans bleibt erhalten, erfahrene Spieler verlassen den Klub, der Neuaufbau muss mit jungen Spielern bestritten werden, die wollen.
    Bei Retortenklubs läuft das anders: Schauen wir uns Wolfsburg an. Das ist das beste Beispiel dafür, wie eine solche Krise ausarten kann. Statt dass die Geldhähne zugemacht werden, weil Sponsoren abspringen, die Einnahmen aus der BuLi oder dem internationalen Geschäft nicht mehr da sind, werden sie nun erst richtig aufgemacht. Millionen um Millionen fließen in vormals gute Spieler, die allerdings jeder nur sein eigenes Interesse im Blick hat, die kein Team bilden können, es werden Spieler und Trainer en masse verschlissen, sodass vormals N11-Spieler zu Amateuren werden. Die Fans, die durch den Erfolg gekommen waren, verlassen den Verein sofort wieder und übrig bleibt ein großes schwarzes Loch, dass aber aufgrund seiner finanziellen Möglichkeiten sich immer gerade noch so vor dem Abstieg rettet.
    Mag sein, dass Wolfsburg mal eigenständig war, durch seine Angliederung an VW wurde dieser Verein aber vollständig zerstört.

    @Linda: Nun, es fragt sich, welches Konzept zur Zeit die Nase vorne hat: Das der Frauen oder das der Männer. Wenn ich mir das Finale am Samstag so anschaue, ist für mich die Frage eindeutig beantwortet. Meines Erachtens hat der FF einen großen Fehler gemacht, indem er sich vom MF abgrenzt. Denn damit hat er selbst eine Konkurrenz zum MF aufgebaut, die er in Deutschland nur verlieren kann.
    Der MF erlebt in Deutschland eine Renaissance, die jeden beschreibbaren Rahmen sprengt. Eine Dominanz, wie man sie in diesem Jahr gesehen hat, ist einmalig in der Geschichte. Sollte Deutschland nächstes Jahr auch noch Weltmeister werden, hat sich der FF durch sein Konkurrenzdenken zum MF selbst abgeschafft, denn er wird de facto nicht mehr benötigt. Die Rolle, die er zwischen 1997 und 2007 einnahm, als Lückenbüßer für die Misswirtschaft im MF, hat er spätestens heute verloren. Wenn sich heute jemand zwischen MF und FF entscheiden müsste, würden 80-90% der FF-Fans sich für die Männer entscheiden (N11 mal gerechnet).

    Deswegen würde ich empfehlen, hier MF und FF nicht gegeneinander auszuspielen. Vielleicht mag die Lückenbüßerrolle in Wolfsburg und Hoffenheim noch für das Versagen der Männer herhalten, doch den Weg, den die Bayern gehen, nämlich, die Frauen über lange Zeit an den Erfolg der Männer heranzuführen und ihr Image über lange Zeit aufzubauen, wird sich über kurz oder lang als deutlich erfolgreicher herausstellen, einfach, weil das Interesse sich gegenseitig befruchten kann!

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  • Karl sagt:

    @sheldon: du schreibst:“Der MF erlebt in Deutschland eine Renaissance, die jeden beschreibbaren Rahmen sprengt. Eine Dominanz, wie man sie in diesem Jahr gesehen hat, ist einmalig in der Geschichte. Sollte Deutschland nächstes Jahr auch noch Weltmeister werden, hat sich der FF durch sein Konkurrenzdenken zum MF selbst abgeschafft, denn er wird de facto nicht mehr benötigt. Die Rolle, die er zwischen 1997 und 2007 einnahm, als Lückenbüßer für die Misswirtschaft im MF, hat er spätestens heute verloren. Wenn sich heute jemand zwischen MF und FF entscheiden müsste, würden 80-90% der FF-Fans sich für die Männer entscheiden (N11 mal gerechnet). “

    Das geht aber nur solange gut solange die erfolgreich sind und bis sich die Fans mal Gedanken darueber machen wen oder was sie denn mit ihren Eintrittsgeldern etc. finanzieren. Wenn der Erfolg ausbleibt oder wenn sich die Maennerfussballfans mal Gedanken drueber machen wer denn eher in ihrer Gehaltsklasse spielt dann werden die ganz schnell Frauenfussballfans 🙂

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  • Detlef sagt:

    @Sheldon,
    Ich kann Karl da nur beipflichten!!!
    Es gibt viele TURBINE-Fans (auch ich), die mit dem MF entweder komplett, oder zumindest größtenteils abgeschlossen haben!!!
    Wir sind deshalb zum FF „konvertiert“, weil uns gerade diese ganzen Auswüchse der Männer-BuLi abschrecken!!!

    Da jongliert ein Verein wie der HSV mit mehreren zig-Millionen pro Jahr in seiner Profiabteilung rum, und läßt dann seine erfolgreicheren Frauenteams wegen 100.000 €, manche sagen es waren sogar nur 50.000 € über die Klinge springen!!!

    Wenn 23 Profis PLUS Trainer PLUS Manager PLUS Vorstand auf je 350 € Gehalt pro Monat verzichtet hätten, wären mehr als die 100.000 € zusammengekommen, und die „Spender“ hätten nicht mal gemerkt das etwas gefehlt hat!!!
    Jedes Mal wenn ich daran denke krieg ich soooooooo einen Hals, obwohl ich gar kein Fan der Hanseatinnen war!!!
    Wie will man da mit dem MF überhaupt zusammenarbeiten???

    Deswegen freue ich mich so sehr für die Wölfinnen, daß sie in ihrem Verein so einen hohen Stellenwert genießen!!!
    Ich wünsche den Bayern-Ladies, daß sie an der Grünwalder Straße möglichst viele neue Zuschauer vom FF begeistern können!!!
    Und auch den Hoffe-Mädels wünsche ich viele Zuschauer, und ein ähnlich gutes Standing im Verein wie es die Wölfinnen genießen dürfen!!!

    Ich sehe auch nicht, daß sich die Frauen vom MF „abgrenzen“ wollen!!!
    Sie wollen nur ihren „bescheidenen“ Anteil vom riesigen Kuchen abhaben, den der MF aber für sich allein behalten möchte!!!
    Ich sehe hier bei sehr vielen Funktionären in den MF-Klubs, und was am allerschlimmsten ist auch beim DFB eine gewisse „Neid-Kultur“!!! (hat nix mit der Bundesgöttin zu tun) 😉

    Und da wird jeder Fehlpass und jeder Fehlschuß dazu benutzt, um den FF als uninteressant und „noch lange nicht so weit“ hinzustellen!!!
    In Wirklichkeit geht es aber um Macht, die Macht des Geldes, um jede Millisekunde TV-Werbezeit, die man nicht bereit ist, mit den Frauen (auch nur Bruchstücke davon) zu teilen!!!

    Und so kommen Anstoßzeiten zu Stande (BuLi,Pokalfinale,Natio), die für das werberelevante Publikum meist uninteressant sind!!!

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  • Sheldon sagt:

    @Detlef: Diese „Auswüchse“ des MF sind die ganz normalen Merkmale eines Professionellen Volkssportes. Natürlich sind die Gehälter dort höher, es geht um Angebot und Nachfrage. Wieviele Menschen haben das CL-Finale der Frauen gesehen? Wieviele hätte es interessiert, wenn es ausgestrahlt worden wäre? Vielleicht eine Million? Das CL-Finale der Männer dürfte locker mal 300-400 Millionen Zuschauer gehabt haben.

    Wohin wollt ihr gehen, wenn das Interesse am FF irgendwann mal genauso sein sollte, und die Bedingungen sich denen des MFs anpassen? Zum Tischtennis, zum Hockey, zum Bowlen?

    […]

    Doch im knallharten Geschäftsleben wird jeder Penny gebraucht. Das Modell der Bayern sehe ich daher als sehr positiv an. Da wird kein Cent zuviel für die Frauen ausgegeben. Und womit? Mit Recht. In der Wirtschaft gibt es keine Emanzipation, da zählst du nur soviel, wie du imstande bist, einzubringen. Quotenregelungen kannst du dir dort nicht leisten.

    Die Frage, die hinter solchen Vereinen, wie dem HSV steckt, ist doch, ob das einmal die 100.000 Euro gewesen wären, oder ob es wieder und wieder und wieder diese 100.000 Euro oder noch mehr gewesen wären.
    Die Sparte hatte einen festgeschriebenen Etat, den hat sie überschritten, weil sie schlecht gewirtschaftet hat, und damit sind sie selbst verantwortlich für diesen Fall.

    Ich denke nicht, dass man hier den Moralapostel spielen muss. Wer einfach nicht hart genug für die Wirtschaft ist, sollte Fußball schauen lieber bleiben lassen oder zu den Amateuren gehen.
    Denn es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder wird der FF eingehen oder er wird genauso „pervers“, wie ihr den MF findet. Dazwischen gibt es nichts. Nicht in der freien Marktwirtschaft des Fußballs, in der es so gut wie keine Gesetze gibt!

    Dieser Kommentar wurde von der Redaktion in Übereinstimmung mit den Womensoccer-Leitlinien editiert. Die editierten Stellen wurden mit Auslassungszeichen […] markiert.

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  • Zaunreiter sagt:

    Sheldon, mir wird speiübel, wenn ich dein ganzes sozialdarwinistisches Geschreibsel lesen muss. Es fehlt nur noch eine Forderung deinerseits, dass Frauen aufhören sollten, leistungsorientiert Fußball zu spielen.

    Marktkonforme Demokratie führt wohl zu marktkonformen Sport. Oder was?

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  • Sheldon sagt:

    @Zaunreiter: Eben ist der Fehler. Ich fordere genau das, dass leistungsorientierter Fußball möglich ist. Dazu muss aber auch der wirtschaftliche Teil stimmen. Systeme wie Hoffenheim und Wolfsburg können leistungsorientierten Fußball durchaus bieten, benötigen ihn aber nicht existenziell. Dementsprechend stehen diese Vereine nicht unter den Gesetzen des Marktes und sind damit ein potentiell hemmender Faktor für die bestmögliche Ausprägung des Fußballs.

    Leistungssport hängt immer an natürlicher Selektion und ist damit per se darwinistisch veranlagt. Geldmonopole, wie sie Wolfsburg und Hoffenheim haben, wirken hier wie Naturkatastrophen, die das ökologische Gleichgewicht durcheinander wirbeln und damit in diese natürliche Selektion eingreifen.

    Deswegen sollte man, stellt man den bestmöglichen Fußball als oberste Maxime, schleunigst zusehen, solche Naturkatastrophen zu vermeiden!

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @Zaunreiter
    Bevor Du solche Vergleiche anstellst, lese mal die Definition von Sozialdarwinismus, bevor weitere Polemik damit betrieben wird:
    „Bezeichnung für eine soziologische Erklärung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklung, nach der sich im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wettbewerb nur derjenige durchsetzen kann, der mit den sich ändernden Umweltbedingungen durch seine biologischen Anlagen oder Ausstattung am besten fertig wird, während die Nicht-Anpassungsfähigen eliminiert werden (Selektion). Indem die Überlebenden als biologisch Tauglichste (Survival of the Fittest) bezeichnet werden, erfolgt eine Rechtfertigung der bestehenden gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnisse.“
    Wo geht es bei Sheldon denn um biologische Anlagen und sich ändernde Umweltbedingungen? Was habe ich überlesen?

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