DFB-Elf spielt remis gegen Frankreich

Von am 29. November 2012 – 17.46 Uhr 35 Kommentare

In Halle an der Saale erwies sich die französische Nationalelf als der erwartet starke Gegner. Für die DFB-Elf reichte es im letzten Testspiel des Jahres 2012 vor enttäuschender Kulisse trotz schneller Führung nur zu einem Remis.

Im strömenden Regen sahen die nur 5 123 Zuschauer  im Erdgas Sportpark ein leistungsgerechtes 1:1 (1:1) zwischen den beiden besten europäischen Teams der FIFA-Weltrangliste. Es war im elften Aufeinandertreffen der beiden Teams das erste Unentschieden, nach zuvor acht Siegen für Deutschland und zwei Erfolgen für Frankreich.

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Faißt erzielt Führung
Die DFB-Elf erwischte einen Auftakt nach Maß, denn nach schöner Vorarbeit von Linda Bresonik und der einzigen Sturmspitze Célia Okoyino da Mbabi erzielte die bärenstarke Verena Faißt am langen Pfosten mit ihrem ersten Treffer im Nationaltrikot die frühe Führung – Frankreichs Abwehrspielerin Corinne Franco schien noch nicht ganz wach zu sein (2.).

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Französische Akzente
Doch die Französinnen ließen sich auf dem nassen Rasen durch den schnellen Rückstand nicht aus der Ruhe bringen. Ein Aufsetzer von Louisa Necib (4.) und ein Distanzschuss von Camille Abily (7.) sorgten für erste offensive Akzente.

Latte rettet DFB-Elf
Und die DFB-Elf hatte Glück, nicht den Ausgleich zu kassieren. Nach einem Foul von Lena Goeßling an Abily setzte Necib den Freistoß an die Latte, den zurückspringenden Ball nahm Abily mit dem Kopf auf und erneut verhinderte der Querbalken einen Treffer (11.).

Okoyino da Mbabi im Pech
Okoyino da Mbabi hatte die Chance zu erhöhen, nach einer Ecke von Faißt zog sie aus dem Gewühl im Strafraum ab, doch der Ball ging einen Meter neben das Tor (16.). Doch nach einer guten Anfangsphase stellte sich Frankreich immer besser auf das deutsche Spiel ein.

Chancen auf beiden Seiten
Eugenie Le Sommer düpierte Bianca Schmidt auf der rechten Abwehrseite, doch ihr Schuss geriet zu schwach (16.). Dennoch kam auch die DFB-Elf zu weiteren Chancen, Anja Mittag traf jedoch nach Hereingabe von Schmidt und Laudehrs Weiterleitung per Hacke nur das Außennetz – Frankreichs Torhüterin Sarah Bouhaddi hatte etwas zu spät reagiert (19.).

Verena Faißt

Verena Faißt krönte ihre starke Leistung mit einem Treffer © Sven-E. Hafft /girlsplay.de

Franco gleicht aus
Den Treffer erzielten jedoch die Französinnen, bei einer Ecke von Necib konnte Torhüterin Nadine Angerer den Ball nicht festhalten, Corine Franco bedankte sich mit dem 1:1 (24.). Nach einer halben Stunde kam der Spielfluss immer mehr ins Stocken, die beiden Teams beharkten sich im Mittelfeld. Ein Kopfball von Marie-Laure Delie (37.) und eine Aktion von Okoyino da Mbabi, der in aussichtsreicher Position der Ball versprang (42.) waren die letzten Höhepunkte der ersten Halbzeit.

Schmidt im Pech, Delie trifft Latte
In der zweiten Halbzeit kam die DFB-Elf wieder besser ins Spiel, mit einem Schrägschuss hatte Schmidt früh die Führung auf dem Fuß (46.). Und bei einem Laudehr-Schuss musste Bouhaddi ihr ganzes Können aufbieten (54.). Doch die beiden Teams kamen immer weniger zu Torchancen, für einen Aufreger sorgte Delie, die aus der Distanz die Latte traf (79.) und Babett Peter, deren Schussversuch im letzten Moment geblockt wurde (80.).

Letzte Torchancen
In der Schlussminute hätte die DFB-Elf aber fast noch den Sieg perfekt gemacht. Nach schöner Einzelleistung von Martina Müller in ihrem letzten Länderspiel, schob Schmidt den zentimetergenauen Pass aus kurzer Distanz am Tor vorbei, auch ein Kopfball von Lena Lotzen brachte nichts mehr ein (90.).

Neid: „Im Mittelfeld nicht aggressiv genug“
Neid erklärte nach der Partie: „Es war ein Spiel auf hohem Niveau. Frankreich hat bewiesen, dass sie bei der EM im kommenden Jahr zu den Favoriten gehören. Wir haben sehr gut angefangen, dann aber das Heft des Handelns aus der Hand gegeben, weil wir in den Zweikämpfen im Mittelfeld nicht genügend Aggressivität gezeigt haben.“

Bini: „Spielerinnen haben ihr Bestes gegeben“
Frankreichs Trainer Bruno Bini meinte: „Wir haben nicht gut begonnen und so etwas kann katastrophal enden. Der Freistoß von Louisa Necib an die Latte hat uns gut getan. Wir hatten oft die Ballhoheit, aber Deutschland war bei schnellen Kontern immer gefährlich. In der zweiten Halbzeit hatten wir Probleme, aber die Spielerinnen haben heute ihr Bestes gegeben.“

Deutschland – Frankreich 1:1 (1:1)

Deutschland: Angerer – Schmidt, Krahn, Bartusiak (46. Henning), Peter – Goeßling (88. Keßler), Laudehr – Bresonik (46. Odebrecht), Mittag (72. Müller), Faißt (46. Behringer) – Okoyino da Mbabi (65. Lotzen)

Frankreich:
Bouhaddi – Renard, Franco (83. Soyer), Georges, Houara – Abily, Soubeyrand – Thomis (76. Catala), Necib, Le Sommer – Delie

Tore: 1:0 Faißt (2.), 1:1 Franco (24.)

Gelbe Karten: Keine

Schiedsrichterin: Kirsi Haikkinen (Finnland)

Zuschauer: 5 123

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

35 Kommentare »

  • Sheldon sagt:

    @wfm: Angerer hatte die Finger nicht dran. Der Ball wurde von ihr nicht in seiner Richtung beeinflusst. Das war einfach nur unplatziert von Necib geschossen!

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  • Tim Wolf sagt:

    @ Sheldon
    …ich fand, dass die Abwehr gegen die schnellen Französinnen eigenlich sehr gut gearbeitet hat. Sowohl in der ersten als auch in der zweiten HZ. Thomis ist auf den ersten Metern, die mutmaßlich schnellste Spielerin der Welt, ihr Antritt ist absolut beeindruckend. Ich kann mich da aber an eine Szene aus der 2. HZ erinnern, wo eine dt. Abwehrpielerin den Ball gegen sie sehr gut behauptet hat und die Situation wunderbar geklärt hat. Und Le Sommer war hauptsächlich dann zu sehen, wenn sie viel Platz hatte. Den hatte sie allerdings gerade in der 1. HZ erschreckend oft, da Schmidt doch sehr weit zur Mitte gezogen stand. Da Frau Neid allerdings auch nach der zweiten derartigen Situation ruhig geblieben ist, keinen Unmut gezeigt hat und in der 2. HZ ähnliche Situationen aufgetreten sind, vemute ich das eine derartige Raumdeckung von ihr ausgegeben war. Die meisten Situationen konnten, durch die resultierenden längeren Laufwege der Angreifer- und kürzeren Laufwege der Verteidigerin auf beiden Seiten eigentlich gut geklärt werden. Das Schmidt sich von Le Sommer düpieren lies, ist natürlich quatsch. In einer solchen Doppelsituation an der Außenlinie wird schon im Jugendbereich gelehrt, dass die hintere Frau die Linie zumacht und die zu Hilfe eilende aggresiv draufgeht, den Ballgewinn sucht und den anderen Weg versperrt. Da Bresonik hier aber zu halbherzig zu Werke gegangen ist, stehen Beide dann dumm da. Passiert. Sehr gut gefallen hat mir auch Henning, zwar ist es mir lieber, wenn es garnicht erst zu gefährlichen Situationen kommt. Aber wie sie Diese dann per Grätsche gerettet hat, war schon großartig. Eine Abwehr Peter, Bartusiak/Goeßling, Henning, Schmidt kann ich mir für die Zukunft sehr gut vorstellen und bei dem Gedanken wird mir keinesfalls bange.

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  • pinkpanther sagt:

    ähm Sheldon, „unplatziert“??? Einen Freistoß/Torschuss, der an die Latte geht, halte ich mitnichten für einen unplatzierten Schuss *grübel*

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  • wrack sagt:

    @ wfm: „Dann wüsstest Du, dass Angerer durchaus noch den Freistoß von Necib an die Latte lenken konnte.“

    Ob sie den Ball überhaupt berührt hat, kann am besten wohl Angerer selbst sagen. Es ist m.E. nicht zu erkennen. Die Perspektive läßt durchaus AUCH die Annahme zu, dass sie die Richtung des Balls sehr geringfügig verändert. So oder so aber wäre der Ball an die Latte gegangen. Dass sie beim französischen Ausgleich den Ball nur wegklatscht, ist allerdings ein schwerer Fehler und geht absolut und allein auf ihre Kappe.
    Insgesamt habe ich den Einduck, dass Nadine Angerer seit der WM viel an Sicherheit und Souveränität eingebüsst hat. Die Verletzungspause hat daran nichts geändert. Kaum ein Natio-Spiel von ihr in diesem Jahr, wo sie mir nicht durch eine Unsicherheit oder einen gröberen Fehler aufgefallen wäre. Gerade bei Ecken hat sich das zugespitzt. Das kann schon einmal ein, zwei oder drei Spiele bei einer Torhüterin sein, aber bei ihr dauert es jetzt für MEINEN Geschmack zu lange. Schult hat sich Anfang des Jahres gut bewährt, ich hoffe, dass sie im nächsten Jahr wieder zeigen kann, dass eine deutsche Torhüterin von hinten Sicherheit ausstrahlt.

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  • wfm sagt:

    Ohne mich in die allgemeine Diskussion zu Angerer einmischen zu wollen, im speziellen Fall war sie mit den Fingerspitzen noch dran. Das wird nicht nur bei den Highlights bei dfb.tv gesagt, sondern wer einen Mediplayer hat, der Frame für Frame abspielen kann, wird sehen, dass der Ball von Angerer noch mit den Fingerspitzen gegen die Latte gelenkt wird. Anderfalls wäre er wohl gegen die Unterkante der Latte gegangen und hätte dann auch drin sein können.

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  • Sheldon sagt:

    @wfm: Ich habe mir die Szene nun mindestens zehnmal angeschaut und es ist überhaupt nicht auszumachen, dass Angerer den Ball überhaupt berührt hat, und wenn, dann in keinem Fall entscheidend.

    @pinkpanther: Die Definition von „platziert“ ist für mich wie folgt:
    der Ball kommt hart und genau aufs Tor. Das war bei Necib nicht der Fall. Die Latte ist nicht das Tor, daher ist der Ball nicht platziert geschossen gewesen, zumal Angerer den Ball gehabt hätte, wenn er nicht an die Latte geklatscht hätte.

    Ein platzierter Ball ist für mich bei einem Freistoß ein Tor oder zumindest so stark geschossen, dass die Torhüterin ihn nur mit einer Glanzparade den Ball entschärfen kann!

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  • star sagt:

    sheldon, wie soll man bitte bei wind und regen einen schuss genau platzieren ?! fussball wird nun mal draussen gespielt und der wind lässt sich schlecht berechnen. der necib freistoss war meiner meinung nach bewusst geschossen und mit ganz viel glück von angerer an die latte gelenkt.

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  • Sheldon sagt:

    @star: 1. Man kann bei Wind und Regen bewusst Standards trainieren, um das einzuschätzen. Biathleten müssen aus 50 Metern im Stehen ein 11,5 cm großes Ziel treffen, da wird man ja wohl erwarten dürfen, dass eine Fußballerin das aus 20 Metern mit einem Ball auf 15 m² schafft.

    2. Angerer war nicht am Ball, jedenfalls nicht entscheidend, der Ball wäre auch so an die Latte gegangen.

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  • star sagt:

    der vergleich biathlon-fussball ist doch sehr weit hergeholt. den ball muss man perfekt treffen, was bei regen und einem durchweichten platz schon schwer genug ist (vielleicht weisst du das nicht,da du vielleicht noch nie selbst an einen ball getreten hast), beim biathlon wird die patrone einfach geradeaus aus dem lauf geschossen und man muss hoffen,dass sie nicht vom wind verweht wird. insofern hat beides mit glück zu tun,wenn wind im spiel ist.

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  • Sheldon sagt:

    @star: Ich habe nur gesagt, was meine Definition von „platziert“ ist. Natürlich triffst du nicht jeden Ball platziert und ich mache Necib auch keinen Vorwurf daraus, aber du kannst nicht sagen, dass ein Ball wirklich platziert ist, wenn er nicht auf das Tor geht.
    Das wird schon allein die Schützin nicht sagen.

    Natürlich muss du den Ball perfekt treffen, aber es gibt schließlich Spieler, die schaffen das in Serie, siehe Arango.

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  • Micol sagt:

    @Sheldon: „Weitere Alternativen wären Sonia Bompastor, Amandine Henry und Laetitia Tonazzi. Da hat Bini auf jeden Fall noch einiges in der Hinterhand, und er dürfte das auch zu nutzen wissen.“

    Wohl kaum. Die drei stehen bei Bini auf der Negativliste – da muss erst ein neuer Trainer kommen, bevor sie wieder für Frankreich spielen werden.

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  • Sheldon sagt:

    @Micol: Dass Bompastor sich mit Bini verkracht hat, ist mir ja bekannt, aber woher nimmst du, dass es auch bei Henry oder Tonazzi so ist?

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  • Micol sagt:

    @Sheldon – Ob die drei sich mit Bini „verkracht“ haben, weiß ich nicht, aber jedenfalls sind sie ganz offensichtlich draußen, obwohl ihre Leistungen eigentlich für sich sprächen. Alles Weitere, das ich dazu sagen könnte, beruht nur auf Gerüchten, das lasse ich lieber.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @Micol
    > Die drei stehen bei Bini auf der Negativliste…
    Dann ist Binis Negativliste inkl. der 3 Genannten wohl kein Gerücht?
    Dies zu schreiben, hättest Du wohl lieber auch bleiben lassen sollen… 🙁

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  • Sheldon sagt:

    @Micol: Tonazzi und Henry standen 2011 beide im erweiterten WM-Kader, wurden dann allerdings wieder gestrichen. Ich denke, dass beide eine gute Chance haben, ins Aufgebot zu rutschen, wenn sie so weiter spielen.

    Henry hat natürlich auf ihrer Position im defensiven Mittelfeld enorme Konkurrenz mit Soubeyrand, Abily und Bussaglia, die auf Binis Zettel zur Zeit wohl noch alle vor ihr stehen.
    Tonazzi spielt erst seit dieser Saison wieder auf dem hohen Niveau, was sie als Stürmerin in der N11 braucht. 2011/12 spielte sie in Juvisy nicht CL und erzielte in 21 Spielen nur 8 Tore. Bei Lyon hat sie in 6 Spielen bereits 7 Tore erzielt und in der CL in 4 Spielen 4 Tore und sich damit mehr als würdig für die Vertretung Schelins erwiesen.

    Allerdings spricht wohl gegen Tonazzi ihr Alter und ihre Ersatzrolle in Lyon. Dass sie keinen Stammplatz in Lyon besitzt, ist tatsächlich ein Problem, was ihrer Nominierung im Wege stehen würde. Dennoch sehe ich sie durchschlagskräftiger als Delie!

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