Voss-Tecklenburg: „Wir sind auf dem richtigen Weg“

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Martina Voss-Tecklenburg ist seit vier Monaten Schweizer Nationaltrainerin. Die EM-Qualifikation ist in die Ferne gerückt, aber vom Potenzial des Teams ist die Fußballlehrerin überzeugt. Womensoccer sprach mit ihr über die ersten Monate im Amt, das Ziel, eine Endrunde zu erreichen, neue Erfahrungen und die Mehrsprachigkeit auf dem Fußballplatz.

Ihre Chancen in der Qualifikation sind gering geworden, wie geht man die kommenden Spiele an?
Wir können die Qualifikation nicht mehr aus eigener Kraft schaffen, sondern müssen alles gewinnen und hoffen, dass Spanien stolpert. Diese Chance ist beim Restprogramm überschaubar geworden, aber wir wollen gute Spiele zeigen. Sollte sich eine Tür öffnen, müssen wir bereit sein, hindurch zu gehen.

Die Hoffnungen auf den zweiten Rang waren anfangs groß. Wie schwer wäre der Rückschlag, wenn es nicht reichen sollte?
Wir können das nicht als Rückschlag sehen, denn die Gruppe war schwer genug. Ich denke eher, dass wir jedes Länderspiel nutzen müssen, um uns weiterzuentwickeln. Sollte die Qualifikation nicht gelingen, muss das kein Nachteil sein. Dann haben wir Zeit, Maßnahmen zu ergreifen und die Mannschaft in die Richtung zu lenken, in die ich denke.

Dennoch gehört die Schweiz mit Sicherheit zu den Ländern, die – ähnlich wie Schottland – diesen letzten Schritt zu einer Endrunde gehen müssen, um auf etwas hinzuarbeiten und dem Sport im Land einen Schub zu verleihen.
Das ist genau auf den Punkt gebracht. Es gibt einige Länder, denen es ähnlich geht. Und es gibt zwei Möglichkeiten: sich zu qualifizieren oder selbst eine Endrunde auszurichten, um den Schub und Input zu bekommen. Darüber wird im Schweizer Verband intensiv nachgedacht. Aber neben der jetzigen EM-Qualifikation heißt es mit unserer jungen Mannschaft auch, sich auf die WM-Qualifikation 2015 zu fokussieren, denn die weiteren Startplätze für europäische Teams erhöhen die Chancen.

Die Schweiz hofft auf die WM 2015. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Liegt darin für Sie die Herausforderung: Potenzial einer jungen Mannschaft auf der einen Seite, aber auch vieles, das noch verändert werden muss, um es auszuschöpfen?
Absolut. Hier ist viel vorhanden; die Schweiz hat in den vergangenen Jahren große Schritte geschafft. Realistisch gesehen wird der nächste aber etwas mehr Zeit brauchen, denn wir sind nicht alleine in der Fußballwelt. Aber unsere U17 konnte sich für die Europameisterschaft qualifizieren, die U20 fährt zur Weltmeisterschaft. Es gibt ein Riesenpotenzial, das man aber auf allen Ebenen Schritt für Schritt verbessern muss, damit man das auch an Ergebnissen sieht.

Was sind für Sie die nächsten Schritte?
Ich denke, dass alle bereits eingeleitet wurden. Es wird versucht, die Liga besser zu strukturieren und gute Bedingungen zu schaffen. Man legt viel Wert auf Ausbildung, es gibt flexible Spielmöglichkeiten für junge Talente. Die Schweiz braucht aber mehr Akzeptanz – auch medial –, was den Frauenfußball angeht. Da hilft die U17-EM, weil sie in der Schweiz stattfindet. Und sollte die WM-Qualifikation gelingen, wäre das ein nächster toller Schritt. Ich möchte aber nach vier Monaten nicht so vermessen sein zu sagen, was sich alles verändern muss. Es wird vielerorts sehr gut gearbeitet, und wir sind auf dem richtigen Weg.

Ihr Weg in die Schweiz stand am Ende eines turbulenten Jahres. Machen Sie noch Langzeitpläne, oder kann ohnehin sehr schnell sehr viel anders laufen?
Es spielt vielleicht beides eine Rolle. Es war turbulent, und ich habe gelernt, dass Dinge geschehen, die man nicht beeinflussen kann. Die führen aber dazu, dass wenn sich eine Tür schließt, sich andernorts eine öffnet. Ich bin da entspannter geworden. Gleichzeitig hoffe ich natürlich, dass sich sportlich alles so entwickelt, dass meine Tätigkeit hier über meinen bis 2014 laufenden Vertrag hinaus geht. Die Arbeit ist für mich eine große Herausforderung, bei der ich Erfahrungen sammele, die mich als Trainerin und Mensch weiterbringen.

Sie bringen einen anderen Hintergrund und andere Erfahrungen ein als ein Schweizer Trainer – auch etwas typisch Deutsches?
Ich merke am Feedback, dass viele die Intensität des Trainings nicht gewohnt sind. Hinzu kommt vielleicht die etwas forschere deutsche Art, den Fokus auf Erfolg zu legen und klar zu sagen, was man erreichen will. Aber wir können da nur voneinander profitieren und müssen auch lernen, die gleiche Sprache zu sprechen. Meine Fußballsprache ist Deutsch, die der Schweizer ist schon ein bisschen anders. Da setzen wir uns auch mal einen Abend zusammen, und ich frage, welche Ausdrücke auf dem Fußballplatz verwendet werden. Vieles ist dabei sehr lustig, denn dadurch kommt man sich näher. Aber ich will verstehen und verstanden werden.

Martina Voss-Tecklenburg
Seit vier Monaten im Amt: Martina Voss-Tecklenburg. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Eine Herausforderung im Mehrsprachenland?
Dass die Schweiz ein multikulturelles Land mit drei Sprachen ist, ist ein Vorteil. Teambuilding-Maßnahmen sind nicht nötig, weil sich das Team von alleine findet. Die einen sprechen Deutsch, die anderen Französisch oder Italienisch. Dennoch verstehen sie sich und können schnell umswitchen. Es hat mich von Anfang an fasziniert, dass die Spielerinnen den Teamgedanken unheimlich verinnerlichen, weil sie sich immer schnell austauschen und verstehen müssen.

Das hört sich nach einem positiven Fazit nach vier Monaten an.
Absolut. Es gibt auch keinen Grund für mich, das nicht positiv zu sehen. Die nächsten Schritte, die wir gehen wollen, sind Antrieb und Herausforderung. Fehler werden nicht ausbleiben, aber ich gehe das mit Freude und Engagement an. Béatrice von Siebenthal hat extrem viel aufgebaut, und auf dem Fundament geht es weiter, um unser Ziel, an einer Endrunde teilzunehmen, in Zukunft zu erreichen – hoffentlich in naher Zukunft, nicht erst 2030.

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waiiy
waiiy

Wenn ich mir ansehe, wo viele Spielerinnen der Startformation der Schweiz so in den Vereinen spielen und auf welchem Niveau sie sich dort durchsetzen müssen und es auch tun, dann frage ich mich, ob es MVT nicht gelingen müsste, mehr aus der Mannschaft zu machen? Und wenn ihr das nicht gelingt, ist es dann nicht etwas, wofür sich die Trainerin verantwortlich zeigen muss? Ich denke, mit Dickenmann, Crno, Bachmann und Co. sollten in jedem Spiel Tore Pflicht sein, wenn man auch vielleicht damit nicht immer gewinnen kann. Vielleicht sollte man auch einfach mal den Schmusekurs verlassen und die Erwartungen schüren,… Weiterlesen »

Sheldon
Sheldon

Nunja, noch steht die Schweiz in der Weltrangliste noch auf Platz 26, nur Nummer 16 in Europa, hinter Deutschland, Schweden, Frankreich, England, Italien, Dänemark, Norwegen, Niederlande, Island, Spanien, Russland, Finnland, Schottland, Ukraine und Tschechien.

Und diese Festlegung ist nicht einfach willkürlich, schaut man sich die voraussichtlichen Teilnehmer der nächsten EM an, das ist deckungsgleich!

Von daher wird es ein langer Weg zur WM 2015, denn dort qualifizieren sich nur die besten 8 in Europa.
Und da muss die Schweiz zunächst einmal an Deutschland, Schweden, Frankreich, England, Italien, Dänemark, Niederlande, Spanien oder Russland vorbei! Und gleich an zwei von denen!

laasee
laasee

Switzerland will not be at eye level with the top nations just because of MVT.
It is an incremental process. MVT will take Switzerland to the next level of improvement.
Then a new coach will attempt to reach a higher level.
It may be ten years or so, before Switzerland is genuinely competitive with the big nations.
Switzerland are making good progress with Youth football and that is one of the essential building blocks for sustainable development.

FFFan
FFFan

@ waiiy:

Martina Voss-Tecklenburg ist ja erst seit wenigen Monaten im Amt. Wir sollten ihr schon etwas Zeit geben, nachdem es schon ihren Vorgängern in all den Jahren nicht gelungen ist, „mehr aus der Mannschaft zu machen“.

Für die EM 2013 ist der Zug wohl abgefahren. Eine Qualifikation für die WM 2015 dürfte trotz Aufstockung des Teilnehmerfeldes extrem schwierig werden, aber bei der EM 2017 (Endrunde erstmals mit 16 Teilnehmern!) könnte es klappen!

Spocky
Spocky

@ waiiy

Hallo waiiy – Martina ist erst einmal ca. 4 Monate in der Schweiz… Also die „Forderungen“ nach Selbstkritik finde ich doch ein ein wenig überzogen…Natürlich gibt es in der Schweizer Natio einige tolle Spielerinnen wie Dickenmann u. Co – aber ich finde in so einer kurzen Zeit können wir nicht von Martina „Wunderdinge“ erwarten…
Ich hoffe doch sehr, dass der Schweizer Fußballverband mehr Geduld hat und ich bin mir ziemlich sicher, dass Martina aus dieser tollen Mannschaft noch einiges „rausholt“ … Dafür wünsche ich ihr alles Gute …

Mit den besten Grüßen aus dem „Ruhrpott“ 🙂

Sheldon
Sheldon

@Spocky: Man sollte hierbei nicht vergessen, dass die Schweiz in der Quali zur WM 2011 schon sehr viel weiter war. Beispielsweise konnte sich die Schweiz in der Qualifikation zur WM 2011 gegen Mannschaften wie Russland oder Dänemark durchsetzen, zwei Teams, die mit sehr großer Wahrscheinlichkeit im nächsten Jahr an der EM teilnehmen werden.

In dieser Qualifikation war die Schweiz 7. in Europa (hinter Deutschland, Frankreich, England, Schweden, Norwegen und Italien).

Und dann qualifizieren sie sich nicht für die EM 2013, da kann man schon von einer Enttäuschung sprechen!

Sarah
Sarah

@Sheldon MVT hat aber erst seit März die Verantwortung in den EM Quali Spielen. Gegen die Türkei gewonnen und gegen Deutschland erwartungsgemäss verloren. Was willst Du also damit sagen, ihr die Schuld geben? Das man Spiele gegen Deutschland verliert geht vielen Nationen so und dass die Schweiz in Spanien verloren hat, war einer ganz schlechten ersten HZ geschuldet, aber da war sie noch gar nicht die Trainerin. Also, warten wir doch mal ab, wie die letzten 4 EM-Quali Spiele laufen. Ausserdem ist das Spielsystem umgestellt wordenund einige Spielerinnen spielen jetzt auf anderen Positionen und auch das braucht Zeit, länger als… Weiterlesen »