Champions League: Frankfurt will Auswärtsfluch beenden
Noch eine Mannschaft steht dem 1. FFC Frankfurt bei seinem Vorhaben, nach dem UEFA Women’s Cup 2008 wieder das Finale der europäischen Königsklasse zu erreichen, im Weg: Sonntag um 16 Uhr tritt der FFC im Halbfinalhinspiel der Champions League beim englischen Serienmeister Arsenal LFC an. „Wir wissen, was uns erwartet“, so FFC-Trainer Sven Kahlert, denn in London gibt man sich gewohnt kämpferisch.
„Wir wollen zu Null spielen, aber natürlich auch Tore schießen“, so Arsenal-Stürmerin Ellen White . „Ich denke nicht, dass wir uns zurücknehmen werden. Wir spielen auf Sieg.“
Frankfurt in der Favoritenrolle Solch selbstbewusste Töne ist man aus London gewöhnt, denn die „Gunners“ dominieren die dortige Liga seit Jahren und sind eine Mannschaft, die durch Teamgeist und kämpferische Leistung viel bewegt. Doch die Dominanz Arsenals ist auch der Schwachpunkt: Enge Partien, in denen es um „alles oder nichts“ geht, spielt die Mannschaft zu selten. Durch die Einführung der neuen Liga hat sich das Niveau bereits in der ersten Saison gehoben, und mit Birmingham haben die Londonerinnen ernst zu nehmende Konkurrenz bekommen. Doch die Erfahrung spricht für Frankfurt, die auch in der Liga konstant stärker gefordert werden. Darüber hinaus hat Arsenal noch nie gegen ein deutsches Team gewinnen können.
Viele Verletzungen Die 38-köpfige Frankfurter Delegation macht sich heute Mittag auf den Weg nach London und wird am Nachmittag in Boreham Wood, nördlich der Hauptstadt gelegen, das Abschlusstraining in Arsenals Heimstätte Meadow Park bestreiten. Verletzungsbedingt verzichten muss der FFC auf Nadine Angerer, Valeria Kleiner, Dzsenifer Marozsán, Alexandra Krieger und Fatmire Bajramaj . Aber die Mannschaft ist „trotz des verletzungsbedingt dezimierten Kaders bestmöglich auf die Herausforderung in der englischen Hauptstadt vorbereitet“, so Kahlert.
Kahlert will Negativserie beenden In den bisherigen Spielen der „Königsklasse“ hat sein Team jeweils die Auswärtspartie verloren. „Gegen Arsenal haben wir nun eine weitere Gelegenheit zu zeigen, dass wir auch auf fremdem Platz in der Champions League erfolgreich sein können“, gibt sich der Trainer optimistisch, diese Serie in London beenden zu können. „Zunächst wollen wir mit einer engagierten und konzentrierten Leistung gute Voraussetzungen für das Rückspiel schaffen und dann eine Woche später vor eigenem Publikum den entscheidenden Schritt nach München realisieren.”
Arsenal ohne Kelly Smith Die „Gunners“ haben den Wettbewerb 2007 gewinnen, später aber nicht mehr an die Leistungen anknüpfen können, was auch durch Abgänge und eine Verjüngung des Kaders bedingt war. „Das Arsenal-Team besteht komplett aus Nationalspielerinnen und mit Emma Byrne im Tor, Ciara Grant, Jayne Ludlow sowie Kelly Smith sind in allen Mannschaftsteilen große Spielerpersönlichkeiten vertreten, die Führungsaufgaben übernehmen“, blickt Kahlert auf den Londoner Kader. Smith trägt allerdings seit über einer Woche einen Gips am Knöchel und wird nicht zum Einsatz kommen.
Rückkehrerinnen aus den USA Die Leistungskurve der Engländerinnen zeigt wieder nach oben; mit Ellen White und Kim Little verfügen sie über einen starken Sturm. Hinzu kommt die Rückkehr von Alex Scott und Gemma Davison aus den USA. Das Erreichen des Halbfinals ist bereits ein großer Erfolg für amtierenden englischen Meister und Pokalsieger – ein Einzug ins Endspiel wäre aber eine große Überraschung.
Wunschgegner Potsdam Dort möchte der FFC erstmals nach seinem Titelgewinn 2008, damals noch UEFA Cup, unbedingt hin, und der Wunschgegner heißt Potsdam. „Das würde zeigen, wie stark die Bundesliga ist. Frankfurt gegen Potsdam wäre mein persönliches Traumfinale, das hätte einen hohen Stellenwert, nachdem das Image durch die WM einen Kratzer erlitten hat“, so Frankfurts Manager Siegfried Dietrich . Die Potsdamerinnen sind im zweiten Halbfinale am Sonntag bei Titelträger Olympique Lyonnais zu Gast.