Deutschland gewinnt Algarve Cup

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Die deutsche Frauenfußball Nationalelf hat zum zweiten Mal nach 2006 den Algarve Cup gewonnen. Im Finale setzte sich die DFB-Elf nach hartem Kampf und spannendem Spielverlauf knapp gegen Weltmeister Japan durch.

Beim 4:3 (2:1)-Sieg im Estádio Algarve in Faro hatte es vor allem die Schlussphase in sich, in der sich die Ereignisse mit drei Treffern binnen drei Minuten überschlugen.

Auch Bresonik fehlt
Die deutsche Mannschaft, die ohne die verletzten Nadine Angerer, Fatmire Bajramaj und Linda Bresonik auskommen musste, eroberte sich in der Anfangsphase optische Vorteil, doch die erste gute Torchance hatten die Japanerinnen, die ihrerseits ohne Weltfußballerin Homare Sawa antraten. Yuki Nagasato fand bei ihrem Schuss von der Strafraumgrenze aber ihre Meisterin in Almuth Schult, die den Ball mit einer Glanzparade über die Latte drehte (17.).

Deutscher Doppelschlag
Doch ins Tor trafen zunächst die deutschen Spielerinnen: Nach einer Flanke von Kapitänin Melanie Behringer vom rechten Flügel, reagierte Dzsenifer Marozsán am schnellsten und beförderte den Ball volley zur Führung ins Netz (20.). Und nach Ecke von Marozsán erhöhte Célia Okoyino da Mbabi nur zwei Minuten später per Kopf zum 2:0 (22.). „Wir haben sehr gut begonnen und Japan in den ersten zwanzig Minuten gut im Griff gehabt“, so Bundestrainerin Silvia Neid.

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Die DFB-Elf gewinnt zum zweiten Mal nach 2006 den Algarve Cup. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Japan findet ins Spiel zurück
Doch wer gedacht hätte, das wäre die halbe Miete, sah sich getäuscht. „Nach 25 Minuten haben wir nachgelassen und hatten nicht mehr so viel Druck auf dem Ball“, resümiert Neid. Die Japanerinnen fanden nach und nach besser in die Partie, mit einem schönen Schlenzer gelang Nahomi Kawasumi aus halblinker Position im Strafraum der Anschlusstreffer – das erste Gegentor für die DFB-Elf im Turnier (35.). Kurz vor der Pause wäre Nagasato fast der Ausgleich gelungen, doch ihr Schuss war zu zentral und bereitete Schult keine Probleme (42.).

Wechsel in der DFB-Elf
Mit Alexandra Popp für Marozsán ging es in Halbzeit zwei, Japan brachte unter anderem Asuna Tanaka für Kozue Ando ins Spiel und die Einwechselspielerin führte sich gleich gut ein, denn nach einer Ecke gelang ihr aus kurzer Distanz der Ausgleich (55.). Saskia Bartusiak für Lena Goeßling und Svenja Huth für Anja Mittag sollten für neue Impulse sorgen, doch es waren die Japanerinnen, die am Drücker waren, in der zweiten Halbzeit durfte auch die Frankfurterin Saki Kumagai ran.

Elfmetergeschenk
Zunächst fielen keine weiteren Treffer, da sich beide Teams weitgehend neutralisierten, doch es sollte eine atemberaubende Schlussphase folgen. Nach einem vermeintlichen Foul an Schmidt, die ins Stolpern geriet, gab es Foulelfmeter für die DFB-Elf, Da Mbabi verwandelte sicher zur 3:2-Führung (88.). Doch fast im Gegenzug war der Vorsprung schon wieder dahin, Nagasato nutzte einen Fehler von Schult, die einen Ball nicht festhalten konnte, eiskalt aus und glich zum im japanischen Lager viel umjubelten 3:3 aus (90.).

Da Mbabi im Torrausch
Erneut dachte das Publikum, dass das Spiel in der regulären Spielzeit keinen Sieger mehr sehen würde, doch weit gefehlt. Da Mbabi, die für ihre „hervorragende Leistung“ von Neid ein Extralob erhielt, war noch einmal zur Stelle und erzielte in der Nachspielzeit den nicht mehr für möglich gehaltenen Siegtreffer (91.) – somit erzielte die Stürmerin des SC 07 Bad Neuenahr im zweiten Spiel hintereinander drei Treffer.

Deutschland – Japan 4:3 (2:1)

Deutschland: Schult – Schmidt, Krahn, Henning, Peter – Odebrecht, Goeßling (56. Bartusiak) – Mittag (63. Huth), Marozsán (46. Popp), Behringer – Okoyino da Mbabi

Japan: Kaihori – Ariyoshi, Iwashimizu (46. Kumagai), Utsugi, Sameshima (46. Kinga) – Sakaguchi, Miyama, Ohno (90. Kiryu) – Ando (46. Tanaka, 90. Takase), Kawasumi, Nagasato

Tore: 1:0 Marozsán (20.), 2:0 Okoyino da Mbabi (22.), 2:1 Kawasumi (36.), 2:2 Tanaka (55.), 3:2 Okoyino da Mbabi (88. Elfmeter), 3:3 Nagasato (90.), 4:3 Okoyino da Mbabi (90.)

Gelbe Karten: Keine

Schiedsrichterin:
Margaret Domka (USA)

Zuschauer: 500

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Eine Halbzeit hielt die walische Abwehr um Chefin Jayne Ludlow (li.) dem Druck von Isabell Herlovsen und Co stand. © Nora Kruse, ff-archiv.de

USA erreichen Platz drei
Im Spiel um den dritten Platz setzten sich die US-Amerikanerinnen mit 4:0 gegen Schweden durch. Der fünfte Rang ging nach einem 3:1-Erfolg gegen Island an Dänemark.

Die Norwegerinnen beenden den Algarve Cup auf dem siebten Rang. Im abschließenden Spiel setzten sich die Skandinavierinnen mit 3:0 gegen Wales. Bis zur Halbzeit konnten die hochmotivierten und aufopferungsvoll kämpfenden Waliserinnen das 0:0 halten, nach dem Seitenwechsel ließen langsam Kondition und Konzentration nach.

Durch einen 1:0-Erfolg gegen Gastgeber Portugal landen die Chinesinnen auf dem neunten Platz. Die Republik Irland revanchierte sich für die Niederlage gegen Ungarn in der Gruppenphase und gewann diesmal mit 2:1. Dadurch landete die Mannschaft von Trainerin Sue Ronan auf dem elften Platz.

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karl frank
karl frank

also es war ein foul an schmidt, augen auf und wenn der torhüter den ball in der hand hat , dann hat er ihn sicher und man darf ihr denn ball nicht aus der hand stossen.
aber egal deutschland hat gewonnen und herr juchem muss seinem hass auf das deutsche team freien lauf lassen. ekelhaft

Schenschtschina Futbolista
Schenschtschina Futbolista

Ja, es war ein strafstosswürdiges Foul an Bianca! Aber leider rempelt sie Schult später dermassen, dass diese den Ball wieder verliert und prompt ein Treffer drauß wird. Von daher kann die Schiri auch nur auf weiterspielen und eben nicht Foul an Schult plädieren.

Achja, welche fulminate Wirkung hatten denn die beiden Wechsel von Huth und Popp? Ich sah nämlich keine…

Michele
Michele

Ich bin stolz auf euch Mädels! Ihr habt bis zum Umfallen gekämpft und seit dafür belohnt worden. Das Turnier hat aber auch andere Erkenntnisse gebracht. Ich denke, dass sich die Bundestrainerin auf bestimmten Positionen schon entschieden hat. So wird Behringer wohl in Zukunft weiter auf der linken Aussenbahn gesetzt sein. Sie wird nicht umsonst Angerer als Spielführerin vertreten haben. Schwer wird es auch für Kulig und Laudehr, nach ihren Verletzungen, zurück in die Startelf zu finden. Besonders Viola macht auf der „6“ einen bärenstarken Eindruck. Auch Lira wird kämpfen und kratzen müssen, um wieder in die Elf zukommen. Vakant ist… Weiterlesen »

pinkpanther
pinkpanther

Also von „Hass“ kann ich in dem Artikel nicht mal ansatzweise etwas erkennen!
Die Szene vor dem 3:3 habe ich leider nicht gesehen, aber beim Elfmeter hatte ich den Eindruck, dass da gar keine Berührung stattgefunden hatte – ich dachte mir nur: „Einem gschenkten Gaul …“
Ich fand es ein tolles Spiel mit starken (und natürlich auch schwächeren) Phasen auf BEIDEN Seiten. Deutschland hat gezeigt, dass sie mit den Weltmeisterinnen mithalten können und das Spiel nicht unverdient gewonnen. (wie bereits im anderen Artikel geschrieben fehlen mir leider die letzten Minuten nach dem 3:2)

karl frank
karl frank

ja,deutschland hat gewonnen, und die tollen schwedinnen, was war denn da los.
gegen die usa so zu verlieren, das ist traurig.
und noch einmal für alle und auch für herrn juchem, deutschland hat gewonnen.

karl frank
karl frank

also schmidt wurde an der schulter gezogen und ging zu boden, dies kann man als 50-50 foul auslegen und der schiri kann pfeifen muss er aber nicht.
so zu berichten wie es herr juchem es getan hat, geschenkter elfmeter, dies geht gar nicht.
pinkpanther lies dir bitte noch mal den kommentar genau durch, der elfmeter und das 3-3 wo schult der ball aus der hand geschlagen wurde.
diese berichtsform ist einseitig.

hanah
hanah

@ Michele: Ich glaube nicht dass es für Lira schwer wird da sie mit ihrem Spielstil einzigartig ist und eine der wichtigsten Spielerinnen der Natio!!!!:-D Für Angerer
wirds schwerer 😛 Ach und Glückwunsch<3

GGlückwunschfür die großartige Leistung der

Jennifer
Jennifer

Das war endlich mal wieder eine starke Leistung der Deutschen. Glückwunsch an das gesamte Team! Es war meiner Meinung nach aber auch ein sehr ausgeglichenes Spiel indem sich beide Seiten nichts geschenkt haben. Zum Schluss hatte jedes Team die Möglichkeit zu gewinnen. Die letzten Minuten waren eh an Spannung nicht mehr zu überbieten. Ganz tolle Leistung! Auch super, dass sich die Mädels nie aufgegeben haben und einfach nicht verlieren wollten. So stark wie in der Schlussphase des Spiels habe ich das Team schon lange nicht mehr gesehen. Wirklich gut! Fairerweise muss man sagen, dass sich auch die Japanerinnen nie aufgegeben… Weiterlesen »

Aimar
Aimar

Also ich habe bei dem Elfmeter auch kein Foul gesehen. Warum man jemanden „Hass“ – ein Wort das im Sport wie auch anderswo nun mal gar nichts zu suchen hat – unterstellen kann, wenn er seinen Eindruck widergibt ist schon sehr fragwürdig und sagt viel über denjenigen aus. Beim 3:3 hatte man zumindest das Gefühl das da auch ein Foull vorgelegen hat. Der Sieg ist etwas glücklich aber geht ok. Was ich wieder mal beeindruckend fand war die Ballsicherheit und das Aufbauspiel – selbst beim dt. Pressing – der Japanerin. Das hat schon klasse. Nette Standortbestimmung aber man sollte das… Weiterlesen »

karl frank
karl frank

herr juchem, das reissen an der schulter ist kein foul, haben sie das spiel überhaupt gesehen, ich schon, zwar hat der japanische kommentar schwer genervt aber sonst war das hd bild sehr gut und es war kostenlos.
und wenn man das foul gesehen hat, dann war es ein foul, denn das reissen an der schulter ist strafbar und wird mit elfmeter geandet.

Winter
Winter

Also, Hut ab vor den Japanern! Das war technisch aller erste Sahne und auf dem Niveau von Barcelona. Die deutsch NM konnte durch ihr Kraftspiel dagegen halten, aber es schien so, als ob ihnen in der 2. HZ die Luft ausgeht. Der glücklichere hat gewonnen, nicht der bessere.

sodalith7
sodalith7

In der Offensive sind wir wirklich gut besetz und das System mit einer Stürmerin und drei weiteren offensiven Spielerinnen lässt sich endlich umsetzten.
Der Spielaufbau nach vorne hat sich auch verbessert.
Die Gewinnerin ist sicherlich Celia.

Der große Schwachpunkt ist immer noch die Innenverteidigung. Die Verliererin für mich ist Krahn, sie hat ihre technischen Mängel nicht aufgeholt und ist ein ständiger Unsicherheitsfaktor.

Insgesamt ein gelungenes Turnier.

H2O
H2O

@Markus Juchem

Also so wie du das schreibst geht es meiner Meinung nach nicht.
Wenn du schon so massiv subjektiv die Situation beschreibst, dann sorge dafür dass deine Kommentare und Artikel bewertbar sind.
Ansonsten ist das ärgerlich für alle, die sich hier auch mit ihren subjektiven Meinung der Bewertung stellen.

Eine weitere Möglichkeit ist ,und das würde ich dir empfehlen, solltest du gerade strittige Spielsituationen oder Berichte von Spielen neutral formulieren, was ja nicht schwer ist.
Deine persönliche Meinung könntest du dann in einem Artikel mit Überschrift „Meinung“ extra beschreiben. Wird ja in den meisten Zeitungen ebenso gemacht.

Grüße,
H2O

wrack
wrack

Weil sie 6 Tore in vier Spielen geschossen hat, weil sie drei Tore gegen den Weltmeister geschossen hat und weil mein erstes Posting in diesem Forum damals lautete:
„Ich bin Celia-Fan – Wer ist mehr ?“

Ein Hoch auf die Matchwinnerin Celia Okoyino da Mbabi aus Bad Neuenahr !

PS: Seltsamerweise fiel ihr Name in den 10 Postings zuvor gar nicht ?! Sind drei Tore gegen den WM so selbsverständlich ?

Und noch ein Hoch auf Dzennifer Marozsan, die hoffentlich „zurück“ ist nach ihrer Verletzung !

wrack
wrack

Zur Elfmeter-Diskussion noch einmal die alter Fußballweisheit, die alles klärt:

Elfmeter ist es, wenn der Schiri Elfmeter pfeift. Basta.

Und zur Diskussion verdient oder nicht eine ebenso klassische Weisheit:

Deutschland: 4 Tore
Japan: 3 Tore

(Das galt schon bei der WM: Deutschland 0, Japan 1. U.a. deswegen betiteln wir Japan als Weltmeister)

karl frank
karl frank

über ein spiel schreiben, das man nicht gesehen hat, ist eine journalistische bankrott erklaerung herr juchem.
die hand der japanischen abwehrspielerin war auf der schulter von bianca schmidt, die japanerin hat an der schulter gezogen und schmidt somit zufall gebracht und das heisst elfmeter.

ich würde ihnen raten, schauen sie sich das spiel und diese strittige szene noch einmal an.

H2O
H2O

@Markus Juchem Natürlich darfst du sie beschreiben. 🙂 Was mich stört, ist aber dass du sie auch gleich subjektiv bewertest und man diese Situation auch anders sehen kann. Nun kann man im Sport ja sehr unterschiedliche Ansichten haben was auch ganz toll ist. Unfair ist es aber wenn deine subjektiven Ansichten von der Bewertung ausgenommen sind, die der anderen aber nicht. Daher mein Vorschlag dies zu ändern oder neutral zu schreiben. In meinen Augen würde dass die Qualität der Artikel erhöhen. Das es dir „wurscht“ ist, wie andere Zeitungen das handhaben steht dir natürlich zu. Trotzdem trennt es objektive und… Weiterlesen »

karl frank
karl frank

jetzt habe ich angst, haben sie das spiel den live gesehen, waren sie in portugal live dabei oder haben sie es als live uebertragung auf einer internetseite gesehen.
ich schon

sodalith7
sodalith7

Meine Güte:
Jeder Bericht, Kommentar oder Meinung ist subjektiv bzw. persönlich.

Es war kein Elfmeter = subjektiv
Die Entscheidung ist strittig = subjektiv
Es war ein klarer Elfmeter = subjektiv

Der Elfmeter wurde verwandelt = objektiv, da es eine Tatsache ist