Deutschland gewinnt Algarve Cup

Von am 7. März 2012 – 16.35 Uhr 85 Kommentare

Die deutsche Frauenfußball Nationalelf hat zum zweiten Mal nach 2006 den Algarve Cup gewonnen. Im Finale setzte sich die DFB-Elf nach hartem Kampf und spannendem Spielverlauf knapp gegen Weltmeister Japan durch.

Beim 4:3 (2:1)-Sieg im Estádio Algarve in Faro hatte es vor allem die Schlussphase in sich, in der sich die Ereignisse mit drei Treffern binnen drei Minuten überschlugen.

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Auch Bresonik fehlt
Die deutsche Mannschaft, die ohne die verletzten Nadine Angerer, Fatmire Bajramaj und Linda Bresonik auskommen musste, eroberte sich in der Anfangsphase optische Vorteil, doch die erste gute Torchance hatten die Japanerinnen, die ihrerseits ohne Weltfußballerin Homare Sawa antraten. Yuki Nagasato fand bei ihrem Schuss von der Strafraumgrenze aber ihre Meisterin in Almuth Schult, die den Ball mit einer Glanzparade über die Latte drehte (17.).

Deutscher Doppelschlag
Doch ins Tor trafen zunächst die deutschen Spielerinnen: Nach einer Flanke von Kapitänin Melanie Behringer vom rechten Flügel, reagierte Dzsenifer Marozsán am schnellsten und beförderte den Ball volley zur Führung ins Netz (20.). Und nach Ecke von Marozsán erhöhte Célia Okoyino da Mbabi nur zwei Minuten später per Kopf zum 2:0 (22.). „Wir haben sehr gut begonnen und Japan in den ersten zwanzig Minuten gut im Griff gehabt“, so Bundestrainerin Silvia Neid.

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Die DFB-Elf gewinnt zum zweiten Mal nach 2006 den Algarve Cup. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Japan findet ins Spiel zurück
Doch wer gedacht hätte, das wäre die halbe Miete, sah sich getäuscht. „Nach 25 Minuten haben wir nachgelassen und hatten nicht mehr so viel Druck auf dem Ball“, resümiert Neid. Die Japanerinnen fanden nach und nach besser in die Partie, mit einem schönen Schlenzer gelang Nahomi Kawasumi aus halblinker Position im Strafraum der Anschlusstreffer – das erste Gegentor für die DFB-Elf im Turnier (35.). Kurz vor der Pause wäre Nagasato fast der Ausgleich gelungen, doch ihr Schuss war zu zentral und bereitete Schult keine Probleme (42.).

Wechsel in der DFB-Elf
Mit Alexandra Popp für Marozsán ging es in Halbzeit zwei, Japan brachte unter anderem Asuna Tanaka für Kozue Ando ins Spiel und die Einwechselspielerin führte sich gleich gut ein, denn nach einer Ecke gelang ihr aus kurzer Distanz der Ausgleich (55.). Saskia Bartusiak für Lena Goeßling und Svenja Huth für Anja Mittag sollten für neue Impulse sorgen, doch es waren die Japanerinnen, die am Drücker waren, in der zweiten Halbzeit durfte auch die Frankfurterin Saki Kumagai ran.

Elfmetergeschenk
Zunächst fielen keine weiteren Treffer, da sich beide Teams weitgehend neutralisierten, doch es sollte eine atemberaubende Schlussphase folgen. Nach einem vermeintlichen Foul an Schmidt, die ins Stolpern geriet, gab es Foulelfmeter für die DFB-Elf, Da Mbabi verwandelte sicher zur 3:2-Führung (88.). Doch fast im Gegenzug war der Vorsprung schon wieder dahin, Nagasato nutzte einen Fehler von Schult, die einen Ball nicht festhalten konnte, eiskalt aus und glich zum im japanischen Lager viel umjubelten 3:3 aus (90.).

Da Mbabi im Torrausch
Erneut dachte das Publikum, dass das Spiel in der regulären Spielzeit keinen Sieger mehr sehen würde, doch weit gefehlt. Da Mbabi, die für ihre „hervorragende Leistung“ von Neid ein Extralob erhielt, war noch einmal zur Stelle und erzielte in der Nachspielzeit den nicht mehr für möglich gehaltenen Siegtreffer (91.) – somit erzielte die Stürmerin des SC 07 Bad Neuenahr im zweiten Spiel hintereinander drei Treffer.

Deutschland – Japan 4:3 (2:1)

Deutschland: Schult – Schmidt, Krahn, Henning, Peter – Odebrecht, Goeßling (56. Bartusiak) – Mittag (63. Huth), Marozsán (46. Popp), Behringer – Okoyino da Mbabi

Japan: Kaihori – Ariyoshi, Iwashimizu (46. Kumagai), Utsugi, Sameshima (46. Kinga) – Sakaguchi, Miyama, Ohno (90. Kiryu) – Ando (46. Tanaka, 90. Takase), Kawasumi, Nagasato

Tore: 1:0 Marozsán (20.), 2:0 Okoyino da Mbabi (22.), 2:1 Kawasumi (36.), 2:2 Tanaka (55.), 3:2 Okoyino da Mbabi (88. Elfmeter), 3:3 Nagasato (90.), 4:3 Okoyino da Mbabi (90.)

Gelbe Karten: Keine

Schiedsrichterin:
Margaret Domka (USA)

Zuschauer: 500

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Eine Halbzeit hielt die walische Abwehr um Chefin Jayne Ludlow (li.) dem Druck von Isabell Herlovsen und Co stand. © Nora Kruse, ff-archiv.de

USA erreichen Platz drei
Im Spiel um den dritten Platz setzten sich die US-Amerikanerinnen mit 4:0 gegen Schweden durch. Der fünfte Rang ging nach einem 3:1-Erfolg gegen Island an Dänemark.

Die Norwegerinnen beenden den Algarve Cup auf dem siebten Rang. Im abschließenden Spiel setzten sich die Skandinavierinnen mit 3:0 gegen Wales. Bis zur Halbzeit konnten die hochmotivierten und aufopferungsvoll kämpfenden Waliserinnen das 0:0 halten, nach dem Seitenwechsel ließen langsam Kondition und Konzentration nach.

Durch einen 1:0-Erfolg gegen Gastgeber Portugal landen die Chinesinnen auf dem neunten Platz. Die Republik Irland revanchierte sich für die Niederlage gegen Ungarn in der Gruppenphase und gewann diesmal mit 2:1. Dadurch landete die Mannschaft von Trainerin Sue Ronan auf dem elften Platz.

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Markus Juchem (51) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

85 Kommentare »

  • FFFan sagt:

    @ waiiy:

    Du machst einen Riesenfehler, wenn du Marozsan auf die „Künstlerin“ reduzierst. Sie beherrscht nämlich auch das kampf- und körperbetonte Spiel und bringt auch sonst alle Voraussetzungen für die Position „6“ mit. Ungeachtet dessen sehe auch ich sie eher auf der „10“, weil dort ihre Torgefährlichkeit besser zur Geltung kommt. Konkurrenz hat sie aber auch dort, nicht nur von Lira Bajramaj, sondern auch von Celia Okoyino da Mbabi und von Julia Simic, die gerade ihr Comeback bei Bayern gefeiert hat.

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  • waiiy sagt:

    Ich bin bei weitem beruhigter, wenn ich zwei der anderen genannten Spielerinnen auf der 6 sehe. Da ist mir Maro zu ruhig, nicht körperlich dominant genug und in meinen (nicht geschulten) Augen auch nicht fit genug. Es fehlt Schnelligkeit und Ausdauer. Mir hat sie die Qualitäten einer defensiven Mittelfeldspielerin noch nicht bewiesen.

    Außerdem gibt es in meinen Augen viel zu wenige richtig gute offensive Mittelfeldspielerinnen in Deutschland (Maro, Lira, Celia [wobei sie zur Zeit im Sturm effektiver ist]). Von daher ist Maro so weit hinten einfach verschenkt.

    Aber es ist nur meine Meinung. Und die Aufstellung in der N11 wird von Silvia Neid und bei Frankfurt von Sven Kahlert gemacht… 🙂

    waiiy

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  • Sheldon sagt:

    Generell wird es im Mittelfeld und Sturm in der deutschen N11 zur Zeit doch sehr eng, bei dem, was Neid nominiert:

    Kulig, Laudehr, Odebrecht, Marozsan, Bajramaj, Popp, Celia auf 6 Positionen! Wer soll da denn bitteschön Platz machen?

    Außerdem sind dann da ja noch Behringer, Huth, Bresonik, Müller, Lotzen oder Mittag. Und nicht zu vergessen die lange Liste der Spielerinnen, die neuerdings in naher oder etwas fernerer Zukunft in der N11 anklopfen werden: Islacker, Yaren, Nicole Rolser, Cengiz, Keßler, Dallmann, Wolf, Petzelberger, Doorsoun-Khajeh, …

    Das sind insgesamt 22 Spielerinnen erstmal, die sich um 6 Plätze in der N11 bewerben.

    Da ist es umso besser, wenn eine Marozsan auch auf der „6“ spielen kann.
    Der Vergleich zu Lingor ist in diesem Sinne sehr passend, allerdings hat man 2007 da auch eher in einem System mit Raute, ähnlich den Japanerinnen dieses Jahr gespielt!

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  • wrack sagt:

    Vielleicht von Interesse: Japan gewann in Japan den sogenannten Kirin Cup. Die Ergebnisse:

    Japan – USA 1:1
    USA – Brasilien 3:0
    Japan – Brasilien 4:1

    Die Mehrzahl der geschossenen Tore gegenüber den USA entschied den Cup für Japan. Das entscheidende Tor zum Cup-Sieg fiel – wie immer zwischen den beiden Nationen 😉 – in der letzten Minute. Auch Yuki Nagasato traf einmal gegen Brasilien. Brasilien übrigens ohne Marta.

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  • Lusankya sagt:

    Erschreckend wie schwach Brasilien ohne Marta ist, kurz davor haben sie auch bereits gegen Kanada verloren. Dadurch hat Brasilien im FIFA Ranking viele Punkte verloren und könnte von Schweden überholt werden.

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