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2011

Gegen Potsdam alles in die Waagschale werfen

Am Sonntag steht in der Frauenfußball-Bundesliga das Spitzenspiel zwischen dem 1. FFC Turbine Potsdam und Verfolger FCR 2001 Duisburg an. Wir sprachen mit FCR-Trainer Marco Ketelaer unter anderem über den bislang positiven Saisonverlauf, Veränderungen im Verein und Linda Bresonik.

Vor der Saison haben Sie einen Platz unter den ersten Vier als Saisonziel ausgegeben. Jetzt kämpfen Sie um die Spitze. Ist es an der Zeit, höhere Ansprüche zu haben? Wir wollten weiter zu den Top-Favoriten gehören und im Titelrennen ein Wörtchen mitreden, auch wenn viele uns nicht auf dem Zettel hatten. Dass es mit der Platzierung bis Platz zwei bisher so gelaufen ist, ist eine gute Sache, und natürlich möchte ich die Position halten.

Sind Sie selbst nicht ein bisschen überrascht, dass es so gut läuft? Im Prinzip schon. Wenn man sieht, was die anderen Vereine für Kader haben, man sieht, wie Wolfsburg aufgerüstet und Frankfurt nachgelegt hat, bin ich davon ausgegangen, dass die Tabellenkonstellation eine andere ist: dass Frankfurt vom Papier her ganz oben stehen müsste, Wolfsburg einer der schärfsten Konkurrenten ist, und Potsdam und wir entsprechend Paroli bieten. Ich freue mich, dass sich alles ein wenig gedreht hat, aber bei unserer Vorgeschichte im Sommer war nicht unbedingt damit zu rechnen.

Sie sprechen die Probleme im Frühjahr und Sommer an. Warum läuft es dennoch so gut? Wir haben ein Konzept, eine Linie – und die habe ich bei der Arbeit mit der Mannschaft durchgezogen. Wir spielen ein anderes System und setzen auf andere Spielerinnen – auch welche, die vorher keine große Perspektive hatten. Wir wollen wieder Fußball spielen: aktive Balleroberung in Verbindung mit einem Kombinationsspiel nach vorne. Das hat die Mannschaft beherzigt, und im Endeffekt ist die Maßnahme, dieses Konzept durchzuziehen, bislang aufgegangen.

Was hat sich für Sie bisher zum Positiven verändert? Das Bestreben des Vereins ist es, professionell zu arbeiten und Strukturen zu schaffen: angefangen mit dem neuen Vorstand und dem neuen Sportlichen Leiter Claudio Marcone. Die Rahmenbedingungen sind nach vorne gebracht worden. Der Verein trägt meine Philosophie, auf junge Spielerinnen zu setzen, mit. Die Zusammenarbeit mit der Jugend ist sehr gut.

Wo ist noch Luft nach oben? Wenn man neue Dinge einbringt, muss die Mannschaft das zunächst annehmen und umsetzen. Wenn die Spielerinnen realisieren, dass man damit weiterkommt, muss man es stabilisieren. Wir haben in Essen und Bad Neuenahr Federn lassen müssen und gesehen, dass die Stabilität noch nicht da ist. Aber daran arbeiten wir.

Wenig stabil ist momentan die Leistung von Linda Bresonik. Wie geht man damit um, wenn eine Spielerin, die aufgrund ihrer Erfahrung und Fähigkeiten, ein junges Team führen sollte, nicht an ihre Leistung anknüpft? Das greifen wir auf und geben ihr Hilfestellung. Wir führen Gespräche und versuchen das zu analysieren und erstmal kleinere Ziele zu setzen. Und so werden wir das kontinuierlich wieder aufbauen, um zu alter Stärke zu finden. Ich bin davon überzeugt, dass Linda Bresonik noch viel an Führungsqualität für uns mitbringt und die Mannschaft mitzieht. Das wird sich steigern, so dass sie im Laufe der Saison noch zu einer wichtigen Spielerin für uns wird.

Jetzt wartet das Gastspiel beim 1. FFC Turbine Potsdam. Die haben momentan einen exzellenten Lauf, wie kann man den beenden? Potsdam hat eine Super-Serie aufgebaut, da sind wir gefordert. Wir werden alles, was wir haben, in die Waagschale werfen und werden dann sehen, ob es reicht oder nicht.

Es treffen auch verschiedene Spielsysteme aufeinander. Wo liegen für Sie Ihre Vorteile? Wir haben eine ganz andere Anordnung als Potsdam, die mit der Dreierkette und einem Dreiersturm spielen, der immer wieder rochiert. Mit dem sind sie sehr flexibel, aber ich denke, dass wir dafür in aus Mittelfeld und Angriff heraus noch flexibler sind, Alexandra Popp aus dem Sturm mal im Mittelfeld auftaucht oder sich Simone Laudehr mit vorne einschaltet. Wir legen sehr viel Wert auf Ballbesitz, Spielkontrolle und Kombinationsfußball. Potsdam will nach der Balleroberung relativ schnell nach vorne spielen, weil sie dort eben drei Anspielstationen haben. Wir wollen stärker vorbereiten und aus der Kombination heraus zum Erfolg kommen.

Unterscheidet sich die Vorbereitung auf ein solches Spiel von anderen? Da die Nationalspielerinnen fast zwei Wochen nicht zur Verfügung stehen, haben wir nur ein einziges gemeinsames Training, und es ist schwierig, etwas umzusetzen. Wir müssen versuchen, in einer Trainingseinheit alles Erarbeitete kurz und knackig auf den Weg zu bringen und hoffen, dass es fruchtet.

Wie sah das Training aus? In einer kleineren Gruppe kann man natürlich auch sehr gut arbeiten und viele Dinge machen, die mit der gesamten Mannschaft weniger möglich sind. Wir haben vor allem im Bereich Passspiel und Physis gearbeitet.

Sowohl Potsdam als auch Duisburg werden Spielerinnen aufbieten, die zwei intensive Wochen mit der Nationalmannschaft in den Knochen haben. Ein Nachteil? Jede weiß aber auch, um was es in diesem Spiel geht, und da werden solche Dinge ausgeblendet. 90 Minuten muss gekämpft werden, und das werden alle beherzigen. Die Mannschaft mit der besseren Tagesform wird sich letztlich durchsetzen.