Die Tops und Flops der Woche 47/2011
In dieser Woche blicken wir auf den deutschen Rekordsieg gegen Kasachstan und starke Zuschauerzahlen, aber auch auf einen verbalen Rundumschlag, ein skandinavisches Land im Niedergang und einen Spielabbruch.
DFB-Elf schreibt Geschichte 17:0 – so hoch wie gegen Kasachstan am vorigen Samstag in Wiesbaden hat die deutsche Frauenfußball-Nationalelf noch nie gewonnen. Ein 13:0 gegen Portugal vom 15. November 2003 in Reutlingen stellte bisher die Bestmarke dar. Die DFB-Elf egalisierte gegen den viertklassigen Gegner zudem auch die Bestmarke in der EM-Qualifikation – 1994 hatte Spanien gegen Slowenien und 1995 Norwegen gegen die Slowakei mit dem identischen Ergebnis gewonnen. Und auch Schweden gelang in der WM-Qualifikation im Vorjahr ein 17:0 gegen Aserbeidschan.
Frauenfußball zieht Publikum an In Frankfurt sorgten 5 200 Zuschauer vor zwei Wochen beim Topspiel gegen den 1. FFC Turbine Potsdam für ein ausverkauftes Stadion am Brentanobad, in den USA sind die positiven Auswirkungen der Frauenfußball-WM weiter zu spüren. So ließen sich 18 482 Zuschauer im University of Phoenix Stadium in Glendale/Arizona das 1:1 des Vizeweltmeisters gegen Schweden nicht entgehen. Eine ähnliche Kulisse (18 570) hatte bereits den 3:0-Sieg des US-Teams gegen Kanada am 22. September in Portland/Oregon verfolgt. Vor der WM pendelten die Zuschauerzahlen bei den Heimspielen der Amerikanerinnen um die 5 000er-Marke.
Shootingstar Jakobsson Vor einigen Wochen schoss Sofía Jakobsson drei Treffer für den WFC Rossiyanka beim 4:0-Sieg gegen Energiya Voronezh im Achtelfinal-Hinspiel der UEFA Women’s Champions League. Jetzt machte die 21-Jährige auch in der Nationalmannschaft von sich reden. In der 28. Minute brachte sie ihr Team beim 1:1 in den USA mit einem platzierten Schuss von der Strafraumgrenze in Führung. Auch wenn es am Ende nicht zum Sieg reichte – Jakobsson spielt sich mehr und mehr in die Schlagzeilen.
Ehrung für Nia Künzer Nia Künzer, Frauenfußball-Weltmeisterin und Torschützin des Golden Goal im WM-Finale 2003, darf sich über eine Auszeichnung der besonderen Art freuen . Der 31-Jährigen wurde der Albert-Schweitzer-Preis verliehen – weil sich Künzer vor allem für Kinder und Jugendliche aus sozialen Brennpunkten und gegen den Missbrauch von Alkohol und Drogen an Schulen einsetzt. Künzer erklärte: „Ich freue mich sehr über den Albert-Schweitzer-Preis, da die Albert-Schweitzer-Kinderdörfer zu meiner eigenen Geschichte gehören.“
Buchtipp “Freigespielt” In ihrer sporthistorischen Dissertation Freigespielt: Frauenfußball im geteilten Deutschland erzählt Carina Sophia Linne von fast 40 Jahren Frauenfußball in beiden deutschen Ländern. So erhält der Leser einen Einblick in die wechselhafte Geschichte des DDR-Frauenfußballs von den Anfängen in den 60er-Jahren bis hin zur Wiedervereinigung 1990 und erfährt Wissenswertes über den Frauenfußball im geteilten Berlin. Ein schönes Werk deutsch-deutscher Fußballgeschichte, das auf 314 Seiten für so manchen Aha-Effekt sorgt.
Verbaler Rundumschlag Der Chefkritiker des deutschen Frauenfußballs hat wieder einmal zugeschlagen. Trainer Bernd Schröder ließ im zweistündigen BILD-Zwiegespräch mit Frankfurts Manager Siegfried Dietrich die Kritik auf die DFB-Funktionäre nur so niederprasseln . So bekam DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger genauso sein Fett weg, wie die neue Frauenfußball-Direktorin Steffi Jones. In der Sache mag der 69-Jährige in manchem seiner Kritikpunkte den Nagel auf den Kopf treffen – doch mit seiner undiplomatischen Wortwahl hat Schröder den Ton verfehlt, die Beteiligten verärgert und die Türen für gemeinsame konstruktive Gespräche eher zugeschlagen als geöffnet.
Saarbrücken weitet Negativserie aus Für den 1. FC Saarbrücken wird die Lage in der 2. Frauenfußball-Bundesliga Süd immer bedrohlicher. Seit sechs Spieltagen wartet das Team auf einen Dreier, zuletzt gab es eine ernüchternde 0:3-Niederlage bei der Zweitvertretung des FC Bayern München. Inzwischen ist Saarbrücken in der Tabelle bis auf den elften und somit vorletzten Tabellenplatz abgerutscht und somit in akuter Abstiegsgefahr.
Norwegen im Niedergang Erst das WM-Aus in der Vorrunde, dann die Niederlage auf Island und jetzt das peinliche 1:3 in Nordirland – die norwegische Frauenfußball-Nationalelf befindet sich in der Krise. Im September rutschte das Team von Trainerin Eli Landsem bereits auf den 12. Platz in der Weltrangliste ab, der schlechtesten Platzierung seit Einführung im Jahr 2003. Und nun droht dem Team gar, die EURO 2013 im Nachbarland Schweden zu verpassen.
Nebel spielt Basel in die Karten In der Schweizer Nationalliga A wurde am vergangenen Samstag die Partie zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Basel wegen Nebels nach 20 Minuten beim Stand von 0:0 für eine halbe Stunde unterbrochen. Obwohl sich die Sicht verbesserte, wurde das Spiel jedoch nicht mehr angepfiffen. Denn die Basler Spielerinnen standen da bereits unter der Dusche und schufen somit vollendete Tatsachen. Ungelegen kam der Spielabbruch den Gästen nicht, denn es fehlten einige verletzte Spielerinnen.
Merke: (Fast) nur Männer schießen schöne Tore Aus zehn Treffern kann der geneigte Leser seine Wahl beim FIFA Puskás-Preis 2011 treffen, der Wahl zum schönsten Treffer des Jahres 2011 . Ausgewählt von der FIFA-Fussballkommission unter wie es heißt „Berücksichtigung zahlreicher Kriterien (Ästhetik, Bedeutung für das jeweilige Spiel, Fairplay, Datum, Entstehung ohne gegnerischen Fehler oder Zufall)“. Unter den zehn Kandidaten findet sich eine einzige (Quoten-) Frau: die Amerikanerin Heather O’Reilly wurde für ihren Treffer bei der Frauenfußball-WM im Spiel gegen Kolumbien nominiert.