Anonma jagt Grings-Rekord

Von am 7. November 2011 – 11.59 Uhr 32 Kommentare

In unnachahmlicher Manier erzielte Genoveva Anonma am Sonntag beim 4:0-Sieg des 1. FFC Turbine Potsdam beim FC Bayern München einen Hattrick und schraubte ihre Torausbeute auf 14 Treffer in 8 Spielen. Knackt die Stürmerin aus Äquatorialguinea gar den ewigen Bundesligarekord von Inka Grings?

Trotz der spätsommerlichen Temperaturen in München stand Genoveva Anonma nach Spielende eingehüllt in eine Jacke und eine wärmende Decke am Spielfeldrand des Sportparks in Aschheim und ließ sich mit einem breiten Strahlen im Gesicht von ihren Teamkolleginnen zu ihren drei Treffern beglückwunschen, die ihrem Team drei wichtige Punkte im Kampf um den Meistertitel beschert hatten. Zumal schnell die Kunde bis auf den Rasen vorgedrungen war, dass der 1. FFC Frankfurt und auch der FCR 2001 Duisburg am achten Spieltag der Frauenfußball-Bundesliga hatten Federn lassen müssen.

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Bestmarke in Reichweite
Die 22-Jährige aus dem kleinen westafrikanischen Land, das gerade einmal so groß ist wie das Bundesland Brandenburg, ist auf einem guten Weg, einen Torrekord zu brechen, der bis in alle Ewigkeit Bestand zu haben schien. Denn Inka Grings erzielte in der Bundesligasaison 1999/2000 38 Tore. Doch wer sieht, mit welcher Klasse und Kaltschnäuzigkeit Anonma derzeit aus kleinsten Chancen Tore macht, hält es wohl nicht mehr für unmöglich, dass die Bestmarke von Grings in dieser Saison fallen könnte.

Genoveva Anonma

Genoveva Anonma (li.) im Zweikampf mit Petra Wimbersky © Sascha Pfeiler / girlsplay.de

Konzentration als Erfolgsgeheimnis
„Ich versuche in jedem Spiel zumindest ein Tor zu schießen und mich bei jeder Torchance, so gut wie möglich zu konzentrieren, denn so viel Gelegenheiten bekommt man in einem Spiel gar nicht“, erklärte Anonma gegenüber Womensoccer ihr persönliches Erfolgsrezept, nachdem sie als Alleinunterhalterin die Abwehrspielerinnen des FC Bayern München schwindlig gespielt und zu Statistinnen degradiert hatte.

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Hattrick in München
Erst stand sie anfangs der zweiten Halbzeit goldrichtig, um eine Hereingabe von Antonia Göransson zum 2:0 im Netz zu versenken (47.), dann verwertete sie trotz Bedrängnis cool per Außenrist zum 3:0 (67.), ehe sie ihren Galaauftritt mit ihrem dritten Treffer krönte, als sie eine Vorlage von Anja Mittag aufnahm und mit einem humorlosen, platzierten Drehschuss um eine Bayern-Abwehrspielerin herum den Hattrick und den 4:0-Endstand perfekt machte (70.).

Wie eine Tormaschine
Wie wertvoll die Torjägerqualitäten der Weltklassestürmerin sind, muss derzeit leidvoll ihrer früherer Verein FF USV Jena erfahren, der mitten im Abstiegsstrudel steckt, in acht Spielen nur zwei Tore erzielte und Anonma schmerzlich vermisst. Die zierliche und sympathische Westafrikanerin hat in Potsdam da weitergemacht, wo sie in Jena aufgehört hat. Sie schießt einen Treffer nach dem anderen und profitiert dabei stark von ihren Teamkolleginnen, die versuchen, sie so oft wie möglich in Szene zu setzen.

Genoveva Anonma

Eine gut gelaunte Genoveva Anonma nimmt die Glückwünsche von Anja Mittag entgegen © Sascha Pfeiler / girlsplay.de

Keine Star-Allüren
„Für mich ist das Wichtigste, dass wir immer gewinnen und wir die drei Punkte für Turbine Potsdam holen“, bleibt Anonma bescheiden. Dass der 1. FFC Frankfurt und der FCR 2001 Duisburg ihre ersten Saisonniederlagen hinnehmen mussten, ist für sie noch kein Fingerzeig für die Meisterschaft. „Das heißt ja nicht, dass das schlechte Mannschaften sind. Das werden gegen diese beiden Mannschaften ganz schwierige Spiele werden“, ist sie sich sicher.

Bereit für Frankfurt
Bereits am kommenden Sonntag kommt es in Frankfurt zum ersten Gipfeltreffen zwischen Vizemeister und Meister. Und Anonma will auch dort mit ihren Treffern dazu beitragen, die Potsdamerinnen auf Titelkurs zu halten. „Wir werden natürlich alles geben und auch dort unsere volle Konzentration reinlegen, um wieder drei Punkte zu holen und ich glaube, wir wissen schon, wie wir gegen ein Team wie Frankfurt agieren müssen.“

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

32 Kommentare »

  • Katerli sagt:

    @Uwe
    mal abgesehen vom Spiel am vergangenen Sonntag, wo sie wirklich ziemlich schlecht war,
    hat A. in der letzten Zeit wahrhaftig wenig Tore (oder keine?)geschossen. Aber ihre Spielkultur zieht so viele Gegner auf sich, bindet sie, dass andere Torbienen Tore schießen können.

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  • Frieda sagt:

    @ Sheldon

    Nein, ich lasse es nicht so einfach gelten. Wie gesagt, wäre es ihre erste Saison – keine Frage, das ist ungewohnt mit der Kälte. Aber sie wohnt seit Jahren hier und hatte diesmal den Übergang von Sommer über Herbst zum Winter. Und so kalt ist es noch nicht.
    Wenn der Körper nicht anpassungsfähig wäre, wie hat es dann Didier Ya Konan in Norwegen als Spieler überlebt? Da ist Winter noch echter Winter. Auch bei Hannover 96 hat er im letzten Winter nicht schlechter gespielt, als die anderen. Ich könnte jetzt zahllose andere Sportler aus den Tropen aufzählen.

    Anonma hat in den letzten Spielen weniger getroffen, weil sie die Verteidigung sich auf ihr Spiel eingestellt hat und sie so dauernd ins Abseits gelaufen ist. Dafür hat sie in der Arbeit nach hinten geglänzt.

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  • Sheldon sagt:

    Hahaha, der Witz mit Norwegen war gut! Die spielen nach dem Kalenderjahr, also von Frühjahr bis Herbst! Und da ist es auch in Norwegen noch nicht so kalt!
    Und wie gesagt, Unterschiede zwischen physischer Veranlagung bei Männern und Frauen dringend beachten!

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  • Frieda sagt:

    Die Liga geht von März bis November, da ist es in Norwegen im Durchschnitt mindestens genau so kalt wie im deutschen Winter. Meistens ist an Ostern noch die Eis auf dem Meer und hier werden die ersten Strandkörbe aufgestellt.

    Und warum bitte gewöhnen sich Männer anders als Temperaturen, als Frauen?
    Schau dir die schwedische Liga an, da spielen auch Frauen aus Brasilien, Nigerianerinnen, Mexikanerinnen.

    Du kannst deine Meinung auch gerne beibehalten, aber ich bleibe dabei: Der menschliche Körper gewöhnt sich innerhalb von wenigen Wochen an klimatische Bedingungen, die für ihn ungewöhnlich sind.

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  • berggruen1 sagt:

    @Frieda: Sehe ich auch so. Es wird eher ein mentales (brr, kalt) Problem sein mit dem Winter denn ein wirklich physisches. Zumindest generell gesprochen.
    Allerdings ist es sehr individuell wie z.B. das Herz-Lungen (nicht Kreislauf)-System auf Kälte reagiert. Es gibt Kälte-Asthma, das bei manchen Menschen schon auftritt, wenn sie sich sportlich bei knapp über Null Grad betätigen (selbst bei manchen Wintersportlern zu beobachten). Sollte sie z.B. darunter leiden, dann kann sie sich schlicht nicht so bewegen wie bei höheren Temperaturen, weil ihre Atmung und ihr Herzschlag nicht „hinterherkommen“. Aber als generelle Ausrede würde ich den Winter auch nicht gelten lassen.
    Und: Winter verhindert ja nicht das Toreschießen ;-), das ist eher eine mentale Sache oder aber der Gegner lässt es wirklich nicht zu. Das wäre dann eine Frage des Trainings, andere „Modelle“ auszuprobieren.

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  • defense2 sagt:

    @ sheldon und frieda:

    anscheinend ist die Gewöhnung an Hitze weitaus problematischer – für Kälte gibt es entsprechende Kleidung. 😉
    Und selbst die (schwierigere) Hitzeakklimatisation ist lt. Artikel nach 10 Tagen vollzogen.

    🙂

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  • Sheldon sagt:

    @Frieda: Scherzkeks, die schwedische Liga spielt genauso wie die norwegische!

    Ich bleibe dabei, so wie Anonma sich auf dem Feld bewegt seit einigen Wochen, da scheint sie doch ein ernstes Problem damit zu haben, was anscheinend sowohl ihr selbst als auch Potsdam seit längerem bekannt ist!
    Sie bewegt sich nicht rund, läuft nur noch recht wenig und mit langsamerer Geschwindigkeit, was immer häufiger dazu führt, dass sie eher auf Höhe der Mittelfeldlinie zu finden ist.
    Sie kommt ja kaum noch dazu, aufs Tor zu schießen, was einfach daran liegt, dass sie viel zu weit vom Tor entfernt steht, und das ist meiner Ansicht nach kein Zufall, sondern so gewollt, um ihre wenigen Körner noch für die Defensivarbeit zu verbraten!

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  • Frieda sagt:

    @ Sheldon
    Auch in Schweden kannst du im März und April noch Ski laufen und zwar auf zugefrorenen Seen.

    Vielleicht ist Anonma auch nach einer Saison und der WM platt. Die Kälte als Ausrede zu finden kommt da gelegen. Wie mir hier mehrfach beigepflichtet wurde, gibt es keine Kälte bedingte körperliche Begründung für die schlechtere Leistung der letzten Wochen. Höchstens eine psychische.

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  • Sheldon sagt:

    @Frieda: Versteh ich nicht. Gerade der User berggruen hat doch die Möglichkeit des Kälteasthmas ins Spiel gebracht.
    Selbst wenn es ein psychisches Problem ist, so ist es dennoch eine Beeinträchtigung ihres Spiels.

    Naja, kein Mensch ist perfekt…

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  • Detlef sagt:

    Also so kalt ist es doch noch nicht gewesen, daß AYOMA diese „Ausrede“ haben könnte!!!
    Ich war bis jetzt noch nie in Afrika, aber Bekannte sind dort öfters, und die erzählten, daß es (gerade in Wüstengebieten) dort Nachts bis unter Null haben kann!!!
    Auch die letzte MF-WM in Südafrika zeigte dies sehr anschaulich!!!

    Ich denke auch, daß AYOMA im Moment etwas Ladehemmung hat, weil sich die gegnerischen Abwehrspieler sehr stark auf sie konzentrieren!!!
    Damit reißt sie natürlich Lücken für andere TURBINEN!!!

    Ein anderes Problem ist das zuletzt sehr mangelhafte Paßspiel bei Potsdam!!!
    Und Stürmerinnen wie AYOMA (aber auch YUKI und ANJA) sind nun mal auf genau getimte Flanken und Pässe angewiesen!!!
    Hier müssen die beiden Trainer noch viel dran arbeiten, daß die Spitzen gut gefüttert werden!!!
    Von links kommen einige gute Bälle von JENNY CRAMER, und zentral wird PATTI auch immer besser!!!
    Das größte Problem sehe ich von rechts, wo vor allem von BIANCA nur sehr wenig verwertbares kommt!!!
    Ich bin sehr gespannt, wo MAGGIE spielen wird, und wie sie sich ins Mannschaftsgefüge einpassen kann???

    Die Niederlage war hoffentlich ein HALLOWACHRUF, und jetzt geht es wieder mit voller Konzentration an die letzten 3 Spiele bis zur Winterpause!!!

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  • pinkpanther sagt:

    @Detlef: Ich finde deine Argumentation einleuchtend und würde auch die in den letzten Spielen etwas dünnere Torausbeute von AYOMA nicht primär auf die klimatischen Bedingungen zurückführen.
    Eine gewisse Rolle kann dies meines Erachtens aber durchaus spielen, denn Äquatorialguinea liegt weder in der Wüste noch in Südafrika, sondern äußerst nah am Äquator (ein paar Kilometer nördlich) und hat ganzjährig ein tropisches, feuchtheißes Klima!

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  • waiiy sagt:

    @Detlef:

    Volle Zustimmung. Das hat man auch daran gesehen, dass Patti vor dem 1:0 am Sonntag freie Schussbahn hatte, weil sich alle auf die 3 Angreiferinnen im Strafraum konzentriert haben.

    Ich denke, dass gerade aus der Mittelfeldreihe jetzt mehr Schüsse von der Strafraumgrenze kommen sollten. Dann muss sich die Abwehr der Gegnerinnen wieder umstellen.

    Man muss halt flexibel reagieren, wie der Gegner sich hinten eingestellt hat. Dazu hat Turbine auf jedenfall den richtigen Kader.

    waiiy

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