U17-EM: Deutschland scheitert nach Elferkrimi

Von am 28. Juli 2011 – 20.07 Uhr 35 Kommentare

Im letzten Turnier unter der Leitung von Trainer Ralf Peter hat die deutsche U17 das Finale der Europameisterschaft in Nyon gegen Frankreich nach einem dramatischen Elfmeterschießen verpasst.

Bei der 7:8 (2:2, 1:0)-Niederlage nach Elfmeterschießen ging die DFB-Auswahl beim zum vierten Mal ausgetragenen Turnier zwar durch Lina Magull in Führung (8.), Claire Lavogez traf jedoch zum 1:1 (49.), ehe Lydia Belkacemi Frankreich per Kopf sogar in Führung brachte (60.). Doch der eingewechselten Annabel Jäger gelang der Ausgleich (68.). In einem dramatischen Elfmeterschießen vergab jedoch Kapitänin Melanie Leupolz den entscheidenden Elfmeter, nachdem zuvor bereits zwei Spielerinnen auf beiden Seiten mit ihren Versuchen gescheitert waren.

Frühe Führung
Die DFB-Auswahl fand schnell in die Partie, Linda Dallmann traf mit der ersten Chancen aus 18 Metern nur die Latte (6.). Doch schon zwei Minuten später gab es Grund zum Jubeln: Nach feiner Einzelleistung von Lina Magull, die im Mittelfeld auf und davon ging und anschließenden Doppelpass mit Lena Petermann, verwertete sie mit einem flachen Schrägschuss zur verdienten Führung (8.).

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Deutsche Überlegenheit
Deutschland hatte das Spiel im Griff, war körperlich stärker in den Zweikämpfen und stieß immer wieder gefährlich über die Außenpositionen nach vorne. So gab Dahlmann schön vom rechten Flügel nach innen, doch Petermann traf den Ball nicht richtig und verpasste eine gute Gelegenheit zum 2:0 (16.).

Ausgleichschance für Frankreich
Doch die Aktionen der DFB-Spielerinnen wurden in der Folge etwas unpräziser, Frankreich fand ein wenig besser in die Partie und hatte eine Großchance zum Ausgleich, als sich Liesa Seifert zu leicht von Léa Declerq ausspielen ließ, doch Torhüterin Friederike Abt aus kurzer Distanz per Fuß klärte (32.).

Deutschland außer Tritt
Frankreich fand nun wesentlich besser ins Spiel, Kadidiatou Diani hatte die erste Chance in Halbzeit zwei, doch ihr Schuss ging übers Tor (46.). Doch nur kurz darauf gelang den Französinnen der Ausgleich, ein perfekt getretener direkter Freistoß von Kapitänin Claire Lavogez von der seitlichen Strafraumgrenze landete im Tor (49.).

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Frankreich trifft per Kopf
Die deutsche Dominanz der ersten Halbzeit war nun endgültig vorbei, Sara Däbritz hatte aus schrägem Winkel dennoch die erste gute Chance für die DFB-Elf, doch Solène Durand im französischen Tor konnte abwehren (56.).  Und es kam noch schlimmer: Nach einer Ecke kam Lydia Belkacemi gegen die indisponierte deutsche Abwehr frei zum Kopfball und traf zur 2:1-Führung (60.).

Joker Jäger sticht
Annabel Jäger kam für die blasse Fabienne Dongus und rechtfertigte ihre Einwechslung schnell, als sie mit einem Distanzschuss aus 25 Metern die unglücklich aussehende Durand überwand (68.). Deutschland fasst nun wieder Zutrauen ins eigene Spiel, Magull versuchte es in der nun immer verbissener geführten Partie mit einem 25-Meter-Schuss (72.), Dallmann verzog einen Kopfball (73.). Doch auch Frankreich hielt noch einmal dagegen, so dass es ins Elfmeterschießen ging.

Die Nerven halten nicht
Dort ging es hin und her, nachdem jeweils zwei Spielerinnen auf beiden Seiten scheiterten, doch DFB-Kapitänin Melanie Leupolz setzte den letzten Elfmeter neben das Tor, nachdem zuvor Jäger die Entscheidung auf dem Fuß hatte, aber ebenfalls vergab.

Elfmeterschießen

0:0 Lavogez verschießt
1:0 Magull
1:1 Belkacemi
1:1 Dallmann scheitert an Durand
1:2 Declerq
2:2 Seifert
2:3 Kerrache
3:3 Petermann
3:4 Huchet
4:4 Däbritz
4:5 Mbock Bathy Nka
5:5 Bröckl
5:5 Adram scheitert an Abt
5:5 Jäger verschießt
5:6 Wenger
5:6 Leupolz verschießt

DFB-Elf am Sonntag gegen Island
Im Spiel um Platz 3 trifft die DFB-Elf nun am Sonntag, 31. Juli, um 14.00 Uhr, auf Island, das im zweiten Halbfinale mit 0:4 gegen Spanien verlor. Ab 18 Uhr (live auf Eurosport) bestreiten dann Frankreich und Spanien das Finale.

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

35 Kommentare »

  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @uwe
    Wenn es schon um das Nicht-vergessen geht, sollte man auch die erst 1-jährige Amtszeit von Steffen Freund nicht unerwähnt lassen und da kann sich der 3. Platz durchaus sehen lassen.
    Und die angesprochenen Höhen und Tiefen gibt es wohl auch nicht nur bei den Mädchen…

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  • FFFan sagt:

    Wenn wir schon bei der Ursachenforschung sind: die U17 bestreitet seit Jahren praktisch ausschließlich die offiziellen Turniere (Qualifikation und Endrunde). Länderspielreisen und Mini-Turniere (das letzte war im Frühjahr 2008 in Neuseeland) wie früher gibt es nicht mehr; im Dezember 2010 wurden zwar zwei Spiele in Israel ausgetragen, aber da war die Hälfte des Kaders nicht dabei.
    Vielleicht bräuchten die Mädels vor einem Turnier mal die Gelegenheit, sich ohne Druck einzuspielen?

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  • Lusankya sagt:

    Sie hatten doch vor der Endrunde zwei Testspiele gegen die SG Essen-Schönebeck und ein U-15 Männer Team.
    Oder schwebt dir da etwas anderes vor? Mehr offizielle Länderspiele für die U-17 wären sicherlich nicht verkehrt, wenn es die Zeit zulässt.
    In der ersten Qualirunde der EURO darf Deutschland in der Regel allerdings nicht mitspielen.

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  • Lusankya sagt:

    Schenschtschina Futbolistaschrieb: „Mit dem Mädels von gestern habe ich genau wieder die Assoziation zur bereits mehrfach angesprochenen U-WM in Trinidad/Tobago – Chancen über Chancen, einzigartiges Torekonto, aber im VF ausscheiden gegen Nordkorea mit ´ner sehr, sehr dürftigen 1:0-Niederlage.
    Geändert hat sich seitdem für mich nichts, was die Hoffnung auf Änderung nähren könnte!“

    Mal davon abgesehen davon, dass der letzte Satz ziemlich bescheuert ist, haben wir doch gesehen, was aus den Spielerinnen dieser U-17 WM Mannschaft werden kann. Wensing, Cramer, Schmid, Lotzen allesamt Leistungsträgerinnen bei der siegreichen U-19 Mannschaft. Abt und Demann waren ebenfalls im U-19 Kader und Malinowski wäre ohne Verletzung auch dabeigewesen.

    Und du willst uns weismachen, dass in Trinidad&Tobago quasi Versagermädels für uns gespielt haben. :rolleyes:

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @Lusankya

    Die Mädels sind genauso „Versager“ wie Deine bescheuerten Kommentare ungeschönte Kritik beinhalten!
    Wensing lasse ich als Einzige aus Deiner kurzen Aufzählung gelten, alle anderen blieben den Nachweis genauso schuldig, inkl. Chojnowski, Petermann und Malinowski. Letztere hat doch gerade in T/T den Gomez abgegeben und die größten Chancen en masse versemmelt, wie auch Lotzen, Petermann und Co.!
    Und das es mit ihr gestern anders gelaufen wäre, ist sowas von fiktiv…

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  • Emmi sagt:

    Schenschtschina Futbolista wen interessiert es denn in 10 Jahren ob die Spielerinnen mit der U-17 Europameister oder Dritter wurden?

    Wichtig ist doch, dass sie Erfahrungen sammeln, sich an das hohe Niveau gewöhnen und vor allem merken was es alles bedarf um vorne mitspielen zu können. Fehler sind doch in dem Alter komplett normal!! Wichtig ist, dass sich diese Fehler die nächsten Jahre minimieren…

    Ich wette du wärst halbwegs versöhnlicher gestimmt, wenn ein paar mehr Potsdamer dabei gewesen wären 😉 Aber dafür können die Mädels, die nominiert wurden nichts. Sie haben ein tolles Turnier gespielt und sind erst im Elfmeterschießen gestopt worden. Man sollte stolz auf das junge Team sein ( auch wenn ihnen Fehler unterlaufen sind) …

    Wäre doch viel schlimmer, wenn die Jugendmannschaften alles hoch gewinnen würden und dann trotzdem keiner den Sprung in die A-Mannschaft schaft, weil die Leistungsdichte nicht ausreicht und sich Spielerinnen in anderen Ländern erst später zu einer Topspielerin entwickeln!

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  • FFFan sagt:

    @ Lusankya:
    Stimmt, sie hatten diese beiden Trainingsspiele. Das ist besser als nichts und als unmittelbare Turniervorbereitung sicherlich nicht schlecht.
    Gut wäre aber gewesen, schon im Februar/März mal gegen starke Nationalteams (USA?) zu spielen, um auch mal neue Spielerinnen unter Wettkampfbedingungen testen zu können.
    Zweistellige Siege gegen inferiore Gegner in einer ersten Quali-Runde bringen dagegen keinen großen Nutzen oder Erkenntnisgewinn. Insofern ist es kein Nachteil, dass die deutsche U17 davon derzeit befreit ist.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @Emmi
    Sicher wäre es nicht nur schöner, sondern regelrecht angebrachter gewesen, wenn die eine o. andere U17 von TP in der Natio spielen würde. Allerdings ist das mitnichten der Grund für meine kritische Positionierung explizit zum HF-Spiel vom vergangenen Donnerstag.
    Ich bin auch genauso der Ansicht, dass die einzige Turbine (Liesa Seifert) nach meinem Dafürhalten keine Berechtigung mitbringt, in diesem Team mitzuwirken, da gibt es nach meinem Erkenntnisstand fähigere, die aber, weshalb auch immer, nicht nominiert wurden.

    Und das in 10 Jahren keiner mehr nach den sportlichen Erfolgen fragt, halte ich für falsch! Zumindest die betreffenden Spielerinnen inkl. deren Umfeld, und natürlich einige Eingefleischte, werden sich sehr wohl an diese Titel besinnen!

    Trotzallem werde in das Gefühl nicht los, dass meine Kritik falsch interpretiert wird, wenn ich in den Fokus stelle, das der Trend der letzten Jahre, überlegen gestalteltete Spiele mit besonderer Bedeutung zunehmend in den Sand zu setzen, nicht nur am Aufholen der anderen Nationen festzumachen geht. Wieso ist man augenscheinlich nicht in der Lage, der U17 diese hektische Spielweise mit der hohen Unkonzentriertheit beim Torabschluss abzustellen. Da „stürmen“ recht häufig 2 unserer Mädels auf die ballführende Gegnerin, behindern sich gegenseitig dabei und der Ballbesitz bleibt beim Gegner – mehrfach im diskutierten Spiel beobachtet und mitgeschnittet.
    Wenn die geschilderten Unzulänglichkeiten dem Alter geschuldet sein sollen, warum sind es dann ausgerechnet unsere Mädels, die das „übertreiben“?

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  • jochen-or sagt:

    @uwe

    Klar kann man bei Jugendmannschaften keine Kontinuität erwarten, zumal sich ja die Zusammensetzung nicht nur von Jahr zu Jahr, sondern auch von Turnier zu Turnier ( wie dieses Jahr bei den männlichen U-17ern) ändert. Ein jetzt überragender Yesil z.B. – oder für SF Weiser – wird womöglich später für den Spitzenfußball zu langsam sein.
    Bei diesen Mannschaften schaut man eigentlich weniger auf die Erfolge, denn daran erinnert sich kaum jemand, zumal es ja jedes Jahr in allen Altersklassen irgendwelche Europa- oder Weltmeistermeisterschaften gibt. Zumindest geht es mir so, dass ich nach Talenten schaue, die dann später mal auch in der Natio oder bei Spitzenklubs auftauchen könnten.
    So betrachtet fand ich am Donnerstag die U-17 nicht besonders interessant. Aber wie Du sagst: Die können bei der WM – so sie sich qualifizieren – wieder ganz anders aussehen.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Die angesprochene mangelnde Kontinuität bei Jugendmannschaften sieht bei Spanien zumindest so aus, dass sie zum 3. Mal in Folge im U17-EM-Finale stehen…
    Unsere Mädels sind im Vorjahr an Irland genauso wie dieses Jahr an Frankreich gescheitert, wobei beide Spiele bei der Überlegenheit und Anzahl 100%iger Torgelegenheiten niemals hätte verlorengehen dürfen.
    Fazit:The same prodecure every year!

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  • Therese sagt:

    14:00 Island U17 – Deutschland U17 (HZ 0-5)
    0-1 Dabritz
    0-2 Magull
    0-3 Jager
    0-4 Jager
    0-5 Magull

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  • jochen-or sagt:

    8 : 2

    Na, ja, es ist eben Jugendfußball!

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  • Therese sagt:

    14:00 Island U17 – Deutschland U17 (HZ 0-5) 2-8FT
    0-1 Dabritz
    0-2 Magull
    0-3 Jager
    0-4 Jager
    0-5 Magull
    0-6 Magull
    1-6 Thrastadottir
    1-7 Jager
    1-8 Leupolz
    2-8 Ludviksdottir

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  • Johnny Mo sagt:

    …was mich da schockiert, ist die Tatsache, wie die Isländerinnen 2 Tore schiessen können – nach der Leistung im Halbfinale ist das schwer vorstellbar.

    So gesehen dachte ich nach dem Halbzeitstand wirklich noch, dass es einfach auch viel „Pech“ war, nicht ins Finale gekommen zu sein, aber mittlerweile sollte man doch den Hut vor dieser beeindruckenden Leistung ziehen, gegen die Frauenfussball-Grossmacht Island das Spiel so klar entscheiden zu können.

    Es wird für die meisten dieser Spielerinnen sicherlich (und hoffentlich) der grösste Erfolg ihrer Karriere sein. Herzlichen Glückwunsch zum 3. Platz bei der U17 EM!

    Da kann man nur hoffen, dass Birgit Prinz,Ariane Hingst und Co. doch noch 4-5 Jahre spielen, um diese Generation nicht im A-Nationalteam zu sehen. Erinnert mich frappierend an die 90er im Männerfussball – eine Generation, für die es sich zu schämen lohnte…

    Wer Ironie im 2. Abschnitt findet, darf sie behalten, aber mir ging dieses „freut euch doch über die tollen Erfolge“ einiger User so dermassen auf den Keks…

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  • Markus Juchem sagt:

    Bitte die nächsten Kommentare zum Spiel um Platz 3 im entsprechenden Beitrag posten:

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