WM-Aus für Deutschland

Von am 9. Juli 2011 – 23.23 Uhr 105 Kommentare

Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft ist sensationell im Viertelfinale der Weltmeisterschaft ausgeschieden. Die DFB-Elf unterlag den Japanerinnen nach Verlängerung.

Den Treffer des Tages bei der 0:1 (0:0, 0:0)-Niederlage vor 26 067 Zuschauern in Wolfsburg erzielte die eingewechselte Karina Maruyama in der 108. Minute.

Bundestrainerin Silvia Neid nahm gegenüber dem 4:2-Sieg gegen Frankreich drei Änderungen vor: Linda Bresonik kehrte für Bianca Schmidt zurück in die Startelf genauso wie Kim Kulig für Lena Goeßling, Melanie Behringer ersetzte Fatmire Bajramaj. Japans Trainer Norio Sasaki vertraute auf dieselbe Elf, die gegen England zum Abschluss der Gruppenphase mit 0:2 den Kürzeren gezogen hatte.

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Frühe Kulig-Verletzung
Das deutsche Team begann schwungvoll, eine Behringer-Ecke nahm Kulig per Kopf, doch sie verletzte sich im Zweikampf mit ihrer zukünftigen Teamkollegin Saki Kumagai und musste mit einer Verletzung am rechten Knie früh vom Feld, es besteht Verdacht auf einen Kreuzbandriss (8.). Für sie kam Bianca Schmidt in die Partie, die auf die Bresonik-Position auf der rechten Außenbahn rutschte, Bresonik übernahm die Kulig-Position neben Simone Laudehr auf der Doppel-Sechs.

Druckvolle Anfangsviertelstunde
Die DFB-Auswahl ließ sich nicht verunsichern und machte Druck, eine Hereingabe von Kerstin Garefrekes klärte Yukari Kinga vor der einschlussbereiten Inka Grings (10.). Deutschland war am Drücker, Kumagai klärte kurze Zeit später einen Behringer-Freistoß knapp vor der Linie (12.). Célia Okoyino da Mbabi hatte die nächste Chance, nachdem Babett Peter den Ball vom linken Flügel in den Strafraum geschlagen hatte, doch sie konnte den Ball nicht unter Kontrolle bringen (14.).

Japan tastet sich vor
Japan versuchte sich nun ebenfalls erste Chancen herauszuarbeiten, Aya Sameshima probierte es mit einem Distanzschuss, doch Nadine Angerer hielt sicher (15.). Da Mbabis Schuss geriet zu unplatziert, Garefrekes konnten einen Behringer-Freistoß nicht unter Kontrolle bringen (23.). Die Japanerinnen gestalteten die Partie nun immer ausgeglichener, in deutschen Spiel riss mehr und mehr der Faden. Ein Fehler von Saskia Bartusiak ermöglichte Yuki Nagasato die beste japanische Chance, doch die Stürmerin vom 1. FFC Turbine Potsdam verzog ihren Schuss (30.).

Deutsches Spiel erlahmt
Deutschland hielt dagegen, ein Behringer-Schuss von der Strafraumgrenze ging knapp am Pfosten vorbei (31.). Auch Da Mbabi ließ Augenblicke später eine gute Chance aus, als ihr der Ball vom Fuß sprang. Deutschland verstand es nicht, Löcher in die Abwehr zu reißen und versuchte es zu oft durch die Mitte, Grings vergab in der Schlussminute die letzte Chance einer am Ende enttäuschenden deutschen Halbzeit (45.).

DFB-Elf drückt, aber trifft nicht
Sasaki wechselte zur zweiten Halbzeit überraschend Nagasato aus und brachte Karina Maruyama. Grings hatte mit einem Kopfball nach Flanke Garefrekes die erste Chance (48.). Laudehr köpfte eine Behringer-Flanke Richtung Tor, doch Kinga konnte vor der Linie klären (56.). Deutschland war nun wieder dominanter, doch der erlösende Treffer wollte nicht fallen. Behringer ließ nach Vorarbeit von Garefrekes mit einem 14-Meter-Schuss die Riesenchance zur Führung aus (77.).  Auch Japan kam zu Chancen, Miayamas Schuss von der Strafraumgrenze ging aber übers Tor (81.).

Der Ball will nicht rein
Peter versuchte es nach Ecke mit einem 20-Meter-Schuss, doch der ging übers Tor (89.) und auch Garefrekes scheiterte in der Nachspielzeit, so dass es in die Verlängerung ging. Grings hatte in der 101. Minute die beste Chance der DFB-Elf, doch sie verzog ihren Schuss (101.)

Maruyama trifft Deutschland ins Mark
Und die mangelnde Chancenverwertung sollte sich rächen, denn ausgerechnet die für Nagasato eingewechselte Maruyama überwand Nadine Angerer in der 108. Minute aus schrägem Winkel ins lange Eck nach feinem Pass von Homare Sawa und versetzte das DFB-Team und die Zuschauer in einen Schockzustand.

Die DFB-Elf versuchte bis zum Schluss noch einmal alles, doch der Ausgleich wollte nicht gelingen. Es war die erste WM-Niederlage der DFB-Elf seit zwölf Jahren und zugleich das schlechteste Abschneiden seit der Weltmeisterschaft 1999 in den USA. Damals gab es im Viertelfinale eine 2:3-Niederlage gegen den Gastgeber.

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

105 Kommentare »

  • Schlafwagenfussball sagt:

    Gebe nike75 recht.
    Zu Birgit Prinz muss man noch sagen, dass sie -wie schon richtig angemerkt- zwar nicht in Form war und nicht mehr die Schnelligkeit hat, dass aber immer noch allein das Auftreten von Birgit Prinz Nervosität pur in der gegnerischen Abwehr bedeutet. Ganz egal, wie die Prinz in Form ist. Jeder weiß: wenn die zwei Jahre nix trifft, braucht sie nur einen guten Augenblick und das Ding ist im Tor. Birgit Prinz bindet Abwehrspielerinnen und das schafft den entscheidenden Freiraum für die anderen Stürmer. Außerdem ist sie robust und kann enorm gut den Ball behaupten und hat SchußKRAFT. Grinks und vor allem da Mbabi haben die nicht- die müssen schon tief im Sechzehner sein, damit der Ball reingeht (ich weiß ich übertreibe…Grinks ist eine Super Stürmerin die aber ganz anders eingebunden werden muss). Prinz ist eine charakterstarke authentische Mannschaftspielerin. Das zeigt ihre Reaktion nach dem Nigeriaspiel und ihr Auftreten dann bei der PK. Das ist eine Stärke, die nachher den Unterschied macht. Natürlich ist ihre beste Zeit vorbei, aber sie ist immer noch gut. Dazu kommt, dass der deutsche Sturm total auf Prinz ausgelegt war und nur so einsilbig funktionierte. Nehme ich Prinz raus habe ich ein ganz anderes Spiel im Sturm. Und da Alex Popp –die mal eine ganz Große wird-nie an diese Rolle herangeführt wurde, wäre sie vermutlich unter Druck nicht damit klar gekommen. Nachdem Neid Prinz und damit die Kapitänin plötzlich ausgemustert hat, war im Turnier kein funktionierender Sturm mehr vorhanden und plötzlich ein nicht zu unterschätzendes Führungsproblem in der Mannschaft. Die Frankreichvariante hat doch nicht wirklich funktioniert- es gab eine gute Aktion: das 2:0 durch Laudehr vorbereitet. Grinks und da Mbabi haben nicht effektiv harmoniert. Und die sympathische da Mbabi hätte man gegn Japan schützen müssen, das war ja so schlecht, dass man die Nominierung nicht nachvollziehen konnte… Statt dessen hat sie jetzt eine Negativerfahrung, die sie in ihrer Entwicklung eher hemmen kann.
    Wenn man das alles zusammenfasst, was da am Samstag so schonungslos offengelegt wurde, kann man schon sagen, dass wir uns mit einem Paukenschlag von der Weltspitze des Frauenfußballs verabschiedet haben.

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  • nike75 sagt:

    Was mir vor allem partout nicht in den Kopf will, ist, warum man in der gesamten Vorbereitung Prinz als hängende Spitze mit Kontakt zum Mittelfeld aufstellt, nur um sie dann bei Turnierbeginn in die vordere Sturmspitze zu stellen.

    Kann mir das bitte mal irgendwer erklären?

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  • fisch sagt:

    Die Hauptverantwortung(schuld) an diesem vorher undenkbaren Desaster trägt die Trainerin, Frau Neid. Dann kommt gleich der DFB mit dem lieben Onkel Zwanziger. Das fing bei der völlig unnötigen langen Vorbereitungszeit an, ging beim nominierten 21-er Kader mit einigen fragwürdig Gesetzten weiter und erreichte einen ersten Höhepunkt mit der völlig unnötigen, vorzeitigen Vertrags-verlängerung mit Frau Neid, die sich mit einer vorgetäuschten Aufhörankündigung nach der WM sich Narrenfreiheit bis 2016 mit angeblich 700.000 €/a ergaunern konnte. Hatte sie schon vorher die DFB-Spitze mit ihrer Forderung der angeblich notwendigen 3-monatigen Vorbereitung auf Kosten der FF-Buli und der Turbine-CL-Vorbereitung im Griff, kannten nun ihre Ignoranz und Arroganz überhaupt keine Grenze mehr. Selbstkritische Wahrnehmungen der z.T. grotten-schlechten Vorstellungen ihres Dreamteams und wirkungsvolle Reaktionen darauf waren ihr nicht mehr möglich. Die PK nach der Japanniederlage ist ganz bezeichnend dafür. Nichts war von persön-licher Verantwortung zu hören – die, nicht ihre, Mannschaft allein war schuld am Spiel und der Niederlage. Jeder halbwegs seriöse Verantwortungsträger nimmt nach solch dramatischen Pleite (WM-Aus und Olympia-Aus)seinem Hut. In Clubs werden dann solche Trainer durch die Vorstände entlassen, bei der Frankfurter DFB-Connection aber garnicht. Ich muss jetzt aufhören, mir ist einfach nur schlecht.

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  • Schlafwagenfussball sagt:

    @nike75

    …ganz einfach: Silv hatte aus Versehen bei der Mannschaftsbesprechung den Notiz-Block von 2007 eingepackt…:-)

    kann man nicht erklären. Eine wirklich gute Beobachtung.

    Krass finde ich, dass man seit 2009 nicht die Niederlagen eingehend analysiert und daraus Schlüsse gezogen hat. Was da Neid an zum Teil katastrophalen Leistungen abgeliefert hat, zeigt sich jetzt.
    Zum Beispiel die drei Niederlagen gegen die USA. Die sind seit langem nicht wirklich gut drauf (auch hier nicht, die leben von ihrem Siegeswillen) und schlagen uns trotzdem ganz entspannt im Mai 2010 mit 4:0 in Cleveland. Häh- erinnert sich da noch jemand dran?
    Sorry- falsches Thema.
    Birgit ist die beste Spielerin im Frauenfußball, die wir je hatten. Dafür gebührt ihr dieselbe Achtung die wir Uwe Seeler, Gerd Müller, Karl Heinz Rummenigge oder Rudi Völler geben. Kein Trainer dieser Spieler ist je so mit diesen Persönlichkeiten umgegangen, wie Neid mit Prinz. Das ist der Unterschied

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  • nike75 sagt:

    „…ganz einfach: Silv hatte aus Versehen bei der Mannschaftsbesprechung den Notiz-Block von 2007 eingepackt…:-)“

    Hehe – der war gut. Und auch da hieß es das eine oder andere Mal – Ball nach vorn, Birgit macht ihn schon irgendwie rein.

    Ich bin wirklich gespannt, was jetzt in der Mannschaft passiert. Es heißt zwar, es gibt keinen großen Umbruch, aber sie letzten Führungsspieler gehen (Birgit und Ariane) und außer Simone Laudehr sehe ich da ehrlich gesagt niemanden, der in die Fussstapfen treten kann.

    Ich wünsche mir noch ein Abschiedsspiel für Birgit und Ariane, würde gern „Danke“ sagen. Und du hast Recht, Birgit Prinz ist die beste Fussballerin, die wir je hatten, sie überragt für mich auch Marta, weil sie Fussball immer als Teamsport und nicht als Bühne begriffen hat.

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